Arsen und Spitzenhäubchen

Arsen und Spitzenhäubchen

Arsen und Spitzenhäubchen

Arsen und Spitzenhäubchen - Originaltitel: Arsenic and Old Lace - Regie: Frank Capra - Drehbuch: Julius J. und Philip G. Epstein. nach dem Theaterstück "Arsen und Spitzenhäubchen" von Joseph Kesselring - Kamera: Sol Polito - Schnitt: Daniel Mandell - Musik: Max Steiner - Darsteller: Cary Grant, Priscilla Lane, Josephine Hull, Jean Adair, Peter Lorre, Raymond Massey, John Alexander, Jack Carson, John Ridgely, Edward McNamara, Edvard Everett Horton u.a. - 1944; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Vor der Hochzeitsreise besucht Mortimer Brewster nur noch kurz seine Tanten Abby und Martha, die mit seinem verrückten Bruder Teddy gemeinsam in einem Haus wohnen. Während die beiden liebenswürdigen alten Damen in der Küche Tee und Kuchen herrichten, entdeckt Mortimer durch Zufall in der Fenstertruhe eine Leiche ...
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Kritik

"Arsen und Spitzenhäubchen" ist eine rabenschwarze, urkomische Kriminalgroteske von Frank Capra voll origineller Einfälle und verrückter Wendungen.
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Mortimer Brewster (Cary Grant), ein Theaterkritiker und Autor ehefeindlicher Bücher, heiratet die hübsche Pfarrerstochter Elaine Harper (Priscilla Lane) und will noch am selben Tag mit ihr zu den Niagarafällen fahren. Vorher besucht er nur noch kurz seine Tanten Abby und Martha Brewster (Josephine Hull, Jean Adair), die mit seinem verrückten Bruder Teddy Brewster (John Alexander) gemeinsam in einem Haus wohnen.

Während die beiden liebenswürdigen alten Damen in der Küche Tee und Kuchen herrichten, entdeckt Mortimer durch Zufall in der Truhe am Fenster eine Leiche. Er versucht, seinen Tanten schonend beizubringen, dass Teddy sofort in eine Heilanstalt eingewiesen werden muss. Aber nicht Teddy, sondern Abby und Martha töteten den Mann! Und im Keller liegen noch weitere elf Leichen!

Seit ein unglücklicher, einsamer alter Mann tot in ihrem Haus zusammenbrach und im Tod friedlich zu lächeln schien, haben Abby und Martha es sich zur Aufgabe gemacht, einsame alte Männer ins Haus zu locken und mit vergiftetem Holunderbeerwein „Gott näher zu bringen“. Teddy, der sich für Präsident Theodore Roosevelt hält, half nur, die Leichen im Keller zu begraben, wobei Abby und Martha ihn glauben ließen, er hebe den Panama-Kanal aus und bestatte an Gelbfieber gestorbene Männer.

Obwohl also die naiven Tanten die Mörderinnen sind, hält Mortimer es für das Beste, erst einmal Teddy in einer Nervenheilanstalt unterzubringen. Bevor er sich auf den Weg macht, um die nötigen Vorkehrungen zu treffen, schärft er Abby und Martha ein, niemanden ins Haus zu lassen.

Während Mortimer fort ist, dringt sein Bruder Jonathan Brewster (Raymond Massey) ins Haus ein. Seit seiner Kindheit war er nicht mehr hier. Weil er wegen zwölf Morden auf verschiedenen Kontinenten von der Polizei gesucht wird, will er sich erneut das Gesicht operieren lassen. Den alkoholkranken Arzt Dr. Herman Einstein (Peter Lorre) hat er gleich mitgebracht. Die verängstigten Tanten verscheucht Jonathan zu Teddy ins Obergeschoss.

Aus dem Kofferraum des Autos holen Jonathan und Dr. Einstein die Leiche des letzten Mordopfers, hieven sie durchs Fenster und verstecken sie in der inzwischen wieder leeren Truhe.

Als Mortimer zurückkommt, ärgert er sich über die Anwesenheit der beiden ungebetenen Gäste. Durch Zufall entdeckt er die neue Leiche in der Truhe. Nachdem er begriffen hat, dass es sich nicht um ein weiteres Opfer seiner Tanten handelt, versucht er, Jonathan und dessen Begleiter mit der Drohung die Polizei zu rufen, aus dem Haus zu vertreiben. Weil Jonathan jedoch inzwischen weiß, dass die von ihm mitgebrachte Leiche nicht die einzige im Haus ist, lässt er sich nicht einschüchtern. Stattdessen fesselt er Mortimer auf einen Stuhl und beabsichtigt, ihn ebenfalls umzubringen.

