Die Geschichte vom weinenden Kamel

Die Geschichte vom weinenden Kamel

Die Geschichte vom weinenden Kamel

Originaltitel: Die Geschichte vom weinenden Kamel - Regie: Luigi Falorni und Byambasuren Davaa - Drehbuch: Luigi Falorni und Byambasuren Davaa - Kamera: Luigi Falorni - Schnitt: Anja Pohl - Musik: Marcel Leniz, Marc Riedinger und Choigiw Sangidorj - Darsteller: Janchiv Ayurzana, Chimed Ohin, Amgaabazar Gonson, Zeveljamz Nyam, Ikhbayar Amgaabazar, Odgerel Ayisch u.a. - 2003; 90 Minuten

Inhaltsangabe

In der Wüste Gobi lebt die nomadische Hirtenfamilie Amgaa: neun Menschen aus vier Generationen in drei Jurten. – Eines Tages ist eine Kamelstute von den Schmerzen vor und während der ersten Geburt so verstört, dass sie das Junge nicht säugt. Um das neugeborene weiße Kamel zu retten, besinnen die Mongolen sich auf ein altes Ritual und holen aus der nächsten Stadt einen Musiker, der die Stute mit seinem Spiel besänftigt.
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Kritik

Auch wenn die rührende Geschichte sich um den neugierigen Nomadenknaben Ugna und vor allem das neugeborene weiße Kamel und die traumatisierte Mutterstute dreht, handelt es sich bei "Die Geschichte vom weinenden Kamel" um eine Dokumentation über das Leben mongolischer Hirtennomaden.
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In der Wüste Gobi, im Süden der Mongolei, fernab von Telefon und Fernsehen, lebt die Familie Amgaa. Es handelt sich um Hirtennomaden, neun Menschen aus vier Generationen, die in drei Jurten hausen und in der lebensfeindlichen Umgebung Schafe, Ziegen und Kamele züchten.

Als im Frühjahr das erste Kamelfohlen geboren wird, schmücken es die Amgaas mit einem aus Kamelwolle geflochtenen Halfter und opfern ihrer Tradition gemäß Milch und Gebäck. Eine trächtige Kamelstute nach der anderen wirft, bis auf ein Tier, das sich zwei Tage lang quält, bis es das Junge endlich zur Welt bringen kann. Das Fohlen ist weiß. Verstört durch die tagelangen Schmerzen, stößt die Stute das Fohlen zurück, sobald es in ihre Nähe kommt und lässt es auch nicht an die Zitzen. Die Amgaas füttern das Junge aus einem Horn mit Milch, aber es wird immer schwächer. Ohne das Muttertier ist das Fohlen verloren.

Da besinnen die Hirtennomaden sich auf das alte mongolische Hoos-Ritual: Ein Geiger oder ein Oberton-Sänger soll die Kamelstute mit seiner Musik besänftigen. Dude, der älteste Sohn, wird losgeschickt, um einen geeigneten Musiker aus der nächsten Stadt zu holen, und weil der kleine Ugna seinen Bruder unbedingt begleiten möchte und auch bereits auf einem Kamel reiten kann, nimmt Dude ihn mit. Unterwegs übernachten sie bei einer befreundeten Nomadenfamilie, die bereits ein Fernsehgerät in der Jurte stehen hat. So etwas hat Ugna noch nie zuvor gesehen. Staunend verfolgt er mit den anderen Kindern einen Zeichentrickfilm.

In der Stadt, wo sie bei anderen Freunden unterkommen, wird der Nomadenknabe mit weiteren technischen Geräten konfrontiert. Er darf ein Eis essen und würde am liebsten einen Fernseher kaufen, aber Dude nimmt nur Batterien für das alte Transistorradio des Großvaters mit. Der Musiklehrer, den sie um Hilfe bitten, verspricht ihnen, sobald wie möglich zu ihnen in die Wüste zu kommen.

Mit Tee und Gebäck wird er empfangen, und wie es die Sitte verlangt, plaudert man erst in Ruhe, bevor das Ritual beginnt. Zunächst hängt er dem Tier ein zweisaitiges Streichinstrument um, das im Wind wie eine Äolsharfe klingt, dann spielt er darauf und begleitet Ugnas Mutter, die ein altes Lied anstimmt. Die Kamelstute beruhigt sich sichtlich, gerät in eine Art Trance; in ihren Augen bilden sich Tränen. Am Ende säugt das weinende Kamel das hilflose weiße Fohlen.

Ugna gibt keine Ruhe, bis die Familie einen Fernseher kauft und eine Satellitenschüssel aufstellt. Wird seine Generation die Tradition der Hirtennomaden fortsetzen oder den Reizen der modernen Zivilisation folgen?

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Auch wenn die anrührende Geschichte sich um den neugierigen Nomadenknaben Ugna und vor allem das neugeborene weiße Kamel und die traumatisierte Mutterstute dreht, handelt es sich bei „Die Geschichte vom weinenden Kamel“ um eine Dokumentation über das Leben mongolischer Hirtennomaden. Nach dem Vorbild Robert J. Flahertys hoben zwei Münchner Filmstudenten, die Mongolin Bymabasuren Davaa und der Italiener Luigi Falorni, die strenge Unterscheidung zwischen Dokumentation und Inszenierung auf und baten die Nomaden, einige Szenen noch einmal nachzuspielen.

Bymabasuren Davaa hatte in ihrer Kindheit vom Hoos-Ritual gehört und Luigi Falorni das Thema für dessen Abschlussarbeit an der Münchner Filmhochschule vorgeschlagen. Im Frühjahr 2002 reisten sie in die Wüste Gobi, um nach einer geeigneten Nomadenfamilie mit trächtigen Kamelstuten zu suchen. Ihre Wahl fiel auf die Amgaas. Einen Monat später schlugen die Filmemacher ihr Lager in der Nähe der Jurten dieser Familie auf. Sieben Wochen dauerten die Dreharbeiten.

Luigi Falorni und Bymabasuren Davaa zeigen im Kleinen das Große und veranschaulichen die universelle Bedeutung der Geborgenheit, die auch für einige Tierarten wichtig zu sein scheint. Um den Blick nicht zu verstellen, verzichteten sie bewusst auf ambitionierte Kamerafahrten und Schnitte. So entstand ein leiser Film mit grandiosen Landschaftsaufnahmen und einer ruhig erzählten Geschichte, die dokumentarisch und ergreifend zugleich ist.

„Die Geschichte vom weinenden Kamel“ wurde 2003 beim Filmfestival in Toronto und bei weiteren Filmfestspielen von den Zuschauern bejubelt und sorgte unerwartet auch in den Medien für großes Aufsehen. Sogar für einen „„Oscar“ nominierte man den Film.

Bymabasuren Davaa reiste 2004 erneut in die Mongolei, um dort unter dem Arbeitstitel „Der mongolische Hund“ auch ihren eigenen Abschlussfilm für die Münchner Filmhochschule zu drehen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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In dem Roman "Berittener Bogenschütze" von Brigitte Kronauer gibt es allenfalls eine rudimentäre Handlung. Stattdessen geht es um die Wahrnehmungen und die Gedankenwelt des Protagonisten in einer banalen Alltagswelt.
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