Blut an den Lippen

Blut an den Lippen

Blut an den Lippen

Blut an den Lippen – Originaltitel: Les lèvres rouges – Regie: Harry Kümel – Drehbuch: Pierre Drouot, Harry Kümel, Jean Ferry – Kamera: Eduard van der Enden – Schnitt: Denis Bonan, Gust Verschueren – Musik: François de Roubaix – Darsteller: Delphine Seyrig, John Karlen, Danielle Ouimet, Andrea Rau, Paul Esser, Georges Jamin u.a. – 1971; 85 / 95 Minuten

Inhaltsangabe

Das frisch verheiratete Paar Stefan und Valerie nimmt sich eine Suite in einem Hotel in Ostende. Bis zum Abend sind sie die einzigen Gäste. Dann trifft Elisabeth Baronin Báthory mit ihrer Privatsekretärin Ilona Harczy ein. Der Portier Pierre kennt die ungarische Aristokratin. Vor Jahrzehnten, als er noch Piccolo war, übernachtete sie schon einmal in diesem Hotel. Sie müsste inzwischen eine Greisin sein, sieht jedoch genauso jung aus wie damals ...
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Kritik

Erotik und schwarzer Humor ergänzen sich in "Blut an den Lippen" ebenso wie Realistisches und Fantastisches. Hervorzuheben sind die gelungene Farbregie, die ästhetische Optik und die elegante Inszenierung von Harry Kümel.
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Stefan (John Karlen) und Valerie (Danielle Ouimet) haben sich heimlich vermählt und sind nun mit dem Zug unterwegs nach Ostende, um von dort mit der Fähre nach England überzusetzen. Valerie glaubt, Stefan, der sich als Lord ausgibt, werde sie zum Familienschloss bringen und seiner Mutter vorstellen. Weil die beiden aufgrund einer Zugverspätung die letzte Fähre an diesem Tag nicht mehr erreichen, nehmen sie sich eine Suite in einem Hotel. Die Saison ist längst vorbei, und sie sind zunächst die einzigen Gäste.

Erst am späten Abend, als Stefan und Valerie im Speisesaal sitzen, trifft Elisabeth Baronin Báthory (Delphine Seyrig) mit ihrer Privatsekretärin Ilona Harczy (Andrea Rau) ein. Der Portier Pierre (Paul Esser) kann es kaum glauben: Er kennt die ungarische Aristokratin. Vor Jahrzehnten, als er noch Piccolo war, übernachtete sie schon einmal in diesem Hotel. Sie müsste inzwischen eine Greisin sein, sieht jedoch genauso jung aus wie damals.

Am nächsten Morgen berichtet die Zeitung über drei junge Frauen in Brügge, deren Leichen innerhalb von wenigen Tagen mit klaffenden Wunden am Hals aufgefunden wurden. Alle waren völlig blutleer. Nach der Zeitungslektüre beim Frühstück beschließen Stefan und Valerie, den Aufenthalt im Hotel zu verlängern.

Sie fahren nach Brügge und mischen sich unter die Schaulustigen, als die Leiche eines vierten Mädchens aus dem Haus getragen wird. Valerie registriert beunruhigt, dass der Anblick der Toten Stefan erregt.

Als sie ins Hotel zurückkommen, lädt die Baronin das Paar zu einem Cocktail in der Hotelhalle ein.

Ein pensionierter Kriminalkommissar (Georges Jamin) kommt vorbei. Er scheint die Baronin ebenfalls von früher zu kennen. Offenbar hält er sie aus irgendeinem Grund für verdächtig.

Elisabeth Báthory erwähnt die sogenannte Blutgräfin, eine ihrer Vorfahrinnen, die das Blut von Jungfrauen trank und dadurch ihr jugendliches Aussehen bewahrte. Erregt erzählt die Baronin, wie die Blutgräfin die Mädchen zu Tode quälte. Stefan berauscht sich an der Vorstellung, wie den jungen Frauen die Brustwarzen ausgerissen werden. Vergeblich verlangt Valerie, das Gerede über die Blutgräfin zu beenden.

Schließlich durchschaut Valerie, dass ihr Ehemann ein Hochstapler ist. Es kommt zum Streit, und Stefan schlägt sie. Heimlich packt Valerie daraufhin ihre Sachen und schleicht sich davon. Aber am Bahnsteig wird sie von Elisabeth Báthory eingeholt und zur Rückkehr überredet.

