Eine Nacht bei McCool's

Eine Nacht bei McCool’s

Eine Nacht bei McCool's

Eine Nacht bei McCool's – Originaltitel: One Night at McCool's – Regie: Harald Zwart – Drehbuch: Stan Seidel – Kamera: Karl Walter Lindenlaub – Schnitt: Bruce Cannon – Musik: Marc Shaiman – Darsteller: Liv Tyler, Matt Dillon, Michael Douglas, Paul Reiser, John Goodman, Reba McEntire, Richard Jenkins, Sandy Martin, Andrew Dice Clay, Ric Sarabia, Tim De Zarn, Leo Rossi, Rob Neukirch, Andrea Bendewald, Mary Jo Smith u.a. – 2001; 90 Minuten

Inhaltsangabe

In einer Nacht bei McCool's erschießt Jewell Valentine ihren lästig gewordenen Lover und verdreht drei anderen Männern den Kopf. Um ihren Traum von einem Haus und einem DVD-Player zu verwirklichen, zieht sie zu dem Barkeeper Randy, der von seiner Mutter ein Haus geerbt hat. Sie stiftet ihn dazu an, einen DVD-Player zu rauben und bringt Detective Dehling – der sie anbetet – dazu, Randy das Betreten seines eigenen Hauses zu untersagen ...
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Kritik

"Eine Nacht bei McCool's" ist eine originelle und witzige schwarze Komödie, Thrillergroteske und Persiflage auf den film noir. Das Besondere daran ist, dass die Geschichte abwechselnd aus drei verschiedenen Perspektiven dargestellt wird.
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Randy (Matt Dillon) ist vielleicht nicht glücklich, aber auf jeden Fall zufrieden: Von seiner Mutter erbte er ein Haus, und er hat einen Job als Barkeeper bei McCool’s. Nur zu einer Lebensgefährtin oder wenigstens Geliebten hat er es noch nicht gebracht.

Eines Abends wirft er seinen betrunkenen Cousin, den Rechtsanwalt Carl Harding (Paul Reiser), als letzten Gast aus der Kneipe, räumt auf, schaltet das Licht aus und sperrt ab. Er ist müde und will nur noch nach Hause. Da hört er Schreie: Offenbar versucht ein Mann in seinem Auto eine Frau zu vergewaltigen, aber es gelingt ihr, die Tür aufzureißen – und Randy eilt ihr zu Hilfe. Nachdem der Autofahrer fort ist und Randy sich vergewissert hat, dass es der attraktiven jungen Frau gut geht, macht er sich auf den Weg. Aber Jewell Valentine (Liv Tyler) – so heißt sie – begleitet ihn und ist hingerissen, als sie feststellt, dass er nicht in einem Apartment, sondern in einem Haus wohnt, auch wenn es heruntergekommen und unaufgeräumt ist. Randy kann ihr nichts als Leitungswasser anbieten, doch das stört Jewell nicht: Sie verführt ihn und geht mit ihm ins Bett. Danach beichtet sie Randy, dass die Vergewaltigung nur vorgetäuscht war. Auf diese Weise rauben sie und ihr Freund Utah (Andrew Dice Clay) Männer aus.

Utah steht auch schon im Zimmer, hat einen Revolver in der Hand und zwingt Randy, mit ihm und Jewell zurück zu McCool’s zu kommen und dort den Safe zu öffnen. Plötzlich kracht ein Schuss. Utah bricht tot zusammen. Jewell hat ihn erschossen – um Randy das Leben zu retten, wie sie beteuert. Um Jewell vor einer Verhaftung zu bewahren, lügt Randy bei der Vernehmung durch Detective Charles Dehling (John Goodman), er habe in Notwehr geschossen.

Dehling misstraut Randy und ist schlecht gelaunt, weil er mitten in der Nacht zu einem Mordfall gerufen wurde – doch als er Jewell erblickt, geht ihm das Herz auf: Er hält die Schöne für eine wundersame Inkarnation seiner verstorbenen Frau Teresa.

Außer Randy und Dehling verfällt in dieser Nacht auch Harding Jewells Reizen. Er war auf dem Parkplatz vor McCool’s im Auto kurz eingenickt und beobachtete dann, wie Randy aus der Tür kam und nach dem scheinbaren Vergewaltigungsversuch mit Jewell wegging. Um die femme fatale wiederzusehen, die inzwischen mit Randy zusammen wohnt, lädt er sie und seinen Cousin zu einer Grillparty ein. Beim Vergleich mit Jewell kommt ihm seine Ehefrau Karen (Andrea Bendewald) noch langweiliger als bisher vor. Heimlich trifft Carl sich deshalb mit Jewell, überredet sie, Leder zu tragen und lässt sich von der Domina auspeitschen.

Weil Randy von seinem Boss Joey Dinardo (Leo Rossi) nach dem Mord im McCool’s gefeuert wurde, ist er nun arbeitslos. Jewell sagt Randy, wie er wieder zu Geld kommen und sich an Joey rächen könnte: Während sie mit Joey essen geht, soll Randy die Wertsachen aus seinem Haus stehlen. Nachdem dieser Einbruch reibungslos funktioniert hat, lässt Randy sich von Jewell überreden, nach dem gleichen Muster den reichen Rechtsanwalt Greg Spradling (Eric Schaeffer) auszurauben. Statt jedoch mit Jewell in ein Restaurant zu fahren, bringt Spradling sie mit in seine Villa und versucht, sie zu vergewaltigen. Sie wehrt sich und schlägt ihn mit dem DVD-Player tot. Ohne Beute kehren Randy und Jewell nach Hause zurück.

