Loft. Tödliche Affären

Loft. Tödliche Affären

Loft. Tödliche Affären

Loft. Tödliche Affären – Originaltitel: Loft – Regie: Erik Van Looy – Drehbuch: Bart De Pauw – Kamera: Danny Elsen – Schnitt: Philippe Ravoet – Musik: Wolfram de Marco – Darsteller: Koen De Bouw, Filip Peeters, Matthias Schoenaerts, Bruno Vanden Broucke, Koen De Graeve, Veerle Baetens, Tine Reymer, An Miller, Charlotte Vandermeersch, Wine Dierickx, Maaike Cafmeyer, Marie Vinck, Jan Decleir, Gene Bervoets u.a. – 2008; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Der Architekt Vincent Stevens kauft ohne Wissen seiner Ehefrau ein Loft, richtet es als Liebesnest ein und schenkt seinen vier besten Freunden je einen Schlüssel. Ein Jahr später liegt in dem Loft die Leiche einer nackten Frau. Offenbar hat ihr jemand das Handgelenk durchschnitten, und sie ist verblutet. Da es keine Einbruchspuren gibt und nur die fünf Schlüssel existieren, muss einer der Männer der Mörder sein. Statt die Polizei zu rufen, beratschlagen sie über ihr weiteres Vorgehen ...
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Kritik

Bei "Loft. Tödliche Affären" handelt es sich um einen spannenden Whodunit-Thriller von Erik Van Looy mit überraschenden Wendungen. Der Wechsel zwischen den verschiedenen Erzählebenen funktioniert wie ein gut geöltes Räderwerk.
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Obwohl es sich bei Filip Willems (Matthias Schoenaerts) um einen Taugenichts handelt, verliebt Vicky Willems (Charlotte Vandermeersch) sich in ihn, die Tochter des ebenso erfolgreichen wie einflussreichen Bauunternehmers Ludwig Tyberghein (Jan Decleir). Zur Hochzeit der beiden sind auch Filips Halbbruder Chris Van Outryve (Koen De Bouw) sowie die Freunde Vincent Stevens (Filip Peeters), Luc Seynaeve (Bruno Vanden Broucke) und Marnix Laureys (Koen De Graeve) mit ihren Ehefrauen Ellen (An Miller), Barbara (Tine Reymer), Elsie (Wine Dierickx) und Miriam (Maaike Cafmeyer) eingeladen. Während der Feier versammelt der Architekt Vincent Stevens seine vier besten Freunde um sich und steckt ihnen unbemerkt von den Ehefrauen je einen Schlüssel für ein Loft zu, das er in einem soeben fertiggestellten Hochhaus in Antwerpen als Liebesnest gekauft hat. Der Psychiater Chris Van Outryve will dabei zunächst nicht mitmachen, aber als ihm Ann Marai (Veerle Baetens), die Geliebte des Bürgermeisters Van Esbroeck (Gene Bervoets), schöne Augen macht, nimmt er den Schlüssel an, um sich in dem Loft mit ihr verabreden zu können.

Filip wird einmal von seinen Freunden mit einer Prostituierten im Loft erwischt. Auf dem Tisch häuft sich Kokain, und die mit Handschellen ans Bett gefesselte Hure wirft ihrem zugedröhnten Freier vor, sie brutal vergewaltigt zu haben. Sie will ihn anzeigen. Um sie davon abzubringen, geben ihr die Männer das gesamte Bargeld, das sie bei sich haben.

Während eines Aufenthalts in Düsseldorf stehen Vincent, Luc und Marnix an der Theke eines Nachtlokals, als der Bürgermeister Van Esbroeck mit Ann Marai und der Bauunternehmer Ludwig Tyberghein mit einer Geliebten (Sara Giulini) im Arm hereinkommen. Beide sind verheiratet. Tyberghein wendet sich an Vincent, stellt ihm einen lukrativen Auftrag im Rahmen eines städtischen Bauprojekts in Aussicht und betont, wie wichtig Diskretion dabei sei. Auf diese Weise fordert er ihn indirekt zum Schweigen auf.

