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Amantine-Aurore-Lucile Dupin wurde am 1. Juli 1804 in Paris geboren – einen Monat nach der Eheschließung ihrer Eltern Maurice Dupin (1778 – 1808) und Antoinette-Sophie-Victoire Delaborde (1773 – 1837). Während die Mutter aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammte und die Tochter eines Vogelhändlers war, gehörte die Familie des Vaters zur Aristokratie: Bei Aurores Urgroßvater väterlicherseits handelte es sich um Hermann Moritz von Sachsen (1696 – 1750), einen illegitimen Sohn Augusts des Starken. Ihr Vater war das einzige Kind aus der zweiten Ehe von Maria-Aurore von Sachsen (1748 – 1821) – der Tochter Moritz' von Sachsen und der Opernsängerin Marie Rinteau de Verrières – mit dem dreiunddreißig Jahre älteren Aristokraten Louis-Claude Dupin de Francueil. Aurore hatte zwei Stiefgeschwister: Hippolyte Chatiron (eigentlich: Pierre Laverdure), den ihr Vater mit einer Magd gezeugt hatte, und Caroline, eine uneheliche Tochter ihrer Mutter.
Während Oberst Maurice Dupin an den Feldzügen Napoleons teilnahm, lebte seine Frau mit ihrer kleinen Tochter Aurore in einer bescheidenen Wohnung in Paris. Antoinette-Sophie-Victoire war im achten Monat schwanger, als sie ihrem Mann nach Spanien nachreiste. In Madrid wurde sie von einem Sohn entbunden, der blind war und kurz nach der Rückkehr der Familie auf das Landgut der Dupins in Nohant in der zentralfranzösischen Landschaft Berry starb. Eine Woche später, am 16. September 1808, kam Maurice Dupin bei einem Reitunfall ums Leben.
Seine Witwe und seine Mutter vereinbarten, dass Aurore von ihrer Großmutter erzogen werden sollte. Während Maria-Aurore Dupin de Francueil die Sommermonate mit Aurore in Nohant verbrachte und im Winter in Paris lebte, zog Sophie-Victoire 1810 ganz nach Paris und sah nur noch selten nach ihrer Tochter, die unter der fehlenden Mutterliebe litt. Maria-Aurore, die ihre Schwiegertochter nicht ausstehen konnte, erzählte ihrer Enkelin darüber hinaus, dass Sophie-Victoire vor ihrer Heirat die Mätresse mehrerer Offiziere gewesen sei. Weil Maria-Aurore nicht über den Tod ihres Sohnes hinwegkam, betrachtete sie ihre Enkelin als Ersatz und rief sie »Maurice«. Die Aristokratin, die aus Aurore eine vornehme Dame machen wollte, legte großen Wert auf Etikette und ließ sich von dem Mädchen nur in der dritten Person ansprechen.
Nachdem Aurore von Privatlehrern unterrichtet worden war, kam die Dreizehnjährige im Januar 1818 in ein Kloster der Englischen Augustinerinnen in Paris. Dort sollte ihre Erziehung abgeschlossen werden. Als das schwärmerische Mädchen jedoch den Wunsch äußerte, Nonne zu werden, holte es die Großmutter erschrocken nach Nohant zurück.
1821 erkrankte Maria-Aurore und musste von ihrer Enkelin gepflegt werden. Die Siebzehnjährige erlebte dies weniger als Belastung denn als Befreiung von der Beaufsichtigung: Sie konnte endlich tun und lassen, was sie für richtig hielt. Beispielsweise zog sie Männerkleidung an, wenn sie auf die Jagd ging. Das tat sie auch später, wann immer es ihr praktisch zu sein schien. »Ich wollte soweit Mann sein, dass ich in Bereiche und Milieus eindringen konnte, die mir als Frau verschlossen waren.«
Als die Großmutter am 26. Dezember starb, erbte Aurore das Landgut in Nohant und das Hôtel Narbonne, ein Patrizierhaus in Paris. Um nicht allein zu sein, zog sie zu ihrer Mutter, der sie von ihren Einkünften aus den Immobilien eine Rente bezahlen musste.
