Der Teufel mit der weißen Weste

Der Teufel mit der weißen Weste

Der Teufel mit der weißen Weste

Der Teufel mit der weißen Weste – Originaltitel: Le doulos – Regie: Jean-Pierre Melville – Drehbuch: Jean-Pierre Melville nach dem Roman "Le doulos" von Pierre Lesou – Kamera: Nicolas Hayer – Schnitt: Monique Bonnot – Musik: Paul Misraki – Darsteller: Jean-Paul Belmondo, Serge Reggiani, Jean Desailly, René Lefèvre, Aimé De March, Fabienne Dali, Monique Hennessy, Carl Studer, Jacques De Leon, Paulette Breil, Michel Piccoli, Philippe Nahon u.a. – 1962; 105 Minuten

Inhaltsangabe

Der Einbrecher Maurice Faugel erschießt den Hehler Gilbert Varnove aus Rache und beraubt ihn. Dann überfällt er mit seinem Komplizen Remy einen reichen Greis, doch sie wurden offenbar verraten, denn bevor der Safe geöffnet ist, taucht Polizei auf. Remy wird auf der Flucht erschossen, Maurice entkommt, wird aber kurz darauf als Verdächtiger im Fall Varnove verhaftet. Weil er glaubt, von seinem Freund Silien verraten worden zu sein, heuert er einen Auftragsmörder an ...
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Kritik

Der Klassiker "Der Teufel mit der weißen Weste" von Jean-Pierre Melville – die Verfilmung des Romans "Le doulos" von Pierre Lesou – besticht durch ein durchdachtes Drehbuch, eine präzise Inszenierung und exzellente Darsteller.
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Nach der Verbüßung einer vierjährigen Haftstrafe erschießt der Einbrecher Maurice Faugel (Serge Reggiani) in Paris den früher mit ihm befreundeten Hehler Gilbert Varnove (René Lefèvre), weil dieser seine Freundin Arlette ertränkt hatte, um eine möglicherweise gefährliche Mitwisserin aus dem Weg zu schaffen. Wenige Minuten nach dem Schuss finden die Verbrecher Nuttheccio (Michel Piccoli) und Armand (Jacques De Leon) die Leiche, aber Maurice konnte im letzten Augenblick durch ein Fenster entkommen. Die Mordwaffe sowie die Juwelen und die 2 Millionen Francs aus Varnoves Safe verscharrt er bei einer Straßenlaterne.

Dann trifft er sich mit seiner Geliebten Thérèse (Monique Hennessy) und leiht sich von seinem Freund Silien (Jean-Paul Belmondo) Spezialwerkzeug für einen Einbruch bei einem reichen Greis (Charles Bayard), den er zusammen mit seinem Komplizen Remy (Philippe Nahon) plant.

Kurz nachdem Maurice aufgebrochen ist, um zu dem von Thérèse ausgekundschafteten Haus zu fahren, wird diese von Silien überfallen und an einen Heizkörper gefesselt. Silien prügelt ihr die Adresse des alten Mannes heraus, der ausgeraubt werden soll.

Während Remy den Tresor aufzubohren versucht, steht Maurice auf der Straße Schmiere. Als er ein Polizeikommando anrücken sieht, rennt er ins Haus, holt Remy und flieht mit ihm. Remy wird von der Polizei erschossen, Maurice von einer Kugel unterhalb der Schulter getroffen. Mit der Pistole seines Komplizen tötet Maurice den Polizeiinspektor Salignari (Daniel Crohem), der sie verfolgte.

Kurz darauf verliert er das Bewusstsein. Erst im Bett seines Kumpels Jean (Philippe Nahon alias Aimé De March) kommt er wieder zu sich. Jeans Geliebte Anita (Paulette Breil) ist im Zimmer, und ein Arzt (Christian Lude) operiert Maurice das Projektil heraus.

Kommissar Clain (Jean Desailly) nimmt Silien vorübergehend fest. Er vermutet, dass ein Spitzel kurz vor dem Polizeieinsatz vor der Villa des alten Mannes mit Salignari telefonierte und ihm verriet, wer Varnove erschoss. Clain ist überzeugt, dass Silien der Anrufer war und möchte von ihm mehr erfahren. Silien schweigt, aber Clain zwingt ihn, so lange in den Kneipen herumzutelefonieren, bis er Maurice findet. Der wird sogleich festgenommen und beschuldigt, den Hehler ermordet zu haben. Maurice behauptet dagegen, bei seinem Freund Gilbert in der Küche gewesen zu sein, als zwei Männer auftauchten und ihn erschossen.

Silien gräbt die von Maurice bei der Straßenlaterne verscharrten Sachen aus.

