George Sand


Männerkleidung trug George Sand nicht, um zu provozieren, sondern damit sie sich frei bewegen konnte, und sie schrieb unter einem männlichen Pseudonym, weil sie sonst im Literaturbetrieb kaum eine Chance gehabt hätte. Frauenrechtlerin war sie keine; ihr ging es um die Verbesserung der Gesellschaft schlechthin. Weil sie ihre Freiheit auch in der Liebe verteidigte, galt sie als Skandalfrau.

Tabellarische Biografie: George Sand


George Sand: »Keine Schwächen bitte!«

Leseprobe aus
Dieter Wunderlich: Unerschrockene Frauen. Elf Porträts
Piper Verlag, München 2013

Der Aufenthalt in Venedig war für George Sand kein Anlass, die Arbeit liegen zu lassen. Alfred de Musset erinnerte sich später daran: »Am Abend hatte ich zehn Verse gemacht und eine Flasche Schnaps getrunken; sie hatte einen Liter Milch getrunken und ein halbes Buch geschrieben.«

Als George Sand an Ruhr erkrankte, nahm Alfred de Musset wenig Rücksicht: Statt sich um sie zu kümmern, ging er aus und vertrieb sich die Zeit mit Kurtisanen. Es ging ihr bereits wieder besser, da kam er eines Nachts blutüberströmt von einer Tour durch Vergnügungslokale zurück und delirierte drei Wochen lang. Besorgt rief George Sand den Arzt, der auch sie behandelt hatte: Pietro Pagello. Sie verliebte sich prompt in den drei Jahre jüngeren Venezianer, der ihre Gefühle erwiderte. Verärgert und niedergeschlagen kehrte der inzwischen genesene Alfred de Musset daraufhin Ende März nach Paris zurück und verarbeitete die frustrierende Erfahrung in dem autobiografischen Roman Confessions d’un enfant du siècle (Bekenntnisse eines jungen Zeitgenossen).

Pietro Pagellos vornehme Familie reagierte entsetzt auf die skandalöse Affäre. Drei Monate nach Alfred de Musset verließen George Sand und ihr neuer Liebhaber Venedig und fuhren über Mailand und Genf nach Paris, wo sie Mitte August 1834 nach einer dreiwöchigen Reise eintrafen. Zehn Tage später zog George Sand jedoch auf ihr Landgut Nohant, ließ Pietro Pagello düpiert in Paris zurück, und als

Dieter Wunderlich: Unerschrockene Frauen. © Piper Verlag 2013

sie nach acht Wochen wiederkam, setzte sie ihre stürmische Liebesbeziehung mit Alfred de Musset fort. Pietro Pagello fuhr deshalb Ende Oktober enttäuscht nach Hause. Aber auch George Sands neuer Versuch mit Alfred de Musset scheiterte: Nach mehreren Auseinandersetzungen und Versöhnungen gingen die beiden im Frühjahr 1835 endgültig auseinander.

Zur gleichen Zeit betrieb George Sand die Scheidung von Casimir Dudevant. Zunächst sah es so aus, als könnten sie sich über die Konditionen verständigen, aber dann überlegte Casimir es sich anders und wollte nicht auf Nohant verzichten. Dabei wurde er von seinem Sohn Hippolyte und den zahlreichen Freunden unterstützt, für die George Sand nichts anderes als eine Ehebrecherin war. Weil sie als Frau um das kämpfen musste, was sie selbst in die Ehe eingebracht hatte, engagierte sie den 36-jährigen Rechtsanwalt Michel de Bourges (eigentlich: Louis-Chrysostome Michel) aus Bourges. Der erreichte im Juli 1936 ein Gerichtsurteil, demzufolge George Sand nach Nohant zurückkehren durfte. Sie behielt nicht nur das Schloss, sondern auch das Erziehungsrecht für die Tochter Solange; Casimir bekam hingegen das Recht auf Nutznießung des Pariser Stadthauses seiner Frau und das Sorgerecht für den Sohn Maurice zugesprochen.

Leseprobe aus Dieter Wunderlich: Unerschrockene Frauen. Elf Porträts

© Piper Verlag, München 2013
Quellenangaben und Fußnoten wurden in dieser Leseprobe weggelassen,
sind jedoch im Buch zu finden.

George Sand (tabellarische Biografie)

Siegfried Lenz - Fundbüro
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