Satte Farben vor Schwarz

Satte Farben vor Schwarz

Satte Farben vor Schwarz

Originaltitel: Satte Farben vor Schwarz – Regie: Sophie Heldman – Drehbuch: Sophie Heldman, Felix zu Knyphausen – Kamera: Christine A. Maier – Schnitt: Isabel Meier – Musik: Balz Bachmann – Darsteller: Senta Berger, Bruno Ganz, Barnaby Metschurat, Carina N. Wiese, Leonie Benesch, Sylvana Krappatsch, Thomas Limpinsel, Traute Hoess, Ruth Glöss, Carlo Ljubek, Sybille J. Schedwill u.a. – 2010; 85 Minuten

Inhaltsangabe

Als bei dem Endsechziger Fred ein Prostatakarzinom diagnostiziert wird, kauft er sich ohne Wissen seiner langjährigen Ehefrau Anita eine Wohnung, um einen Platz zu haben, an dem er ungestört darüber nachdenken kann, ob er sich operieren lassen soll oder nicht. Durch Zufall kommt Anita dahinter. Sie empfindet das Verhalten ihres Mannes als Vertrauensbruch. Verärgert verlässt sie die Villa und zieht in ein Seniorenheim ...
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Kritik

Sophie Heldman erzählt kühl und ruhig in vielen kurzen Episoden. Das verhindert eine fließende Entwicklung der Handlung; "Satte Farben vor Schwarz" wirkt eher fragmentarisch.
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Fred (Bruno Ganz) und Anita (Senta Berger) sind seit einem halben Jahrhundert verheiratet. Der Geschäftsmann Ende 60 geht nur noch sporadisch ins Büro. Das Paar bewohnt eine Villa mit Pool in einem großen, von Anita gepflegten Garten. Vor langer Zeit hatte Fred einmal eine Geliebte, aber als ein Foto von ihr auftaucht, erinnert er sich kaum noch an sie. Beim Frühstück liest Anita die Zeitung und Fred verursacht absichtlich beim Bestreichen des Toasts mit Butter ein kratzendes Geräusch, weil er weiß, dass er seine Frau damit ärgert, aber sie reagiert nicht auf das Spielchen. Dann sagt er, er gehe ins Büro.

Beim Einkaufen sieht Anita ihren Mann auf der Straße. Sie ruft seinen Namen, aber er hört sie nicht, und sie folgt ihm neugierig. Sein Ziel ist eine leere Wohnung, die gerade renoviert wird. Er habe sie als Geldanlage gekauft, sagt er, als Anita überraschend in der offenen Türe steht. Nach einem Augenblick der Schockstarre dreht sie sich um und geht.

Als er nach Hause kommt, mäht sie heftig den Rasen. Ob er eine Geliebte habe, fragt sie. Fred verneint und versucht ihr zu erklären, dass er einfach einen Rückzugraum benötige, um nachdenken zu können. Vor ein paar Wochen wurde bei ihm ein Prostatakarzinom diagnostiziert, und er überlegt, ob er sich operieren lassen soll oder nicht. Anita ist verletzt, denn für sie stellt die einsame Vorgehensweise ihres Mannes einen Vertrauensbruch dar, und sie ahnt, dass er ebenfalls ohne sie über seinen Umgang mit der Krankheit entscheiden wird.

An diesem Abend trifft der Sohn der beiden mit dem Flugzeug ein. Patricks (Barnaby Metschurat) Schwester Karoline (Carina N. Wiese) wird nämlich am nächsten Tag ihren langjährigen Lebensgefährten Mathis (Thomas Limpinsel) heiraten, mit dem zusammen sie eine Tochter hat, die gerade ihr Abitur macht: Yvonne (Leonie Benesch). Patrick spürt den Konflikt zwischen seinen Eltern, und schließlich erklärt ihm Anita, was geschehen ist, schärft ihm jedoch ein, seiner Schwester nichts von der Erkrankung des Vaters zu verraten, um ihr nicht die Hochzeit zu verderben.

Als Karoline, Mathis und Yvonne nach der Feier in die Villa kommen, um dort zu übernachten, wissen sie bereits von dem Prostatakarzinom. Fred, der schon im Bett lag, aber noch einmal aufsteht, weil er ohnehin nicht schlafen kann, will jedoch nicht darüber reden.

Kurz darauf verwüstet ein Unwetter den Garten.

