The Limits of Control. Der geheimnisvolle Killer

The Limits of Control. Der geheimnisvolle Killer

The Limits of Control. Der geheimnisvolle Killer

The Limits of Control. Der geheimnisvolle Killer – Originaltitel: The Limits of Control – Regie: Jim Jarmusch – Drehbuch: Jim Jarmusch – Kamera: Christopher Doyle – Schnitt: Jay Rabinowitz – Musik: Boris, Sunn O))) – Darsteller: Isaach De Bankolé, Alex Descas, Jean-François Stévenin, Óscar Jaenada, Luis Tosar, Paz de la Huerta, Tilda Swinton, Youki Kudoh, John Hurt, Gael García Bernal, Hiam Abbass, Bill Murray, Héctor Colomé, María Isasi u.a. – 2009; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Wir folgen zwar einem geheimnisvollen Profikiller auf dem Weg zur Durchführung eines Auftrags, aber die Handlung ist in "The Limits of Control. Der geheimnisvolle Killer" zweitrangig. Jim Jarmusch zielt nicht auf Thriller-Suspense ab, sondern beschäftigt sich meditativ mit der Spannung zwischen Realität, Wahrnehmung und Vorstellung. Thema ist außerdem die Absurdität und Vergänglichkeit der menschlichen Existenz.
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Kritik

Wer sich auf dieses minimalistische Kunstwerk einlässt, wird überrascht sein, welchen Sog die klar komponierten Tableaus entfalten – und es am Ende kaum glauben können, dass knapp zwei Stunden vergangen sind.
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In einer Wartehalle eines Flughafens trifft sich ein französisch sprechender Afrikaner (Isaach De Bankolé) mit einem Kreolen (Alex Descas) und dessen Übersetzer (Jean-François Stévenin). Er bekommt den Auftrag für einen Mord. Zu diesem Zweck soll er nach Madrid fliegen, sich in einem Apartment in den Torres blancas einquartieren, für das ihm der Schlüssel ausgehändigt wird, und im Straßencafé des Restaurants Conache auf weitere Instruktionen warten. „Halte Ausschau nach der Violine“, sagt der Kreole.

In Madrid setzt der Killer sich, nachdem er seine Taijiquan-Übungen gemacht hat, in das Straßencafé und bestellt zur Verwunderung des Kellners (Óscar Jaenada) zwei Espressi in zwei Tassen. Schließlich taucht ein Mann (Luis Tosar) mit einem Geigenkasten auf, nimmt sich einen Stuhl und fragt ihn, ob er spanisch spreche. Der Afrikaner verneint. Daraufhin hält der Mann mit der Violine einen Monolog in spanischer Sprache und tauscht mit dem Killer eine Streichholzschachtel. Als er wieder fort ist, entnimmt der wortkarge Schwarze der Streichholzschachtel einen winzigen Zettel, entfaltet ihn, liest die drei aus Ziffern und Buchstaben bestehenden Zeilen, zerknüllt das Papier, verschluckt es und trinkt eine der beiden Tassen Espresso.

Nach einem Besuch im Museo Reina Sofía kehrt er in das Apartment zurück. Dort wartet eine junge Spanierin (Paz de la Huerta) auf ihn. Sie liegt nackt auf dem Bett, hat einen Revolver in der Hand und fordert ihn zum Sex auf. Aber der Einzelgänger nimmt ihr die Waffe weg und winkt ab: „Niemals während der Arbeit!“ Die Nacht verbringt er mit offenen Augen voll angezogen auf dem Rücken liegend neben der schlafenden Nackten. Am zweiten Abend trägt sie einen transparenten Regenmantel auf dem nackten Körper, aber der Killer lässt sich nicht verführen, und als ihr Handy klingelt, zertrümmert er es. „Du magst keine Waffen, keine Handys und keinen Sex“, konstatiert die geheimnisvolle Frau.

Im Straßencafé, wo er weiterhin stets zwei Espressi in zwei Tassen bestellt, tauscht er die Streichholzschachtel, die er von dem Mann mit der Violine bekam, mit einer schlanken Frau (Tilda Swinton) im hellgrauen Trenchcoat, die einen Stetson in der gleichen Farbe über der strohblonden Perücke trägt und über den Film „Die Lady von Shanghai“ redet: „Die besten Filme sind solche, an die man sich wie an einen Traum erinnert, von dem man nicht weiß, ob man ihn wirklich geträumt hat.“ Diesmal sind Diamanten in der Streichholzschachtel, die der Killer bekommt. Er bringt sie der Nackten in seinem Apartment und bekommt dafür eine Streichholzschachtel mit einem Kassiber.

Die gibt er im Zug nach Sevilla einer Japanerin (Youki Kudoh) und erhält dafür eine andere.

In der Altstadt von Sevilla besucht er einen Flamenco Klub (María Isasi, La Truco, Talegón de Córdoba, Jorge Rodriguez Padilla) und bleibt bis zum Ende des Gesangs bzw. Tanzes. Als er aus dem Fenster seines Hotelzimmers schaut, erblickt er in einer Wohnung gegenüber die Nackte im durchsichtigen Regenmantel.

Am nächsten Tag überlässt ihm ein über die Oper „La Bohème“ und den Filmregisseur Aki Kaurismäki monologisierender Mann (John Hurt) in einem Straßencafé eine Gitarre.

