Vatel

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Vatel

Originaltitel: Vatel - Regie: Roland Joffé - Drehbuch: Jeanne Labrune, Tom Stoppard und Roland Joffé - Kamera: Robert Fraisse - Schnitt: Noëlle Boisson - Musik: Ennio Morricone - Darsteller: Gérard Depardieu, Uma Thurman, Tim Roth, Julian Glover, Julian Sands, Timothy Spall, Murray Lachlan Young, Richard Griffiths u.a. - 2001; 100 Minuten

Inhaltsangabe

François Vatel, dem loyalen Hofmeister des Fürsten von Condé, gelingt es, den Sonnenkönig mit einem einfallsreichen, aufwändigen und hervorragend organisierten Fest auf Schloss Chantilly zu amüsieren, aber ihm bleibt dabei bewusst, dass der Prunk zu Lasten der einfachen Leute geht.
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Kritik

Roland Joffé verpackt seine Kritik an der dekadenten Hofgesellschaft im Absolutismus in aufwändige Dekorationen und opulente Bilder: "Vatel".
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Im Frühjahr 1671 schreibt der Marquis de Lauzun (Tim Roth), der Sekretär König Ludwigs XIV. (Julian Sands), einen Brief an Louis II., den Fürsten von Condé (Julian Glover): Der Sonnenkönig geruhe, „die einfachen Freuden auf dem Land“ zu genießen. Der Fürst von Condé soll in seinem Schloss Chantilly ein dreitägiges Fest veranstalten und dabei der „Extravaganz und Originalität keine Grenzen setzen“. Hintergrund dieser großen Ehre ist der bevorstehende Krieg gegen Wilhelm von Oranien, in dem der Fürst von Condé gebraucht wird, denn er gilt als der beste französische General. Der Fürst beauftragt seinen Hofmeister François Vatel (Gérard Depardieu) mit der Vorbereitung und Durchführung des Festes. Amüsiert sich der König, kann der Gastgeber mit seiner Gunst rechnen, aber schon die kleinste Störung ließe ihn in Ungnade fallen. Das Ergebnis hängt von Vatels Ideenreichtum und Organisationstalent ab.

Die Geschäftsleute, bei denen François Vatel Unmengen von Delikatessen und Dekorationen bestellt, wollen die Aufträge nicht entgegennehmen, solange sie noch auf die Bezahlung der letzten Lieferungen warten müssen. Vatel erklärt ihnen offen, dass der Fürst zahlungsunfähig sei und weder die bereits erfolgten Lieferungen noch die neuen Bestellungen bezahlen könne ? es sei denn, er sei in der Lage, den König durch das dreitägige Fest zu beeindrucken und erhalte deshalb wertvolle Geschenke aus der königlichen Schatztruhe. Das überzeugt die Lieferanten, ihr Bestes zu geben.

Vatel spornt nicht nur die Lieferanten, sondern auch Köche, Dekorateure und Bühnenbildner zu Glanzleistungen an. Obwohl er Tag und Nacht auf den Beinen ist und sich um jedes Detail kümmert, kann er Störungen im Ablauf nicht ausschließen. Das Fleisch reicht nicht. Die Eier sind verdorben. Eine Lieferung von Glasgefäßen trifft zerbrochen ein. Einen hölzernen Wal, der für ein Theaterspektakel gebaut wurde, zerbricht Philippe I. (Murray Lachlan Young), der einunddreißigjährige Bruder des Königs und Herzog von Orléans, in seinem Übermut. Ein Sturm droht die im Freien aufgespannten Vorhänge zu zerfetzen. Vatel muss ständig improvisieren, damit der König nichts von den Zwischenfällen merkt. Bei einem Feuerwerk verunglückt hinter den Kulissen ein zweiunddreißigjähriger Stallmeister tödlich. Der König, der auch davon nichts ahnt, erkundigt sich nach dem Organisator des großartigen Feuerwerks.

