Die Wahrheit

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Die Wahrheit - Originaltitel: La vérité - Regie: Henri-Georges Clouzot - Drehbuch: Henri-Georges Clouzot, Jérôme Géronimi, Véra Clouzot, Simone Drieu, Michèle Perrein, Christiane Rochefort - Kamera: Armand Thirard - Schnitt: Albert Jurgenson - Musik: Igor Strawinskij und Ludwig van Beethoven - Darsteller: Brigitte Bardot, Marie-José Nat, Charles Vanel, Sami Frey, Louis Seigner, Andre Oumansky u.a. - 1960; 120 Minuten

Inhaltsangabe

Die 21-jährige Dominique steht unter Mordanklage vor Gericht, weil sie den angehenden Dirigenten Gilbert erschoss. In einer demütigenden Verhandlung urteilen ausschließlich Männer über Dominique, von denen die meisten sie schon aufgrund ihres unbekümmerten Umgangs mit bürgerlichen Moralvorstellungen für schuldig halten. Verständnis bringt keiner von ihnen für die junge Frau auf.
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Kritik

In seinem packenden Drama "Die Wahrheit" prangert Henri-Georges Clouzot eine Gesellschaft an, in der die Frauen von Männern abhängig sind. Brigitte Bardot bewies ihr schauspielerisches Können.
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Dominique Marceau (Brigitte Bardot) steht 1960 nach achtzehn Monaten Untersuchungshaft unter Mordanklage vor einem Appellationsgericht in Paris. Die hübsche Einundzwanzigjährige soll im Dezember 1958 den angehenden Dirigenten Gilbert Tellier (Sami Frey) erschossen haben. Schonungslos schildert der Staatsanwalt (Louis Seigner) den Geschworenen Episoden aus Dominiques Leben, die er für charakteristisch hält. Die Angeklagte kann nur hin und wieder versuchen, von der Wahrheit allzu weit entfernte Darstellungen zurechtzurücken. Sie ist dem Staatsanwalt ebenso ausgeliefert, wie den ehrgeizigen Attacken des Nebenklägers Éparvier (Paul Meurisse) und den Schachzügen ihres zynischen Verteidigers Guérin (Charles Vanel).

Dominique litt bereits als Kind in Rennes darunter, dass die Eltern sie ständig mit ihrer besonders begabten und strebsamen Schwester Annie (Marie-José Nat) verglichen. Aus Frustration darüber zerstörte sie im Alter von acht Jahren eine Puppe, die Annie gerade geschenkt bekommen hatte. Der Nebenkläger zitiert eine anstößige Stelle aus Simone de Beauvoirs Roman „Die Mandarins von Paris“. Weil eine Lehrerin Dominique beim Lesen dieses Buches ertappt hatte, wurde das Mädchen von der Schule relegiert. Statt sich nun Arbeit zu suchen, trieb Dominique sich mit jungen Männern herum. Als dann ihre Schwester nach Paris durfte, um das Konservatorium zu besuchen und Geigerin zu werden, wollte Dominique sie begleiten und auf diese Weise der Spießigkeit ihrer Heimatstadt entkommen, aber der Vater (Christian Lude) verbot es ihr. Daraufhin schluckte die Achtzehnjährige zwanzig Schlaftabletten. Weil rechtzeitig ein Arzt gerufen wurde, überlebte Dominique den Selbstmordversuch und durfte nun doch mit Annie nach Paris.

An einem Sonntagvormittag, als Annie rasch zum Einkaufen lief, während Dominique sich in dem Ein-Zimmer-Apartment noch im Bett räkelte und Schallplatten auflegte, kam Gilbert vorbei, um seine Kommilitonin Annie zu besuchen. Er war irritiert, statt Annie Dominique anzutreffen, die unter dem Laken unübersehbar nackt war und im Rhythmus der Musik mit dem Po wackelte, aber die unbeschwerte junge Frau lud ihn ein, dazubleiben und auf ihre Schwester zu warten. Annie reagierte entsetzt, als sie die beiden zusammen sah und warf Dominique aus dem gemeinsamen Zimmer.

