Antikörper

Antikörper

Antikörper

Originaltitel: Antikörper – Regie: Christian Alvart – Drehbuch: Christian Alvart – Kamera: Hagen Bogdanski – Schnitt: Philipp Stahl – Musik: Michl Britsch – Darsteller: Wotan Wilke Möhring, Heinz Hoenig, André Hennicke, Ulrike Krumbiegel, Nina Proll, Hauke Diekamp, Laura Alberta Szalski, Norman Reedus, Jürgen Schornagel, Nadeshda Brennicke u.a. – 2005; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Alle gehen davon aus, dass der in Berlin gefasste und inhaftierte Psychopath Gabriel Engel nicht nur 13 Jungen und einen Polizisten ermordet hat, sondern auch die pubertierende Lucia Flieder in dem Dorf Herzbach. Nur der Dorfpolizist Michael Martens glaubt nach wie vor, dass der Mörder in Herzbach zu finden sei. Um sich Gewissheit zu verschaffen, will er Engel selbst in Berlin verhören. Er ahnt nicht, auf was er sich da einlässt ...
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Kritik

Bei "Antikörper", dem Kinodebüt von Christian Alvart, handelt es sich um einen finsteren, spannenden Psychoschocker nach dem Vorbildern "sieben" und "Das Schweigen der Lämmer".
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Eine alte Frau (Waltraud Witte) ruft die Polizei, weil ihr ein Nachbar in dem Berliner Mietshaus verdächtig vorkommt. Als die beiden Streifenpolizisten Schmitz und Wagner (Norman Reedus, Christian von Aster) auf der Etage stehen, erschießt der Bewohner einen von ihnen durch die geschlossene Tür mit einer großkalibrigen Waffe. Der andere ruft Verstärkung. Ein Spezialkommando trifft ein. Der Täter flieht splitternackt und springt aus einem Fenster. Dabei bricht er sich das Rückgrat und kann sich nur noch von der Hüfte aufwärts bewegen. Kommissar Seiler (Heinz Hoenig) verhaftet ihn. Bei dem Festgenommenen handelt es sich um Gabriel Engel (André Hennicke). In seiner Wohnung war er gerade dabei, einem sterbenden Jungen Blut abzuzapfen und damit zu malen. So hatte er es auch mit den zwölf anderen Jungen gemacht, die ihm seit dem 6. Juni 1996 zum Opfer gefallen waren. Seiler wird dafür gefeiert, dass er den seit Jahren gesuchten Serienmörder hinter Gitter gebracht hat.

In dem Dorf Herzbach in Mecklenburg-Vorpommern wurde vor einem Jahr zwar kein Junge, aber ein Mädchen grausam ermordet: Lucia Flieder (Isabel Bongard). Der Dorfpolizist Michael Martens (Wotan Wilke Möhring) fand damals die Leiche. Der Mörder hatte Lucia ein Messer zwischen die Beine gerammt und sie bis zur Brust aufgeschlitzt. – Obwohl Engel inzwischen gestanden hat, die dreizehn Jungen und den Polizisten umgebracht zu haben, und die Polizei in Berlin davon ausgeht, dass er auch Lucia Flieder ermordete, befürchtet Martens nach wie vor, dass es sich bei Lucias Mörder um einen Dorfbewohner handelt. Damit nervt er die Mitbewohner seit Jahren, vor allem seinen groben Schwiegervater Sucharzewski (Jürgen Schornagel). Obwohl Martens nur Teilzeit-Polizist ist und sich dringend um seinen Bauernhof kümmern müsste, lässt er seine Ehefrau Rosa (Ulrike Krumbiegel) mit dem dreizehnjährigen Sohn Christian (Hauke Diekamp) und der jüngeren Tochter Sarah (Laura Alberta Szalski) in Herzbach zurück und fährt nach Berlin, um sich durch ein Verhör Engels Gewissheit zu verschaffen.

