Die barfüßige Gräfin

Die barfüßige Gräfin

Die barfüßige Gräfin

Die barfüßige Gräfin – Originaltitel: The Barefoot Contessa – Regie: Joseph L. Mankiewicz – Drehbuch: Joseph L. Mankiewicz – Kamera: Jack Cardiff – Schnitt: William Hornbeck – Musik: Mario Nascimbene – Darsteller: Ava Gardner, Humphrey Bogart, Edmond O'Brien, Marius Goring, Rossano Brazzi, Valentina Cortese, Elizabeth Sellars, Warren Stevens, Mari Aldon u.a. – 130; 1954 Minuten

Inhaltsangabe

Die stolze spanische Bartänzerin Maria Vargas lässt sich von dem amerikanischen Filmregisseur Harry Dawes zu Probeaufnahmen überreden und steigt unter dem Künstlernamen Maria d'Amata zum Hollywood-Star auf. Nach drei erfolgreichen Filmen kehrt sie in Alte Welt zurück. Der italienische Graf Vincenzo Torlato-Favrini, den sie in Cannes kennenlernt, möchte sie heiraten. Harry, der zu ihrem väterlichen Freund geworden ist, ahnt Unheil ...
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Kritik

Joseph L. Mankiewicz beginnt das Melodrom "Die barfüßige Gräfin" mit der Beerdigung der Protagonistin. Dann lässt er ihre Geschichte abwechselnd von drei am Grab stehenden Erzählern in Rückblenden erzählen.
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Für das Casting eines neuen Hollywood-Films reisen der amerikanische Filmregisseur Harry Dawes (Humphrey Bogart), der Produzent Kirk Edwards (Warren Stevens) und dessen PR-Agent Oscar Muldoon (Edmond O’Brien) nach Madrid.

In einer Bar wird der arrogante, unnahbare Millionenerbe Edwards seiner Freundin Myrna (Mari Aldon) überdrüssig. Er lässt ihr von Muldoon, der sich von ihm wie ein Diener herumkommandieren lässt, Geld für ein Flugticket geben, damit sie nach Hause zurückkehren kann und verabschiedet sich nicht einmal von ihr.

Die Bartänzerin Maria Vargas (Ava Gardner) könnten sich die Filmemacher in der Hauptrolle des geplanten Films vorstellen. Der Produzent schickt Muldoon in ihre Garderobe, aber die stolze Spanierin lässt sich aus Prinzip nicht an einen der Tische bitten. Erst als Harry es versucht, macht sie eine Ausnahme. Maria hört sich das Angebot an, das Muldoon ihr eifrig anpreist und verschwindet dann, ohne sich dazu geäußert zu haben.

Edwards beschließt daraufhin, sich mit Muldoon zu seinem Privatflugzeug fahren zu lassen und gibt Harry eine Stunde Zeit, mit Maria nachzukommen. Ohne sie brauche er sich nicht mehr sehen zu lassen, fügt er hinzu.

Harry, der sich in Maria verliebt hat, sich jedoch wie ein väterlicher Freund benimmt, gelingt es, ihr Vertrauen zu gewinnen, und sie lässt sich von ihm dazu überreden, für Probeaufnahmen mit nach Rom zu fliegen.

Durch ihren ersten Film wird Maria d’Amata – so lautet nun ihr Künstlername – über Nacht zum Hollywood-Star.

Als Marias Vater (Renato Chiantoni) ihre Mutter (Maria Zanoli) totschlägt, befürchtet Muldoon einen für das Geschäft schädlichen Skandal, zumal Maria sich nicht davon abhalten lässt, sofort nach Madrid zu fliegen. Sie engagiert für ihren angeklagten Vater einen der besten Anwälte Spaniens. In der Gerichtsverhandlung sagt sie ebenso wie ihr Bruder Pedro (Franco Interlenghi) als Zeugin zugunsten ihres Vaters aus und schildert ihre Mutter als Xantippe. Oscar rechnet mit dem Schlimmsten, aber die Öffentlichkeit reagiert anders als er denkt: Die Filmschauspielerin gewinnt durch ihr beherztes Auftreten für ihren offenbar von seiner Frau gemobbten Vater die Herzen der Menschen und wird noch beliebter. Der Angeklagte kommt mit einer milden Haftstrafe davon.

Nachdem Maria d’Amata in drei von Kirk Edwards produzierten und Harry Dawes inszenierten Filmen die Hauptrolle gespielt hat, gibt der Produzent in der von seinem Star gemieteten Villa in Hollywood eine teure Party. Eine betrunkene Blondine (Diana Decker) fragt die berühmte Filmschauspielerin, wen sie eigentlich im richtigen Leben küsse. Statt zu antworten, geht Maria mit ihrem väterlichen Freund Harry hinaus und gesteht ihm, dass sie sich nach Madrid zurücksehne. Bliebe sie in Hollywood, meint sie, würde sie sich eines Tages von dem reichen Südamerikaner Alberto Bravano (Marius Goring), der sie schon den ganzen Abend über unverhohlen anstarrt, auf seine weiße Yacht einladen lassen, und davor graue ihr.

Währenddessen geraten Alberto Bravano und Kirk Edwards in Streit. Bevor der Südamerikaner den Raum verlässt, lädt er Maria ein, mit ihm an die Riviera zu reisen. Die Schauspielerin will eigentlich ablehnen, doch als Edwards ihr verbietet, die Einladung anzunehmen, tut sie es. Daraufhin soll Muldoon die Partygäste hinauswerfen. Der Presseagent, der sich in der letzten Stunde Bravano angedient hat, weigert sich jedoch, Edwards Befehl Folge zu leisten, wird deshalb auf der Stelle entlassen – und von dem südamerikanischen Industriellen eingestellt. In seiner Wut droht Edwards, er werde Maria d’Amata vernichten.

