Wir sind die Neuen

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Wir sind die Neuen

Wir sind die Neuen – Originaltitel: Wir sind die Neuen – Regie: Ralf Westhoff – Drehbuch: Ralf Westhoff – Kamera: Yann Philippe Blumers alias Ian Blumers – Schnitt: Uli Schön – Musik: Oliver Thiede – Darsteller: Gisela Schneeberger, Heiner Lauterbach, Michael Wittenborn, Claudia Eisinger, Karoline Schuch, Patrick Güldenberg u.a. – 2014; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Weil die pensionierte Biologin Anne sich die Mieten in München nicht mehr leisten kann, überredet sie zwei Männer aus ihrer frühe­ren Studenten-WG, sich mit ihr erneut eine Wohnung zu teilen. Die drei lebens­frohen Alten geraten allerdings rasch mit den drei über ihnen wohnenden Studenten aneinander, die sich durch den Lärm beim Lernen gestört fühlen. Während die jungen Spießer, die sich auf erfolgreiche Karrieren in hochbezahlten Jobs vorbereiten, auf die Hausordnung pochen, begehren die Alten gegen sinnlose Regeln auf ...
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Kritik

Ralf Westhoff tippt eine ganze Reihe von Themen an, ohne eines davon zu vertiefen. Die Figuren bleiben schablonenhaft, und die Entwick­lungen finden unvermittelt statt. Unterhaltsam ist die Komödie "Wir sind die Neuen" dennoch. Dafür sorgen witzige Dialoge.
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Die pensionierte Biologin Anne (Gisela Schneeberger) muss sich eine neue Wohnung suchen. Weil sie seit ihrer Kindheit in München gelebt hat, will sie nicht aufs Land ziehen, aber die Mietpreise in der Stadt sind für die Rentnerin unerschwinglich. Das bringt sie auf die Idee, ihre frühere Studenten-WG wiederzubeleben, obwohl sie von ihren damaligen Mitbewohnern in den letzten 35 Jahren nur noch selten etwas gehört hat.

Als Ersten überredet sie Johannes (Michael Wittenborn). Der ist Single und Rechtsanwalt, verfügt aber auch nicht über viel Geld, weil er sich die meiste Zeit pro bono dafür einsetzte, dass Bedürftige zu ihrem Recht kamen. Gemeinsam besuchen sie Paul (André Jung). Der haust vereinsamt und verbittert in einer Mietwohnung. Anne gibt ihm zu bedenken, dass es im Fall seines Todes eine Woche dauern könnte, bis man seine Leiche in der Wohnung findet, aber Paul will in Ruhe gelassen werden. Günther (Gustav-Peter Wöhler) prahlt mit seinen acht Zimmern und zwei Bädern. Er hat nur ungute Erinnerungen an die gemeinsam verbrachte Zeit und wirft die beiden Besucher nach ein paar Minuten hinaus. Notgedrungen wenden sich Anne und Johannes an Eddie (Heiner Lauterbach), obwohl sie damals nicht besonders gut mit dem Schürzenjäger auskamen. Eigentlich gehen sie von einer weiteren Absage aus, aber zu ihrer Verwunderung findet Eddie die Idee einer WG gar nicht schlecht, und er macht mit.

Eddie ist es dann auch, der trotz des Gedränges von Interessenten bei Wohnungsbesichtigungen und langer Wartelisten für preiswerte Wohnungen eine Maklerin (Olga von Luckwald) dazu bringt, ihnen eine geeignete Drei-Zimmer-Wohnung zu vermitteln.

Nachdem sie eingezogen sind, stellen sich Anne, Eddie und Johannes den drei Studenten vor, die sich die Wohnung über ihnen teilen: Barbara (Karoline Schuch) studiert Kunstgeschichte, bei Katharina (Claudia Eisinger) und Thorsten (Patrick Güldenberg) handelt es sich um angehende Juristen. Beim Betreten der blitzsauberen, penibel aufgeräumten Wohnung werden die drei Alten gebeten, die Schuhe auszuziehen. Die drei Studenten erklären den Besuchern, dass sie lernen müssen und deshalb beim Einzug nicht helfen konnten. Vorsorglich fügen sie hinzu, dass sie aus demselben Grund auch nicht in der Lage seien, für die drei neuen Nachbarn einzukaufen oder ihnen die Bedienung elektronischer Geräte zu erklären. Außerdem beschweren sich Barbara, Katharina und Thorsten über den Lärm der Alten. Der störe sie beim Lernen, klagen sie.

