Ghetto Riga


Am 1. Juli 1941 nahmen deutsche Truppen die lettische Hauptstadt Riga ein. Damit begannen massive Übergriffe lettischer Nationalisten gegen die jüdische Bevölkerung, bei denen innerhalb eines Vierteljahres mehr als 6000 Menschen starben.

Die deutschen Besatzer beschlossen am 21. Juli, die etwa 30 000 Juden in ein mit Stacheldraht umzäuntes Ghetto zu sperren.

Als das Durchgangslager in Minsk nicht mehr ausreichte, um die aus Deutschland und Österreich deportierten Juden aufzunehmen, wurde das Ghetto Riga ab

November 1941 ebenfalls als Durchgangslager benutzt. Weil auch hier zu wenig Platz war, wurden die mehr als tausend Juden aus Berlin, die am 30. November mit einem ersten Güterzug im Bahnhof Skirotava eintrafen, noch am selben Tag zusammen mit etwa 14 000 Juden aus dem Ghetto im Kiefernwald von Rumbula erschossen. Am 8. Dezember erschossen die Deutschen im Wald von Rumbula noch einmal etwa 11 000 Juden. Als Notlösung betrieben sie von Dezember 1941 bis März 1942 im Dorf Jumpravmuiza nordöstlich von Riga das Konzentrationslager Jungfernhof, um die Neuankömmlinge vorübergehend unterzubringen.

Schätzungsweise verschleppte man insgesamt 25 000 Juden aus Deutschland, Österreich und Böhmen nach Riga.

Am 15. und 26. März 1942 wurden jeweils zwischen 1800 und 1900 Alte, Kranke, Schwache und Kinder, die nicht arbeitsfähig waren, aus dem Ghetto geholt. Man sagte ihnen, sie würden nach Dünamünde verlegt, brachte sie jedoch in den Wald von Bikernieki und erschoss sie dort.

Im Januar 1943 übernahm der SS-Offizier Eduard Roschmann als Kommandant die Leitung des Ghettos. Einigen Angaben zufolge brachte er es zum SS-Obersturmführer, aber es ist unklar, welchen Dienstrang er zuletzt bekleidete.

Im Frühjahr 1943 richtete die SS im nördlichen Rigaer Vorort Kaiserwald ein Konzentrationslager für arbeitsfähige Häftlinge ein. Das Ghetto Riga wurde schrittweise aufgelöst. Die letzten Bewohner wurden im August 1944 per Schiff ins Konzentrationslager Stutthof bei Danzig gebracht.

Am 13. Oktober 1944 befreite die Rote Armee die Häftlinge des Konzentrationslagers Kaiserwald.

Nachtrag: Jürgen Hobrecht produzierte 1992 den 45 Minuten langen Dokumentarfilm „Verschollen in Riga“. Nach zusätzlichen Recherchen und Befragungen von weiteren Zeitzeugen brachte er 2013 den doppelt so langen Dokumentarfilm „Wir haben es doch erlebt. Das Ghetto von Riga“ heraus (Sprecher: Mathias Klages, Kamera: Hans Jürgen Büsch, Pawel Soldan, Saha Grebnevs, Wolfgang Lindig, Frank Sputh, Peter Petridis, Stefan Preuhß, Peter Reuther, Schnitt: Thomas Kleinwächter, Musik: Giya Kancheli).

© Dieter Wunderlich 2010 / 2013

Eduard Roschmann (Kurzbiografie)

Michael Krüger - Das falsche Haus
Bei der Novelle "Das falsche Haus" handelt es sich um eine surreale, skurrile Geschichte. Witzig und einfallsreich schickt Michael Krüger die Leser durch immer neue unerwartete Wendungen.
Das falsche Haus

Michael Krüger

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