Einige Minuten später kommen Vincent, Luc und Marnix mit zwei jungen Frauen ins Gespräch: Anja (Ruth Beeckmans) und Sarah Delporte (Marie Vinck). Zwischen Sarah und Vincent funkt es. Mit einer Wette bringt sie ihn dazu, sich nackt auszuziehen und in den Pool zu springen. Während sich Marnix mit Anja vergnügt, schaut Luc neidisch zu, wie auch Sarah sich entkleidet und mit Vincent im Pool herumplanscht.

Vincent erinnert nach einigen Wochen Van Esbroeck und Tyberghein im Beisein ihrer Ehefrauen (Ina Geerts, Sophie Van Peel) daran, dass sie ihm einen Auftrag versprachen. Kurz darauf fordert der Bürgermeister Chris auf, seinem Freund Vincent auszurichten, dass er ein gefährliches Spiel spiele.

Miriam Laureys verlässt Marnix, nachdem sie von seinem Seitensprung mit Anja erfahren hat.

Sarah, die sich ernsthaft in Vincent verliebt hat, will ihn zwingen, sich zwischen ihr und seiner Ehefrau zu entscheiden. Deshalb droht sie damit, Barbara alles zu verraten und geht bei einer Party auf sie zu. Im letzten Augenblick kann Luc sie von dem Vorhaben abbringen.

Luc kommt eines Tages ins Loft und stößt auf die Leiche einer nackten, mit Handschellen gefesselten, mit dem Gesicht nach unten auf dem Bett liegenden Frau. Augenscheinlich verblutete sie. Ihr linkes Handgelenk ist zerschnitten. Das Messer liegt neben ihr.

Luc ruft Vincent an, der sofort kommt und meint, es sei besser, erst einmal nicht die Polizei zu alarmieren. Nach und nach kommen auch die anderen Freunde und beratschlagen miteinander, was sie tun sollen.

Vincent ist überzeugt, dass die Frau ermordet wurde, zumal jemand in lateinischer Sprache mit Blut an die Wand geschrieben hat: „Das Schicksal wird uns verbinden.“ Da es keine Einbruchspuren gibt, muss der Mörder die Türe aufgesperrt und die Alarmanlage ausgeschaltet haben. Vincent stellt klar, dass es nur die fünf Schlüssel gibt, die er bei Filips Hochzeitsfeier verteilte. Um einen dieser Sicherheitsschlüssel nachmachen zu lassen, bräuchte man einen Geheimcode, der bei Vincent im Safe liegt und nie benutzt wurde. Weil daraus folgt, dass einer der fünf Männer der Täter ist, zeigt Vincent seinen Schlüssel und fordert die Freunde auf, es ihm gleichzutun. Alle bis auf Chris folgen dem Beispiel. Der Psychiater behauptet, sein Schlüssel liege bei ihm zu Hause. (Als Zuschauer wissen wir, dass es sich dabei um eine Lüge handelt: Chris drückte den Schlüssel Ann Marai in die Hand, als diese sich nach einigen Liebesnächten im Loft von ihm trennte. Ohne sie habe er keine Verwendung dafür, sagt er. Damit wollte er sie unter Druck setzen, die Affäre mit ihm fortzuführen.)

Luc gesteht seinen Freunden, dass er sie des Öfteren heimlich filmte, während sie im Loft waren. Er zeigt ihnen die versteckte Kamera, die in der letzten Nacht allerdings nicht eingeschaltet war. Aufgebracht beschimpfen ihn Chris, Vincent, Filip und Marnix. Aber angesichts der Leiche müssen sie zusammenhalten.

Es klingelt. Eine Unbekannte behauptet, hier mit Sarah Delporte verabredet zu sein. Sie wolle das zum Verkauf angebotene Loft besichtigen. Die Männer erklären ihr, dass ein Irrtum vorliegen müsse.