Am 19. April 1822 lernte Aurore den mittellosen Leutnant Casimir Baron Dudevant kennen. Gegen den Willen ihrer Mutter heiratete sie den Sprößling eines Obersten und einer Dienstmagd am 17. September 1822 und zog mit ihm nach Nohant. Dort stellte sich rasch heraus, wie unterschiedlich ihre Interessen waren: Während Aurore wissbegierig las, was sie in die Finger bekam, fand ihr Mann Bücher, Musik und Gespräche über philosophische Fragen langweilig.
Neun Monate nach der Hochzeit, am 30. Juni 1823, brachte Aurore ihren Sohn Maurice zur Welt.
Zwei Jahre später befreundete sie sich während einer Reise in die Pyrenäen mit dem stellvertretenden Staatsanwalt Aurélien de Sèze. Vom 3. bis 19. Dezember 1827 hielt Aurore sich mit ihrem Jugendfreund Stéphane Ajasson de Grandsagne in Paris auf, und am 13. September 1828 gebar sie ihre Tochter Solange, die von Casimir Dudevant trotz erheblicher Zweifel an der Vaterschaft wie eine eigene Tochter geliebt wurde.
Im Sommer 1830 ließ Aurore den neunzehnjährigen Jurastudenten Jules Sandeau (1811 – 1883) nachts heimlich durchs Fenster in ihr Schlafzimmer. Ende des Jahres verständigten sich die Dudevants über ihre Trennung: Weil Casimir nach geltendem Recht als Ehemann über den Besitz seiner Frau verfügte, also über das Landgut in Nohant und das Anwesen in Paris, leistete er Unterhaltszahlungen für Aurore. Sie ließ Maurice und Solange Anfang 1831 in der Obhut eines Hauslehrers bzw. eines Kindermädchens in Nohant zurück und nahm sich zusammen mit Jules Sandeau eine Dachkammer in Paris. In einer Zeit, in der eine Frau für einen Ehebruch noch mit Zuchthaus bestraft werden konnte, war das skandalös.
Die beiden wurden in der Redaktion der satirischen Zeitschrift »Figaro« angestellt und veröffentlichten im Dezember 1831 unter dem Pseudonym »J. Sand« ihren gemeinsam geschriebenen Roman »Rose et Blanche ou la Comédienne et la Religieuse«. Danach verfasste Aurore innerhalb von nur zwei Monaten – im Februar und März 1832 – einen weiteren Roman: »Indiana« und wählte »George Sand« als Autorennamen. Das Buch handelt von einer neunzehnjährigen, mit einem sehr viel älteren Offizier verheirateten Kreolin, die gegen die Ehe revoltiert und sich ebenso leidenschaftlich wie unglücklich in einen Nachbarn verliebt.
Mit ihrem dritten Roman – »Lélia« – löste George Sand im Juli 1833 einen Skandal aus, weil die Protagonistin an den überkommenen Werten der Religion, Familie und Gesellschaft zweifelt, die Gleichberechtigung der Geschlechter fordert und ihre sexuelle Begierde nicht schamhaft verleugnet.
Obwohl George Sand unter Migräneanfällen, Magenschmerzen und rheumatischen Beschwerden litt, schrieb sie acht Stunden täglich, meistens nachts, und weil sie sich nicht mit langwierigen Überarbeitungen aufhielt, brachte ihr Verleger François Buloz alle paar Monate einen neuen Roman von ihr heraus. Auf diese Weise verdiente George Sand mehr als die meisten Schriftsteller ihrer Zeit, aber außer Honoré de Balzac und Alexandre Dumas dem Älteren war auch niemand produktiver als sie: Sie veröffentlichte in ihrem Leben 180 Bücher, schrieb unzählige Zeitungsartikel und verschickte etwa 40 000 Briefe. »Nichtstun war für mich seit frühester Kindheit die schlimmste aller Strapazen«, erklärte George Sand in ihrer Autobiografie »Histoire de ma vie«. Aufgrund des Arbeitseifers war Anfang 1833 die Beziehung mit dem Müßiggänger Jules Sandeau zerbrochen.
