Jürgen Harksen


Jürgen Harksen wurde am 30. Dezember 1960 in Flensburg als eines der vier Kinder eines Vertreters und einer Friseurin geboren.

Aufgrund seiner Legasthenie besuchte er vorübergehend eine Sonderschule. Nach dem Realschulabschluss arbeitete Jürgen Harksen als Gerichtsvollziehergehilfe. Mit sechsundzwanzig zog er nach Hamburg.

Dort begann er, Geldanleger mit utopischen Renditen zu ködern. Bis zu 1300 Prozent soll er versprochen haben. Anfangs zahlte Jürgen Harksen tatsächlich

außergewöhnlich hohe Zinsen, und wenn jemand Zweifel bekam, gab er die investierten Summen scheinbar problemlos zurück. Damit untermauerte er seine Glaubwürdigkeit. Dass er vor jeder Auszahlung Neuanlagen benötigte, ahnten die Betrogenen nicht; sie fielen auf sein Schneeballsystem herein. Angeblich wurden Jürgen Harksen von 1987 bis 1992 etwa 100 Millionen D-Mark anvertraut. Statt das Geld für seine Kunden anzulegen, finanzierte Jürgen Harksen damit seinen aufwändigen Lebensstil.

1993 setzte sich Jürgen Harksen mit seiner Ehefrau Jeanette und den damals zwei Söhnen nach Südafrika ab. (Der dritte Sohn wurde dort geboren.)

Er lud seine Kunden nach Kapstadt ein, vertröstete sie und feierte teure Partys mit ihnen.

Ende 1993 wurde ein Auslieferungsverfahren gegen Jürgen Harksen eingeleitet, aber es dauerte neun Jahre, bis Südafrika ihn Ende Oktober 2002 nach Deutschland auslieferte.

Inzwischen war ein Großteil der Vergehen, die ihm zur Last gelegt wurden, verjährt. Am Ende verurteilte ihn das Landgericht Hamburg im April 2003 wegen mehrfachen Betrugs zu sechs Jahren und neun Monaten Haft. Jeanette Harksen erhielt eine zweijährige Freiheitsstrafe, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

In einem Interview mit Holger Weber sagte Jürgen Harksen:

Ich hatte […] das Bedürfnis nach Anerkennung, was ich mir mit meiner Jugendzeit erkläre. Meine Eltern sind sehr früh verstorben. Ich stamme aus sehr wackeligen gesellschaftlichen Verhältnissen und komme aus einer armen Gegend in Flensburg. Meine Kameraden, die eine Straße weiter wohnten, in einer besseren Straße, wurden eingeladen zu Geburtstagspartys. Ich nie. Da wurde mir klar: Geld ist wichtig. Aus vernünftigen Verhältnissen zu kommen, ist auch wichtig. So habe ich mich eben viele Jahre später in dieses Leben reingeschummelt […]
Ich war nicht gierig nach dem Geld. Geld war ein angenehmer Nebeneffekt. Der Reiz lag für mich darin, einem studierten Wirtschaftsprüfer oder einem Volljuristen weiszumachen, dass wir bald auf den Mond fliegen. Gierig nach Geld – mit allem Respekt – waren nur meine Kunden.
(Mallorca Zeitung, Januar 2010)

Als Freigänger konnte Jürgen Harksen 2005 in einem Restaurant als Koch arbeiten. Eine vorzeitige Haftentlassung wurde im Januar 2006 abgelehnt.

In diesem Jahr erschien seine Autobiografie „Wie ich den Reichen ihr Geld abnahm. Die Karriere eines Hochstaplers“ (Co-Autor: Ulf Mailänder, Scherz Verlag, Frankfurt/M 2006, 315 Seiten, ISBN 978-3-502-15011-4, 19.90 €).

Am 12. Februar 2008 kam Jürgen Harksen vorzeitig frei.

Nachdem er und seine Frau Jeanette sich nach zwanzig Jahren Ehe getrennt hatten, heiratete Jürgen Harksen das sehr viel jüngere südafrikanische Fotomodell Claudia Smith und nahm ihren Familiennamen an. Mit Claudia und den Söhnen aus der ersten Ehe zog er im Winter 2008/09 von Hamburg nach Mallorca. Dort betätigt er sich als Weinhändler.

Dieter Wedel ließ sich von Jürgen Harksens Werdegang zu dem zweiteiligen Fernsehfilm „Gier“ anregen.

© Dieter Wunderlich 2010

Dieter Wedel: Gier

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