Als der Polizist O’Hara (Jack Carson) vorbeischaut, weil Nachbarn sich über Teddys Trompetensignale beschwerten, wundert er sich über den Gefesselten und Geknebelten, lässt sich allerdings vormachen, dass er in die Probe eines von Mortimer verfassten Theaterstücks geplatzt sei und redet von dem Stück, das er selbst schreiben möchte. Als Jonathan sich mit einem Messer in der Hand an O’Hara heranschleicht, schlägt Dr. Einstein ihn von hinten mit einem Schuh nieder. Kurz darauf kommen zwei Polizisten, die nach ihrem Kollegen suchen, der längst auf der Wache hätte sein müssen. Einer der beiden greift zum Telefon und meldet: „Wir haben den Gesuchten gefunden.“ In diesem Augenblick schlägt Jonathan die Augen auf, bezieht den Satz auf sich und glaubt, er sei von Mortimer verraten worden. Die Männer prügeln sich, und Jonathan geht erneut zu Boden. Polizeileutnant Rooney (James Gleason), der nach dem Rechten schaut, erkennt in dem Bewusstlosen den Serienmörder, nach dem gefahndet wird und verhaftet ihn. Dr. Einstein entkommt.

Mortimer gelingt es, eine polizeiliche Durchsuchung des Hauses – insbesondere des Kellers – zu verhindern, und er lässt nicht nur Teddy, sondern auch Abby und Martha in ein Sanatorium bringen.

Währenddessen entdeckt allerdings Elaine die Leichen im Keller und will darüber die Polizei informieren. Mit einem Kuss verschließt Mortimer ihr gerade noch rechtzeitig den Mund.

Aufgrund der Erkenntnisse der letzten Stunden befürchtet Mortimer, dass auch er geistesgestört sein könnte. Aber die Tanten klären ihn darüber auf, dass er das Kind eines Schiffskochs sei, als Kind adoptiert wurde und weder sie noch Teddy oder Jonathan zu seinen leiblichen Verwandten zählen.

Mortimer ist mit den Nerven völlig fertig, als er endlich die Hochzeitsreise mit seiner frisch angetrauten Frau antreten kann.

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Die rabenschwarze Kriminalgroteske „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Frank Capra gilt längst als Klassiker, und es handelt sich um einen der lustigsten Filme überhaupt. Die turbulente Abfolge von Verwicklungen und Missverständnissen raubt einem den Atem. Verrückte Wendungen folgen Schlag auf Schlag. In der skurrilen Geschichte treffen braves Bürgertum und Horror in einer einmaligen Weise aufeinander. Urkomisch sind die Situationen, pointiert die Dialoge. Und wie Cary Grant die Rolle des genervten Mortimer Brewster in „Arsen und Spitzenhäubchen“ spielt, ist unnachahmlich. Ein sehr unterhaltsamer Klamauk.

Bis auf wenige Ausnahmen spielt die gesamte Handlung im Wohnzimmer von Abby und Martha. Kein Wunder, basiert der Film „Arsen und Spitzenhäubchen“ von Frank Capra (Regie), Julius J. und Philip G. Epstein (Drehbuch) doch auf einem Theaterstück von Joseph Kesselring. Das hatte am 10. Januar 1941 im Fulton Theatre seine Broadway-Premiere. Erst nach der 1444. Aufführung am 17. Juni 1944 wurde „Arsen und Spitzenhäubchen“ aus dem Programm genommen. So lange durfte der bereits vom 20. Oktober bis 16. Dezember 1941 gedrehte Film aufgrund der Verträge nicht in Kinos vorgeführt werden. Erst am 1. September 1944 fand in New York die Premiere statt.

Josephine Hull, Jean Adair und John Alexander spielten ihre Rollen auch auf der Bühne. Als Jonathan Brewster trat im Theaterstück „Arsen und Spitzenhäubchen“ der Brite Boris Karloff auf, der in dem von James Whale inszenierten Horrorfilm „Frankenstein“ (1931) als Monster zu sehen war. Raymond Massey, der diese Rolle im Film übernahm, wurde so geschminkt, dass er Boris Karloff ähnlich sah, und in der Originalfassung des Films sagen Mortimer, Abby und Martha, er sehe dem britischen Schauspieler ähnlich.

Ein anderer Gag ist in der Szene versteckt, in der Mortimer sich auf einem Friedhof befindet. Auf dem Grabstein steht Archie Leach – Cary Grants bürgerlicher Name (Archibald Alexander Leach). Cary Grant spendete übrigens seine komplette Filmgage für „Arsen und Spitzenhäubchen“ (100 000 Dollar) dem U. S. War Relief Fund.

1957 wurde „Arsen und Spitzenhäubchen“ erstmals deutsch synchronisiert. Eine neue Synchronfassung entstand fünf Jahre später (Buch: Fritz A. Koeniger, Regie: Klaus von Wahl). Deutsche Synchronsprecher 1957 / 1962: Peter Pasetti / Ottokar Runze (Mortimer Brewster), Ingrid Pan / Renate Küster (Elaine Harper), NN / Elfe Schneider (Abby Brewster), NN / Ursula Krieg (Martha Brewster), Klaus W. Krause / Friedrich Joloff (Jonathan Brewster), Wolfgang Büttner / Helmut Ahner (Dr. Herman Einstein), Werner Lieven / Alexander Welbat (Teddy Brewster) u. a.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002/2007/2014

John M. Coetzee - Leben und Zeit des Michael K.
Obwohl oder gerade weil J. M. Coetzee sich auch formal der Kargheit des Lebens der bescheidenen Hauptfigur anpasst, handelt es sich bei dem Roman "Leben und Zeit des Michael K." um einen kraftvollen, durch surreale Züge verstärkten Wurf.
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