Operation Avalanche

Operation Avalanche

Operation Avalanche

Operation Avalanche – Originaltitel: Operation Avalanche – Regie: Matt Johnson – Drehbuch: Josh Boles, Matt Johnson – Kamera: Andrew Appelle, Jared Raab – Schnitt: Curt Lobb – Musik: Jay McCarrol – Darsteller: Matt Johnson, Owen Williams, Krista Madison, Madeleine Sims-Fewer, Sharon Belle, Josh Boles, Jared Raab, Andrew Appelle u.a. – 2016; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Die jungen CIA-Agenten Matt Johnson und Owen Williams stoßen auf ein brisantes Geheimnis: Die NASA ist nicht in der Lage, John F. Kennedys Versprechen einer Mondlandung in den 60er-Jahren zu erfüllen. Weil die Öffentlichkeit davon nichts erfahren darf, drehen Matt und Owen heimlich in einem eigens dafür eingerichteten Studio, wie der Astronaut Neil Armstrong den Mond betritt. Der Film soll von der Apollo-11-Mission zur Erde gesendet werden ...
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Kritik

"Operation Avalanche" ist ein Mockumentary, eine Satire und ein augenzwinkernder Thriller. Das Thema "alternative Fakten" ist gerade wieder aktuell. Mit künstlich gealtertem Filmmaterial täuscht Matt Johnson den Eindruck von Authentizität vor.
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Die Studenten Matt Johnson und Owen Williams werden 1965 von der CIA rekrutiert. Während die CIA einen für den KGB spionierenden Maulwurf bei der NASA vermutet, behauptet NASA-Direktor James Webb (Joe Thomas), dass es kein Informationsleck gebe und verweigert eine Untersuchung. Die Geheim­dienst­agenten Matt Johnson und Owen Williams geben sich deshalb als Dokumentar­filmer aus, um bei der NASA unbemerkt Abhörmikrofone installieren zu können.

Auf diese Weise belauschen sie nach einiger Zeit ein Gespräch, das James Webb mit einem ihnen Unbekannten führt und erfahren, dass die von US-Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 für die laufende Dekade angekündigte Mondlandung jedenfalls in den Sechzigerjahren für die NASA undurchführbar ist. Es ist zu befürchten, dass die UdSSR den USA erneut bei einem Raumfahrt-Projekt zuvorkommt. Die für 1969 geplante Mission Apollo 11 könnte zwar auf dem Mond landen, aber in diesem Fall nicht mehr von dort zurückkehren. Das Raumschiff Columbia wird also den Erdtrabanten lediglich umrunden können.

Matt und Owen sind geschockt. Das Geheimnis darf weder an die Öffentlichkeit gelangen noch den Russen enthüllt werden.

Mit gefälschten Dokumenten täuscht Matt seinem Freund und Kollegen Owen vor, sie hätten den Auftrag bekommen, die Mondlandung vorzutäuschen. Sein von dem Filmklassiker „Die Reise zum Mond“ (1902) inspirierter Plan sieht vor, in einem eigens für diesen Zweck eingerichteten Studio unter strenger Geheimhaltung einen Film zu drehen, der dann von den Astronauten der Apollo-11-Mission zur Erde gesendet werden soll. Wenn der Kommandant Neil Armstrong das gefälschte Material in die Computer einspeist, während die Columbia die Rückseite des Mondes passiert und keinen Funkkontakt zur Erde hat, werden nicht einmal die Leute im Kontrollzentrum in Houston den Fake bemerken.

Um sich das Know-how für die erforderlichen Special Effects zu verschaffen, fliegen Matt und Owen nach London. Sie wissen, dass Stanley Kubrick Ende 1965 angefangen hat, in englischen Studios den Film „2001. Odyssee im Weltraum“ zu drehen. Um auf den Set vorgelassen zu werden, geben sie sich als Journalisten aus. Das Film- und Fotografierverbot unterlaufen sie mit einer Kamera, die in einer Aktentasche mit Loch vor dem Objektiv versteckt ist. Sie erfahren, was Frontprojektion bedeutet: Dabei wird die zuvor aufgenommene Landschaft über einen halbtransparenten Spiegel auf eine stark reflektierende Leinwand projiziert, vor der die Schauspieler agieren.

Zurück in den USA, richten sie für ihre „Operation Avalanche“ ein Studio ein und wenden das Gelernte an.