Bei der Toten handelt es sich um Sarah. Vincent gibt schließlich zu, dass er in der letzten Nacht mit ihr zusammen hier war. Er habe Schluss mit ihr gemacht, dann sei er gegangen und da habe sie noch gelebt, beteuert er.

Er bricht zusammen. Trotz seiner Benommenheit begreift er, dass ihm die Freunde ein Betäubungsmittel in den Drink mischten.

Luc zeigt den anderen Aufnahmen, die beweisen, dass Vincent unter anderem mit Miriam, Ann Marai und Filips Schwester Sharon (Laura Verlinden) im Bett war.

Sie zwingen Vincent, eine große, aber nicht tödliche Menge Schlaftabletten zu schlucken, legen ihn neben die blutüberströmte Leiche aufs Bett und rufen die Polizei.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Alle fünf Männer werden festgenommen und getrennt voneinander vernommen.

Bis auf Vincent haben sie für die Tatzeit ein Alibi.

Chris, Luc, Filip und Marnix verschweigen, dass sie bereits am Morgen im Loft waren und Sarah regungslos auf dem Bett liegend vorfanden. Offenbar hatte sie eine Überdosis Schlaftabletten geschluckt, nachdem Vincent gegangen war. Um die Szenerie dramatischer aussehen zu lassen, durchschnitt Filip der vermeintlich Toten mit einem Küchenmesser das linke Handgelenk. Später legten sie Vincent bewusstlos neben die Leiche. Es sollte nach einem erweiterten Suizid aussehen.

Bei der gerichtsmedizinischen Untersuchung werden im Körper der Toten Rückstände von Schlaftabletten gefunden. Die Menge hätte allerdings nicht ausgereicht, um sie zu töten. Tödlich war der Schnitt am Handgelenk.

Da auf dem Messer Vincents Fingerabdrücke gefunden werden, gerät er unter Mordverdacht. (Als Zuschauer haben wir allerdings gesehen, wie Filip das neben der Leiche gefundene Messer Vincent zuwarf.) Dass es sich um einen Suizid handelt, halten die Ermittler (Sara de Roo, Dirk Roofthooft) für unwahrscheinlich, zumal kein Abschiedsbrief gefunden wird.

Chris wundert sich darüber, denn es gab einen Abschiedsbrief. Den steckte er in seine Jacketttasche, die über einem Stuhl hing. Nun erinnert er sich, dass Luc sich dort zu schaffen machte, als die Unbekannte klingelte. Nahm Luc den Abschiedsbrief an sich? Etwa weil er ihn gefälscht hatte? Durch einen Anruf beim Maklerbüro findet Chris heraus, dass das Loft von Luc zum Verkauf angeboten wurde.

Er verabredet sich mit Luc im Loft. Luc gibt zu, er habe sich in Sarah verliebt, sei jedoch von ihr in demütigender Weise zurückgewiesen worden. Deshalb wartete er in der letzten Nacht, bis Vincent fort war und ging dann zu ihr hinein. Weil Vincent mit ihr Schluss gemacht hatte, schluchzte sie verzweifelt. Luc gab ihr ein Glas Wein zu trinken, in dem er Schlaftabletten aufgelöst hatte. Als sie das Bewusstsein verlor, legte er sie aufs Bett und injizierte ihr eine Überdosis Insulin, um sie zu ermorden.

In der Küche packt Luc ein Messer. Damit bedroht er Chris und zwingt ihn, auf den Balkon hinauszugehen. Es kommt zu einem Handgemenge. Als Luc merkt, dass er Chris nicht gewachsen ist, stürzt er sich über die Brüstung in die Tiefe und kracht auf das Dach eines Autos. Die Rettungskräfte, die gleich darauf eintreffen, können nichts mehr für ihn tun.

