The Green Mile

The Green Mile

The Green Mile

Originaltitel: The Green Mile - Regie: Frank Darabont - Drehbuch: Frank Darabont, nach dem Roman "The Green Mile" von Stephen King - Kamera: David Tattersall - Schnitt: Richard Francis-Bruce - Musik: Thomas Newman - Ton: Robert J. Litt - Darsteller: Tom Hanks, Michael Clarke Duncan, Dabbs Greer, Eve Brent, Doug Hutchison, Sam Rockwell, Bonnie Hunt, Gary Sinise, Graham Greene, Michael Jeter, David Morse, James Cromwell, Patricia Clarkson u.a. - 1999; 180 Minuten

Inhaltsangabe

1935 wird in Louisiana ein schwarzer Hüne mit kindlichem Gemüt zum Tod verurteilt, weil er die beiden Kinder eines Farmers umgebracht haben soll. Einige Tage vor der Hinrichtung findet der für den Todestrakt verantwortliche Gefängniswärter heraus, dass der Verurteilte über wundersame Kräfte verfügt und unschuldig ist ...
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Kritik

In "The Green Mile", der Verfilmung des gleichnamigen sechsteiligen Fortsetzungsromans von Stephen King, geht es weniger um ein Plädoyer gegen die Todesstrafe, als um die Mahnung, dass wir alle früher oder später den letzten Gang antreten müssen und dies hoffentlich mit Würde tun können.
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Paul Edgecomb (Dabbs Greer) lebt in einem Seniorenheim. Als sich die alten Menschen im Fernsehzimmer einen Film ansehen, in dem Fred Astaire und Ginger Rogers zum Schlager „I’m in Heaven“ tanzen, beginnt er zu weinen. Seine Freundin Elaine Connelly (Eve Brent) geht mit ihm hinaus und hört sich an, was er vor sechzig Jahren erlebte.

1935 war Paul Edgecomb (Tom Hanks) für den Todestrakt des Staatsgefängnisses Cold Mountain in Louisiana verantwortlich. Hier warteten die Insassen hinter Gitterstäben auf ihren letzten Gang über das lindgrüne Linoleum des Korridors zum elektrischen Stuhl, den sie den „alten Blitz“ nannten.

Eines Tages wird ein schwarzer Hüne eingeliefert: John Coffey (Michael Clarke Duncan) soll die beiden blonden kleinen Kinder eines Farmers ermordet haben.

Paul und drei seiner Kollegen haben sich an den Dienst im Todestrakt gewöhnt. Sie behandeln die Strafgefangenen mit Respekt und versuchen, sie nicht unnötig aufzuregen. Nur Percy Wetmore (Doug Hutchison), ein Neuer, passt nicht in das Team, denn er nützt jede Gelegenheit, die Häftlinge zu demütigen und zu schikanieren. Weil seine Tante mit dem Gouverneur verheiratet ist, glaubt er, sich alles leisten zu können.

Mit gemessenen Schritten führen die Beamten den Verurteilten Arlen Bitterbucks (Graham Greene) über die „grüne Meile“ zum elektrischen Stuhl, wo sie ihm vor den Augen der geladenen Zeugen routiniert die Elektroden anlegen und die Hinrichtung durchführen.

Als Percy Wetmore und zwei Kollegen den wegen dreifachen Mordes verurteilten Häftling William („Wild Bill“) Wharton (Sam Rockwell) in den Todestrakt überführen, haben sie den Eindruck, dass er unter Drogen steht und kaum etwas wahrnimmt, doch in der Tür überwältigt er sie und versucht zu fliehen. Paul zieht seinen Revolver. Bill hält einen der Gefängniswärter im Würgegriff als Schild vor sich. Starr vor Schreck steht Percy dabei und greift trotz mehrmaliger Aufforderung nicht ein. Erst ein herbeigeeilter anderer Gefängniswärter kann Bill von hinten packen.

Paul kann sich wegen einer akuten Harnröhrenentzündung seit Tagen kaum noch auf den Beinen halten. John fordert ihn auf, näher zu treten. Er packt ihn durchs Gitter. Die Lampen strahlen heller und heller. Eine Glühbirne platzt. John schwitzt, sinkt dann erschöpft zurück und hustet etwas aus. Paul kann es kaum glauben, dass er wieder schmerzfrei urinieren kann, und seine Frau Jan (Bonnie Hunt) wundert sich, weil er in dieser Nacht viermal mit ihr zum Orgasmus kommt.