Während Matt Regie führt und Owen in einen Raumanzug schlüpft, um Neil Armstrong zu verkörpern, erfahren sie vom Plan B der CIA: Notfalls würde man die Columbia-Raumfähre im Flug zerstören und dafür sorgen, dass zumindest in der westlichen Öffentlichkeit von einem sowjetischen Anschlag ausgegangen wird.

Immer wieder fühlen sich Matt und Owen beobachtet, und als ein NASA-Wissenschaftler tot aufgefunden wird, befürchten sie, dass die Regierung nicht vor Morden zurückschreckt, um das Geheimnis um die Nicht-Einlösbarkeit von Kennedys Versprechen zu bewahren. Vor allem Owen fühlt sich und seine schwangere Ehefrau Julie (Krista Madison) bedroht. Matt wird während einer Autofahrt von zwei Männern in einem anderen Wagen verfolgt, bedrängt und beschossen. Er entkommt. Owen meldet sich nicht am Telefon. Matt fährt hin und findet ihn in der Garage: tot, erhängt.

Am 21. Juli 1969 drängen sich Passanten vor dem Schaufenster eines Ladens. Matt geht näher. Auf den ausgestellten Fernsehgeräten läuft der Film von der Mondlandung. Der Mann im Raumanzug, den alle für Neil Armstrong halten, betritt scheinbar die Mondoberfläche und sagt: „That’s one small step for a man, one giant leap for mankind.“

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Schon seit langem hält sich eine Verschwörungstheorie, der zufolge die USA die Mondlandung im Juli 1969 nur vortäuschten.

In dem Mockumentary „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“ zeigt William Karel, dass Stanley Kubrick im Auftrag der US-Regierung einen Fake über die Mondlandung für den Fall des Scheiterns der Apollo-11-Mission dreht. Nachdem Neil Armstrong und Edwin („Buzz“) Aldrin in der Nacht vom 20./21. Juli 1969 tatsächlich den Mond betraten und dann mit dem Piloten Michael Collins unbeschadet zur Erde zurückkehrten, lässt US-Präsident Richard Nixon die Mitwisser ermorden, um das Geheimnis zu wahren. Stanley Kubrick fürchtet um sein Leben und zieht sich auf seinen Landsitz Childwickbury Manor in England zurück. (Der SF-Film „Unternehmen Capricorn“ von Peter Hyams handelt von einer vorgetäuschten bemannten US-Mission zum Mars.)

Kubrick, Nixon und der Mann im Mond – Originaltitel: Opération lune – Regie: William Karel – Drehbuch: William Karel – Kamera: Stéphane Saporito – Schnitt: Tal Zana – 2002; 50 Minuten

Unternehmen Capricorn – Originaltitel: Capricorn One – Regie: Peter Hyams – Drehbuch: Peter Hyams – Kamera: Bill Butler – Schnitt: James Mitchell – Musik: Jerry Goldsmith – Darsteller: Elliott Gould, James Brolin, Brenda Vaccaro, Sam Waterston, O. J. Simpson, Hal Holbrook, Karen Black u.a. – 1978; 120 Minuten

Matt Johnson und Josh Boles ließen sich von der Verschwörungstheorie zu einem Mockumentary mit dem Titel „Operation Avalanche“ anregen. In der angeblich postfaktischen Ära, in der Fakes und „alternative Fakten“ Konjunktur haben, ist das Vorspiegeln falscher Tatsachen durchaus ein aktuelles Thema. Man kann „Operation Avalanche“ zugleich als eine Satire über die Macht der Bilder verstehen. Im letzten Drittel wird daraus auch noch ein augenzwinkernder Thriller.

Um den Eindruck von Authentizität zu erzeugen, wurden Spielszenen in Archivmaterial eingefügt, aber auch Digitalaufnahmen auf Filmmaterial übertragen, verunreinigt und dann wieder digitalisiert. Matt Johnson entwickelt die Handlung nicht fließend, sondern in einem temporeichen Stakkato. Einige Zusammenhänge bleiben unklar. Es sieht so aus, als sei bei den Dreharbeiten absichtlich improvisiert worden. Augenscheinlich legten die Filmemacher und Schauspieler es bewusst darauf an, die Darstellung nicht perfekt aussehen zu lassen.

Die Dreharbeiten für „Operation Avalanche“ fanden im Sommer 2014 in Toronto, Houston und Washington, D. C., statt. Es heißt, die Crew habe die Dreherlaubnis für das Lyndon B. Johnson Space Center in Houston nicht für einen Kino-, sondern für einen studentischen Dokumentarfilm erschlichen. Noch ein Täuschungs­manöver …

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2017

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