Edgar Selge

Edgar Selge wurde am 27. März 1948 in der Lungenklinik Hoheneimberg in der sauerländischen Kleinstadt Brilon geboren.

Sein Großvater Paul Selge war Königlicher Musikdirektor in Berlin.

Die Eltern Dr. Edgar und Signe Selge waren gegen Ende des Zweiten Weltkriegs aus Königsberg nach Bückeburg geflohen, wo der Jurist nach der Entnazifizierung als Oberregierungsrat am Oberlandesgericht in Hamm amtierte, bevor er unter der Aufsicht eines britischen Offiziers mit der Leitung des Militärgefängnisses in Werl beschäftigt wurde.

Nachdem der Sohn Rainer bei der Explosion einer gefundenen Handgranate ums Leben gekommen und sein Bruder Werner dabei schwer verletzt worden war, übernahm Dr. Edgar Selge 1952 die Direktion der Justizvollzugsanstalt für Jugendliche in Herford und zog mit seiner Familie in die dazugehörige Villa. Dort veranstaltete er regelmäßig Hauskonzerte, begleitete am Flügel namhafte Geiger und gewann sogar die Pianistin Elly Ney für einen Auftritt.

Edgar Selge jun. besuchte zunächst das Friedrichs-Gymnasium in Herford und wechselte dann zum musischen Christian-Dietrich-Grabbe-Gymnasium in Detmold, wo er 1967 das Abitur machte. Sein an der Musikhochschule Detmold begonnenes Klavierstudium setzte Edgar Selge in Wien fort, brach es jedoch ab und zog nach München. Von 1969 bis 1972 studierte er zunächst in München, dann in Dublin Philosophie und Germanistik. 1974/75 besuchte er die den Kammerspielen angegliederte Otto-Falckenberg-Schule in München.

Von 1978 bis 1991 gehörte Edgar Selge zum Ensemble der Münchner Kammerspiele. Seit seiner ersten Filmrolle im Jahr 1982 stand er in mehr als 70 Film- und Fernsehproduktionen vor der Kamera.

Nach seiner Scheidung von der Schauspielerin Daphne Moore heiratete Edgar Selge 1985 Franziska Walser, die vier Jahre jüngere Tochter von Martin Walser und Katharina („Käthe“) Neuner-Jehle. Franziska Walser, ebenfalls eine Schauspielerin, gebar einen Sohn und eine Tochter.

2021 debütierte Edgar Selge mit dem autobiografischen Roman „Hast du uns endlich gefunden“, für den er im Jahr darauf mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda ausgezeichnet wurde.

Sein Bruder Werner F. Selge machte sich als Cellist einen Namen. Martin Selge wurde Literaturwissenschaftler, und sein Sohn Titus (*1966) reüssierte als Filmregisseur und Drehbuchautor.

© Dieter Wunderlich 2022

Edgar Selge: Hast du uns endlich gefunden

Kristín Steinsdóttir - Eigene Wege
Kristín Steinsdóttir erzählt Siegtruds Geschichte nicht chronologisch, sondern in einem Kaleidoskop bruchstückartiger Erinnerungen. Dem Charakter der Hauptfigur entsprechend, ist die Sprache unspektakulär und schnörkellos, ruhig, herb und unsentimental.
Eigene Wege