Die letzten Tage der Emma Blank

Die letzten Tage der Emma Blank

Die letzten Tage der Emma Blank

Die letzten Tage der Emma Blank – Originaltitel: De laatste dagen van Emma Blank – Regie: Alex van Warmerdam – Drehbuch: Alex van Warmerdam – Kamera: Tom Erisman – Schnitt: Job ter Burg – Musik: Alex van Warmerdam – Darsteller: Marlies Heuer, Gene Bervoets, Annet Malherbe, Eva van de Wijdeven, Gijs Naber, Alex van Warmerdam, Marwan Kenzari – 2009, 90 Minuten

Inhaltsangabe

Emma Blank rechnet damit, in Kürze sterben zu müssen. In den letzten Tagen lässt sie sich in ihrem Haus von An­ge­hörigen pflegen. Die sind in Erwartung des Erbes bereit, sich von ihr tyrannisieren zu lassen. Die Gier ist stärker als die Selbstachtung. Emma Blank denkt sich immer neue Schikanen für ihr "Personal" aus, aber als sich herausstellt, dass sie gar kein Vermögen hat, schlägt die Unterwürfigkeit der Angehörigen in Grausamkeit um ...
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Kritik

"Die letzten Tage der Emma Blank" ist eine makabre Groteske über die Bos­heit. Alex van Warmerdam hat das absurde Kammerspiel mit originellen, tragikomischen Einfällen gespickt und sich bewusst weitab vom Mainstream gehalten.
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Emma Blank (Marlies Heuer) rechnet damit, in Kürze sterben zu müssen. In den letzten Tagen lässt sie sich in ihrem Haus an der Küste von Angehörigen pflegen. Weil Emma von einem Vermögen gesprochen hat, sind vor allem ihr Ehemann und ihre Geschwister bereit, sich von ihr alles gefallen zu lassen. Ihr Ehemann Haneveld (Gene Bervoets) spielt den Diener der gnädigen Frau, ihre Schwester Bella (Annet Malherbe) die Köchin und ihre Tochter Gonnie (Eva van de Wijdeven) das Dienstmädchen. Bellas Sohn Meier (Gijs Naber) übernimmt Besorgungen, mäht den Rasen und hilft auch sonst aus. Und Emmas Bruder Theo (Alex van Warmerdam) wird von allen wie ein Hund behandelt: Er darf nur selten ins Haus und muss seine Notdurft unter Gonnies Aufsicht neben dem Plumpsklo im Freien verrichten. Emma Blank denkt sich immer neue Schikanen für ihr „Personal“ aus. So verlangt sie beispielsweise von Haneveld, dass er sich einen von ihr ausgesuchten Schnauzbart anklebt.

Haneveld schläft längst mit seiner Schwägerin Bella, aber hin und wieder bestellt Emma ihn in ihr Bett. Bella gefällt das nicht, obwohl ihr Liebhaber versichert, der Geschlechtsverkehr mit der gnädigen Frau sei nichts als eine Dienstleistung.

Nachdem Haneveld bereits einige Löffel Suppe gegessen hat, bemerkt er eine seiner teuren Krawatten im Teller. Wer sie hineingelegt hat, findet er nicht heraus.

Als Meier ein kaputtes Kanu findet, fordert Emma Blank ihn auf, es zurückzubringen. Statt zu gehorchen, repariert er es heimlich in der Scheune. Theo sorgt jedoch dafür, dass Emma Blank es bemerkt. Ihrem Befehl gehorchend, zertrümmert er das fertige Kanu mit einem Beil.

Meier stellt seiner Cousine Gonnie nach, aber sie will ihn nicht in ihrem Bett haben. Täglich liebt sie sich in den Dünen mit einem Mann namens Martin (Marwan Kenzari), dem sie verbietet, ihr zum Haus zu folgen. Theo entdeckt die beiden. Und als Martin trotz des Verbots am Haus auftaucht, rennt Theo ihm nach und erwürgt ihn. Die Leiche legt er wie einen Touristen an den Strand und stellt einen Sonnenschirm darüber auf. Keinem der Badegäste fällt am nächsten Tag etwas auf.

Nachdem Gonnie vergeblich auf ihren Geliebten gewartet hat, hinterlässt sie am Treffpunkt einen Brief. Den beantwortet Theo. Er gibt sich als Martin aus und erklärt brüsk, er habe sie nie geliebt. Frustriert holt Gonnie sich daraufhin Meier ins Bett.

Und sie begehrt gegen die Tyrannei ihrer Mutter auf.

Als wieder einmal alle im Raum sind, kommen sie auf die Erbschaft zu sprechen. Emma Blank behauptet, nie etwas von einem Vermögen gesagt zu haben. Außer dem Haus, auf dem Hypotheken lasten, besitzt sie nichts.

Schlagartig beenden daraufhin alle ihre Unterwürfigkeit. Theo benimmt sich nicht länger wie ein Hund, und niemand hilft Emma Blank, als sie bei einem Schwächeanfall zu Boden sinkt. Theo tackert sie mit der Kleidung auf dem Bretterboden fest. Haneveld befreit sie zwar nach ein paar Tagen, aber Emma Blank bekommt nichts mehr zu essen und nur selten einen Schluck Wasser.

Sie stirbt schließlich an Auszehrung.

Meier schaufelt vor dem Haus ein tiefes Grab aus. Nachdem Haneveld Emma Blank mit Theos Hilfe hineingeworfen hat, erschlägt er seinen Schwager von hinten, sodass dieser auf seine tote Schwester fällt. Danach schaufelt Meier das Grab mit den beiden Toten zu. Zu dem Mord an Theo angestiftet hat Bella ihren Liebhaber, denn sie befürchtete, dass ihr Bruder ihrem Sohn Gonnie streitig machen könnte.

Gonnie stellt jedoch klar, dass sie Meier nicht als Lebensgefährten akzeptiert. Sie packt ihre Sachen und verlässt das Haus ihrer Mutter.

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Bei „Die letzten Tage der Emma Blank“ handelt es sich um eine makabre, rabenschwarze Groteske über die Bosheit. Auf überzeichnete Weise veranschaulicht Alex van Warmerdam, wohin Gier auf der einen und Machtstreben auf der anderen Seite führen können. Die Gier ist in diesem Fall stärker als die Selbstachtung, und als der Anlass für die Gier wegfällt, schlägt das Verhalten von Unterwürfigkeit in Grausamkeit um. Alex van Warmerdam hat das absurde Kammerspiel „Die letzten Tage der Emma Blank“ mit originellen, tragikomischen Einfällen gespickt und sich bewusst weitab vom Mainstream gehalten.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2016

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