Chauvet-Höhle


Am 18. Dezember 1994 zwängten sich die drei Speläologen Jean-Marie Chauvet, Éliette Brunel Deschamps und Christian Hillaire bei Vallon-Pont-d’Arc im Tal der Ardèche in eine Ritze einer Felswand – und entdeckten eine Höhle, die durch einen Felssturz vor über 20 000 versiegelt worden war.

Unlike the amateur adventurers or lucky bumblers (in the case of Lascaux, a posse of village urchins and their dog) who have fallen, sometimes literally, upon a cave where early Europeans left their cryptic signatures, Chauvet was a professional – a park ranger working for the Ministry of Culture, and the custodian of other prehistoric sites in the region. He and his partners, Christian Hillaire and Éliette Brunel, were aware of the irreparable damage that even a few indelicate footsteps can cause to an environment that has been sealed for eons – posterity has lost whatever precious relics and evidence that the carelessly trampled floors of Lascaux and Altamira, both now sealed to the public, might have yielded.
The cavers were natives of the Ardèche: three old friends with an interest in archeology. Brunel was the smallest, so when they felt an updraft of cool air coming from a recess near the cliff’s ledge – the potential sign of a cavity – they heaved some rocks out of the way, and she squeezed through a tight passage that led to the entrance of a deep shaft. The men followed, and, unfurling a chain ladder, the group descended thirty feet into a soaring grotto with a domed roof whose every surface was blistered or spiked with stalagmites. (Judith Thurman: Letter from Southern France, „The New Yorker, 23. Juni 2008)

Die Grotte Chauvet bzw. Chauvet-Höhle ist 400 Meter lang, nimmt eine Gesamtfläche von mehr als 8000 Quadratmetern ein und weist vier große Säle auf. Der von Jean-Marie Chauvet und seinen Begleitern entdeckte Spalt wurde etwas erweitert und mit einer Stahltüre versehen. Dahinter beginnt ein Tunnel, an dessen Ende die Forscher nun über eine Metallleiter zehn Meter in die Tiefe klettern, um in die Chauvet-Höhle zu gelangen, deren Boden nur 24 Meter Höhendifferenz aufweist.

In Bereichen der Chauvet-Höhle, die auch vor dem Felssturz nicht vom Tageslicht erhellt worden waren, entdeckten die Speläologen etwa 470 gemalte bzw. gravierte Wandbilder. Die ältesten Höhlenmalereien sind zwischen 32 000 und 35 000 Jahre alt. Sie entstanden über einen Zeitraum von sechs Jahrtausenden hinweg. Das ergaben Untersuchungen mit der C14-Methode. Zum Vergleich: Die ebenfalls zur frankokantabrischen Höhlenkunst zählenden Höhlenmalereien in Lascaux und Altamira sind schätzungsweise 15 000 alt. Dass die Malereien in der Chauvet-Höhle gefälscht sein könnten, lässt sich aufgrund der Versinterung ausschließen.

Als Malfarben wurden Holzkohle, Lehm und Naturocker verwendet.

Außer positiven und negativen Handabdrücken sieht man in der Chauvet-Höhle zahlreiche Tierdarstellungen, aber auch Mischwesen und den mit einem Tierkopf kombinierten Unterkörper einer nackten Frau (Schamdreieck). Folgende Tiere

finden wir: Pferd, Wollnashorn, Höhlenlöwe, Bison, Mammut, Wisent, Höhlenbär, Panther, Hyäne, Steinbock, Hirsch, Rentier. Es handelt sich um Meisterwerke paläolithischer Höhlenkunst. Die Maler nutzten die dreidimensionale Struktur der Felswand, um ihren Tierabbildungen eine plastische Wirkung zu verleihen. Dass sie Tiere mit acht statt vier Beinen malten wird ebenso wie die Vervielfachung von Körperumrissen als Andeutung einer Bewegung interpretiert. Im Licht von Fackeln wirkten diese Bilder bestimmt sehr lebendig.

Lange Zeit galten die Höhlenmalereien in der Chauvet-Höhle als die ältesten bekannten Kunstwerke der Welt. Inzwischen wird angenommen, dass einige der negativen Handabdrücke in der spanischen Höhle von El Castillo bei Santander 40 000 Jahre alt sind, also noch älter als die Malereien in der Chauvet-Höhle.

Die Chauvet-Höhle ist auch für Paläontologen von großem Interesse, denn für sie gibt es auf dem Living Floor aus dem Gravettien zahlreiche Abdrücke, Schädel und andere Knochen zu untersuchen. Die Spur eines schätzungsweise acht Jahre alten Jungen, die sich über eine Länge von 70 Metern verfolgen lässt, ist 26 000 Jahre alt. Sie gilt als älteste menschliche Fußspur überhaupt.

Die Wissenschaftler haben herausgefunden, dass sich Menschen nur jeweils für kurze Zeit in der Chauvet-Höhle aufhielten, vermutlich im Rahmen von Kulthandlungen oder anderen Zeremonien.

Die 1940 entdeckte Höhle von Lascaux im Tal der Vézère bei Montignac hatte man nach acht Jahren für die Allgemeinheit zugängig gemacht, aber 1963 wieder schließen müssen, weil die Höhlenmalereien durch Atemluft und Erwärmung beschädigt worden waren. Diesen Fehler wiederholte man in der Chauvet-Höhle nicht. Der Zugang ist streng beschränkt und reglementiert. Nur eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern darf in der Höhle arbeiten, und auch das nur stundenweise.

Access is so strictly limited not only because traffic causes contamination but also because the French government has been embroiled for thirteen years in multimillion-dollar litigation with Jean-Marie Chauvet and his partners, as well as with the owners of the land on which they found the cave. (The finders are entitled to royalties from reproductions of the art, while the owners are entitled to compensation for a treasure that, at least technically, is their property – the Napoleonic laws, modified in the nineteen-fifties, that give the Republic authority to dispose of any minerals or metals beneath the soil do not apply to cave paintings. Had Chauvet been a gold mine, the suit couldn’t have been brought.) (Judith Thurman, a. a. O.)

Wie es in der Chauvet-Höhle aussieht, zeigt uns allerdings Werner Herzog in seinem Film „Die Höhle der vergessenen Träume“. Außerdem ist eine möglichst exakte Nachbildung der Chauvet-Höhle geplant.

Vorbereitet wird derzeit auch die Aufnahme der Höhlenmalereien in der Chauvet-Höhle in das Weltkulturerbe der UNESCO.

Der Archäologe Jean Courtin versetzte sich gedanklich in die Chauvet-Höhle im Jungpaläolithikum und schrieb den Roman „Le chamane du bout du monde“ (1998, „Die vergessene Höhle“, Übersetzung: Peter Nittmann, Thorbeke, Sigmaringen 1998, 397 Seiten, Piper-Taschenbuch, München 2000).

© Dieter Wunderlich 2013

Werner Herzog: Die Höhle der vergessenen Träume

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