Papst Benedikt IX. ("Kinderpapst")

Theophylakt III. von Tusculum, der zwischen 1012 und 1021 geboren wurde, gehörte einem Geschlecht an, das im 10. und 11. Jahrhundert in Rom das Sagen hatte. So handelte es sich denn auch bei den Päpsten Benedikt VIII. und Johannes XIX. um Tuskulaner. Der Familiensitz befand sich in Tusculum, südöstlich von Rom in den Albaner Bergen.

Als Johannes XIX. im Oktober 1032 starb, bemühte sich sein Bruder Alberich III. von Tusculum, die Cathedra in der Familie zu halten. Mit hohen Bestechungssummen gelang es ihm, die Wahl seines Sohnes Theophylakt III. durchzusetzen. Kaiser Konrad II. akzeptierte die Entscheidung, und der Neffe des verstorbenen Kirchenoberhauptes nahm den Papstnamen Benedikt IX. an.

Benedikt IX. ging als „Kinderpapst“ in die Geschichte ein. Möglicherweise war er beim Amtsantritt erst elf Jahre alt, aber er könnte auch doppelt so alt und in diesem Fall für mittelalterliche Verhältnisse längst erwachsen gewesen sein.

Wenn Alberich von Tusculum erwartete, seinen Einfluss auf politische Entscheidungen über seinen Sohn verstärken und die Hausmacht mehren zu können, sah er sich getäuscht, denn Benedikt IX. strebte eine Verständigung der führenden römischen Adelsfamilien an. Nachdem der Vater sich zurückgezogen hatte, vertrat Benedikts älterer Bruder Gregor II. die Interessen der Tuskulaner.

Papst Benedikt IX. beließ Angehörige konkurrierender Geschlechter in ihren Kirchenämtern und bestätigte 1037 auch die besonderen Befugnisse, die sein Vorgänger dem Kanzler Petrus da Silva Candida übertragen hatte. Er machte ihn darüber hinaus zum Bibliothekar, und in dieser Funktion übernahm Petrus da Silva die Ausstellung von Urkunden.

Obwohl Papst Benedikt IX. 1044 auf einer Synode in Rom einen Konflikt zwischen den Städten Grado und Aquileia regelte, ohne sich mit dem römisch-deutschen König Heinrich III. abzustimmen, versuchte er auch mit dem weltlichen Herrscher einvernehmlich auszukommen.

Im September 1044 erhoben sich die Römer gegen Papst Benedikt IX. und er musste aus der Stadt fliehen. Über die Ursachen gibt es widersprüchliche Spekulationen. So behauptet beispielsweise Bonizo von Sutri, Benedikt habe selbst zurücktreten wollen, um die Frau heiraten zu können, in die er verliebt war. Auf jeden Fall versuchte wieder jedes der konkurrierenden Adelsgeschlechter, sich einen möglichst bedeutenden Teil der Macht zu sichern.

Im Januar 1045 wurde Bischof Giovani di Sabina zum Gegenpapst gewählt. Der Stephanier nannte sich daraufhin Silvester III.

Weder Benedikt IX. noch seine noch immer mächtige Familie fanden sich mit der Entwicklung ab. Der Papst exkommunizierte seinen Konkurrenten, und Gregor von Tusculum vertrieb Silvester III. nach zwei Monaten mit Waffengewalt aus Rom. Der Stephanier verzichtete erst einmal faktisch auf die Cathedra und übernahm erneut das Amt des Bischofs von Sabina.

Benedikt IX. wiederum überließ die Cathedra am 1. Mai 1045 seinem Taufpaten, dem Erzpriester Johannes Gratianus Pierleoni von St. Johann in Porta Latina und zog sich nach Tusculum zurück.

