Eyes Wide Shut

Eyes Wide Shut

Eyes Wide Shut

Originaltitel: Eyes Wide Shut - Regie: Stanley Kubrick - Drehbuch: Frederic Raphael und Stanley Kubrick, nach Arthur Schnitzlers "Traumnovelle" - Kamera: Larry Smith - Schnitt: Nigel Galt - Musik: Jocelyn Pook, Dmitri Schostakowitsch, György Ligeti - Darsteller: Tom Cruise, Nicole Kidman, Sydney Pollack, Marie Richardson, Rade Sherbedgia, Tood Field, Vinessa Shaw, Alan Cumming, Sky du Mont, Julienne Davis u.a. - 1999; 155 Minuten

Inhaltsangabe

Der junge New Yorker Prominentenarzt William Harford bewohnt mit seiner attraktiven Frau Alice und der Tochter Helena ein Luxusapartment in Manhattan. Eines Tages gesteht Alice ihren Mann, sie sei kurz davor gewesen, einen Ehebruch zu begehen. Erschrocken darüber, das Sexualleben seiner Frau nicht unter Kontrolle zu haben, fährt er zu einem gerade verstorbenen Patienten ...
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Kritik

In "Eyes Wide Shut" verlegte Stanley Kubrick die Handlung von Arthur Schnitzlers bizarrer "Traumnovelle" aus Sigmund Freuds Wien in das New York am Ende des 20. Jahrhunderts und inszenierte das aufwühlende Psychodrama in erlesenen Bildern.
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Der junge New Yorker Prominentenarzt William Harford (Tom Cruise) bewohnt mit seiner attraktiven Frau Alice (Nicole Kidman) ein Luxusapartment in Manhattan. Sie machen sich zum Ausgehen fertig, verabschieden sich von ihrer kleinen Tochter Helena (Madison Eginton) sowie der Babysitterin Rose (Jackie Sawiris) und fahren zu einer Weihnachtsparty. Während Alice unter dem Einfluss einiger Gläser Champagner vom Charme des älteren Ungarn Sandor Szavost (Sky du Mont) beeindruckt ist, flirtet Bill mit zwei Models, wird aber dann wegen eines Notfalls ins obere Stockwerk gerufen: Mandy Curran (Julienne Davis) nahm während der Sexspiele mit dem Gastgeber Victor Ziegler (Sydney Pollack) einen Drogencocktail. Jetzt hängt sie nackt und ohnmächtig in einem Sessel.

Am nächsten Tag spricht Alice – die durch das Rauchen eines Joints aggressiv geworden ist – ihren Mann auf die beiden Models an und verdächtigt ihn, während seiner langen Abwesenheit in den oberen Stockwerken mit ihnen Sex

gehabt zu haben. Bill fragt dagegen, mit wem sie getanzt habe. „Was hat der Kerl gewollt?“ „Sex, und zwar sofort“, entgegnet Alice. Bill hält das für einen verständlichen Wunsch. Männer dächten nun einmal angesichts hübscher Frauen an Sex. Daraus schlussfolgert Alice, dass auch Bill während des Flirts mit den Models Sex gewollt habe. Und sie unterstellt ihm, bei der Untersuchung der Brüste seiner jungen Patientinnen an Sex zu denken. Bill beteuert, es sei nicht so und versucht, der Auseinandersetzung ihren Stachel zu nehmen, indem er zugibt, sich der Treue seiner Frau sicher zu sein. Da aber lacht Alice schallend und erinnert ihn an den Urlaub im letzten Sommer. Ob er den jungen Marineoffizier nicht bemerkt habe. Ein Wort von ihm hätte genügt, und sie wäre ihrem Ehemann untreu geworden.

Bevor Bill richtig begreift, was ihm Alice soeben gestand, läutet das Telefon: Ein Patient ist gestorben. Bill fährt hin. Im Taxi stellt er sich Alice beim Liebesspiel mit dem Marineoffizier vor. Er ist erschrocken und verunsichert durch die Erkenntnis, die erotischen Fantasien seiner Frau nicht unter Kontrolle zu haben.

