Baby

Baby

Baby

Originaltitel: Baby - Regie: Philipp Stölzl - Drehbuch: David Hamblyn und Wolfgang Kohlhaase - Kamera: Michael Mieke - Schnitt: Sven Budelmann - Musik: Ingo Ludwig Frenzel - Darsteller: Alice Dwyer, Lars Rudolph, Filip Peeters, Christian Grashoff, Hamid Bundu, Irina Platon, Mischa Hulshof, Fedja van Huêt, Marc Prätsch, Ila Schöppe, Frieda Pittoors, Marisa van Eyle, Armin Dellapiccola, Lorenz Claussen, Leslie de Gruijter, Arzu Bazman u.a. -  Minuten

Inhaltsangabe

Die Ehefrauen der Freunde Frank und Paul kamen vor neun Jahren bei einem Verkehrsunfall ums Leben. In einem gemeinsamen Haushalt sorgen die beiden Männer für Franks inzwischen 15-jährige Tochter Lilli. Als das Mädchen schwanger ist, erschießt Frank im Jähzorn einen jungen Schwarzen, den er für den Vater hält. Während er im Gefängnis sitzt, flieht Paul, der sich von Lilli verführen ließ, mit der Schwangeren nach Holland ...
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Kritik

"Baby" ist eine gegen den Strich gebürstete, tragikomische Verliererballade mit ambivalenten Figuren, die von Lars Rudolph, Filip Peters und Alice Dwyer sensibel gespielt werden.
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Die beiden Freunde Frank (Filip Peeters) und Paul (Lars Rudolph) verbringen ihren Urlaub mit ihren Frauen Julia und Elisabeth (Catherine H. Flemming, Barbara Philipp) sowie Franks kleiner Tochter Lilli an einem niederländischen Strand. Während Frank es gerade im Zelt mit Pauls Frau treibt, kommen Paul und Franks Frau mit einem Eis für Lilli von einem Verkaufsstand zurück und hätten die beiden Ehebrecher beinahe in flagranti ertappt. Von dem Kind sehen sie nur noch die rote Luftmatratze in den Wellen treiben. Es gelingt den Männern, das Mädchen an den Strand zu holen und durch Mund-zu-Mund-Beatmung wiederzubeleben. Aufgeregt wollen sie alle zusammen mit Lilli ins Krankenhaus fahren, aber bei einem Wendemanöver wird ihr Auto von einem Lastwagen erfasst. Während Frank und Paul nahezu unverletzt aus dem Wrack klettern und Lilli im Arm halten, kommen die zwei Frauen in den Flammen um.

Neun Jahre später. Lilli (Alice Dwyer) ist inzwischen fünfzehn. Sie lebt mit Paul und ihrem Vater in einer Wohnung irgendwo in einer deutschen Stadt. Die Männer verdienen den Lebensunterhalt für sich und die Schülerin in einem Nachtklub. Als ein Gast eine der Animierdamen beleidigt, werfen sie ihn hinaus und schlagen ihn zusammen. Daraufhin werden sie selbst fristlos entlassen, denn bei dem Verprügelten handelt es sich um Kriminalkommissar Stiefel (Christian Grashoff), den der Besitzer des Nachtklubs nicht zum Feind haben möchte. Um an das erforderliche Geld für eine eigene Gaststätte zu kommen, rauben Frank und Paul eines sonntags einen Elektronik-Discounter aus. Dabei werden sie von einem Wachmann ertappt; in dem Gerangel löst sich versehentlich ein Schuss aus der Pistole des Wachmanns, der auf der Stelle tot ist. Weil auf der in einer Blutlache liegenden Waffe Pauls Fingerabdrücke sind, nehmen sie die Pistole mit und türmen mit ihrem Kleinlaster. Die gestohlenen Geräte stapeln sie erst einmal in ihrer Garage.

Während des Raubzugs von Frank und Paul hat Lilli durch Zufall den Schwarzen Tommy (Hamid Bundu) kennen gelernt, der in einem Imbiss arbeitet. Als sie ihn zum Abendessen mitbringt, explodiert Frank unvermittelt vor Rassenhass und wirft Tommy hinaus. Lilli läuft weinend in ihr Zimmer. Um sich zu beruhigen, fährt Frank zu einer Geliebten. Paul soll auf Lilli aufpassen. Er holt sich eine Flasche Schnaps und setzt sich damit ins Wohnzimmer. Nach einer Weile kommt Lilli aus ihrem Zimmer, überredet Paul, einen Pornofilm einzulegen und fragt ihn, ob er noch nicht gemerkt habe, dass sie kein Kind mehr sei. Um es zu beweisen – und vielleicht auch aus Wut über das Verhalten ihres Vaters –, verführt sie den unbeholfenen Paul.

Als Frank einige Zeit später im Müll auf die Verpackung eines Schwangerschaftstests stößt, stellt er Lilli zur Rede. Sie ist schwanger, will aber nicht sagen, von wem. Ohne lang nachzudenken, fährt Frank mit Paul zu dem Imbiss, in dem Tommy arbeitet – und erschießt den Jungen im Jähzorn. Erschrocken rennt Paul ins Freie. Im nächsten Augenblick betritt Kriminalkommissar Stiefel den Imbiss, weil er Appetit auf Fritten hat. Als er die Leiche am Boden liegen sieht, nimmt er Frank fest.

Weil der Wachmann in dem Elektronik-Discounter mit derselben Pistole erschossen wurde wie Tommy und die Polizei in Franks Garage die gestohlenen Geräte findet, wird Frank wegen Doppelmordes zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt.

