Monster

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Originaltitel: Monster - Regie: Patty Jenkins - Drehbuch: Patty Jenkins - Kamera: Steven Bernstein - Schnitt: Jane Kurson, Arthur Coburn - Musik: BT - Darsteller: Charlize Theron, Christina Ricci, Bruce Dern, Scott Wilson, Pruitt Taylor Vince, Lee Tergesen, Annie Corley, Marco St. John, Marc Macaulay, Russ Blackwell u.a. - 2003; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Gerade als die heruntergekommene Straßenhure Aileen Wuornos sich umbringen will, lernt sie die junge Lesbierin Selby kennen. Zum ersten Mal fühlt Aileen sich geliebt. Dadurch fasst sie neue Hoffnung und beschließt, eine bürgerliche Karriere anzufangen – aber niemand gibt ihr eine Chance. Um finanziell für Selby sorgen zu können, geht Aileen wieder auf den Strich. Nachdem sie einen Freier in Notwehr erschossen hat, steigert sich ihr Hass so, dass sie im Verlauf einiger Monate weitere sechs Männer ermordet ...
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Kritik

Das Filmdrama "Monster" von Patty Jenkins ist schon allein deshalb sehenswert, weil es Charlize Theron in der Filmrolle gelungen ist, dem authentischen Vorbild Aileen Wuornos in Aussehen, Mimik und Körpersprache verblüffend zu ähneln.
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Aileen Wuornos (nacheinander gespielt von Cree Ivey, Kaitlin Riley, Charlize Theron) wuchs in Oakland auf. Ab ihrem achten Lebensjahr wurde sie von einem Freund ihres Vaters missbraucht, aber die Eltern glaubten ihr nicht, als sie ihnen davon erzählte. Das Kind, das sie mit dreizehn gebar, musste sie zur Adoption freigeben. Für einen Dollar zog sie vor den Nachbarjungen ihr T-Shirt hoch und für ein bisschen mehr machte sie Sex mit ihnen.

Mit dreiunddreißig ist die obdachlose, alkoholkranke Straßenhure, die sich in Florida herumtreibt, am Ende und beschließt, sich umzubringen, wenn sie nicht innerhalb der nächsten Minuten etwas Positives erlebt. Da wird sie am Tresen einer Bar von einer sehr viel jüngeren Frau angesprochen, die Selby heißt (Christina Ricci). Zuerst will Aileen sich nicht von einer Lesbierin anmachen lassen, aber dann trinken sie zusammen und freunden sich an.

Selby Wall stammt aus Ohio. Die Eltern haben sie für einige Zeit zu einem befreundeten Ehepaar – Donna und Charles Tentler (Annie Corley, Brett Rice) – nach Florida geschickt, in der Hoffnung, dass Selby durch die Trennung von ihren Freundinnen ihre lesbische Veranlagung überwindet.

Um Selby ausführen zu können, sucht Aileen sich am Highway Freier. Einer von ihnen – er heißt Vincent Corey (Lee Tergesen) – fährt mit ihr in einen Wald, schlägt sie zusammen und fesselt sie. Offenbar hat er vor, sie zu vergewaltigen und dann zu töten. Bis vor kurzem hätte Aileen sich vielleicht gar nicht gewehrt, aber nun will sie Selby wiedersehen. Es gelingt ihr, sich zu befreien, und sie erschießt Corey mit einem Revolver. Dann nimmt sie sein Geld, lässt die Leiche liegen und fährt mit dem Auto zurück. Selby verrät sie zunächst nicht, woher sie das Geld und den Wagen hat.

Selby packt ihre Sachen und zieht mit Aileen in ein Motel, später sogar in ein Apartment. Aus der Freundschaft entwickelt sich ein intimes Verhältnis, und Aileen wird zum ersten Mal geliebt. Dadurch schöpft Aileen neue Hoffnung, neuen Lebensmut, und sie nimmt sich vor, eine bürgerliche Karriere zu beginnen. Sie träumt davon, mit Selby in einem eigenen Haus wohnen zu können. Voll Zuversicht bewirbt sie sich bei verschiedenen Stellen als Sekretärin. Weil sie weder über berufliche Erfahrungen noch Reverenzen verfügt, ist niemand bereit, ihr eine Chance zu geben; im Gegenteil: man verhöhnt sie. Auf der Straße wird sie von dem Streifenpolizisten erkannt, der sie vor acht Jahren wegen verbotener Prostitution ins Gefängnis gebracht hatte. Er tut so, als nähme er sie fest, fährt mit ihr in eine Seitenstraße und verlangt Fellatio von ihr.

Um finanziell für Selby sorgen zu können, bleibt Aileen nichts anderes übrig, als wieder auf den Strich zu gehen. Doch als der erste Freier (Marc Macaulay), der sie im Wagen mitnimmt, verlangt, dass sie „Papa“ zu ihm sagt, erschießt sie ihn und beschimpft den Toten als „Kinderficker“. Ihr Männerhass hat sich durch das Erlebnis weiter gesteigert. Einen schüchternen Autofahrer (Pruitt Taylor Vince), der ihr stotternd gesteht, es noch nie mit einer Prostituierten gemacht zu haben, lässt sie am Leben und befriedigt ihn rasch mit der Hand.

Selby, die inzwischen von dem Totschlag in Notwehr weiß, verliert während der Fahrt mit einem der gestohlenen Autos die Kontrolle über das Fahrzeug und kracht damit in einen Garten. Die erschrockenen Hausbesitzer wollen einen Krankenwagen rufen, aber Aileen übernimmt das Steuer und rast mit Selby davon. Erst jetzt gesteht Aileen ihrer Freundin, dass sie inzwischen noch einen Mann umgebracht hat. Sie wollte Selby nichts davon sagen, um ihr nicht den Glauben an das Gute im Menschen zu nehmen.