Unter dem Vorwand, in dem Mordfall zu ermitteln, sucht auch Dehling immer wieder Jewells Nähe. Dabei legt sie es eines Tages darauf an, dass der Detective den Eindruck gewinnt, sie sei von Randy misshandelt worden. Randy wird es deshalb untersagt, sich Jewell oder dem Haus zu nähern.

In seiner Verzweiflung wendet Randy sich an Mr Burmeister (Michael Douglas), trifft sich mit ihm in einer Bingo-Spielhalle und erzählt ihm seine Geschichte. Zur gleichen Zeit beichtet Dehling seinem Gemeindepfarrer (Richard Jenkins), dass er Jewell anbetet, und Carl Harding berichtet seiner Psychiaterin Dr. Green (Reba McEntire) von seinen sexuellen Eskapaden mit Jewell.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Dass es sich bei Mr Burmeister um einen drittklassigen Profikiller handelt, der Jewell töten soll, erfahren wir erst spät. Nachdem er sich Randys Geschichte angehört hat, setzt er seinen Auftraggeber bei einem Motel ab, und bevor er zu dessen Haus fährt, um Jewell zu erschießen, schärft er ihm ein, zu telefonieren und sich sehen zu lassen, damit er für die Tatzeit ein Alibi hat. Randy befolgt den Rat und ruft Harding an. Als der Anwalt erfährt, dass Randy nicht daheim ist, fährt er sofort zu dessen Haus, und während er auf seine Domina wartet, zieht er schon mal seine Sklaven-Klamotten an. Kurz nach ihm trifft Dehling mit einem Blumenstrauß ein. Er hat eigens seine Uniform angezogen, um Jewell zu beeindrucken. Randy bereut den Mordauftrag, stiehlt ein Auto und rast los, um Jewell zu warnen.

Während Mr Burmeister durch ein Fenster beobachtet, wie Harding und Dehling aufeinander treffen, hält ihm Jewell von hinten einen Revolver an den Kopf. Kurze Zeit später trifft Randy ein. Und dann taucht auch noch ein gewisser Elmo (Andrew Dice Clay) auf, und zwar mit der Absicht, seinen ermordeten Bruder Utah zu rächen. Es kommt zu einer wüsten Schießerei. Elmo tötet Dehling. Als er auf Randy anlegt, erschießt ihn Jewell, bevor er abdrücken kann. Verstört bleibt Randy in seinem verwüsteten Haus zurück, in dem die Bettfedern so herumwirbeln, dass es aussieht, als handele es sich um eine der Schneekugeln, die er als Kind von seiner Mutter geschenkt bekommen hatte. Jewell steigt zu Mr Burmeister ins Auto: Sie hat herausgefunden, dass er nicht nur über ein Haus, sondern auch über einen DVD-Player verfügt. Harding, der durchs Fenster sprang und flüchtete, läuft in seinem Sklaven-Outfit und mit auf den Rücken gefesselten Händen durch die Straßen. Der dankt Gott für seine Rettung. In diesem Augenblick wird er von einer von einem Kran herabfallenden Kiste erschlagen.

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„Eine Nacht bei McCool’s“ ist eine schwarze Komödie, Thrillergroteske und Persiflage auf den film noir.

Jewell raubt den Männern reihenweise den Verstand und nutzt das skrupellos aus, um sich ihren Traum von einem Haus und einem DVD-Player zu erfüllen.

Stan Seidel (Drehbuch) und Harald Zwart (Regie) beginnen „Eine Nacht bei McCool’s“ kurz vor dem Ende und entwickeln die Handlung in Rückblenden, während Randy seine Erlebnisse Mr Burmeister erzählt, Harding seiner Psychiaterin berichtet und Dehling dem Gemeindepfarrer beichtet. Dieser Kunstgriff erlaubt es, die Geschichte aus drei unterschiedlichen Perspektiven darzustellen und einzelne Szenen aus verschiedenen Blickwinkeln zu wiederholen. So ist Randy beispielsweise entgangen, was Harding auf dem Parkplatz beobachtete: Jewell streifte sich erst nachträglich einen Ärmel ihrer Bluse und den Träger ihres Büstenhalters über die Schulter, um die Lüge, sie sei beinahe vergewaltigt worden, glaubhaft zu machen. Diese Multiperspektivität wird durch eine exzellente Schnitttechnik (Bruce Cannon) vervollkommnet.

Formal überzeugt „Eine Nacht bei McCool’s“ außerdem durch gekonnt eingesetzte Effekte wie zum Beispiel Szenen in Zeitlupe und durch eine originelle und sorgfältige Inszenierung. Die Handlung ist spaßig und einfallsreich. Zu dem Kinovergnügen trägt auch die flotte und teilweise gegenläufige Musikuntermalung maßgeblich bei: Während des blutigen Showdowns wird beispielsweise der Song „YMCA“ gespielt.

Der Drehbuchautor Stan Seidel erlebte die Fertigstellung des Films „Eine Nacht bei McCool’s“ nicht mehr. Er starb im Alter von achtundvierzig Jahren.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

Marie Luise Kaschnitz - Lange Schatten
Marie Luise Kaschnitz erzählt die Geschichte einfühlsam aus der Sicht der Protagonistin. Wie immer konzentriert sie sich auf einprägsame Szenen. Auch Mythisches klingt in "Lange Schatten" an.
Lange Schatten

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