Jenseits der Stille

Jenseits der Stille

Jenseits der Stille

Originaltitel: Jenseits der Stille - Regie: Caroline Link - Drehbuch: Caroline Link und Beth Serlin - Kamera: Gernot Roll - Schnitt: Patricia Rommel - Musik: Niki Reiser - Darsteller: Tatjana Trieb, Sylvie Testud, Howie Seago, Emmanuelle Laborit, Sibylle Canonica, Matthias Habich, Hansa Czypionka, Hubert Muizer u.a. - 1996; 110 Minuten

Inhaltsangabe

Kai und Martin Bischoff sind gehörlos. Ihrer kleine Tochter Lara vermittelt zwischen ihnen und anderen Menschen. Als Lara achtzehn Jahre alt ist, drängt ihre Tante Clarissa sie, nach Berlin zu ziehen und dort das Konservatorium zu besuchen. Martin ist entsetzt ...

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Kritik

Das Thema von "Jenseits der Stille", des Debütfilms von Caroline Link, ist weniger die Taubheit, sondern es geht vor allem um den Vater-Tochter-Konflikt aufgrund der ersten Schritte des Mädchens zur Selbstfindung in der Welt der Erwachsenen.
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Kai und Martin Bischoff (Emmanuelle Laborit, Howie Seago) sind taub. Sie leben mit ihrer kleinen Tochter Lara (Tatjana Trieb) in Bayern. Martin verlässt das Haus nur selten. Weil Kai darauf angewiesen ist, dass Lara zwischen ihr und anderen Menschen per Zeichensprache vermittelt, holt sie das Kind häufig aus dem Schulunterricht. Kein Wunder, dass Lara im Lesen und Schreiben nicht mithält. Ihre besorgte Lehrerin lädt das Ehepaar Bischoff zu einem Gespräch darüber ein, da sie aber die Zeichensprache nicht versteht, fällt es Lara leicht, die Bedenken ihren Eltern gegenüber herunterzuspielen.

Lara möchte gern zusammen mit ihrer Mutter Rad fahren. Kai erklärt ihr, aufgrund ihres Hörschadens falle es ihr schwer, das Gleichgewicht zu halten, aber sie verspricht, es zu probieren. Allerdings nicht in den nächsten Wochen, denn sie ist schwanger. Als sie mit dem Neugeborenen aus Krankenhaus kommt, probiert Lara gleich aus, ob ihr Schwesterchen auf Geräusche reagiert und freut sich, als sie feststellt, dass Marie offenbar hört.

Martins Schwester Clarissa (Sybille Canonica) wohnt mit ihrem Mann Gregor (Matthias Habich) in Berlin. Man sieht sich nur bei Geburtstagsfeiern und an Weihnachten. Lilli (Doris Schade), die Mutter von Martin und Clarissa, achtet dann darauf, dass die Spannungen zwischen ihrem Mann Robert (Horst Sachtleben), Martin und Clarissa nicht den Abend verderben.

Eines Tages bekommt Lara von ihrer Tante eine Klarinette geschenkt. Dadurch erwacht in ihr die Liebe zur Musik, die von einem engagierten Lehrer (Hubert Muizer) gefördert wird, der ihre außergewöhnliche Begabung erkennt.

Als Lara achtzehn Jahre alt ist (jetzt gespielt von Sylvie Testud), drängt ihre Tante Clarissa sie, das Konservatorium in Berlin zu besuchen. Lara soll während der Sommerferien bei ihr wohnen, damit sie ihr helfen kann, sich für die Aufnahmeprüfung vorzubereiten. Lange Zeit wagt Lara nicht, es ihren Eltern zu sagen. Gregor, der annimmt, dass sein Schwager und seine Schwägerin Bescheid wissen, lüftet das Geheimnis ungewollt während einer Familienfeier. Entsetzt läuft Martin ins Freie. Er spürt, dass Lara sich von den Eltern zu lösen beginnt und Dinge erlebt, die ihm verschlossen bleiben. Bitter sagt er zu ihr: „Manchmal wünschte ich, du wärst auch taub, dann wärst du ganz in meiner Welt.“

Nach zwölf Jahren Ehe trennt Gregor sich von seiner Frau und zieht aus. Clarissa plant, mit einem Fotografen nach Spanien zu fahren. Trotzdem kann Lara während der Vorbereitung für die Aufnahmeprüfung am Berliner Konservatorium bei ihrem Onkel wohnen.

Durch Zufall beobachtet sie auf der Straße einen jungen Mann, der sich durch Handzeichen mit einem Kind unterhält. Er heißt Tom (Hansa Czypionka) und ist Lehrer an einer Gehörlosenschule in Berlin. In zwei Wochen will er nach Washington, um für einige Zeit an einer Gehörlosen-Universität zu arbeiten. Er streift mit Lara durch die Stadt und ermahnt sie, nicht immer so ernst und traurig auszusehen.

Als Lara von einem Kinobesuch mit Tom zurückkommt, erfährt sie von ihrem Onkel, dass ihre Mutter mit dem Fahrrad tödlich verunglückt sei. Daraufhin eilt sie nach Hause. Dort hat sie den Eindruck, dass ihr Vater sie für den Tod Kais verantwortlich macht, weil diese ihr zuliebe das Radfahren gelernt hatte.

Kurze Zeit später trifft Lara nach dem Besuch eines Klezmer-Konzerts des begnadeten Klarinettisten Giora Feidman vor ihrem Elternhaus auf Tom, der unerwartet gekommen ist, um ihr sein Beileid auszusprechen und sich von ihr zu verabschieden, denn am nächsten Tag wird er nach Amerika fliegen. Lara erzählt Tom, sie habe während des Konzerts beschlossen, trotz des Todes ihrer Mutter wieder nach Berlin zu gehen und Musik zu studieren. Ihren Vater will sie in der Obhut ihrer inzwischen neun Jahre alten Schwester Marie (Alexandra Bolz) zurücklassen. Obwohl es schon spät ist, nimmt Lara ihren Freund mit ins Haus und spielt ihm etwas auf der Klarinette vor. Ihren gehörlosen Vater glaubt sie damit nicht zu stören. Doch beim Frühstück macht er ihr heftige Vorwürfe, denn er wachte auf und ertappte sie mit Tom im Bett.

In dem Augenblick, in dem Lara vor die Prüfungskommission des Konservatoriums in Berlin tritt, sieht sie hinten im Konzertsaal ihren Vater. Mit Zeichen erklärt er ihr, er wolle sie spielen sehen.

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Während des Vorspanns veranschaulicht der Film „Jenseits der Stille“ die Grenze zwischen verschiedenen Welten: Lara läuft mit ihrer Tante auf dem zugefrorenen Fluss Schlittschuh, das Mädchen unbeholfen, Clarissa leicht und spielerisch. Aufgenommen werden sie von einer Kamera unter dem Eis. Man hört das Kratzen der Kufen wie aus einer anderen Welt und sieht manchmal ihre Schemen über das eingeengte Blickfeld huschen.

Das Thema des Debütfilms von Caroline Link ist weniger die Taubheit, sondern es geht vor allem um den Vater-Tochter-Konflikt aufgrund der ersten Schritte des Mädchens zur Selbstfindung in der Welt der Erwachsenen. Freude und Schmerz halten sich in dem stillen, sensiblen Film „Jenseits der Stille“ die Waage.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

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