Währenddessen geht Ilona Harczy über den Balkon zu Stefan und gesteht ihm ihre Liebe. Zunächst wehrt er sie ab, aber nach kurzer Zeit gibt er seinen Widerstand auf und lässt sich von ihr verführen.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Als Elisabeth und Valerie zurückkommen, finden sie Stefan und Ilona nackt im Bad vor. Ilona liegt tot auf dem Boden. Stefan wollte sie im Übermut unter die Dusche zerren. Bei dem Gerangel verlor sie das Gleichgewicht, griff Halt suchend in das aufgeklappte Rasiermesser auf der Ablage, schnitt sich die Hand auf, ließ das Messer erschrocken zu Boden fallen und stürzte dann so unglücklich, dass es sich ihr in den Rücken bohrte und sie tötete.

Valerie will den Portier alarmieren, aber die Baronin hält sie davon ab: Niemand werde glauben, dass es sich um einen Unfall handelte, gibt sie zu bedenken. Sie schlägt vor, die Leiche im Kofferraum ihrer Limousine fortzuschaffen. Gemeinsam fahren sie zu den Dünen, wo Stefan die Tote im Sand vergräbt. Von weitem beobachtet sie der pensionierte Kommissar.

Auf dem Weg zurück zum Hotel rammt Elisabeth absichtlich den Kommissar, der mit einem Fahrrad unterwegs ist. Durch den Sturz kommt er ums Leben.

Elisabeth nimmt Valerie mit in ihre Suite. Nachdem Valerie ihren Mann als Hochstapler und Ehebrecher durchschaut hat, fällt es der Baronin leicht, sie zu verführen und mit ihr ins Bett zu gehen.

Am Abend schlägt die Baronin ein Essen zu dritt vor. Statt sich darauf einzulassen, will Stefan mit Valerie abreisen. Aber dafür ist es bereits zu spät: Valerie gehorcht Elisabeth. Stefan schlägt Valerie erneut. Die beiden Frauen töten ihn und trinken sein Blut. Dann werfen sie seine Leiche vom Balkon, packen sie in den Kofferraum und versenken sie unterwegs in einem Abwasserkanal.

Valerie sitzt am Steuer. Elisabeth drängt sie, immer schneller zu fahren. Als sie von der aufgehenden Sonne geblendet werden, verliert Valerie die Kontrolle über das Fahrzeug. Sie kommen von der Straße ab, krachen gegen einen Baum, und Elisabeth Báthory wird von einem Ast aufgespießt.

Das wiederhole sich jedes Mal aufs Neue, klagt sie aus dem Off.

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Der Film „Blut an den Lippen“ des belgischen Regisseurs Harry Kümel dreht sich um Macht und Charisma. Die Figuren werden von ihrer sexuellen Begierde getrieben. Die Baronin, die hier keine Ausnahme bildet, macht sich das zunutze, um ihre „Privatsekretärin“, den Hotelportier und das frisch verheiratete Paar zu manipulieren und zu beherrschen. Es ist bemerkenswert, dass sie Valerie nicht nur durch ihre erotische Ausstrahlung verführt, sondern vor allem dadurch, dass sie ihr den Ehemann zeigt, wie er wirklich ist: triebgesteuert und verlogen. Durch Elisabeth Baronin Báthory begreift Valerie, dass Stefan sie nicht als gleichberechtigte Partnerin, sondern als Objekt betrachtet.

Mit der Figur der Baronin in „Blut an den Lippen“ spielt Harry Kümel auf die Legende um die ungarische „Blutgräfin“ Erzsébet Báthory (1560 – 1614) an.

In „Blut an den Lippen“ verbinden sich Elemente der Genres Thriller, Horror- und Vampirfilm. Die beunruhigende Atmosphäre wird nicht zuletzt dadurch verstärkt, dass das Hotel, die Straßen und Strände nahezu menschenleer sind. Erotik und schwarzer Humor ergänzen sich hier ebenso wie Realistisches und Fantastisches. Hervorzuheben sind die gelungene Farbregie, die ästhetische Optik und die elegante Inszenierung.

Danielle Ouimet war übrigens 1966 zur Miss Québec gekürt worden.

Es gibt zwei Fassungen von „Blut an den Lippen“, eine kürzere englische (85 Minuten) und eine längere französische (95 Minuten), in der Erotik und Gewalt stärker betont werden.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

„Blutgräfin“ Erzsébet Báthory (Kurzbiografie)

Jean-Dominique Bauby - Schmetterling und Taucherglocke
"Schmetterling und Taucherglocke" ist keine larmoyante Klage über ein grauenvolles Schicksal, sondern eine sensible, erschütternde Reflexion von Jean-Dominique Bauby über sein Leben mit sarkastischen Seitenhieben auf den Krankenhausbetrieb. [Verfilmung]
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