Weil Engel, der in einer Art Käfig in einem Hochsicherheitstrakt in Einzelhaft gehalten wird und aufgrund seiner Verletzung in einem Rollstuhl sitzt, beharrlich schweigt, lässt Kommissar Seiler es auf einen Versuch ankommen und verschafft dem Dorfpolizisten die Möglichkeit, mit Engel zu reden. Tatsächlich bricht Engel sein Schweigen. Verblüffenderweise redet er Martens mit Namen an und weiß auch, dass er einen Sohn hat. Der hochintelligente Psychopath, der die Gesellschaft verachtet und keine Moral anerkennt, will wissen, was der streng katholische Ordnungshüter denkt, wenn er mit seiner Frau schläft. Vergeblich fragt Martens, wer Lucia ermordet hat. Als er schon aufgeben will, behauptet Engel, den Mörder zu kennen und Lucias Höschen mit dem Sperma des Täters zu besitzen. Er habe die Bluttat zufällig beobachtet. Weiter sagt er nichts.

Gegen den Willen seines Chefs Bosowski (Klaus Zmorek) ermöglicht Seiler es Martens, sich in der bereits gründlich durchsuchten Wohnung des Serienmörders umzusehen. Martens findet etwas, das bei der Spurensicherung übersehen wurde: In einer Wand sind vierzehn Kästchen eingemauert, und in jedem der Kästchen befindet sich eine Unterhose. Es handelt sich um dreizehn Unterhosen von Jungen und einen Mädchenslip. Im Labor wird festgestellt, dass Engel auf jedes der Wäschestücke ejakulierte. Auf dem Höschen gibt es auch noch Spermareste, die nicht von Engel stammen. Hat Engel die Wahrheit gesagt, als er behauptete, den Mörder Lucias beobachtet und sich danach das Höschen der Toten verschafft zu haben?

Durch die Konfrontation mit dem perversen Serienmörder wird der tiefgläubige Polizist aufgewühlt. Im Hotelzimmer schaltet er das Fernsehgerät ein und sieht eine pornografische Szene. Das Echo der Worte Engels hallt in seinem Kopf nach. „Das Böse ist ein Virus“, behauptete der Psychopath, „und du bist infiziert!“ Es hält Martens nicht mehr im Hotel. Obwohl er seine Frau noch nie betrog, treibt er es mit der Boutiquenbesitzerin Lucy (Nina Proll), die er zufällig kennengelernt hatte, und er probiert dabei Praktiken wie Oral- und Analsex aus.

Aufgrund der Spermaspuren auf Lucias Höschen werden alle Männer in Herzbach aufgefordert, eine Speichelprobe abzugeben, damit die DNA verglichen werden kann. Die Untersuchung ergibt nichts. Weil alle erwachsenen Männer bis auf den Polizisten und seinen Schwiegervater mitgemacht haben, hält Martens das für den Beweis, dass Sucharzewski Lucia ermordete. Er stellt seinen Schwiegervater in einer Scheune, aber dessen Ehefrau (Gudrun Ritter) versichert ihm, ihr Mann sei seit dreizehn Jahren nicht mehr in der Lage, zu ejakulieren.

Engel gelingt es, sich ein Gift zu verschaffen und es zu sich zu nehmen. Innerhalb von 48 Stunden wird er tot sein. Deshalb holt Seiler Martens mit einem Hubschrauber nach Berlin. Tatsächlich hat Engel offenbar nur darauf gewartet, mit Martens reden zu können. Er erzählt ihm, er sei vor einem Jahr durch Herzbach gefahren und habe dabei Martens gesehen. Nach einem Mord in achtzig Kilometer Entfernung kehrte er in das Dorf zurück und beschattete Martens‘ Sohn Christian, den er sich als nächstes Opfer ausgesucht hatte. Dabei beobachtete er, wie Christian vor den Augen eines Mädchens auf grausame Weise ein Lamm umbrachte. Um sich das Blut abzuwaschen, badete der Junge mit seiner Freundin nackt im See. Als sie seinen erigierten Penis spürte, erschrak sie und drohte, ihrer Mutter alles zu erzählen. Daraufhin – so erzählt Engel weiter – habe Christian sie getötet. Zornig stürzt Martens sich auf den in einem Krankenbett liegenden Serienmörder und würgt ihn, bis er von anderen Polizeibeamten zurückgerissen wird.

Seiler will wissen, was Engel gesagt hat, aber Martens antwortet ihm nicht.