Obwohl Paul wieder gesund ist, meldet er sich am nächsten Vormittag krank und fährt hinaus zu Rechtsanwalt Burt Hammersmith (Gary Sinise), der John Coffey vor Gericht verteidigte. Hammersmith weist seinen Besucher darauf hin, dass die Geschworenen nicht an der Schuld des Schwarzen zweifelten, denn der Suchtrupp hatte ihn mit den beiden blutigen Leichen in den Armen weinend auf der Erde sitzend vorgefunden. Keiner glaubte seinem Gestammel, er habe bloß helfen wollen. Der Anwalt vergleicht den zum Tod Verurteilten mit seinem Hund, einem Mischling, der eines Tages ohne erkennbaren Anlass die beiden Kinder der Familie anfiel. Er zeigt Paul das entstellte Gesicht und das zerstörte rechte Auge des Jungen. Hammersmith nahm damals sein Gewehr und erschoss den Hund. Er warnt Paul vor dem scheinbar friedfertigen Schwarzen; man müsse immer damit rechnen, dass er plötzlich wieder jemand töte.

Weil Bill fortwährend Randale macht, sperrt ihn Paul mehrmals in eine dunkle Einzelzelle, aber der Häftling bessert sich nicht. Einmal greift er plötzlich durchs Gitter, packt Percy im Schritt, behauptet, seinen erigierten Penis zu fühlen und verspottet ihn wegen homosexueller Neigungen, bis ihn die anderen Gefängniswärter aus seiner Lage befreien. Nachdem Percy sich vor Schreck in die Hose gepisst hat, warnt er seine Kollegen, darüber auch nur ein Wort zu verlieren.

Als nächstes wird Eduard („Del“) Delacroix (Michael Jeter) den Weg über die „grüne Meile“ gehen müssen. Er hat in seiner Zelle eine ins Gefängnis eingedrungene Maus gezähmt und ihr Kunststückchen beigebracht. Weil er sich darüber Gedanken macht, wer sich nach seinem Tod um „Mr. Jingles“ kümmert, versichern ihm Paul und dessen Kollege Brutus („Brutal“) Howell (David Morse), dass sie das Tier in die „Mäusestadt“ bringen werden, eine Touristenattraktion in Florida gleich neben der „Hundeuniversität“.

Als die Maus über den Korridor läuft, zertritt Percy sie. Da bittet John darum, ihm den Kadaver zu bringen. Er bläst auf das tote Tier in seinen Händen. Die Beleuchtung wird heller. John schwitzt vor Anstrengung. Die Maus beginnt sich wieder zu bewegen.

Mit dem Versprechen, sich danach sofort um eine andere Stelle zu bemühen, hat Percy erreicht, dass Paul ihm die Leitung der nächsten Hinrichtung anvertraut. Del erschrickt, als er auf dem elektrischen Stuhl festgeschnallt wird und merkt, wer bei seiner Exekution das Sagen hat. Im letzten Augenblick zischt Percy ihm zu, es gebe gar keine Mäusestadt, man habe ihn nur beruhigen wollen. Weil er den Schwamm, der zwischen den Schädel und die Kopfelektrode geklemmt wird, vorsätzlich trocken lässt, erleidet der Delinquent Höllenqualen, bevor er endlich tot ist. Wegen des Gestanks nach verbranntem Fleisch haben die meisten Zeugen schon vorher den Raum verlassen.

Paul und Jan fahren zu einem privaten Besuch des Gefängnisdirektors Hal Moores (James Cromwell) und seiner Frau Melinda (Patricia Clarkson). Bei einer Röntgenuntersuchung im Krankenhaus hat sich herausgestellt, dass in Melindas Gehirn ein inoperabler apfelgroßer Tumor unaufhaltsam wächst. Hal leidet mit seiner Frau und kann es nicht fassen, dass sie bald sterben wird.

In dieser Nacht kann Paul nicht schlafen. Am nächsten Tag lädt er seine Kollegen mit Ausnahme von Percy zu sich ein. Beim Essen verrät er ihnen, dass John nicht nur die Maus neu belebte, sondern auch ihn von seiner Harnröhrenentzündung heilte – und er eröffnet ihnen seinen Plan zur Rettung Melindas. Den Gefängnisdirektor können sie nicht einweihen, denn er hat die Wiederbelebung der zertretenen Maus nicht mit eigenen Augen gesehen und wird deshalb auch nicht an Johns übernatürliche Kräfte glauben.