1833 zog der sechs Jahre jüngere Dichter Alfred de Musset (1810 – 1857) zu George Sand. Am 12. Dezember brachen sie nach Venedig auf, um dort den Winter zu verbringen. Die Reise war für George Sand jedoch kein Anlass, die Arbeit liegen zu lassen. Darüber tröstete sich de Musset mit Alkohol und Prostituierten hinweg. »Am Abend hatte ich zehn Verse gemacht und eine Flasche Schnaps getrunken; sie hatte einen Liter Milch getrunken und ein halbes Buch geschrieben.« Als er in Venedig erkrankte und von Pietro Pagello behandelt wurde, verliebte sich George Sand in den Arzt und wurde im Februar dessen Geliebte. Der inzwischen wieder genesene Alfred de Musset kehrte im März verärgert und niedergeschlagen nach Paris zurück. George Sand folgte ihm erst im August in Begleitung Pietro Pagellos.
George Sand und Casimir Dudevant trennten sich 1836 endgültig. Casimir sollte das Hôtel Narbonne in Paris übernehmen und George Sand das Landgut in Nohant bewirtschaften. Als er dann doch nicht auf Nohant verzichten wollte, kam es zu einer juristischen Auseinandersetzung. Ein Gericht in Bourges entschied, dass George Sand – die inzwischen bei Freunden gewohnt hatte – nach Nohant zurückkehren durfte und Casimir Dudevant sich von ihr fernhalten musste [Stalking].
Während des Prozesses hatte sich George Sand in ihren Rechtsanwalt Michel de Bourges verliebt. Der engagierte Republikaner und vitale Sexualpartner drängte ihr seine politischen Ansichten auf, aber von der Liebe hielt er nichts, denn im Grunde verachtete er die Frauen. Nach der Trennung von ihm lebte George Sand einige Zeit mit Félicien Mallefille zusammen, dem neun Jahre jüngeren Privatlehrer ihres Sohnes Maurice, der auch als Sekretär für sie tätig war.
Im Herbst 1836 reiste George Sand mit Maurice, Solange, Franz Liszt (1811 – 1886) und seiner Lebensgefährtin, Marie Gräfin d'Agoult (1805 – 1876), nach Chamonix. Es war der Beginn einer engen Freundschaft: Im Jahr darauf verbrachten der Komponist und die Gräfin einige Monate bei George Sand in Nohant.
Im Salon der Gräfin d'Agoult lernte George Sand im November 1836 den sechs Jahre jüngeren Pianisten Frédéric Chopin (1810 – 1849) kennen, der nach dem Ende November 1830 begonnenen Aufstand in Warschau gegen die russischen Besatzer nicht mehr von einem Gastspiel in Wien nach Polen zurückgekehrt war und seit 1831 in Paris lebte. »Was für eine unsympathische Frau!«, soll er im Freundeskreis ausgerufen haben. Da ahnte er noch nicht, dass George Sand von 1838 bis 1847 an seiner Seite leben würde.
Erst im Frühjahr 1838, nach der Auflösung der Verlobung Chopins mit Maria Wodzinska, trafen sich der polnische Musiker und die französische Schriftstellerin häufiger. Sie waren grundverschieden: Der Katholik Frédéric Chopin vertrat konservative Ansichten und verabscheute die Sexualität; George Sand pries dagegen die körperliche Liebe, propagierte sozialistische Ideale und kritisierte die katholische Kirche.
Auf ärztlichen Rat hin entschloss sich Chopin, den Winter 1838/39 wegen seiner Tuberkulose auf Mallorca zu verbringen, und George Sand begleitete ihn mit Maurice und Solange. Auf diese Weise konnte sie sich den Nachstellungen des eifersüchtigen Félicien Mallefille entziehen,
und sie versprach sich davon auch eine Linderung der rheumatischen Beschwerden ihres fünfzehnjährigen Sohnes. Weil sich das gemietete Haus als zugig erwies, flohen sie vor dem schlechten Wetter in die verlassene Kartause von Valldemossa. Die Mallorquiner zeigten unverhohlen, dass sie das unverheiratete Paar missbilligten, das nicht zur Kirche ging und das zehnjährige Mädchen Solange in Hosen herumlaufen ließ. Im Februar 1839 traf die kleine Reisegesellschaft wieder in Marseille ein. »Wären wir noch einen Monat in Spanien geblieben, wir wären gestorben, Chopin und ich, er aus Trübsinn und Abscheu, ich vor Wut und Empörung«, teilte George Sand einer Freundin mit.
Ende Mai 1839 kehrte George Sand mit Chopin nach Nohant zurück, und von 1841 bis 1846 verbrachten sie jeden Sommer auf dem Landgut; im Winter wohnten sie dagegen in getrennten Apartments in Paris.