Dass unter Aileens Opfern ein Undercover-Polizist ist, erfährt Selby aus dem Fernsehen. Man zeigt Phantombilder von ihr und der Serienmörderin, die nach der Beschreibung des Ehepaars gemacht wurden, in dessen Garten sie gefahren waren.

Ein Anhalter (Scott Wilson) nimmt Aileen mit. Als sie behauptet, zwei Kinder zu haben und in Not zu sein, bietet ihr der freundliche Autofahrer an, sie bei sich und seiner Frau im leer stehenden Kinderzimmer aufzunehmen. Aufgrund der Hilfsbereitschaft des Mannes fällt es Aileen schwer, ihn zu töten. Er bettelt um sein Leben und erzählt, dass seine Tochter schwanger ist. Schluchzend erschießt Aileen ihn, um nicht nur an sein Geld, sondern auch an sein Auto zu kommen und dabei keinen lebenden Zeugen zu hinterlassen.

Damit Selby davonkommt, kauft Aileen ihr eine Fahrkarte nach Ohio und bringt sie zum Busbahnhof.

Nach dem schmerzvollen Abschied geht sie in eine Kneipe, obwohl sie weiß, dass sie gesucht wird. Ein gut meinender Bekannter namens Tom (Bruce Dern) will ihr zur Flucht verhelfen, aber Aileen glaubt, er sei auf Sex aus und ist von ihm enttäuscht. Eine Minute später wird sie von mehreren Polizisten in Zivil festgenommen.

Vom Gefängnis aus telefoniert Aileen mit Selby und freut sich, die Stimme der Freundin zu hören. Sie weiß nicht, dass Selby bei der Polizei ist und das Gespräch mitgeschnitten wird, in der Hoffnung, dass Aileen sich durch unbedachte Äußerungen selbst belastet.

Im Gerichtsprozess sagt Selby gegen Aileen aus.

Aileen Wuornos wird wegen siebenfachen Mordes zum Tod verurteilt und zehn Jahre später hingerichtet.

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In dem Filmdrama „Monster“ greift Patty Jenkins einen authentischen Fall auf: Zwischen dem 30. November 1989 und ihrer Verhaftung im Januar 1991 erschoss die aus Oakland, Kalifornien, stammende Prostituierte Aileen Carol Wuornos (29. Februar 1956 – 9. Oktober 2002) in Florida sieben Männer. Am 7. Mai 1992 wurde Aileen Wuormos zum Tod verurteilt und zehn Jahre später, am 9. Oktober 2002, durch eine Giftspritze hingerichtet.

Während sich die Prostituierten in London 1888 vor Jack the Ripper fürchteten, war es knapp hundert Jahre später in Florida umgekehrt: Da wurden Freier von einer Prostituierten bedroht.

Patty Jenkins beschäftigt sich in ihrem Debütfilm weniger mit den Morden als mit Aileens Liebe zu einer infantilen Frau, die im Film Selby Wall heißt. (Ihr wirklicher Name lautete Tyria Moore.) „Monster“ ist eine Geschichte über zwei Außenseiterinnen.

Zwar erwähnt Aileen Wuornos im Film kurz, dass sie schon als Kind missbraucht worden war, aber Patty Jenkins hat daraus keine psychoanalytische Erklärung abgeleitet. Trotz des Titels stellt Patty Jenkins die Serienmörderin nicht als Monster, sondern als Mensch dar. Weder verurteilt sie Aileen Wuornos, noch rechtfertigt sie deren Bluttaten.

Charlize Theron spielt eine heruntergekommene Straßenhure, die sich wie ein Macker benimmt, der für seine Liebste sorgen will und sich die Überzeugung einredet, dazu auch in der Lage zu sein. Nachdem Aileen endlich eine Person gefunden hat, die sie liebt, will sie diese hoffnungsvolle Situation unter allen Umständen bewahren. Sie muss jedoch bald einsehen, dass ihr keine Chance zur Rehabilitierung gegeben wird. Wenn man Charlize Theron in „Monster“ mit Aileen Wuornos in Dokumentarfilmen vergleicht, ist man über die Ähnlichkeit verblüfft. Das gilt nicht nur für das Gesicht – Charlize Theron nahm für die Rolle 18 kg zu, ließ sich falsche Zähne einsetzen und von einer Maskenbildnerin herrichten –, sondern auch für die ordinäre Mimik und maskuline Körpersprache. Dafür wurde Charlize Theron mit einem „Oscar“ ausgezeichnet.

Eindrucksvoll ist auch Christina Ricci als Charlize Therons Filmpartnerin, die mit ihren Kulleraugen ein naives Biest spielt, das sich ängstlich und unterwürfig, aber auch trotzig verhält, von ihrer erschöpften Beschützerin rücksichtslos verlangt, dass diese ein anderes Fluchtauto besorgt und ihre Freundin am Ende eiskalt verrät.

Auf jede Hochglanzästhetik wurde in „Monster“ verzichtet. Rührende Szenen hat Patty Jenkins auf ein Minimum beschränkt; sie hält die Zuschauer auf Distanz.

Nick Broomfield drehte zwei Dokumentarfilme über die Serienmörderin Aileen Wuornos: „The Selling of a Serial Killer“ (1992) und „Life & Death of a Serial Killer“ (2003). Jean Smart inszenierte den Fernsehfilm „Overkill. The Aileen Wuornos Story“ (1992).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2006

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