Als die drei Neuen dann auch bei der Wohnung unter ihnen klingeln, öffnet ein nervöser junger Mann (Matthias Bundschuh), der sich gleich dafür entschuldigt, gerade erst vor drei Monaten eingezogen zu sein und noch keine Zeit gefunden zu haben, sich den Nachbarn vorzustellen. Anne, Eddie und Johannes klären ihn darüber auf, dass sie erst seit wenigen Tagen im Haus wohnen und laden ihn auf ein Glas Wein ein. Aber der Mann muss gleich nach Lissabon, zu einem Meeting. Er schaut auf sein Smartphone und nennt einen Termin in ein paar Wochen. Da müsste er Zeit für ein Glas Wein haben, meint er.

Die Studenten halten die Neuen für viel zu laut. Zwischen den beiden WGs bricht ein Kleinkrieg aus. Eddie überredet Anne und Johannes zu einer Kneipentour. Gegen 4 00 Uhr morgens kommen sie zurück, krakeelen im Treppenhaus, und Eddie wirft die Wohnungstür absichtlich laut zu. Das Verhältnis zwischen Jung und Alt wird auch nicht besser, als Eddie von Barbara darauf hingewiesen wird, dass seine WG mit dem Putzen des Treppenhauses an der Reihe sei. Eddie sieht nicht ein, dass ein ohnehin sauberes Treppenhaus geputzt werden soll, und von einer Hausordnung hält er ohnehin nichts. Bei einer unfreiwilligen Begegnung vor dem Haus erklären die Jungen maliziös, sie wollten nicht wie die drei Neuen in einer „Armen-WG“ enden.

Innerhalb der WG der Neuen kriselt es ebenfalls. Eddie beschwert sich darüber, dass Johannes die Hälfte seiner Joghurts aufgegessen habe und ein Langweiler sei. Anne gesteht sich ein, dass sie die Zeit zurückdrehen wollte und begreift, dass dies nicht möglich ist. Frustriert schaut sie sich nach einem kleinen Ein-Zimmer-Apartment um. Um endlich wieder etwas gemeinsam zu unternehmen und die WG zu retten, wollen sie und die beiden Männer eine Fete veranstalten, und weil sie dabei auch gleich den Kleinkrieg mit der anderen WG beenden wollen, laden sie die drei Studenten dazu ein. Aber die haben keine Zeit zum Feiern.

Eines Tages wird Thorsten mit einem Krankenwagen weggebracht. Als er vom Krankenhaus zurückkommt, kann er wegen eines Bandscheibenvorfalls kaum gehen. Die drei Alten sehen es vom Fenster aus. Rasch schlüpfen Eddie und Johannes in Sportsachen, laufen hinunter und joggen demonstrativ locker an dem wie ein gehbehinderter Greis zum Hauseingang schlurfenden jungen Mann vorbei.

Kurz darauf klingelt Katharina. Johannes öffnet die Tür. Die Studentin weist darauf hin, dass Thorsten nichts tragen, also auch nicht länger für die WG einkaufen könne. Deshalb erwartet sie von den Alten, dass sie die Einkäufe mit übernehmen, und weil der Monatsscheck der Eltern noch nicht eintraf, sollen die Rentner die Geldbeträge vorstrecken. Ob er ein Glas Wein habe, fragt Katharina. Johannes weist darauf hin, dass es noch nicht einmal Mittag sei, schenkt ihr jedoch ein Glas ein, und sie füllt es ein paar Mal nach. Katharina fühlt sich komplett überfordert. Sie befürchtet, die Prüfungen nicht zu schaffen und so zu enden wie die drei mittellosen Alten. Johannes bietet ihr seine Hilfe an und geht mit ihr nach oben. Barbara kauert schluchzend in einer Ecke. Sie hat Streit mit ihrem Verlobten (Gabriel Raab). Johannes, der in Katharinas Zimmer erst einmal das Fenster öffnet, gibt der Studentin Nachhilfe. Dabei fragt er sich, wie Katharina Zugang zum Thema Versammlungsfreiheit finden soll, ohne jemals selbst an einer Demonstration teilgenommen zu haben.