Am Totenbett trifft er Marion (Marie Richardson), die Tochter des Verstorbenen. Obwohl sie auf ihren Bräutigam wartet, küsst sie in einer Aufwallung ihrer Gefühle plötzlich den Arzt und stammelt, sie liebe ihn. Bill redet beruhigend auf sie ein, bis er sich verabschieden kann.

Immer noch von der Vorstellung gepeinigt, seine Frau könne sich einem Anderen hingeben, macht er sich zu Fuß auf den Heimweg. Eine junge Prostituierte spricht ihn an, und er folgt ihr fast mechanisch ins Apartment. Dort klingelt sein Handy: Alice fragt, wann er nach Hause komme. Danach verabschiedet Bill sich von Domino, bevor sie sich auch nur ausgezogen haben.

Schließlich betritt er das „Sonata Café“, einen Jazzclub, in dem Nick Nightingale (Todd Field) auftritt. Bei dem Pianisten handelt es sich um einen ehemaligen Kommilitonen, der sein Studium abgebrochen hatte und den er zufällig auf der Weihnachtsparty bei Victor Ziegler wieder traf. Nach dem Ende der Veranstaltung wartet Nick auf einen Anruf, durch den er erfährt, wo ein weiterer Auftritt noch in derselben Nacht stattfinden wird. Es handele sich um Orgien an wechselnden und stets geheimen Orten, verrät Nick, und er müsse dort mit verbundenen Augen spielen. Bill ist neugierig geworden, liest das Passwort, das Nick während des Telefongesprächs auf einer Serviette notiert und bringt ihn dazu, ihm die Adresse zu verraten.

Da Nick ihm nun auch noch sagt, dass alle Teilnehmer verkleidet seien, fährt Bill zum Maskenverleih eines Patienten, obwohl es bereits nach Mitternacht ist. Bills Patient ist nach Chicago verzogen, aber gegen einen Aufschlag von 200 Dollar erklärt der neue Besitzer Milich (Rade Sherbedgia) sich bereit, Bill eine Maske sowie einen schwarzen Umhang mit Kapuze zu leihen. Während er das Kostüm heraussucht, entdeckt er seine Tochter mit zwei halbnackten Männern. Darum werde er sich gleich kümmern, droht er.

Bill fährt mit einem Taxi zu einer abgelegenen Villa auf Long Island. Auf das Passwort „Fidelio“ hin öffnen ihm die Wächter das Tor. In einer großen Halle sitzt Nick mit verbundenen Augen am Klavier. Er spielt die Musik zu einem feierlichen Ritual: Unter dem Kommando eines rot gekleideten Hohen Priesters legen Frauen mit venezianischen Masken ihre Umhänge ab, unter denen sie nackt sind, wählen unter den maskierten Männern in Mönchskutten aus und ziehen sich mit ihnen in andere Räume zurück. Bill wandert herum und sieht überall Paare und Dreiergruppen beim Sex. Die Körper der nackten Frauen sind ausnahmslos wohlgeformt. Eine von ihnen warnt Bill, er sei in Gefahr.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Schließlich entlarvt man den Eindringling, und der Hohe Priester verurteilt ihn zum Tod. Doch Bill entgeht der Hinrichtung, weil eine der Frauen sich für ihn opfert und von einem Scharfrichter abführen lässt.

Am nächsten Tag sucht Bill nach Nick, um mehr über die geheimnisvolle Veranstaltung herauszufinden. Das „Sonata Café“ ist geschlossen. Sein Hotelzimmer hat Nick um 5 Uhr morgens in Begleitung zweier kräftiger, gut angezogener Herren mit unbekanntem Ziel verlassen. Dem Hotelangestellte an der Rezeption fiel eine Prellung an Nicks Wange auf.

Im Apartment der Prostituierten Domino trifft er nur deren Zimmergenossin Sally an. Domino erfuhr an diesem Morgen, dass sie mit Aids infiziert ist, und Sally rechnet damit, dass sie nicht mehr auftaucht.

