Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen

Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen

Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen

Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen - Originaltitel: Les innocents aux mains sales - Regie: Claude Chabrol - Buch: Claude Chabrol, nach dem Roman "The Damned Innocents" von Richard Neely - Kamera: Jean Rabier - Schnitt: Jacques Gaillard - Musik: Pierre Jansen - Darsteller: Romy Schneider, Rod Steiger, Paolo Giusti, François Maistre, Pierre Santini, François Perrot, Hans Christian Blech, Jean Rochefort u.a. - 1974; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Eine schöne Frau plant mit ihrem Liebhaber die Ermordung ihres achtzehn Jahre älteren, reichen und alkoholkranken Ehemanns. Der durchschaut das Vorhaben rechtzeitig und versucht, sich auf fiese Weise zu rächen.


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Kritik

Claude Chabrol hat in den düsteren Kriminalfilm "Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen" mehrere überraschende Wendungen eingebaut und hält die Spannung bis zum Schluss aufrecht.
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Louis Wormser (Rod Steiger) hat sein Unternehmen verkauft, sich mit seiner achtzehn Jahre jüngeren, ungewöhnlich attraktiven Ehefrau Julie (Romy Schneider) in eine Villa bei Saint-Tropez zurückgezogen und beabsichtigt, nach Martinique auszuwandern. Zum Vergnügen fährt er immer wieder mit seiner Yacht zum Fischen aufs Meer hinaus. Inzwischen ist er impotent geworden, aber Julie will sich ohnehin nicht mehr von ihm anfassen lassen; sie ekelt sich vor ihm – spätestens seit er sich jeden Abend sinnlos betrinkt –, und sie besteht auf getrennten Schlafzimmern.

Im übernächsten Haus zieht ein junger Schriftsteller ein: Jeff Marle (Paolo Giusti). Unter dem Vorwand, einen abgestürzten Kinderdrachen zu suchen, gelangt er auf das Anwesen der Wormsers, wo Julie nackt in der Sonne liegt. Die beiden kommen sich näher. Jeff besucht sie und ihren Mann bald täglich. Und jeden Abend, wenn Louis betrunken in sein Schlafzimmer hinauftorkelt, fallen er und Julie übereinander her.

Drei Wochen später überrascht Louis seine Frau mit einem nagelneuen Traumwagen als Geschenk.

Jeff und Julie haben beschlossen, ihn zu ermorden. Der Plan sieht vor, dass Jeff bis morgens um 5 Uhr auf seiner Schreibmaschine tippt, um die Nachbarin zu täuschen und sich ein Alibi zu verschaffen. Wie mit ihrem Geliebten abgesprochen, schleicht Julie sich ins Schlafzimmer ihres Mannes, ohne Licht zu machen, holt mit einem Holzknüppel aus und zielt auf die Stelle, wo sie seinen Kopf unter der Bettdecke vermutet. Später beobachtet sie, wie ein Mann eine schwere Last zur Anlegestelle hinunterträgt. Offenbar hat Jeff das Tippen kurz unterbrochen, um ihren bewusstlosen Mann aufs Boot zu bringen und ihn ein Stück vor der Küste über Bord zu werfen.

Überrascht stellt sie am anderen Morgen fest, dass ihr Auto fehlt.

In einem Brief rät Jeff ihr, der Polizei zu sagen, er sei für ein paar Tage nach Italien gefahren, um Material für einen Roman zu sammeln und ihr Mann habe ihm für diesen Zweck den neuen Wagen geliehen. Nachdem Julie den Brief verbrannt hat, alarmiert sie telefonisch die Wasserschutzpolizei: Sie mache sich Sorgen um ihren Mann, der noch nicht vom Fischen zurückgekehrt sei.

Einige Stunden später tauchen zwei Kriminalbeamte bei ihr auf: Kommissar Villon (Pierre Santini) und ein Kollege aus Paris, der gerade hier Urlaub macht, Kommissar Lamy (François Maistre). Sie berichten ihr, dass die im Meer treibende und verlassene Yacht ihres Mannes gefunden wurde. Julie gibt vor, zu befürchten, ihr Mann habe wieder einen Herzanfall gehabt und sei dabei über Bord gefallen.

Bei der genaueren Untersuchung des Boots fällt Lamy das Fehlen von Ködern auf, und er bemerkt an Deck einen Blutfleck.

In der Bank erfährt Julie, dass ihr Mann vor zwei Tagen eineinhalb Millionen Francs von seinem Konto abgehoben und nur noch ein Guthaben von 92 Francs übrig gelassen hat. Sein Bankschließfach ist ausgeräumt.

Das Auto wird bei Menton zerschellt an den Felsen unterhalb der Küstenstraße gefunden. Der Fahrer scheint aus dem Fahrzeug geschleudert und ins Meer gestürzt zu sein. Im Handschuhfach liegen Ausweispapiere von Jeff Marle.

In dessen Haus stößt die Polizei auf einen Ohrring Julies.

Es liegt nahe, anzunehmen, dass Julie ein Verhältnis mit Jeff hatte und die beiden Louis Wormser ermordeten. Villon und Lamy vermuten, das Paar habe sich nach Italien absetzen wollen. Jeff sei vorausgefahren, aber bei Menton verunglückt. Julie wird einem Untersuchungsrichter (Hans Christian Blech) vorgeführt, aber ihrem durchtriebenen Anwalt Légal (Jean Rochefort) gelingt es, alle gegen sie vorgebrachten Indizien durch Lügen zu entkräften: Julie bleibt auf freiem Fuß.