Anita zieht in ein Seniorenheim und wirft Fred hinaus, als er sie besuchen will. Traurig geht er in eine Kneipe. Dort trifft er seine frühere Sekretärin, Frau Kramer (Sylvana Krappatsch), und plaudert eine Weile mit ihr.

Einige Zeit später kehrt Anita nach Hause zurück.

Fred packt zur Verwunderung Frau Kramers seine Sachen im Büro zusammen und kündigt an, er werde nicht mehr zurückkommen.

Yvonne zerrt ihre Großeltern bei der Abiturfeier auf die Tanzfläche, und nach anfänglichem Zögern machen Fred und Anita eine Weile ausgelassen mit. Danach überredet Anita ihren Mann, mit ihr statt zu Hause in einem Hotel zu schlafen.

Kurze Zeit später sucht Anita einen Juwelier auf, um sich ihren zu eng gewordenen Ehering vom Finger schneiden zu lassen. Der Geschäftsmann geht davon aus, dass sie ihn weiten lassen möchte, aber sie nimmt den kaputten Ring mit. Am nächsten Morgen kleiden sie und Fred sich sorgfältig in Schwarz und fahren mit einem Taxi zu seiner Wohnung. Dort streift auch Fred seinen Ehering ab. Anita verhakt ihn mit ihrem und legt die beiden Ringe zusammen mit den Reisepässen in ein Kuvert. Während sie noch einmal zur Toilette geht, bereitet Fred die Spritzen vor, mit denen sie gemeinsam aus dem Leben scheiden wollen. Dann setzen sie sich nebeneinander auf die Couch und injizieren sich das Gift.

Wahrscheinlich wird der für den übernächsten Tag bestellte Elektriker die Toten finden.

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In dem Drama „Satte Farben vor Schwarz“ befassen sich Sophie Heldman und Felix zu Knyphausen mit dem Thema Suizid im Alter, insbesondere im Fall einer möglicherweise unheilbaren Krankheit. Sie plädieren nicht für den Freitod, wohl aber die Freiheit des Einzelnen, darüber zu entscheiden, wie er sein Leben beenden will. Neben diesem großen Thema tangiert „Satte Farben vor Schwarz“ auch die Frage, ob es in einer guten Ehe Freiräume für jeden der beiden Partner geben könne. Dazu passt, dass der Film keine vorgefertigten Antworten, Lösungen oder moralische Wertungen anbietet, sondern den Zuschauer dazu anregt, sich seine eigene Meinung zu bilden.

Der Plot basiert auf einem wahren Fall. Sophie Heldman war zehn Jahre alt, als ein mit ihren Eltern befreundetes Nachbarpaar mit einem erweiterten Suizid aus dem Leben schied.

„Satte Farben vor Schwarz“ ist die Abschlussarbeit Sophie Heldmans an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin.

Die Dreharbeiten fanden in Düsseldorf statt. (Bei dem im Film zu sehenden Kfz-Kennzeichen GX handelt es sich um ein für Filmproduktionen reserviertes der fiktiven Stadt Gleixen.)

Bei der Inszenierung hat Sophie Heldman auf ambitionierte Stilelemente und jegliche Effekthascherei verzichtet. Sie erzählt die Geschichte ruhig, kühl und sachlich in vielen kurzen Episoden, zwischen denen Leerstellen bleiben. Das zwingt die Zuschauer zum Nachdenken, denn sie müssen das Fehlende mit ihrer eigenen Vorstellung füllen, aber es verhindert auch, dass sich die Handlung fließend entwickelt; „Satte Farben vor Schwarz“ wirkt eher fragmentarisch. Lange Einstellungen und Nahaufnahmen auf Gesichter lenken den Fokus auf die zurückhaltende Mimik und Gestik der beiden Hauptdarsteller Senta Berger und Bruno Ganz, ohne deren schauspielerisches Können dieser Film nicht denkbar wäre.

„Satte Farben vor Schwarz“ war beim Festival Internacional de Cine de Donostia-San Sebastián im September 2010 erstmals zu sehen und kam am 13. Januar 2011 in die deutschen Kinos.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2012

Elisabeth Herrmann - Das Kindermädchen
NS-Zwangsarbeit und -Raubkunst sind die zentralen Themen des Kriminalromans "Das Kindermädchen". Elisabeth Herrmann erzählt eine spannende, in der Gegenwart spie­lende Geschichte, deren Wurzeln in die letzten Kriegsjahre zurück­reichen. Zur Unterhaltung tragen auch Humor und Ironie bei.
Das Kindermädchen

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