Ein ganzes halbes Jahr

Ein ganzes halbes Jahr

Ein ganzes halbes Jahr

Ein ganzes halbes Jahr – Originaltitel: Me Before You – Regie: Thea Sharrock – Drehbuch: Jojo Moyes nach ihrem Roman "Ein ganzes halbes Jahr" – Kamera: Remi Adefarasin – Schnitt: John Wilson – Musik: Craig Armstrong – Darsteller: Emilia Clarke, Sam Claflin, Janet McTeer, Charles Dance, Brendan Coyle, Samantha Spiro, Jenna Coleman, Matthew Lewis, Ben Lloyd-Hughes, Vanessa Kirby, Steve Peacocke u.a. – 2016; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Louisa Clark, die 26-jährige Tochter eines Arbeitslosen, wird von den reichen, kulti­vier­ten Eltern eines fünf Jahre älteren querschnittgelähmten Mannes als Gesell­schaf­te­rin eingestellt. Will Traynor, der früher ein erfolgreicher Unternehmer war und viel Sport betrieb, ist verbittert und nutzt jede Gelegenheit, Louisa zu brüs­kie­ren. Sie erträgt es nur, weil sie und ihre Familie das Geld benötigen. Durch Zufall erfährt sie, dass Will sterben möchte und die Eltern ihm ein halbes Jahr Bedenkzeit abgerungen haben ...
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Kritik

"Ein ganzes halbes Jahr" – die Verfilmung eines Romans von Jojo Moyes durch Thea Sharrock – ist die Geschichte von zwei Menschen, die sich gegenseitig helfen. Im Zentrum steht das – allerdings nur ober­fläch­lich behandelte – Thema Sterbehilfe.
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Louisa Clark (Emilia Clarke) hätte zwar einen Studienplatz in Manchester bekommen, zog es jedoch vor, in ihrem Heimatort Pembroke und bei ihrer Familie zu bleiben. Sechs Jahre lang arbeitete sie als Bedienung in einem kleinen Café. Als dieses nun geschlossen wird, muss sich die 26-Jährige eine neue Stelle suchen, denn der Vater ist arbeitslos, und die Familie – zu der außer Louisa und ihren Eltern Bernard und Josie (Brendan Coyle, Samantha Spiro) der Großvater (Alan Breck) und Louisas Schwester Katrina („Treena“; Jenna Coleman) mit ihrem kleinen Sohn Tom gehören – ist auf das Einkommen angewiesen.

Das Arbeitsamt vermittelt Louisa eine Stelle als Gesellschafterin eines seit einem Verkehrsunfall querschnittgelähmten 31-jährigen Mannes. William („Will“) Traynor (Sam Claflin), so heißt er, lebt mit seinen Eltern Camilla und Steven (Janet McTeer, Charles Dance) auf einem zu Pembroke Castle gehörenden Anwesen. Will war ein erfolgreicher Unternehmer und wagemutiger Sportler, bis er beim unachtsamen Überqueren einer Straße von einem Motorradfahrer erfasst wurde. Nathan (Steve Peacocke), ein professioneller Pfleger, schaut jeden Tag nach Will. Keine der bisherigen Gesellschafterinnen ertrug den schlecht gelaunten Zyniker im Rollstuhl länger als ein paar Tage. Nun soll es Louisa versuchen.

Der Sohn einer kultivierten Familie und die naive Arbeitertochter könnten kaum unterschiedlicher sein. Will brüskiert Louisa bei jeder Gelegenheit, und sie gibt nur nicht auf, weil die Familie das Geld benötigt. Allmählich finden die beiden sich jedoch zunehmend interessant.

Durch ein zufällig belauschtes Gespräch von Camilla und Steven Traynor erfährt Louisa, was Wills Eltern von ihr erwarten: Als Will von ihnen Sterbehilfe erbat, einigten sie sich darauf, die Entscheidung ein halbes Jahr aufzuschieben. Nun hoffen sie, dass die Gesellschafterin ihn ablenken kann und er es sich anders überlegt.

Louisa macht es sich zur Aufgabe, dem Gelähmten die Freude am Leben zurückzugeben. Sie überredet ihn, mit ihr ein Pferderennen zu besuchen, lädt ihn zu ihrer Geburtstagsfeier im Familienkreis ein und besorgt Karten für ein Konzert. Als Will merkt, wie ergriffen die Arbeitertochter von Wolfgang Amadeus Mozarts Musik ist, nimmt er sich vor, sie behutsam zu bilden.

Stephen Traynor erfährt von seinem Sohn, dass Louisas Vater arbeitslos ist. Daraufhin stellt er ihn als Burg-Verwalter ein.

