The Golden Bowl

The Golden Bowl

The Golden Bowl

The Golden Bowl – Originaltitel: The Golden Bowl – Regie: James Ivory – Drehbuch: Ruth Prawer Jhabvala, nach dem Roman "The Golden Bowl" von Henry James – Kamera: Tony Pierce-Roberts – Schnitt: John David Allen – Musik: Richard Robbins – Darsteller: Kate Beckinsale, James Fox, Anjelica Huston, Nick Nolte, Jeremy Northam, Madeleine Potter, Uma Thurman, Nicholas Day, Peter Eyre, Nickolas Grace, Robin Hart u.a. – 2000; 135 Minuten

Inhaltsangabe

Prinz Amerigo stammt aus einer verarmten römischen Familie. Aus finanziellen Gründen trennt er sich 1903 von seiner ebenfalls mittellosen Geliebten Charlotte Stant und vermählt sich stattdessen mit ihrer Schulfreundin Maggie Verver, dem einzigen Kind des verwitweten amerikanischen Industriellen Adam Verver. Zwei Jahre später heiratet Charlotte den Schwiegervater ihres früheren Geliebten, um in dessen Nähe bleiben zu können ...
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Kritik

Sehenswert ist "The Golden Bowl" – die Verfilmung eines Romans von Henry James durch James Ivory – wegen der hochkarätigen Schauspieler, v.a. aber wegen der opulenten Ausstattung und der ästhetischen Bilder.
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Prinz Amerigo (Jeremy Northam) stammt aus einer traditionsreichen römischen Familie, aber er ist verarmt und der Palazzo Ugolini, den er geerbt hat, bedürfte dringend einer Restaurierung. Aus finanziellen Gründen trennt Amerigo sich 1903 von seiner ebenfalls mittellosen Geliebten Charlotte Stant (Uma Thurman) und verlobt sich stattdessen mit ihrer Schulfreundin Maggie Verver (Kate Beckinsale), dem einzigen Kind des verwitweten Industriemagnaten und Kunstsammlers Adam Verver (Nick Nolte). Obwohl Charlotte, Maggie und Adam Verver Amerikaner sind, leben sie in England. Dort soll auch die Hochzeit stattfinden.

Adam Verver sammelt in Europa Kunst und plant den Bau eines Museums in seiner Heimatstadt American City, um den Arbeitern, die ihn zu einem der reichsten Männer der Welt gemacht haben, etwas zurückzugeben. Sein Hauptaugenmerk gilt jedoch seiner Tochter. Er würde nie zulassen, dass jemand sie verletzt. Und Maggie liebt ihren Vater ebenfalls über alles.

Maggie, die nicht ahnt, dass ihre beste Freundin und ihr Bräutigam sich kennen, freut sich, dass Charlotte zur Hochzeit am 11. Juli 1903 kommt und stellt sie Amerigo vor. Drei Tage vor der Zeremonie bittet Charlotte den Prinzen, ihr bei der Auswahl eines Hochzeitspräsents zu helfen. Er möchte auch ihr etwas schenken, aber die goldene Schale, die sie ins Auge fasst, missfällt ihm. Charlotte lässt sie von dem Ladenbesitzer A. R. Jarvis (Peter Eyre) zurücklegen, vergisst sie dann jedoch.

1905. Inzwischen haben Maggie und Amerigo einen Sohn. Sie leben zusammen mit Adam Verver auf Schloss Fawns, das der amerikanische Millionär gemietet hat. Häufig ist Charlotte bei ihnen zu Gast. Sie erklärt sich auch bereit, Verver Gesellschaft zu leisten, während Maggie und Amerigo nach Rom reisen, um die Renovierungsarbeiten am Palazzo Ugolini zu beaufsichtigen.

Das Ehepaar wird in Rom von der Nachricht überrascht, dass Adam Verver und Charlotte heiraten wollen.

Maggie freut sich darüber, denn sie ist gern mit ihrer Freundin zusammen, aber Amerigo leidet unter deren Anwesenheit, denn er begehrt sie nach wie vor. Und Charlotte erklärt ihm auch noch, sie heirate den Vater seiner Ehefrau nur, um weiter in seiner Nähe bleiben zu können.

Drei Jahre später tuscheln die Leute bei einem Ball im Lancaster House in London über Prinz Amerigo und seine junge, attraktive Schwiegermutter Charlotte. Die beiden gehen häufig zusammen aus, während ihre Ehepartner es vorziehen, zu Hause zu bleiben.

Nach einem Wochenende bei der vergnügungssüchtigen Lady Castledean (Madeleine Potter), die vor den Augen ihres Ehemanns (Nicholas Day) mit Charles Blint (Robin Hart) flirtet, lässt Amerigo sich von Charlotte überreden, noch eine Nacht in einem Gasthaus zu verbringen und wieder mit ihr zu schlafen. Sie hätten den Zug versäumt, erklären sie ihren Ehepartnern nach der verspäteten Rückkehr.

