Magda Goebbels

Magda Goebbels kommt 1901 in Berlin zur Welt. Ihre Mutter Auguste Behrend ist bei der Niederkunft ein lediges Dienstmädchen in Berlin, aber kurze Zeit später heiratet sie den Vater des Kindes, den Bauunternehmer Oskar Ritschel. Die Ehe hält keine drei Jahre. Ritschel, der zum Zeitpunkt der Scheidung beruflich in Brüssel zu tun hat, überredet seine geschiedene Frau, ihm Magda anzuvertrauen und sorgt dafür, dass sie in ein belgisches Internat kommt. Auguste folgt ihrer Tochter nach Brüssel und vermählt sich dort 1906 mit Richard Friedländer, einem jüdischen Lederfabrikanten aus Deutschland. Um sich zu Beginn des Krieges nicht dem Hass der Belgier gegen die Deutschen auszusetzen, lässt Richard Friedländer sein Vermögen in Brüssel zurück und fährt am 7. August 1914 mit seiner Frau und seiner Stieftochter im „schmutzigen Viehwaggon“ nach Berlin, wo er sich dann als Kellner durchschlägt.

Auf dem Gymnasium befreundet sich Magda mit der jüdischen Mitschülerin Lisa Arlosoroff und deren Geschwistern Dora und Victor. Victor Arlosoroff studiert nach dem Abitur Volkswirtschaft in Berlin. Begeistert teilt Magda seine zionistischen Visionen und trägt einen Davidstern als Schmuck am Kleid.

Ebenso fasziniert spricht sie mit ihrem Vater, den sie hin und wieder besucht, über den Buddhismus. Oskar Ritschel bezahlt seiner Tochter nach der Reifeprüfung den Besuch eines exklusiven Pensionats in Goslar. Bei einer ihrer Bahnfahrten von Berlin nach Goslar lernt sie im Februar 1920 einen Witwer kennen, der doppelt so alt ist wie sie: Günther Quandt. Zwei Tage später besucht er sie in ihrem Pensionat. Am 28. Juli, seinem 39. Geburtstag, verloben sie sich, am 4. Januar 1921 feiern sie Hochzeit, und zehn Monate später wird Magda Quandt von einem Sohn entbunden, den sie auf den Namen Harald taufen.

Günther Quandt ist ein nüchtern-pragmatischer Unternehmer, der von frühmorgens bis spätabends seinen Geschäften nachgeht, um ein Wirtschaftsimperium aufzubauen. Magda kümmert sich währenddessen um den Haushalt, das Personal und sechs Kinder: Harald, zwei Stiefkinder und drei Waisen.

Als Günther Quandt von einer Affäre seiner Frau mit einem Studenten erfährt, zwingt er sie, das Haus zu verlassen. Mit kompromittierenden Briefen, die sie aus seinem Schreibtisch stahl, setzt sie den hoch geachteten Industriellen so unter Druck, dass er ihr bei der Scheidung im Sommer 1929 nicht nur das Sorgerecht für Harald überlässt, sondern auch die freie Nutzung seines mecklenburgischen Gutes Severin einräumt und Geld für die Einrichtung einer großbürgerlichen Mietwohnung in Berlin zur Verfügung stellt. Von den monatlichen Unterhaltszahlungen kann sich Magda sogar eine Köchin und ein Kindermädchen leisten.

Aus Langeweile bietet Magda Quandt der Gau-Geschäftsstelle im Jahr darauf ihre Mitarbeit an – und fällt dort Joseph Goebbels auf, der zu diesem Zeitpunkt Gauleiter von Berlin ist.

Am 19. Dezember 1931 werden Joseph Goebbels und Magda Quandt im Wohnzimmer des Dorfschulzen von Friedrichsruhe-Goldenbow in Mecklenburg standesamtlich getraut.

Die beiden haben zusammen sechs Kinder: Helga, Hilde, Hellmuth, Holde, Hedda und Heide. Doch glücklich wird Magda Goebbels in dieser Ehe nicht, denn ihr einflussreicher Mann betrügt sie immer wieder. Anfangs versucht sie, Verständnis für seine erotischen Abenteuer aufzubringen:

„Ein so genialer Mensch, der dreimal so intensiv lebt wie andere, kann eben nicht mit dem gewohnten Maßstab bürgerlicher Moral gemessen werden.“ Erst als er ihr im Sommer 1938 unverblümt gesteht, dass er die berühmte Filmschauspielerin Lida Baarova liebe, beschwert sie sich bei Hitler über das Verhalten ihres Mannes und lässt sich nur mit Mühe überreden, auf eine Scheidung zu verzichten, die einen Skandal ausgelöst hätte.

Am 22. April 1945 zieht Joseph Goebbels mit seiner Familie in den „Führerbunker“ unter der zerbombten Reichskanzlei in Berlin. Einen Tag nach dem Suizid Hitlers, am 1. Mai 1945, gibt Magda Goebbels ihren sechs Kindern ein Schlafmittel und vergiftet sie dann in ihren Betten. Kurz nach 22 Uhr steigen Joseph und Magda Goebbels sorgfältig gekleidet die Wendeltreppe hinauf. Sie sprechen kein Wort. Im Freien zerbeißen sie Zyankali-Ampullen, und ein SS-Offizier schießt beiden in den Hinterkopf. Dann werden die Leichen angezündet.

© Dieter Wunderlich 2004

Anja Klabunde: Magda Goebbels. Annäherung an ein Leben
Ralf Georg Reuth: Goebbels. Eine Biographie
Dieter Wunderlich: Göring und Goebbels. Eine Doppelbiografie

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