Während der Zugfahrt nach Doña Maria Ocaña nordwestlich von Almería entfernt der disziplinierte Afrikaner eine Saite von der Gitarre, rollt sie auf und steckt sie in die Innentasche seines Anzugjacketts.

In dem kleinen andalusischen Ort übergibt er den Gitarrenkoffer einem Mexikaner (Gael García Bernal). Der bringt ihn zu einem Pick-up mit der Aufschrift „La vida no vale nada“ (Das Leben ist nichts wert). Am Steuer sitzt eine Frau (Hiam Abbass). Sie bringt den Killer in ein verlassenes Dorf und setzt ihn dort ab.

Am nächsten Morgen beobachtet er von einem Hügel aus ein abgelegenes, auf allen Seiten mit Mauern und Stacheldraht umschlossenes, von Wachmännern gesichertes Anwesen, vor dem dunkle Limousinen geparkt sind. Ein Hubschrauber landet. Zwei Männer in Anzügen steigen aus und eilen in die Villa.

Als er in das abbruchreife Haus zurückkommt, in dem er übernachtet hat, liegt dort eine nackte junge Frau tot auf dem Bett. Ihrer geöffneten rechten Hand entnimmt der Killer eine Streichholzschachtel und vertauscht sie mit der, die er vom Mexikaner bekam. Dannzieht er ein Laken über die Leiche.

Unvermittelt sitzt er im Büro des in der festungsartigen Villa residierenden Amerikaners (Bill Murray). Als dieser fragt, wie er hereingekommen sei, antwortet der Eindringling: „Durch meine Vorstellungskraft.“ Vergeblich ruft der Amerikaner nach den Sicherheitskräften. „Leute wie Sie haben doch keine Scheiß Ahnung, wie die Welt wirklich funktioniert“, meint er verächtlich, bevor ihn der Killer mit der Gitarrensaite erdrosselt.

Die Frau, die den Einzelgänger hergebracht hat, fährt ihn zur Bahnstation von Doña Maria Ocaña. Er kehrt nach Madrid zurück, zieht sich in einer Toilettenkabine des Atocha-Bahnhofs um und verstaut die Reisetasche mit den eleganten Anzügen, die er während der Erledigung des Auftrags trug, in einem Schließfach. Die letzte Streichholzschachtel wirft er in einen Abfallbehälter. Lässig gekleidet geht er wieder ins Museo Reina Sofía und betrachtet eines der Kunstwerke.

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Endlich wieder einmal ein Kinofilm, bei dem nicht ein Sprecher eine Geschichte aus dem Off erzählt, sondern die Bilder allein wirken, und das auch noch mit einem Minimum an Dialogen. Zwar folgen wir einem geheimnisvollen Profikiller auf dem Weg zur Durchführung eines Auftrags, aber die Handlung ist in „The Limits of Control. Der geheimnisvolle Killer“ zweitrangig.

Es gibt eine Geschichte, aber eher versteckt. Ich lasse die dramatischen Dinge gern weg. Mich interessieren eher die Charaktere und ihre Interaktionen. Ich zeige, wie meine Figuren Dinge anschauen und dabei die Zeit vergeht. (Jim Jarmusch im Interview mit dem „Stern“, 28. Mai 2009)

Auch wenn Jim Jarmusch sich in „The Limits of Control. Der geheimnisvolle Killer“ der Versatzstücke einer Killer-Elegie bedient, zielt er nicht auf Thriller-Suspense ab, sondern beschäftigt sich meditativ mit der Spannung zwischen Realität, Wahrnehmung und Vorstellung. Thema ist außerdem die Absurdität und Vergänglichkeit der menschlichen Existenz:

Wer sich für größer als andere hält, braucht nur auf einen Friedhof zu gehen. Dort wird er verstehen, was Leben wirklich ist: eine Handvoll Staub.

Im Vorspann zitiert Jim Jarmusch aus dem Gedicht „Das trunkene Schiff“ von Arthur Rimbaud:

Als ich hinabschoss, vom Gleichmut der Ströme getragen, da fühlte ich das Leitseil der Treidler nicht mehr.

In der Übersetzung von Paul Celan lautet dieselbe Stelle:

Hinab glitt ich die Flüsse, von träger Flut getragen, da fühlte ich: es zogen die Treidler mich nicht mehr.

„The Limits of Control. Der geheimnisvolle Killer“ ist ein poetisch-minimalistischer Film, in dem Ritual und Wiederholung, Doppelung und Spiegelung als Stilmittel eingesetzt werden. Lange Einstellungen betonen die ruhige Orchestrierung der klar komponierten Tableaus. Obwohl der Protagonist ständig zu sehen ist, erfahren wir kaum etwas über ihn, aber sein Gleichmut und seine Gelassenheit überträgt sich auf uns. Das ist nicht zuletzt der eindrucksvollen Präsenz des 1957 in der Republik Elfenbeinküste geborenen französischen Schauspielers Isaach De Bankolé zu verdanken.

Wer sich darauf einlässt, wird überrascht sein, welchen Sog dieses minimalistische Kunstwerk entfaltet – und es am Ende kaum glauben können, dass knapp zwei Stunden vergangen sind.

Der Originaltitel geht auf den Essay „The Limits of Control“ von William S. Burroughs aus dem Jahr 1975 zurück.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

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