Mehran Karimi Nasseri alias Sir Alfred, der Terminalmann

Über seine Herkunft machte Mehran Karimi Nasseri widersprüchliche Angaben. Er dürfte 1942 im Iran geboren worden sein. Angeblich studierte er in Großbritannien, wurde aber wegen seiner Proteste gegen das Regime des Schahs Mohammad Reza Pahlavi in den Iran abgeschoben und von dort 1977 ebenfalls ausgewiesen. Auf der Suche nach einem Neuanfang irrte er durch Europa, bis er 1981 in Belgien als Flüchtling anerkannt wurde.

Über die nächste Episode gibt es zwei Versionen: Einer zufolge schickte Mehran Karimi Nasseri seine Papiere nach Brüssel, bevor er an Bord eines Schiffs nach England ging und durfte deshalb nicht ins Vereinigte Königreich einreisen. Bei anderen Gelegenheiten behauptete Mehran Karimi Nasseri, die Dokumente habe man ihm bei einem Flug von Paris nach London gestohlen und er sei deshalb von den britischen Einreisebehörden zurückgeschickt worden.

Jedenfalls strandete Mehran Karimi Nasseri im August 1988 im Terminal 1 des Pariser Airports Charles de Gaulle. 1992 entschied ein Gericht in Paris,

der Staatenlose habe sich nichts zuschulden kommen lassen und könne deshalb nicht abgeschoben werden. Um belgische Ersatzpapiere zu bekommen, wäre es nötig gewesen, persönlich bei den Behörden in Brüssel vorzusprechen, aber Flüchtlinge, die Belgien freiwillig verlassen haben, dürfen kein weiteres Mal ins Land. Der Rechtsanwalt Christian Bourguet verschaffte ihm 1999 zwar eine Einreisegenehmigung, aber Mehran Karimi Nasseri, der sich inzwischen „Sir, Alfred“ (mit Komma) nannte, lehnte es ab, davon Gebrauch zu machen.

Was aus Mehran Karimi Nasseri geworden ist, wissen wir nicht. Sicher ist nur, dass er seit August 2006 nicht mehr im Flughafen Charles de Gaulle lebt. Angeblich wurde er zunächst in ein Krankenhaus in Paris gebracht und lebt seit März 2007 unerkannt in einem Obdachlosenheim.

Mehran Karimi Nasseri schrieb ein Buch: Sir Alfred Mehran, Der Terminalmann. 15 Jahre als Staatenloser auf dem Pariser Flughafen (Ullstein 2004, 239 Seiten, ISBN-10: 3548367305). Steven Spielberg ließ sich von dem skurrilen Fall zu einem Kinofilm anregen: „Terminal“.

© Dieter Wunderlich 2007

Steven Spielberg: Terminal

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