In der Zeitung liest Bill, dass die Gewinnerin einer Misswahl bewusstlos von ihrem Hotelzimmer ins Krankenhaus gebracht wurde. In der Klinik erfährt er, dass sie inzwischen an einer Überdosis Drogen gestorben ist. Er lässt sich die nackte Leiche zeigen und stellt fest, dass es sich um die Frau handelte, die sich in der Nacht für ihn geopfert hatte. Wurde sie getötet?

Victor Ziegler bittet ihn zu sich und gesteht ihm, Zeuge des Vorfalls in der Villa gewesen zu sein. Er gehört offenbar zum Geheimbund, der sich regelmäßig zu orgiastischen Ritualen trifft und warnt Bill vor weiteren Nachforschungen, denn unter den Mitgliedern seien mächtige und einflussreiche Prominente. Alles sei völlig harmlos, behauptet Ziegler, der Tod des Mädchens ein Zufall, und Nick Nightingale habe man einfach in ein Flugzug nach Seattle gesetzt, wo seine Familie zu Hause sei.

Als Bill heimkommt, schläft seine Frau bereits – und die verloren geglaubte Maske liegt auf seinem Kopfkissen. Erschüttert und voller Reue über seine gedankliche Untreue berichtet er Alice von den Ereignissen der letzten Nacht.

Aus der Ehekrise gehen sie beide mit einem größeren Verständnis füreinander hervor. Nach den Weihnachtseinkäufen mit ihrer Tochter Helena sagt Alice zu Bill: „Wir müssen dankbar sein, dass wir rausgekommen sind aus unseren Abenteuern, ob real oder geträumt … Die Hauptsache ist, dass wir jetzt wach sind und es bleiben.“

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Kritik:

Stanley Kubrick verlegte die Handlung von Arthur Schnitzlers bizarrer „Traumnovelle“ aus Sigmund Freuds Wien in das New York am Ende des 20. Jahrhunderts (drehte aber in einem Londoner Studio) und nannte die Protagonisten nicht Albertine und Fridolin, sondern Alice und Bill. Etwas langatmig, aber in erlesenen Bildern inszenierte er das aufwühlende Psychodrama, in dem die Grenzen zwischen Fantasie und Wirklichkeit verschwimmen.

Es geht über den Unterschied männlichen und weiblichen Begehrens, die Gefährdung der Ehe durch den Sexualtrieb, die Lust am gefährlichen Spiel, die Frage, wieviel Wahrheit die Liebe verträgt und vor allem um die Angst: die Angst des Mannes, die Kontrolle zu verlieren und die Angst vor der eigenen Sexualität.

Weil Stanley Kubrick während der zwei Jahre dauernden Dreharbeiten auf größter Geheimhaltung bestand, verbreiteten sich die wildesten Gerüchte. Harvey Keitel wurde angeblich nach 13 Wochen gefeuert, weil er Nicole Kidman (die damals mit Tom Cruise verheiratet war) zu nahe gekommen sei. Die Medien kündigten 1999 „den heißesten Film des Sommers“ an; man erwartete ein skandalöses Werk über sexuelle Obsessionen. Stattdessen handelt es sich bei „Eyes Wide Shut“ um eine kunstvolle und ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Thema, das mehr mit Angst als mit Sex zu tun hat. (Trotzdem ließ Stanley Kubrick in den für die für die USA bestimmten Kopien einige Szenen aus der nächtlichen Orgie digital nachbearbeiten.)

Stanley Kubrick starb kurz nach der Fertigstellung des Films am 7. März 1999.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

Zelda Fitzgerald - Ein Walzer für mich
Zelda Fitzgerald erzählt die mit­reißende Geschichte chronologisch aus der Perspektive der Protago­nistin. "Ein Walzer für mich" lässt sich als Roman, Autobiografie und Gesellschaftsporträt der Roaring Twenties lesen.
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