Eddie kommt auf Annes Ex-Mann Karl zu sprechen, der sie vor langer Zeit wegen einer 30 Jahre Jüngeren sitzen ließ, aber Anne will nichts mehr darüber hören. Sie fragt Eddie nach seiner Ex-Frau Marlene und den Kindern, aber das ist für ihn ein Tabu-Thema. Im Bad stößt Anne versehentlich Eddies Toilettenbeutel vom Wannenrand und entdeckt darin starke Medikamente. Offenbar ist er schwer krank.

Während Johannes mit Katharina paukt, holt Anne Thorsten aus dem Bett und zeigt ihm Gymnastik-Übungen, die gegen Rückenbeschwerden helfen. Eddie wiederum setzt sich zu Barbara, geht auf sie ein und erteilt ihr Ratschläge für den Umgang mit Männern. Bald darauf versöhnt sie sich mit ihrem Verlobten, erklärt Eddie dann aber im Treppenhaus, dass sie keine dauerhafte, sondern nur noch eine vorübergehende Beziehung anstrebe.

Johannes hat ein Auge auf eine Buchhändlerin (Ulrike Arnold) geworfen. Beim ersten Versuch, ein persönliches Gespräch mit ihr anzufangen, versuchte er es mit einem Sartre-Zitat. Die Bildungshuberei blieb erfolglos. Nun lädt er sie unverblümt auf ein Glas Wein ein, und sie sagt zu.

Barbara, Katharina und Thorsten überraschen die andere WG mit einem Besuch und dem Vorschlag einer gemeinsamen Feier. Statt über einen Termin zu reden, schaltet Anne spontan den Plattenspieler ein und eröffnet die Party.

Weil Johannes Freude daran hat, juristische Themen verständlich zu erläutern, nimmt Katharina ein Video für eine neue Website von ihm auf.

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In der Komödie „Wir sind die Neuen“ tippt Ralf Westhoff eine ganze Reihe von Themen an: unbezahlbare Mieten, Altersarmut und Einsamkeit im Alter, Generationenkonflikt, Studenten, die aufgrund des Leistungsdrucks keinen Freizeitspaß kennen und nichts anderes tun, als auf erfolgreiche Karrieren in hoch bezahlten Jobs hinzuarbeiten. Am Ende bleibt die Botschaft, dass Jung und Alt sich gegenseitig bereichern können. Aber keines der Themen wird vertieft.

Ralf Westhoff hat Attribute alter und junger Menschen in „Wir sind die Neuen“ vertauscht: Die Studenten fühlen sich vom Lärm der lebenslustigen Senioren gestört. Während die jungen Spießer auf die Hausordnung pochen, begehren die Alten gegen sinnlose Regeln und unnötige Einschränkungen auf. Da ist es nur konsequent, dass nicht ein Rentner, sondern ein Jura-Student unter Rückenschmerzen leidet.

Die Figuren in „Wir sind die Neuen“ bleiben schablonenhaft. Das gilt vor allem für die Mitglieder der Studenten-WG und selbst für Anne, deren Gedanken mitunter aus dem Off zu hören sind („Bin ich langsamer geworden oder alles um mich herum schneller?“) und die von Gisela Schneeberger so facettenreich wie möglich dargestellt wird.

Johannes, Anne und dann auch Eddie beenden den Kleinkrieg gegen die Studenten-WG, und die Konfrontation der beiden Gruppen weicht paarweisen Partnerschaften: Johannes hilft Katharina, Anne steht Thorsten bei, und Eddie berät Barbara. Das geschieht aber recht unvermittelt. Die Entwicklungen in „Wir sind die Neuen“ werden nicht vorbereitet und sind ebenso wenig nachvollziehbar wie das (allerdings vorhersehbare) Happy End.

Unterhaltsam ist die Komödie „Wir sind die Neuen“ dennoch. Dafür sorgen witzige Dialoge.

Ralf Westhoff schreibt die wohl besten Dialoge im deutschen Kino. Sie wirken wie aus dem Leben gegriffen und sind doch poetisch überhöht; an diesen unprätentiösen und doch genauen Wortwitz reichen wenige deutsche Drehbuchautoren heran. (Oliver Kaever, Zeit online, 16. Juli 2014)

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015

Felicitas Hoppe - Pigafetta
Das Besondere an "Pigafetta" ist die Sprache: Mit klaren, nüchternen Worten baut Felicitas Hoppe eine surreale, groteske Welt auf. Dabei ist jedoch nichts von einer Fabulierlust zu spüren, sondern der poetische Roman wird von einer traurigen Grundstimmung durchzogen.
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