Nachdem es dunkel geworden ist, stößt Julie im Garten der Villa auf einen Mann. Jeff? Nein, es ist Louis! Sie blickt ihn erschrocken an, aber er beruhigt sie: „Keine Angst, ich bringe dich nicht um. Aber ich sollte es tun, und niemand würde mich verdächtigen, denn ich bin ja tot.“ Louis gesteht ihr, er habe sie beim Liebesspiel mit Jeff auf dem Boden im Wohnzimmer ertappt, von da an seine Räusche nur noch vorgetäuscht, sie jeden Abend heimlich beobachtet und dabei auch von dem Mordplan erfahren. In der Nacht, als sie ihn töten wollten, schlug er Jeff im Garten mit einem Knüppel nieder, schleppte den Bewusstlosen in sein Schlafzimmer und zerrte ihn ins Bett. Dann ging er in Jeffs Haus, platzierte dort den Ohrring und tippte bis zum frühen Morgen auf der Schreibmaschine. Zwischendurch schaffte er Jeff aufs Boot, fuhr aufs Meer hinaus, und als der gescheiterte Mörder zu sich kam, zwang er ihn mit vorgehaltener Pistole, ein Geständnis zu verfassen und dabei auch Julies Rolle zu beschreiben. Danach – so erzählt Louis weiter – habe er ihm den Kopf so lange ins Wasser gedrückt, bis er tot gewesen sei. Den leblosen Körper habe er ins Meer geworfen. Das Auto schob er bei Menton in den Abgrund, und Jeffs Brief fingierte er. Mit dem schriftlichen Geständnis erpresst Louis, der beim Anblick des koitierenden Paares von seiner Impotenz geheilt wurde, seine Frau, sich ihm gleich auf dem Teppich hinzugeben. Um sie zu demütigen, wirft er ihr von da an für jeden Beischlaf einen Geldschein hin.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Kommissar Lamy wundert sich darüber, wieso Julie nichts von dem Verlust des schweren Ohrrings in Jeffs Haus gemerkt haben soll und kommt schließlich zu der Überzeugung, dass sie ihn gar nicht verlor. Für Jeff gab es keinen Grund, ihr zu schaden. Aber es könnte doch sein, dass Louis gar nicht tot ist, sondern aus Rache alles inszenierte, nachdem er den Plan seiner Frau und ihres Liebhabers durchschaut hatte.

Als Lamy und Villon noch einmal zu Julie fahren und sie fragen, ob sie ein Lebenszeichen ihres Mannes erhalten habe, verhält sie sich so loyal gegenüber Louis, der vom Obergeschoss aus das Gespräch mit anhört, dass er ihr verzeiht und das schriftliche Geständnis zu verbrennen beabsichtigt. Es liegt mit dem Geld in einem Bankschließfach seines Anwalts Georges Thorent (François Perrot), den er in seine Absichten eingeweiht hatte. Georges warnt ihn davor, Julie wieder zu vertrauen. Unvermittelt steht Jeff in der Tür. Louis gibt zu, Jeff am Leben gelassen zu haben. Der verlangt die Frau, das Vermögen und das von ihm geschriebene Geständnis. Mit vorgehaltener Pistole zwingt er Georges, ihn zur Bank zu fahren. Vor Aufregung erleidet Louis einen Herzanfall. Julie läuft los, um Hilfe zu holen, trifft aber niemanden, bis Jeff allein mit dem Wagen des Anwalts zurückkommt. Sie fleht ihn an, ihrem Mann zu helfen, aber Jeff zieht den Zündschlüssel ab. Warum soll er Louis retten, wo er doch inzwischen alles hat, was ihm wichtig ist? Während er versucht, Julie im Auto zu vergewaltigen, tauchen mehrere Streifenwagen auf. Julie drängt die Polizisten, sich um ihren Mann zu kümmern, aber Kommissar Villon teilt ihr mit, dass Louis bereits gestorben sei.

Wieder muss Julie sich vor dem Untersuchungsrichter verantworten. Sie würde alles geben, sagt sie, wenn sie Louis dadurch wieder zum Leben erwecken könnte. Maître Légal klagt über die Inkonsequenz der Frauen. Julie wundert sich darüber, dass man sie freiließ, als sie ihren Mann hatte ermorden wollen und sie jetzt anklagt, wo sie alles versuchte, ihn zu retten.

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„Die Unschuldigen mit den schmutzigen Händen“ ist ein düsterer, inzwischen etwas altmodisch wirkender Kriminalfilm über das Mordkomplott eines Liebespaares gegen den Ehemann der untreuen Frau, der das Vorhaben allerdings durchschaut und sich auf fiese Weise zu rächen versucht. Claude Chabrol hat mehrere überraschende Wendungen eingebaut und hält die Spannung bis zum Schluss aufrecht. In der Hauptrolle ist mit Romy Schneider eine schöne Frau und hervorragende Schauspielerin zu bewundern.

Claude Chabrol wurde am 24. Juni 1930 als Sohn eines Apothekers in Paris geboren. Er studierte Literaturwissenschaften, Jura und Pharmazie und arbeitete dann als Filmkritiker bei den „Cahiers du Cinema“. Sein eigenes Kinofilmdebüt wurde beim Filmfestival in Locarno im August 1958 vorgestellt: „Die Enttäuschten“. Immer wieder beschäftigte Claude Chabrol sich in seinen Filmen mit den Abgründen hinter den Fassaden gutbürgerlicher Familien. Heute gilt er als einer der wichtigsten Regisseure der nouvelle vague.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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