Dominique zog zu Bekannten, die sich eine Wohnung teilten: Michel (Jean-Loup Reynold) und Daisy (Barbara Sommers). Dort suchte Gilbert sie eines Tages auf und lud sie zum Essen ein. Er wollte mit ihr schlafen, doch obwohl Dominique nicht gerade prüde war, hielt sie ihn hin, denn sie glaubte, die große Liebe gefunden zu haben. Das hinderte die unbekümmerte junge Frau allerdings nicht daran, sich von einem anderen Bekannten zu einer Runde auf dem Motorrad mitnehmen zu lassen und mit ihm ins Bett zu gehen. Gilbert machte ihr einen Heiratsantrag, aber sie zögerte, darauf zu antworten, denn sie hielt die Eheschließung für eine unbedeutende bürgerliche Formalität. Bald kam es zu Spannungen in ihrer Beziehung, denn Gilbert hörte gern Bach, Dominique blätterte lieber in Modezeitschriften, er wollte jeden Tag Sex mit ihr, sie stattdessen auch mal ausgehen und im Kino Marlon Brando sehen. Dominique verließ Gilbert. Nach drei Tagen kehrte sie zurück – und trug ein Hemd von Jérôme (Jacques Perrin).

Ludovic (André Oumansky) stellte Dominique als Garderobiere in seinem Lokal „Le Spoutnik“ ein. Eifersüchtig beobachtete Gilbert, wie sie mit den männlichen Gästen herumalberte und sich jeden Tag von Ludovic im Sportwagen nach Hause bringen ließ. Obwohl sie beteuerte, Gilbert treu geblieben zu sein, trennte dieser sich nach einiger Zeit endgültig von ihr.

Weil Dominique ihre Miete nicht mehr bezahlen konnte, schlief sie am Bahnhof und hin und wieder bei Bekannten. Vier Tage lang trieb sie sich mit einem amerikanischen Touristen herum.

Währenddessen starb ihr Vater bei einem Unfall. Nach der Beerdigung in Rennes erfuhr sie, dass Annie und Gilbert sich inzwischen versöhnt und verlobt hatten.

Zurück in Paris, besuchte Dominique Gilbert mitten in der Nacht, und er schlief trotz allem noch einmal mit ihr, aber am anderen Morgen machte er ihr klar, dass er sie nie wieder sehen wollte und behauptete, sie nie geliebt zu haben. Die verzweifelte Dominique geriet nach dem Verlassen des Hauses vor einen Omnibus. Zum Glück bremste der Fahrer rechtzeitig, und Dominique wurde nicht ernsthaft verletzt.

In der Absicht, sich das Leben zu nehmen, besorgte sie sich einen Revolver und wartete im Treppenhaus vor Gilberts Zimmer, bis dessen Mitbewohner André zum Einkaufen ging. Im Beisein Gilberts nahm sie den Revolver aus der Manteltasche und hielt ihn sich gegen die Kehle, um sich zu erschießen. Doch als er sie hasserfüllt beschimpfte, richtete sie die Waffe auf ihn und feuerte sie sechsmal ab. Als sie sich dann den Lauf des Revolvers gegen die Brust presste und abdrückte, war die Trommel leer. Daraufhin drehte sie den Gashahn auf und legte sich neben den Toten auf den Boden.

So wurden die beiden von André gefunden, als dieser zurückkam. Dominique konnte wiederbelebt werden.

In der Nacht nach der Gerichtsverhandlung zerbricht Dominique in ihrer Gefängniszelle einen Spiegel und schneidet sich mit einer Scherbe die Pulsadern auf. Sie stirbt am nächsten Vormittag im Krankenhaus, während der Staatsanwalt ihren Abschiedsbrief verliest, in dem sie beteuert, Gilbert über alles geliebt zu haben.

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In seinem packenden Drama „Die Wahrheit“ vermittelt Henri-Georges Clouzot ein kritisches Bild der Gesellschaft. Er veranschaulicht die Doppelmoral und am Beispiel der einundzwanzigjährigen Protagonistin die Abhängigkeit der Frauen in einem Umfeld, in dem Männer dominieren. In einer demütigenden Gerichtsverhandlung urteilen ausschließlich Männer über Dominique, von denen die meisten sie schon aufgrund ihres unbekümmerten Umgangs mit bürgerlichen Moralvorstellungen für schuldig halten. Verständnis bringt keiner von ihnen für die junge Frau auf.

Der Film beginnt mit dem Zusammentreten des Gerichts und endet mit dem Abbruch des Verfahrens am nächsten Vormittag. Der Prozess ist gewissermaßen die Gegenwart. Die verschiedenen Aussagen während des Verfahrens hat Clouzot durch Rückblenden in Szene gesetzt.

Brigitte Bardot bewies in „Die Wahrheit“ ihr schauspielerisches Können.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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