Die Katze

Die Katze

Die Katze

Originaltitel: Die Katze – Regie: Kaspar Heidelbach – Drehbuch: Daniel Nocke, nach dem Roman "Die Katze" von Georges Simenon – Kamera: Achim Poulheim – Schnitt: Hedy Altschiller – Musik: Arno Steffen – Darsteller: Götz George, Hannelore Hoger, Catrin Striebeck, Thomas Thieme u.a. – 2008; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Margrets Vater besaß eine Keksfabrik, aber ihr Ehemann, der mehr von Musik als vom Geschäft verstand, machte damit Bankrott. Bis auf das Haus, in dem die inzwischen verwitwete Unternehmertochter noch immer wohnt, ging alles verloren. Bei einem Seniorenausflug lernt sie Siegmar kennen, einen ebenfalls verwitweten Polier im Ruhestand. Um der Einsamkeit zu entfliehen, heiraten die beiden grund-verschiedenen Menschen. Margret ist entsetzt, als Siegmar eine Katze mit in ihr Haus bringt ...
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Kritik

Die mit Götz George und Hannelore Hoger hochkarätig besetzte Neuverfilmung des Romans "Die Katze" von Georges Simenon ist ein wenig schwerfällig und offenbar bewusst altmodisch.

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Siegmar (Götz George) und Margret (Hannelore Hoger), die beide in Kiel wohnen, lernen sich bei einem Ausflug für Senioren kennen. Bei Siegmar handelt es sich um einen Polier im Ruhestand, dessen Ehefrau vor einigen Jahren vor einen Bus lief und danach noch ein Jahr lang ohne Beine lebte. Margret ist die Tochter eines bekannten Keksfabrikanten und Witwe eines Musikers, der mit dem Familienunternehmen bankrott ging. Dem Ehepaar blieb nichts als das Haus, in dem Margret noch immer wohnt.

Unter dem Vorwand, der morsche Holzfußboden in ihrer Küche müsse repariert werden, lockt Margret den Rentner zu sich, und nachdem die Arbeit getan ist, kocht sie einmal in der Woche für ihn. Unbeholfen versucht der derbere Umgangsformen gewöhnte Arbeiter, sich dem gehobenen Stil der Unternehmertochter anzupassen. Obwohl die beiden außer ihrem Alter und ihrer Einsamkeit nichts gemeinsam haben, fragt Margret ihren Besucher eines Tages, ob er nicht bei ihr einziehen wolle – als ihr Ehemann.

Nach der Zeremonie beim Standesamt bestellt Siegmar einen Möbelwagen. Margret ist entsetzt, als sie die großen, geschmacklosen Möbel erblickt. Siegmar schlägt vor, einen Teil davon in das Musikzimmer des Verstorbenen zu stellen, aber Ludwigs Zimmer ist Margret heilig: Da darf nichts verändert werden. Also müssen die Möbelpacker das meiste in den Keller schaffen.

Siegmar kehrt inzwischen noch einmal in seine Mietwohnung zurück und holt seine Katze Lily. Margret, die noch nie ein Tier im Haus hatte, protestiert, aber Siegmar mag sich nicht von der Katze trennen.

Im Lauf der Jahre missfällt Margret die Katze noch mehr als das heimliche Saufen ihres Mannes.

Eines Tages ist die Katze fort, aber Siegmar, der seine Frau verdächtigt, Lily hinausgeworfen zu haben, findet sie beim Einkaufen wieder. Er droht Margret, kein Wort mehr mit ihr zu reden, wenn sie der Katze etwas antue.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Während Siegmar im fünften Ehejahr mit Fieber im Bett liegt, vermisst er die Katze. Als er wieder aufstehen kann, findet er sie im Keller: Sie liegt tot neben einer Packung Rattengift. Schweigend bringt er den Kadaver weg und wirft ihn in die Kieler Bucht.

Obwohl nicht sicher ist, ob Margret die Katze absichtlich tötete, macht Siegmar seine Drohung wahr und spricht kein Wort mehr mit ihr, bleibt aber in stummer Anklage bei ihr im Haus. Hin und wieder schnipst er ihr Zettelchen mit kurzen Botschaften zu, die ihr Angst machen sollen. Margret rächt sich, indem sie ihn beispielsweise einer Besucherin gegenüber als irren Alten darstellt, den sie ignorieren solle. Das gehört alles zu dem Psychoduell zwischen den beiden Ehepartnern.

Zwei Jahre nach dem Tod der Katze sucht Siegmar die sehr viel jüngere Kneipenwirtin Annie (Catrin Striebeck) auf, mit der er seine erste Ehefrau betrogen hatte. Nach einer schnellen Kopulation mit ihr geht er wieder. Margret beobachtet ihn beim Verlassen der Kneipe.

Bald darauf zieht Siegmar zu Annie. Er sieht Margret stundenlang vor dem Fenster stehen, und wenn er auf einer Bank im Park die Zeitung liest, setzt sie sich in die Nähe. Ein Kellner in dem Restaurant, in dem Siegmar hin und wieder isst, fragt, ob die draußen wartende Frau zu ihm gehöre. Siegmar behauptet, sie nicht zu kennen – worauf ihm der Kellner erzählt, es handele sich um die Enkelin des verstorbenen Keksfabrikanten, die nach dem Tod ihres ersten Ehemanns, eines Bankrotteurs, einen seltsamen Kerl geheiratet haben soll.

Nach einer Woche kehrt Siegmar zu Margret zurück, schweigt sie aber nach wie vor an.

Eines Abends, als er sich auf seine Kante des Doppelbetts setzt, um sich auszuziehen, fällt ihm auf, dass sie nicht da ist. Er findet sie auf der anderen Seite des Betts leblos am Boden liegen. „Margret“, flüstert er. Dann alarmiert er den Notdienst und lässt sie ins Krankenhaus bringen.

Sie überlebt den Schlaganfall, bleibt allerdings gelähmt und autistisch. Während Margret stumm im Rollstuhl sitzt, kocht Siegmar und plappert ihr etwas vor, so als könne sie ihn hören. Unvermittelt kippt ihr Kopf zur Seite und sie ist tot.

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Der 1967 veröffentliche Roman „Die Katze“ von Georges Simenon (1903 – 1989) wurde bereits von Pierre Granier-Deferre mit Jean Gabin und Simone Signoret in den Hauptrollen verfilmt: „Die Katze“. Siebenunddreißig Jahre später nahmen sich Daniel Nocke (Drehbuch) und Kaspar Heidelbach (Regie) den Roman erneut vor und machten daraus mit Götz George und Hannelore Hoger einen Fernsehfilm. Sie verlegten dazu die Handlung zwar nach Kiel, aber in der Charakterisierung der Hauptfiguren hielten sie sich enger an die literarische Vorlage als ihr Vorgänger. Bei der Handlung nahmen sie sich größere Freiheiten.

Das Remake „Die Katze“ ist ein wenig schwerfällig und offenbar bewusst altmodisch. Das gilt auch für Schnitte, bei denen langsam ausgeblendet wird und das Licht erst nach einer kurzen Dunkelphase wieder angeht. Der Film beginnt mit Szenen, in denen sich die Ehepartner bereits anschweigen. Dann heißt es „sieben Jahre früher“, und von da an entwickelt sich die Handlung chronologisch – bis auf die Szenen, in denen Siegmar krank ist: Die wurden zeitversetzt und zerstückelt eingebaut. Hochkarätig ist die Besetzung der beiden Hauptrollen mit Götz George und Hannelore Hoger.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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