In einem Dia-Vortrag über die Geschichte des Palazzo Ugolini wird darüber berichtet, wie ein Vorfahr Prinz Amerigos seine Ehefrau mit seinem sechzehnjährigen Sohn im Bett ertappte und die beiden töten ließ. Das wühlt Maggie auf, denn spätestens seit dem Wochenende, das Amerigo und Charlotte bei Lady Castledean verbrachten, argwöhnt sie, dass die beiden sie und ihren Vater betrügen. Sie fragt die Familienfreundin Fanny Assingham (Anjelica Huston), die sie mit Amerigo bekannt gemacht hatte, ob sie etwas wisse. Fanny, die ebenfalls befürchtet, dass Charlotte ein Verhältnis mit ihrem Schwiegersohn hat, versucht Maggie zu beschwichtigen, aber es gelingt ihr nicht, den Verdacht auszuräumen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für ihren Vater kommt Maggie 1908 zufällig in den Antiquitätenladen von A. R. Jarvis, und die goldene Schale fällt ihr auf. Die habe er am 8. Juli 1903 für ein offensichtlich verliebtes Paar zurückgelegt, erklärt der Geschäftsinhaber, aber sie sei nie abgeholt worden. Er verkauft sie Maggie und verspricht, sie am nächsten Tag ins Schloss zu bringen.

Bei der Lieferung der Schale fallen ihm zwei gerahmte Fotos auf. Sie zeigen Charlotte und Amerigo. Jarvis erkennt das Paar, für das er vor fünf Jahren die Schale zurücklegte und weist Maggie darauf hin. Auf diese Weise erfährt sie, dass Amerigo und Charlotte sich bereits kannten, als sie die beiden einander vorstellten. Warum verheimlichten sie es ihr? Das erhärtet Maggies Verdacht, dass ihr Ehemann und ihre Stiefmutter ein Verhältnis haben. Mühsam beherrscht sie sich, um nicht vor Jarvis in Tränen auszubrechen, der ihr die Hälfte des Preises nachlässt, weil die goldene Schale einen verborgenen Sprung hat, also nicht makellos ist.

Kurz darauf kommt Fanny herein, die wieder einmal mit ihrem Ehemann Colonel Bob Assingham (James Fox) zu Besuch bei Maggie ist. Als sie hört, was Maggie gerade erlebte, nimmt sie die Schale und lässt sie absichtlich zu Boden fallen. In diesem Augenblick betritt Amerigo das Zimmer und sieht noch, wie die goldene Schale zersplittert.

Maggie stellt ihn unter vier Augen zur Rede. Er beteuert, Charlotte nur bei der Auswahl eines Hochzeitsgeschenks begleitet zu haben. Aber er bereut sein Verhalten und vermeidet es von nun an, mit Charlotte allein zu sein. Als diese ihn fragt, ob Maggie etwas über sie beide herausgefunden habe, leugnet er es. Und als Charlotte mit Maggie spricht, tut diese so, als wisse sie von nichts, denn sie will ihren Vater schonen.

Statt offen mit ihrer Rivalin zu reden, bestärkt Maggie ihren Vater in der Absicht, das geplante Museum in American City zu eröffnen und Charlotte mitzunehmen.

Charlotte will sich nicht von Amerigo trennen, aber er macht ihr unmissverständlich klar, dass er nicht mehr ihr Liebhaber sei und bis ans Lebensende brauchen werde, um über die Schande hinwegzukommen.

Widerstrebend erklärt Charlotte ihrem Mann, dass sie ihn bei der Realisierung seines Vorhabens unterstützen werde. Mit seiner Hilfe macht sie sich mit den von ihm gesammelten Kunstschätzen vertraut, lässt sich in Kunstgeschichte unterweisen und erprobt ihr neues Wissen bei Gruppenführungen. Die Sammlung wird nach Amerika verschifft. Auch Adam und Charlotte Verver gehen an Bord des Dampfers, der sie nach New York bringt.

Die Arbeiter protestieren allerdings gegen das ihrer Meinung nach wertlose Zeug, das die beiden ausstellen, zumal das neu gebaute Museum die Einrichtung einer Straßenbahnlinie blockiert.

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In seinem 1904 veröffentlichten Roman „The Golden Bowl“ („Die goldene Schale“, Übersetzung: Werner Peterich, Aufbau-Taschenbuch, Berlin 2002, 671 Seiten, ISBN: 3-7466-1263-2) leuchtet Henry James hinter die gesellschaftlichen Fassaden und thematisiert den Konflikt zwischen Konventionen und individuellem Glück. Die Diskrepanz zwischen Sein und Schein wird durch Betrug hervorgerufen, aber auch durch Lügen, die dazu dienen, andere vor Schmerz zu bewahren. Die goldene Schale, die einen verborgenen Sprung hat, symbolisiert die Beziehung der vier Hauptfiguren.

Nebenbei geht es in „The Golden Bowl“ um Gegensätze, zum Beispiel zwischen neureichen amerikanischen Industriellen und verarmten europäischen Aristokraten, zwischen Alter und Neuer Welt, zwischen zweckloser Kunst und technischem Fortschritt.

Nach einem Drehbuch von Ruth Prawer Jhabvala hat James Ivory den Roman „The Golden Bowl“ verfilmt. Dabei entstand ein dialoglastiges und langatmiges Drama. Sehenswert ist „The Golden Bowl“ wegen der hochkarätigen Schauspieler, vor allem aber wegen der opulenten Optik, zu der Ausstattung und Kostüme ebenso beigetragen haben wie Kameraführung und Schnitt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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