Das BKA verlangt auch eine Speichelprobe des Dorfpolizisten. Der schickt eine von sich und eine zweite, über deren Herkunft er nichts verrät. Im Labor stellt sich heraus, dass die DNA der zweiten Speichelprobe mit der des Spermas auf Lucias Höschen übereinstimmt. Seiler fragt, von wem die Probe ist, aber Martens vertröstet ihn auf den nächsten Tag, denn er will seinen Sohn selbst richten. Er glaubt nun auch zu wissen, warum Christian seit Lucias Ermordung so verstört ist und trotz seiner dreizehn Jahre wieder das Bett nässt.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Unmittelbar bevor Engel stirbt, beißt er sich eine Fingerkuppe ab und malt damit siebzehn Quadrate aufs Bett. Seiler überlegt: Vierzehn Quadrate stehen für die dreizehn ermordeten Jungen und den Polizisten, das fünfzehnte Quadrat für Engel. Wen symbolisieren die beiden anderen Quadrate? Die Antwort auf die Frage findet Seiler in dem Buch, in dem Engel eine Art Memoiren geschrieben hat. Ein von dem Häftling bestochener Techniker (Domenico D’Ambrosio) hatte ihm das Gift besorgt und das Buch aus dem Hochsicherheitstrakt geschmuggelt. Engel schildert in dem Buch, wie er den damals zwölfjährigen Christian und dessen Freundin Lucia vor einem Jahr in einer Scheune beobachtete. Kurz nachdem der Junge auf das von Lucia ausgezogene Höschen ejakuliert hatte, wurde er von seinem Vater gerufen. Während Christian die Scheune verließ, packte Engel das Mädchen und ermordete es. Indem er Martens einredete, dessen Sohn habe Lucia auf dem Gewissen, wollte er ihn dazu bringen, Christian zu töten und damit auch seine eigene Existenz zu ruinieren.

Mit dem Hubschrauber eilt Seiler nach Herzbach. Als er von Rosa Martens erfährt, dass ihr Mann mit dem Sohn im Wald ist, befürchtet er das Schlimmste.

An diesem Morgen ging Martens mit Christian zur Jagd. Er wollte ihn selbst richten. Doch als er ihm eine Pistole an den Kopf hält, werden sie von einem Rudel Rehe umringt. Staunend blickt Martens auf die friedlichen Tiere. Dann taucht der Hubschrauber auf, und Martens erfährt die Wahrheit.

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Obwohl der gesuchte Serienmörder in dem abgründigen Psychothriller „Antikörper“ von Christian Alvart gleich zu Beginn festgenommen wird, sich beim Fluchtversuch eine Querschnittlähmung zuzieht und für den Rest der Handlung in einem Hochsicherheitstrakt eingesperrt ist, zieht er auch weiterhin die Fäden. Es handelt sich um einen hochintellektuellen Psychopathen wie Hannibal Lecter in „Das Schweigen der Lämmer“. „Wen haben Sie erwartet? Hannibal Lecter?“, fragt Gabriel Engel denn auch den Polizisten Michael Martens bei der ersten Begegnung. Er treibt mit ihm ein perfides Spiel wie John Doe in „sieben“.

Dass sowohl der Serienmörder als auch der Ordnungshüter den Namen eines Erzengels trägt, ist wohl kein Zufall. Während Gabriel Engel weder Gesetz noch Moral anerkennt, bringt er den streng katholischen Michael Martens dazu, sich nicht nur in der verruchten Großstadt seinen inneren Dämonen stellen zu müssen. Die religiöse Thematik kommt im Verlauf des Films „Antikörper“ immer stärker zum Tragen, bis sie an mindestens einer Stelle in Kitsch umschlägt. Auch wenn nicht jede Szene überzeugend ist, ist es Christian Alvart in seinem Kinodebüt gelungen, den Spannungsbogen zwei Stunden lang zu halten: „Antikörper“ ist ein gelungener Psychoschocker.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2007

Christian Alvart: Banklady

Elisabeth Herrmann - Das Kindermädchen
NS-Zwangsarbeit und -Raubkunst sind die zentralen Themen des Kriminalromans "Das Kindermädchen". Elisabeth Herrmann erzählt eine spannende, in der Gegenwart spie­lende Geschichte, deren Wurzeln in die letzten Kriegsjahre zurück­reichen. Zur Unterhaltung tragen auch Humor und Ironie bei.
Das Kindermädchen

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