Ferien

Ferien

Ferien

Originaltitel: Ferien – Regie: Thomas Arslan – Drehbuch: Thomas Arslan – Kamera: Michael Wiesweg – Schnitt: Bettina Blickwede – Darsteller: Angela Winkler, Karoline Eichhorn, Uwe Bohm, Anja Schneider, Gudrun Ritter, Wigand Witting, Amir Hadzic, Leyla Bobaj, Aaron Raabe u.a. – 2007; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Laura will die Ferien mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern bei ihrer Mutter Anna verbringen, die mit ihrem zweiten Ehemann und Lauras Halbbruder in einem idyllischen Landhaus wohnt. Als Annas Mutter ins Krankenhaus muss und zu befürchten ist, dass sie bald stirbt, reist auch Annas unverheiratete Tochter Sophie an. Das Paradies erweist sich als trügerisch: Nach und nach brechen Konflikte auf, die alles zu zerstören drohen ...
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Kritik

"Ferien" ist ein leises, berührendes Familiendrama von Thomas Arslan, der bei der Gestaltung kompromisslos auf eine strenge, minimalistische Form setzte.
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Anna (Angela Winkler) lebt mit ihrem zweiten Ehemann Robert (Wigand Witting) und ihrem fünfzehnjährigen Sohn Max (Amir Hadzic) in einem idyllischen Landhaus in der Uckermark. Max fühlt sich in der abgelegenen Gegend nicht wohl und würde lieber in einer Großstadt wohnen.

In diesem Sommer kommt Laura (Karoline Eichhorn), eine der beiden Töchter aus Annas erster Ehe, mit ihrem Mann Paul (Uwe Bohm) und ihren beiden kleinen Kindern Leyla und Aaron (Leyla Bobaj, Aaron Raabe) aus Berlin, um in diesem Paradies die Ferien zu verbringen. Ein paar Tage später hält Anna es für erforderlich, ihre kranke, pflegebedürftige Mutter (Gudrun Ritter) zu sich zu holen, und in dem Landhaus wird es ein wenig eng. Als die alte Frau ins Krankenhaus gebracht werden muss und mit ihrem baldigen Ableben zu rechnen ist, reist auch Annas unverheiratete Tochter Sophie (Anja Schneider) an.

Max gerät mit seiner Freundin Zoe (Babette Semmer) in Streit, aber die beiden Jugendlichen versöhnen sich bald wieder. Die Krise in der Ehe von Paul und Laura ist zunächst weniger auffällig; sie zeigt sich erst einmal nur in Lauras Abneigung gegen Pauls Berührungen. Schließlich gesteht sie ihm, seit ein paar Monaten eine Affäre mit einem anderen Mann zu haben und im Augenblick nicht zu wissen, ob sie sich von Paul trennen möchte oder nicht. Paul ist erbittert darüber, dass er nichts gemerkt hat und zeigt nun seinerseits Laura die kalte Schulter.

Eines Abends, als Anna gekocht hat und alle nach dem Essen noch am Tisch sitzen, sagt Anna enttäuscht, sie habe ihren geschiedenen Mann eingeladen, aber er sei nicht gekommen. Robert versucht ruhig zu bleiben und verlässt den Raum, ohne ein Wort zu sagen. Entrüstet fragt Laura ihre Mutter, wie sie ihnen das hätte zumuten wollen – und gerät darüber mit Sophie in Streit.

Die aufgebrochenen Konflikte drohen die Lebenslügen und den Zusammenhalt der Familie zu zerstören.

Paul reist allein nach Berlin zurück.

Als Anna durch einen Anruf vom Krankenhaus die Nachricht erhält, dass ihre Mutter gestorben ist, setzen Laura und Sophie sich schweigend zu ihr und nehmen sich bei der Hand.

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„Ferien“ ist ein leises, berührendes Familiendrama. Thomas Arslan versucht nicht, das komplexe Beziehungsgeflecht zu erklären. Er erzählt die Geschichte zwar chronologisch, aber nicht fließend, sondern in kleine Episoden zerbrochen. Die Kamera verharrt meistens längere Zeit ohne Zoom und Schwenk auf einem bestimmten Bildausschnitt, und es kommt vor, dass man einen Teil einer Szene nur akustisch wahrnimmt, weil die handelnden Personen erst nach einer Weile ins Blickfeld treten. Um so wichtiger sind die Geräusche. Eine Musikuntermalung gibt es in „Ferien“ konsequenterweise nicht. Die strenge, karge Form lässt auch keine Gefühlsausbrüche zu. Um so mehr kommt es bei diesem minimalistischen Stil auf die Darsteller an, und da bewähren sich vor allem Angela Winkler und Karoline Eichhorn.

Wigand Witting ist übrigens im wirklichen Leben Bildhauer und seit langer Zeit der Lebenspartner von Angela Winkler (* 1944).

Thomas Arslan (* 1962) wurde in Braunschweig geboren, wuchs in Essen auf und ging in Ankara zur Schule. Nach zwei Semestern Germanistik in Hamburg studierte er von 1986 bis 1992 an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Thomas Arslan gilt neben Christian Petzold („Gespenster“) und Angela Schanelee als einer der wichtigsten Vertreter der „Berliner Schule“, die in Frankreich auch als „Nouvelle Vague Allemande“ bezeichnet wird.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Thomas Arslan: Gold

Stefanie Bachstein - Du hättest leben können
"Du hättest leben können" ist kein abstrakter, sondern ein szenisch umgesetzter Bericht, in dem eine um ihr Kind trauernde Mutter differenziert und ohne Larmoyanz das Gefühlschaos darstellt, in dem sie sich zurechtfinden muss. Gleichzeitig untersucht sie die strukturellen Mängel im Umgang mit ärztlichen Kunstfehlern und fordert Verbesserungen.
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Stefanie Bachstein

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