Dann sucht er Nuttheccios Ehefrau Fabienne (Fabienne Dali) auf, die er von früher gut kennt. Er behauptet, sie noch immer zu lieben und überzeugt sie, dass er mit ihr ein neues Leben anfangen wolle. Nachdem er mit ihr geschlafen hat, redet er ihr ein, nicht Maurice, sondern Nuttheccio und Armand hätten Gilbert Varnove erschossen, während sie vor dem Haus im Auto auf die beiden wartete. Die Waffe und der Schmuck befänden sich in Nuttheccios Safe, sagt Silien.

Mit Fabiennes Schlüssel dringt er in Nuttheccios Büro ein und wartet dort mit zwei Pistolen sowie dem von Maurice geraubten Schmuck auf ihn. Er trägt Handschuhe. Als Nuttheccio hereinkommt, hält Silien ihn mit einer der Waffen in Schach und ruft Fabienne an. Er sagt nur: „Los!“ Daraufhin wählt sie Armands Nummer und fordert ihn angeblich auf Anweisung ihres Mannes auf, sofort zu ihm ins Büro zu kommen. Silien zwingt Nuttheccio, einige Schmuckstücke anzufassen und den Tresor zu öffnen. Dann erschießt er ihn. Als Armand eintrifft, tötet Silien auch ihn und inszeniert mit den beiden Pistolen eine tödliche Schießerei der beiden Ganoven vor dem offenen Safe, in den er die Gilbert Varnove geraubten Juwelen legt. – So findet Kommissar Clain den Tatort vor.

Maurice ist überzeugt, dass nur Silien der Polizei verraten haben konnte, wo er mit Remy einbrechen wollte. Deshalb bietet er seinem Mithäftling Kern (Carl Studer), der in Kürze entlassen werden soll, 200 000 Francs für die Ermordung Siliens.

Als Maurice wieder frei kommt, weil ihm nichts nachgewiesen werden kann, erfährt er von Silien, dass er von Thérèse für die Polizei bespitzelt wurde. Jean habe sie deshalb mit ihrem Auto in einen Steinbruch stürzen lassen, berichtet Silien. Das Wrack und die Leiche wurden inzwischen gefunden. Silien kündigt an, dass er mit Fabienne zusammen ein neues Leben beginnen werde.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Kurz darauf leiht Maurice sich Jeans Auto, um zu Silien zu fahren und den von ihm in Auftrag gegebenen Mord zu verhindern, denn er glaubt seinem Freund, auch wenn er noch gar nicht weiß, dass Silien sogar einen Doppelmord verübte, um im Fall Varnove den Verdacht von Maurice abzulenken.

Wegen des Mords im Steinbruch wird Jean verhaftet. Ein abgerissenes Stück Stoff von seinem Mantel brachte die Polizei auf seine Spur.

In Siliens Haus wartet Kern, bis er in der Terrassentüre die Silhouette eines Mannes erblickt. Kern schießt ihn nieder – und merkt erst dann, dass es sich nicht um Silien, sondern um seinen Auftraggeber handelt. Wenige Minuten später kommt Silien nach Hause und stößt auf seinen sterbenden Freund, der ihn gerade noch warnen kann. Silien durchlöchert mit seinem Revolver einen Paravant, hinter dem er den Mörder vermutet. Die Sichtblende kippt um, Kern taumelt hervor und stürzt zu Boden. Augenscheinlich wurde er tödlich getroffen. Als Silien sich über Maurice beugt, schießt Kern ihm mit letzter Kraft in den Rücken. Silien schleppt sich zum Telefon, um Fabienne ruhig und ohne weitere Erklärung mitzuteilen, dass er nicht zu ihr kommen könne. Dann bricht er neben den beiden anderen Leichen tot zusammen.

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Jean-Pierre Melville verfilmte den Roman „Le doulos“ von Pierre Lesou (Gallimard, Paris 1958) und übernahm auch den Titel. Le doulos, das ist ein Argot-Ausdruck für Hut. Damit ist ein Gangster gemeint, der mit der Polizei kooperiert. In Deutschland kam der Film mit dem Titel „Der Teufel mit der weißen Weste“ ins Kino.

Das Gangstermelodram handelt von Freundschaft und Vertrauen unter Verbrechern, vor allem aber von möglicherweise tragischen Folgen des Lügens und Täuschens.

Jean-Pierre Melville lässt sich in „Der Teufel mit der weißen Weste“ genügend Zeit, das Milieu und die Charaktere einzuführen. Einiges erfahren wir erst aus Rückblenden. Als Zuschauer glaubt man lange, dass hier jeder jeden betrügt. Erst kurz vor dem Ende begreift man, was wirklich geschehen ist. Das Drehbuch ist präzise durchdacht. Die wortkargen, überzeugend gespielten Figuren und die langen Einstellungen verstärken die Atmosphäre des spannenden Schwarz-Weiß-Films.

Auf DVD gibt es eine gegenüber der ursprünglichen Synchronfassung um zehn Minuten längere Version des Klassikers „Der Teufel mit der weißen Weste“, bei der die nicht synchronisierten Passagen untertitelt sind.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2010

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Leo A. Nefiodow

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