Paul floh sofort nach Tommys Ermordung mit Lilli in einem von der mit ihm befreundeten Animierdame Lana (Irina Platon) geliehenen Auto nach Holland. Er beabsichtigt, das Mädchen nach Amsterdam zu bringen und eine Abtreibung vornehmen zu lassen, aber die Fünfzehnjährige will das Kind haben. Schließlich gibt Paul sich geschlagen und quartiert sich mit ihr in einem Wohnwagen auf einem Campingplatz ein, unweit von der Stelle, an der Lilli damals beinahe ertrunken wäre. Sobald die Saison anfängt, arbeitet Paul als Tellerwäscher, um die Miete für den Wohnwagen bezahlen zu können.

Von Stiefel weiß Frank, dass Paul und Lilli unmittelbar nach dem Mord im Imbiss verschwunden sind. Er macht sich Sorgen um seine Tochter und hält die Ungewissheit nicht lang aus. Bewusst provoziert er im Duschraum des Gefängnisses eine Schlägerei. Im Krankenwagen überwältigt er während der Fahrt den Sanitäter und flieht. Er sucht Lana auf und fragt sie nach Lilli und Paul. Lana sagt nichts, aber ihre Kollegin verrät ihm, dass Paul einmal aus Holland angerufen habe. Da ahnt Frank sofort, wo er ihn finden kann.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Eine Woche vor dem errechneten Tag für die Geburt von Lillis Kind taucht Frank bei ihr und Paul am Wohnwagen auf. Paul gibt zu, der Vater des Kindes zu sein. Frank treibt ihn in die Wellen, prügelt auf ihn ein und droht, ihn zu erschießen – aber als Johann (Mischa Hulshof), der Neffe der Campingplatz-Besitzerin, am Strand auftaucht, lässt Frank von Paul ab.

Am Abend sitzen sie alle zusammen beim Essen im Wohnwagen. Frank kennt zwei Adressen in Südamerika und träumt davon, dort mit Paul, Lilli und dem Baby ein neues Leben zu beginnen. Doch unvermittelt faucht Lilli ihren Vater an: „Verpiss dich aus unserem Leben!“ – Am nächsten Morgen lässt Frank sich von Paul Geld und die Schlüssel für Lanas Auto geben. In diesem Augenblick setzen bei Lilli die Wehen ein. Sie muss sofort ins Krankenhaus. Obwohl Frank in der Nacht zu viel getrunken hat, steuert er den Wagen. Wegen überhöhter Geschwindigkeit werden sie von einer Motorradstreife (Fedja van Huêt) angehalten, und bei der Überprüfung stellt der Polizist fest, dass der Wagen in Deutschland als gestohlen gemeldet ist. Dass sich auf der Rücksitzbank ein Mädchen vor Schmerzen krümmt, lässt ihn unbeeindruckt, und er geht auch nicht auf Frank ein, der ihm zu erklären versucht, dass seine Tochter so rasch wie möglich ins Krankenhaus muss. Da gibt Frank plötzlich Gas. Als sie hinter sich Polizeisirenen hören, biegt Frank von der Straße ab und bringt den Wagen in einer Wiese zum Stehen. Die Geburt setzt ein. Während die beiden Männer Lilli stützen, wirft Frank Paul vor, sich an seiner Tochter vergangen zu haben, und Paul beschwert sich darüber, dass Frank vor neun Jahren mit seiner Frau geschlafen habe. Als das Baby abgenabelt ist, sinken Lilli, Frank und Paul erschöpft ins Gras.

Kommissar Stiefel taucht mit einem niederländischen Polizeikommando auf. Frank und Paul werden festgenommen. Lilli bleibt mit ihrem Baby allein zurück und schaut hinaus aufs Meer, unweit der Stelle, an der sie vor neun Jahren beinahe ertrunken wäre.

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Nach einem von Wolfgang Kohlhaase überarbeiteten Drehbuch von David Hamblyn drehte Philipp Stölzl seinen ersten Kinofilm: „Baby“. Es handelt sich um eine gegen den Strich gebürstete, tragikomische Verliererballade mit ambivalenten Figuren, die von Lars Rudolph, Filip Peters und der bei den Dreharbeiten erst dreizehn Jahre alten Alice Dwyer sensibel gespielt werden: Frank, der seine Tochter liebt und alles für sie tut, bei dem jedoch ständig zu befürchten ist, dass er explodiert; Paul, ein unbedarfter, gutmütiger, dem Schicksal ergebener Tölpel, und Lilli, die ein bisschen Lolita spielen will und ausprobiert, was dabei passiert. Obwohl die meisten Szenen trist sind, darf auch dann und wann gelacht werden; dafür sorgen nicht zuletzt die lakonischen Dialoge. Obwohl Philipp Stölzl aus der Werbebranche kommt, hat er in seinem Kinodebüt bewusst auf jede Hochglanz-Ästhetik verzichtet.

Der Münchner Philipp Stölzl (*1967) fing nach dem Abitur als Bühnenassistent bei den Kammerspielen an. Von 1991 bis 1996 entwarf er für verschiedene deutsche Theater Bühnenbilder, Kostüme und Plakate. Mit neunundzwanzig wechselte er in die Werbebranche, wurde Art-Director bei dem Videoclip-Produzenten Doro in Wien und begann eine erfolgreiche internationale Karriere als Werbe- und Videoclip-Regisseur.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

Paul Watzlawick - Vom Schlechten des Guten
Auf amüsante Weise führt Paul Watzlawick uns an den Konstruktivismus heran, der davon ausgeht, dass die Wirklichkeit nicht objektiv und außerhalb von uns gefunden werden kann, sondern eine unbewusste Schöpfung unseres Wahrnehmungs- und Denkapparates ist.
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