Bei Streitigkeiten zwischen Frédéric Chopin und George Sand hielt Solange zu dem Komponisten, während ihr Bruder der Mutter beistand. Nicht genug damit: Das hübsche Mädchen hetzte Chopin gegen George Sand auf, bis er sich Anfang 1847 von seiner Geliebten trennte.
Als Studenten, Arbeiter und Nationalgardisten im Februar 1848 den »Bürgerkönig« Louis-Philippe (1773 – 1850) stürzten und die II. Republik ausriefen (Februarrevolution), eilte George Sand – die sich inzwischen zum Kommunismus bekannte – begeistert nach Paris. Sie jubelte Louis Napoléon (1808 – 1873) zu, der im Dezember zum Staatspräsidenten gewählt wurde, doch als er sich am 2. Dezember 1852 zum Kaiser ausrufen ließ, wandte sie sich empört von ihm ab. Um trotz verschärfter Zensurbestimmungen mit Schreiben Geld verdienen zu können, hörte sie auf, Sozialromane zu verfassen und verlegte sich stattdessen auf unverfänglichere Themen.
Solange trennte sich 1854 nach sieben Jahren Ehe von ihrem Mann, dem vulgären Bildhauer Jean-Baptiste (»Auguste«) Clésinger (1814 – 1883). Maurice vermählte sich 1862 mit Lina Calamatta, der Tochter eines italienischen Graveurs, mit der George Sand sich sehr gut verstand. Dass der Sohn von Maurice und Lina 1863 kurz nach der Geburt starb, schmerzte George Sand, die bereits zwei Enkeltöchter verloren hatte.
Fünfzehn Jahre lang war der Graveur und Bildhauer Alexandre-Damien Manceau (1817 – 1865) ihr Lebensgefährte. 1864 überließ George Sand das Landgut ihrem auf Manceau eifersüchtigen Sohn Maurice und zog mit ihrem Liebhaber nach Palaiseau bei Paris, wo dieser 1865 im Alter von achtundvierzig Jahren an Tuberkulose starb.
Zu den engsten Freunden der alternden Schriftstellerin gehörte der fünfzehn Jahre jüngere Schriftsteller Gustave Flaubert (1821 – 1880). Als er über das Alter klagte, schrieb sie ihm: »Keine Schwächen bitte! [...] Und ich! Glaubst du denn, dass ich keine Hilfe und Unterstützung brauche bei meiner langen Arbeit, die noch nicht zu Ende ist? Liebst du denn niemanden mehr, nicht einmal deinen alten Troubadour, der immerzu singt und oft weint, doch sich dabei verbirgt, wie die Katzen, wenn sie sterben?«
George Sand starb am 8. Juni 1876 in Nohant. Flaubert trauerte um die Freundin: »Arme, liebe, große Frau! [...] Man muss sie so kennen, wie ich sie gekannt habe, um zu wissen, welch ungeheuer weibliches Gefühl in diesem bedeutenden Menschen war, und welche ungeheure Zärtlichkeit sich in diesem Genius befand.«
Literatur über George Sand
- Jean Chalon: Ein Leben in Leidenschaft (Berlin 1995)
- Henes Maier und Gloria Keetman: Mit George Sand und Frédéric Chopin auf Mallorca (Düsseldorf 1986)
- Maria Matray: Die Liebenden George Sand und Frédéric Chopin (Berlin 1998)
- André Maurois: Dunkle Sehnsucht. Das Leben der George Sand (München 1957)
- Bernard Nollen: Ein Winter auf Mallorca. Mit George Sand und Frédéric Chopin (Köln 2000)
- George Sand: Geschichte meines Lebens (hg.: Renate Wiggershaus, Frankfurt/M 1977)
- George Sand: Ein Winter auf Mallorca (Frankfurt/M 1979)
- George Sand: Sie und Er (München 1982)
- Virginie Wortmann-Lacouronne: Germaine de Staël und George Sand (St. Ingbert 1997)
Über die Affären von George Sand mit Alfred de Musset und Pietro Pagello drehte Diane Kurys den Kinofilm "Das Liebesdrama von Venedig", der im Fernsehen unter dem Titel "Eine leidenschaftliche Affäre" ausgestrahlt wird.
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