Unter den Küchenjungen Vatels entdeckt der homosexuelle Bruder des Königs einen, der ihm gefällt und verlangt, dass man ihn zum ihm schickt, aber François Vatel verhindert es. Kurz darauf fordert Philippe d‘ Orléans ihn selbst auf, für eine Liebesnacht zu ihm zu kommen. Durch eine diplomatische Antwort gelingt es dem Hofmeister, sich der Werbung zu entziehen, ohne den Herzog zu kränken. Im Gegenteil: Der fühlt sich endlich einmal verstanden.

Dem Marquis de Lauzun, der von Anne Gräfin de Montausier (Uma Thurman) einen Korb bekam, entgeht nicht, dass sie und Vatel sich verstohlen ansehen. Aus Eifersucht schikaniert er Vatel mit unsinnigen Aufträgen, doch als er ihn von einigen seiner Lakaien im Garten überfallen lässt, werden sie von Höflingen des Herzogs von Orléans in die Flucht geschlagen.

Obwohl François Vatel nichts von Dr. Bourdelots (Richard Griffiths) Therapie hält, das Gichtleiden des fünfzigjährigen Fürsten von Condé mit dem Herzblut frisch geschlachteter Vögel zu lindern, opfert er zwei seiner Papageien, damit Anne de Montausier ihren Kanarienvogel behalten kann.

Bei einem Kartenspiel verlangt Ludwig XIV. vom Gastgeber, dass er den genialen Hofmeisters einsetzt, und der Fürst von Condé verspielt ihn. Der König wird Vatel also bei seiner Abreise mit nach Versailles nehmen.

Anne de Montausier folgt zwar der Aufforderung des Königs zu einem mitternächtlichen Schäferstündchen, aber inmitten der intriganten, wollüstigen, verschwenderischen Festgesellschaft fällt ihr immer wieder der so ganz andere Hofmeister auf. Sie fühlt sich zu ihm hingezogen, weil er sich offenbar nicht verbiegen lässt, ein Herz hat, loyal ist und auch seine Untergebenen mit Respekt behandelt. In der zweiten Nacht schleicht sie sich heimlich zu ihm. François Vatel, der sich in Anne verliebt hat, schließt sie in seine Arme. Doch sie wird aus seinem Bett zum König gerufen. Beim Weggehen verrät sie Vatel, dass der Fürst von Condé ihn beim Kartenspiel an den König verloren hat. Für den loyalen Hofmeister bricht eine Welt zusammen.

Gewissenhaft gibt François Vatel seine Anweisungen für das Fisch-Bankett des letzten Abends. Am nächsten Morgen soll er mit nach Versailles reisen. In der Nacht schreibt er Anne de Montausier einen Abschiedsbrief und bringt sich dann um.

Anne Gräfin de Montausier zieht sich aus der Hofgesellschaft zurück.

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Ein Untergebener des Marquis de Lauzun vergleicht die aristokratische Gesellschaft mit dem Sonnensystem. Im Zentrum stehe der König, um den sich alles drehe. Sein Herr sei wie einer der Planeten, und er selbst wie dessen Mond.

Dem pflichtbewussten Hofmeister François Vatel gelingt es, den Sonnenkönig mit einem einfallsreichen, aufwändigen und hervorragend organisierten Fest zu amüsieren. Dadurch gerät er in das Blickfeld seiner Majestät, und Ludwig XIV. will den genialen Hofmeister in Versailles haben. Vatel organisiert zwar all den Prunk, weil er weiß, wie entscheidend der Erfolg für seinen Herrn ist, aber ihm bleibt dabei bewusst, dass sich die Hofgesellschaft auf Kosten der einfachen Leute amüsiert. Als er erfährt, dass ihn der Fürst beim Kartenspielen als Einsatz missbraucht hat, wird im klar, dass auch er wie jeder andere in dieser Gesellschaft Gefahr läuft, entwürdigt zu werden. Dagegen lehnt er sich durch seinen Selbstmord auf.

In „Vatel“ prangert Roland Joffé die Dekadenz der Hofgesellschaft im Absolutismus an, aber er verpackt seine Kritik in aufwändigen Dekorationen und opulenten Bildern.

Fürs Kino wurde der bei den Filmfestspielen in Cannes noch drei Stunden lange Film um mehr als ein Drittel gekürzt.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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