Bill erhält einen Becher Cola mit aufgelösten Schlaftabletten. Percy wird – angeblich zur Strafe für sein heimtückisches Verhalten bei der Hinrichtung von Eduard Delacroix – in die Isolierzelle gesperrt. Dann holen die Männer John aus der Zelle und fahren mit ihm um 3 Uhr morgens zum Haus der Moores. Hal erwacht durch die Geräusche und legt mit dem Gewehr auf den Häftling an. Paul beruhigt ihn und erreicht, dass John unbehelligt zu der todkranken Frau ins Schlafzimmer gehen kann. Nach einem Kuss des Schwarzen sieht sie wieder gesund aus; die Schmerzen sind wie weggeblasen, und sie fühlt sich wieder klar im Kopf. Weinend umarmt Hal seine Frau.

Paul und seine Kollegen bringen den erschöpften Strafgefangenen wieder in den Todestrakt zurück. Als Percy nach seiner Freilassung an Johns Zelle vorbeigeht, packt ihn dieser plötzlich, bläst ihm etwas in den aufgerissenen Mund und stößt ihn zurück. Percy taumelt, bleibt vor Bills Gitter stehen und feuert auf ihn, bis sein Revolver leer ist. Dann bleibt er entgeistert stehen, bis er abgeführt wird. Er endet apathisch in einer Irrenanstalt.

„Ich habe die beiden bösen Männer bestraft“, sagt John. Als der Hüne Pauls Hand festhält, sieht dieser wie in einem Traum, was damals geschah:

Nicht John, sondern Bill ermordete die beiden Kinder, nachdem er sich an dem Jungen vergangen hatte. John wurde unschuldig zum Tod verurteilt. Aber Paul weiß auch, dass keine Chance besteht, das Gerichtsurteil zu ändern. Zwei Tage vor der Hinrichtung sagt er John, er sei bereit, ihn fliehen zu lassen, denn er fürchte sich vor der Hölle, in der er sonst büßen müsse. Aber John ist müde und will nicht länger Hass, Leid und Schmerz ertragen. Paul kann ihm wenigstens seinen letzten Wunsch erfüllen und eine Filmvorführung für ihn arrangieren. Staunend sieht der kindliche Riese zu, wie Fred Astaire und Ginger Rogers zu „I’m in Heaven“ tanzen.

Nach der Hinrichtung John Coffeys lassen Paul und Brutal sich in eine Jugendbesserungsanstalt versetzen, um den Anfängen zu wehren.

Durch die teilweise Übertragung von Johns Wunderkraft altert Paul langsamer als andere Menschen. Als er Elaine seine Geschichte erzählt, ist er 108 Jahre alt und hat seine Frau, seinen Sohn, Hal und Melinda überlebt. Traurig prophezeit er, dass er auch an Elaines Grab stehen wird. Das ist sein Fluch und die Strafe dafür, dass er die Tötung dieses wunderbaren Menschen nicht verhinderte.

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Unter dem Titel „The Green Mile“ verfilmte Frank Darabont den gleichnamigen sechsteiligen Fortsetzungsroman von Stephen King.

Es geht es weniger um ein Plädoyer gegen die Todesstrafe – die von den Protagonisten als gegeben hingenommen wird –, als um die Mahnung, dass wir alle früher oder später den letzten Gang antreten müssen und dies hoffentlich mit Würde tun können. Pauls Gewissenskonflikt ist dagegen auch nur ein Nebenthema. Man könnte auch sagen, dass wichtige Fragen ausgespart bleiben.

Wie sich – mit jeweils einer Ausnahme – Gefängniswärter und Häftlinge im Mikrokosmos eines Todestrakts arrangieren, ist ebenso wie die Wundertätigkeit John Coffeys ein romantisches Märchen. Es ist wohl kein Zufall, dass die Initialen des schwarzen Hünen mit denen von Jesus Christus übereinstimmen.

Das Besondere an diesem dreistündigen Film sind zum einen der ruhige, eindringliche Erzählfluss und die langen Einstellungen, zum anderen die schauspielerischen Leistungen. Michael Clarke Duncan in der Rolle des sanften, kindlich-naiven Hünen ist eine Idealbesetzung, und Tom Hanks beweist sein Können wieder einmal gerade durch seine ebenso nuancierte wie zurückhaltende Mimik und Gestik.

„Oscar“-Nominierungen gab es für den Film, das Drehbuch, Michael Clarke Duncan als Nebendarsteller und Robert J. Litt für den Ton.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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Margaret Millar erzählt ohne jede Effekthascherei, schnörkellos und psychologisch stringent. Der packende Psychothriller "Liebe Mutter, es geht mir gut ..." läuft wie ein präzises Uhrwerk ab: Da greift ein Rädchen ins andere.
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Margaret Millar

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