Ein Jahr später: Marnix und Miriam haben sich versöhnt. Filip wartet auf seinen Gerichtsprozess. Vincent wohnt im Loft, seit Ellen ihn aufgrund der Vorkommnisse hinauswarf. Auch Chris ist geschieden. Eines Abends trifft er in einer Parkgarage auf Ann Marai. Sie schlägt ihm vor, zusammen eine Tasse Kaffee zu trinken. Zunächst zögert er, aber dann geht er darauf ein.

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Bei „Loft. Tödliche Affären“ handelt es sich um einen intelligent konstruierten Whodunit-Thriller mit überraschenden Wendungen von Bart De Pauw (Drehbuch) und Erik Van Looy (Regie).

Der Film beginnt damit, dass jemand von einem Balkon auf ein Autodach stürzt und dabei getötet wird. Erst am Ende begreifen wir, was da passiert.

Die spannende Geschichte wird dreifach verschachtelt erzählt: Zum einen hören wir, was die fünf Freunde bei ihren polizeilichen Vernehmungen aussagen. Auf einer anderen Erzählebene sehen wir, was geschieht, nachdem Vincent von Luc wegen der blutüberströmten Frauenleiche ins Loft gerufen wurde. Zwischendurch erfahren wir durch Rückblenden einiges aus der Vorgeschichte. Das klingt kompliziert, ist es auch für den Drehbuchautor, nicht jedoch für den Zuschauer, denn das Hin und Her funktioniert wie ein gut geöltes Räderwerk.

Immer wenn wir glauben, die Zusammenhänge zu durchschauen, konfrontiert uns Erik Van Looy in „Loft. Tödliche Affären“ mit einem neuen Aspekt, der alles wieder in einem anderen Licht erscheinen lässt. Keine der überzeugend dargestellten Figuren, deren Charaktere wir Schritt für Schritt besser verstehen, ist so, wie man zunächst glaubt. In Verdacht geraten alle, jeder der fünf Freunde, ihre Ehefrauen, Ann Marai, der Bürgermeister und der Baulöwe.

Bei einigen Figuren und Szenen begreifen wir im Nachhinein, dass sie nur dazu dienten, uns Zuschauer in die Irre zu führen. Einige Details bleiben allerdings fraglich oder zumindest ungeklärt. Warum schrieb zum Beispiel jemand „Das Schicksal wird uns verbinden“ an die Wand? Und warum wurde das Loft einem Maklerbüro zum Verkauf angeboten?

Die Schlussepisode halte ich für überflüssig.

„Loft“ war der erfolgreichste Kinofilm in der bisherigen belgischen Filmgeschichte. In Deutschland fand sich kein Verleih dafür. Hier war der empfehlenswerte Film erstmals am 16. Mai 2011 im ZDF unter dem Titel „Tödliche Affären“ zu sehen.

Antoinette Beumer drehte in den Niederlanden ein Remake des Films.

Originaltitel: Loft – Regie: Antoinette Beumer – Drehbuch: Saskia Noort, nach einem Drehbuch von Bart De Pauw – Kamera: Danny Elsen – Schnitt: Philippe Ravoet, Annelien van Wijnbergen – Musik: Wolfram de Marco – Darsteller: Anna Drijver, Katja Herbers, Kim van Kooten, Barry Atsma, Jeroen van Koningsbrugge, Fedja van Huêt, Sallie Harmsen, Charlie Dagelet, Lies Visschedijk, Hadewych Minis, Chico Kenzari, Carolien Spoor, Gijs Naber, Jamie Grantu.a. – 2010

Es heißt, auch in Hollywood sei ein Remake geplant, bei dem Erik Van Looy Regie führen soll.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

Erik Van Looy: Mörder ohne Erinnerung

Petra Hammesfahr - Ein fast perfekter Plan
Bei "Ein fast perfekter Plan" handelt es sich um einen leicht lesbaren, mittelmäßigen, nur begrenzt spannenden und unterhaltsamen Kriminalroman von Petra Hammesfahr mit parapsychologischen Handlungselementen.
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