Gregor VI. – so der Papstname – wurde von König Heinrich III. auf dem Apostolischen Stuhl akzeptiert und von dem Kirchenreformer Petrus Damiani sogar als Vorkämpfer gegen die Simonie verehrt. Dabei hatten Gregors Angehörige ein Vermögen aufbringen müssen, um die Forderungen seines Vorgängers erfüllen zu können. Das Geld war zwar nominell an Benedikt IX. gezahlt worden, aber er hatte es verwendet, um das Heer der Tuskulaner im Nachhinein entlohnen und dann auflösen zu können.

Da manche noch Silvester III. oder Benedikt IX. für das rechtmäßige Kirchenoberhaupt hielten, gab es nun drei Päpste (Schisma). Das konnte König Heinrich III. nicht so belassen, denn er wollte sich in Rom zum Kaiser krönen lassen, und dafür benötigte er einen Papst mit unbestrittener Legitimation. Als er im Sommer 1046 die Alpen überquerte, wusste er allerdings vermutlich weder etwas von dem Ämterkauf durch Gregor VI. noch vom Schisma.

Auf einer Synode in Pavia kritisierte er die Zustände in der Kirche im Allgemeinen und die Simonie im Besonderen. Papst Gregor VI. kam ihm nach Piacenza entgegen. Der König empfing das Kirchenoberhaupt mit allen Ehren und

verhandelte mit ihm über die angestrebte Kaiserkrönung. Erst danach scheint er erfahren zu haben, dass Gregor durch Simonie auf den Heiligen Stuhl gekommen war. Auf einer weiteren Synode am 20. Dezember 1046 in Sutri bestätigte Silvester III. seinen Amtsverzicht, und Gregor VI. blieb nichts anderes übrig, als das päpstliche Ornat abzulegen. Heinrich verbannte ihn nach Köln, während Silvester bzw. Johannes von Sabina sein Bischofsamt weiter ausüben durfte. Benedikt IX. war den Einladungen nach Pavia und Sutri nicht gefolgt. Erst auf einer Synode am 23. Dezember in Rom stellte er sich dem römisch-deutschen König und nahm die offizielle Amtsenthebung entgegen.

Damit war die Cathedra verwaist. Heinrich III. nutzte die Gelegenheit, indem er am Heiligen Abend einen Mann seines Vertrauens zum Papst wählen ließ: Suidger von Bamberg, Graf von Morsleben und Homburg. Papst Clemens II., wie dieser sich nun nannte, krönte tags darauf Heinrich III. und dessen Ehefrau Agnes. Der Kaiser ließ sich dann auch noch den spätantiken Titel Patricius Romanorum übertragen, um sein Eingreifen in die Belange der Kirche wenigstens nachträglich zu legitimieren und auch zukünftige Papstwahlen beeinflussen zu können.

Papst Clemens II. starb bereits nach gut neun Monaten im Amt. Möglicherweise wurde er von Gegnern vergiftet, aber das lässt sich nicht beweisen.

In dieser Situation beanspruchte Benedikt IX. wieder die Cathedra. Unterstützt wurde er dabei durch Bonifatius von Canossa, den in Mantua residierenden mächtigen Markgrafen von Tuszien. Erst nach acht Monaten, als Kaiser Heinrich III. mit einem Feldzug drohte, ließ Bonifatius von Canossa den Tuskulaner fallen, der sich deshalb erneut auf die Familiengüter zurückzog. Als neues Kirchenoberhaupt setzte der Kaiser Bischof Poppo von Brixen ein. Aber Papst Damasius II. starb bereits nach gut drei Wochen. Erst im über fünf Jahre dauernden Ponifikat Leos IX. stabilisierten sich die Verhältnisse wieder.

Benedikt IX. bzw. Theophylakt III. von Tusculum starb um 1055 in der Abtei Santa Maria di Grottaferrata.

Peter Prange hat einen Roman über Papst Benedikt IX. geschrieben: „Der Kinderpapst“.

© Dieter Wunderlich 2012

Peter Prange: Der Kinderpapst

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