Bravano ist gar nicht an einer Liebesbeziehung mit Maria gelegen. Ihm kommt es nur darauf an, dass die Öffentlichkeit denkt, er habe eine Affäre mit dem Filmstar, denn das verschafft ihm Schlagzeilen. Dass Maria ihn auf Distanz hält, ärgert ihn dann allerdings doch, und nachdem er im Spielcasino von Cannes ein Vermögen verloren hat, beschimpft er sie vor allen Leuten. Da tritt ein Unbekannter auf ihn zu, ohrfeigt ihn und reicht Maria seinen Arm.

Es handelt sich um den italienischen Grafen Vincenzo Torlato-Favrini (Rossano Brazzi). Er kam an diesem Nachmittag aufgrund einer Laune über die Grenze nach Frankreich, und als er eine Autopanne hatte, entdeckte er Maria, die in einem Zigeunerlager tanzte. Er folgte ihr und war deshalb zur Stelle, als sie von Bravano beleidigt wurde.

Der Graf nimmt Maria mit zu dem Schloss bei Rapallo, das er mit seiner Schwester Eleanora (Valentina Cortese) bewohnt. Sie sind beide unverheiratet. Falls sie kinderlos bleiben, sterben die traditionsreichen Familien Torlato und Favrini mit ihnen aus.

In dem kultivierten Aristokraten glaubt Maria ihren Traummann gefunden zu haben. Sie kommt sich wie Aschenputtel vor.

Kurz vor der Hochzeit treffen sich Maria und Harry zufällig in Rom. Der Amerikaner, der seit einen halben Jahr mit dem Scriptgirl Jerry (Elizabeth Sellars) liiert ist, wundert sich, als Maria ihm anvertraut, der Graf sei noch kein einziges Mal zudringlich geworden. Das ungute Gefühl, das ihn beschleicht, verlässt ihn auch nicht während der Hochzeitszeremonie, bei der er den inhaftierten Brautvater ersetzt.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Zehn Wochen nach der mehr als drei Monate langen Hochzeitsreise sucht Maria ihren Freund Harry in seinem Hotel auf und vertraut ihm an, was Vincenzo ihr in der Hochzeitsnacht beichtete. Er war am 25. Oktober 1942 bei einer Bombenexplosion in Bengasi schwer verletzt worden und ist seither impotent. Weil Vincenzo unter dem Aussterben seines Adelsgeschlechtes leidet und Eleanora ebenfalls unfruchtbar ist, beabsichtigt Maria, ihm einen Erben zu schenken, auch wenn dieser von einem anderen Mann gezeugt wurde. Am nächsten Tag will sie Vincenzo mitteilen, dass sie schwanger ist.

Vom Fenster aus beobachtet Harry, wie Maria in ihr Auto steigt und dass ihr ein anderer Wagen folgt. Besorgt eilt er zum Schloss. Doch er kommt zu spät: Der Graf hat gerade sowohl seine Frau als auch ihren Liebhaber aus Eifersucht erschossen. Schon seit einiger Zeit habe er die beiden beobachtet, erklärt er Harry, bevor er die Polizei anruft und sich stellt.

Von zwei Polizisten begleitet, darf Vincenzo Torlato-Favrini an der Beerdigung seiner Frau teilnehmen. Auch Harry Dawes, Oscar Muldoon und Alberto Bravano stehen im strömenden Regen am Grab.

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Das Melodram „Die barfüßige Gräfin“ beginnt mit dem Ende, mit der Beerdigung von Maria Vargas. Dann erfahren wir, wie die Spanierin zwei Jahre vor ihrem Tod fürs Kino entdeckt wurde, rasch zum Hollywood-Star aufstieg, nach drei erfolgreichen Filmen ihre Karriere aufgab und einen Märchenprinzen heiratete. Man nannte sie „die barfüßige Gräfin“, weil sie ungern Schuhe trug. Wie Billy Wilder in „Boulevard der Dämmerung“ wirft Joseph L. Mankiewicz in „Die barfüßige Gräfin“ einen kritischen Blick auf die Traumfabrik Hollywood. Es gibt noch eine weitere Parallele zwischen diesen Filmen: Beide fangen mit dem Tod des Protagonisten bzw. der Protagonistin an, und die Geschichten werden in Rückblenden erzählt. Joseph L. Mankiewicz lässt dabei abwechselnd drei Erzähler zu Wort kommen: Harry Dawes, Oscar Muldoon und Graf Vincenzo Torlato-Favrini. Eine Szene – in der Maria von Alberto Bravano beleidigt wird – sehen wir auf diese Weise nacheinander aus zwei verschiedenen Perspektiven.

Der unnahbare, vom Kino faszinierte Millionenerbe Kirk Edwards erinnert an Howard Hughes (1905 – 1976).

Angeblich war für die Hauptrolle in „Die barfüßige Gräfin“ zunächst Rita Hayworth vorgesehen, deren Biografie einige Ähnlichkeiten mit der von Maria Vargas aufwies. Sie lehnte das Angebot jedoch ab.

Für das Drehbuch von „Die barfüßige Gräfin“ bekam Joseph L. Mankiewicz eine „Oscar“-Nominierung, und Edmond O’Brien erhielt die Trophäe in der Kategorie „Bester Nebendarsteller“.

Einem Gerücht zufolge dachte Frédérique Audoin-Rouzeau (* 1957) an Maria Vargas, als sie den Schriftstellernamen Fred Vargas wählte.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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