Eines Tages empfängt Will einen Besucher namens Michael Lawler (Stephen Chance) und spricht unter vier Augen mit ihm. Louisa googelt den Namen und findet heraus, dass es sich bei Michael Lawler um einen Rechtsanwalt handelt, der auf Nachlass-Angelegenheiten spezialisiert ist. Erschrocken unterrichtet sie Camilla Traynor darüber. Offenbar hält Will an seinem Wunsch fest: Obwohl er durch das Zusammensein mit Louisa wieder heiter geworden ist, will er sterben.

Er geht mit ihr sogar zur Hochzeitsfeier von Alicia Annabell Dewares (Vanessa Kirby) und Rupert Christopher Collins (Ben Lloyd-Hughes), die vor dem Unfall seine feste Freundin bzw. sein bester Freund waren. Ausgelassen setzt Louisa sich auf seinen Schoß, und sie drehen sich mit dem Rollstuhl unter den Tanzenden. Die Nacht verbringen die beiden miteinander in einem Hotel.

Aber die Anstrengung war zu viel für Will: Er wird mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus gebracht.

Louisa überredet schließlich Nathan, sie und Will auf einer Ferienreise zu begleiten. Der Sportler Patrick (Matthew Lewis), mit dem sie seit sieben Jahren liiert ist, reagiert enttäuscht auf die Mitteilung, dass sie ihn nicht nach Norwegen begleiten werde. Als er erfährt, dass das Reiseziel nicht Lourdes oder ein anderer Wallfahrtsort ist, wie er zunächst annahm, sondern Mauritius, stürmt er eifersüchtig davon.


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Will, Louisa und Nathan fliegen im Privatjet nach Mauritius und wohnen dort in einem Luxushotel am Strand. Auf Betreiben Wills absolviert Louisa einen Tauchlehrgang – und ist begeistert. Während Nathan mit Karen (Lily Travers) zusammen ist, einer Urlaubsbekanntschaft, verbringen auch Will und Louisa die Nacht miteinander. Obwohl sie sich lieben, hält Will an seinem Entschluss fest. Der Gedanke, den Rest seines Lebens im Rollstuhl zu verbringen, ist für ihn unerträglich, und weil er Louisa liebt, möchte er nicht, dass sie an ihn gefesselt wird. Er bittet sie, ihn und seine Eltern zur Sterbehilfe-Organisation in der Schweiz zu begleiten.

Louisa ist tief enttäuscht. Sie fühlt sich als Versagerin. Unmittelbar nach der Ankunft auf dem britischen Flughafen erklärt sie Camilla Traynor, dass sie nicht wiederkommen werde und auch keine Bezahlung für die bisherige Tätigkeit erwarte. Dann rennt sie davon und steigt in einen Bus. Camilla begreift aufgrund von Louisas Verhalten schlagartig, dass ihre Hoffnungen sich nicht erfüllen werden.

Erst nachdem die Familie Traynor bereits abgereist ist, überwindet Louisa sich und will nun doch in den letzten Stunden bei Will sein. Ihre Schwester fährt sie in die Schweiz.

Nach Wills Tod reist Louisa nach Paris, so wie er es ihr geraten hat. Dort liest sie seinen Abschiedsbrief und erfährt, dass er ein Konto für sie eingerichtet hat und ihr der Rechtsanwalt Michael Lawler die Einzelheiten erläutern wird. Das Geld sei für ihren Neuanfang gedacht, schrieb er.

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Als Vorlage für ihren ersten Kinofilm wählte die britische Theaterregisseurin Thea Sharrock den 2012 veröffentlichten Roman „Me Before You“ / „Ein ganzes halbes Jahr“ von Jojo Moyes, die nun auch das Drehbuch schrieb.

Es ist die Geschichte von zwei grundverschiedenen Menschen, die sich gegenseitig helfen und verändern. Wenn Will der Arbeitertochter Louisa etwas von der kultivierten Welt zeigt, erinnert das ein wenig an Prof. Henry Higgins und das Blumenmädchen Eliza Doolittle in „Pygmalion“. „Ein ganzes halbes Jahr“ dreht sich auch und vor allem um das Thema Sterbehilfe. Allerdings vermeiden Thea Sharrock und Jojo Moyes alles Hässliche und bleiben an der Oberfläche. Das wird vor allem von Betroffenen heftig kritisiert.

Die Dreharbeiten für „Ein ganzes halbes Jahr“ fanden von April bis Juni 2015 statt, in Pembroke (Pembroke Castle), Sandown Park/Surrey (Pferderennbahn), Chenies/Buckinghamshire (Hochzeitsfeier im Chenies Manor House) und in Puerto de Pollensa auf Mallorca (Barceló Formentor Hotel als Kulisse eines Hotels auf Mauritius).

Karolina Fell übersetzte den Roman „Me Before You“ von Jojo Moyes ins Deutsche: „Ein ganzes halbes Jahr“ (Rowohlt Verlag, Reinbek 2013).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2017

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