Zeiten des Aufruhrs

Zeiten des Aufruhrs

Zeiten des Aufruhrs

Zeiten des Aufruhrs – Originaltitel: Revolutionary Road – Regie: Sam Mendes – Drehbuch: Justin Haythe, nach dem Roman "In Zeiten des Aufruhrs" von Richard Yates – Kamera: Roger Deakins – Schnitt: Tariq Anwar – Musik: Thomas Newman – Darsteller: Kate Winslet, Leonardo DiCaprio, Michael Shannon, David Harbour, Kathy Bates, Richard Easton, Kathryn Hahn, Zoe Kazan, Dylan Baker, Jay O. Sanders u.a. – 2008; 115 Minuten

Inhaltsangabe

Frank und April Wheeler haben ihre Ideale und Jugendträume aufgegeben. Wie die Nachbarn auch, haben sie sich dem Konformitätsdruck der Mittelschicht ergeben. Ihre Liebe ist in der Banalität des Alltags zugrunde gegangen. April lehnt sich dagegen auf, aber Frank lässt sie nach einer kurzen Phase der Begeisterung im Stich, sinkt wieder in die Trägheit zurück und verhindert einen Neuanfang ...
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Kritik

"Zeiten des Aufruhrs", die Verfilmung eines Romans von Richard Yates durch Sam Mendes, ist eine dialoglastige Tragödie. Abrupte Sprünge zwischen Episoden und Handlungsträngen stören den Fluss der bedächtigen Erzählung.
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Frank Wheeler (Leonardo DiCaprio) ist im Innendienst der Verkaufsabteilung eines Büromaschinenherstellers in New York City beschäftigt. Bei der Firma arbeitete schon sein Vater Earl als Verkäufer. Mitte der Fünfzigerjahre zieht Frank mit seiner Ehefrau April (Kate Winslet) und den beiden Kindern Jennifer und Michael (Ryan Simpkins, Ty Simpkins) in eine Vorstadt in Connecticut. Das Haus in der Revolutionary Road kaufen sie von der Maklerin Helen Givings (Kathy Bates). Jeden Morgen fährt Frank nun wie viele andere auch mit dem Pendlerzug nach New York. April Wheeler besuchte zwar die Schauspielschule, aber aus der erträumten Karriere am Theater wurde nichts.

Vor sieben Jahren, als sie heirateten, hielten die Wheelers sich noch für etwas Besonderes. Inzwischen können sie kaum noch die Augen davor verschließen, dass sie sich nicht von den anderen Bewohnern des Revolutionary Hill Estate unterscheiden.

Frank verabscheut die Arbeit im Büro. An seinem dreißigsten Geburtstag führt er seine junge, unbedarfte Kollegin Maureen Grube (Zoe Kazan) in der Mittagspause zum Essen aus und sonnt sich in ihrer Bewunderung. Mit einer Lüge sorgt er dafür, dass sie beide an diesem Tag nicht mehr ins Büro müssen. Frank geht mit Maureen ins Bett, obwohl sie ihm völlig gleichgültig ist. Als er mit schlechtem Gewissen spät nach Hause kommt, warten dort April, die Kinder und Gäste auf ihn, um seinen Geburtstag zu feiern.

Noch am selben Abend schlägt April vor, in Paris ein neues Leben zu beginnen. Die Ersparnisse, der Erlös aus dem Verkauf des Hauses und des Autos würden es ihnen ermöglichen, dort wenigstens ein halbes Jahr ohne Arbeitsstelle auszukommen. April stellt sich vor, dass Frank in Paris erst einmal studiert, während sie sich einen Job als Sekretärin suchen und für den Lebensunterhalt sorgen will. Frank hält den Vorschlag für infantil, aber dann lässt er sich dazu überreden, das Vorhaben zu unterstützen.

Der Plan beflügelt die Wheelers. Ihre schon fast gescheiterte Ehe blüht wieder auf. Die mit ihnen befreundeten Nachbarn Shep und Milly Campbell (David Harbour, Kathryn Hahn) können es kaum fassen, als Frank und April bei ihnen zu Besuch sind und erzählen, dass sie in ein paar Monaten nach Paris ziehen wollen. Die Campbells heucheln Begeisterung, aber sobald sie allein sind, gestehen sie sich gegenseitig, dass sie die Wheelers für verrückt halten. Allerdings beginnt Milly dabei zu weinen. Zur gleichen Zeit machen sich Frank und April im Nachbarhaus darüber lustig, wie die Campbells versuchten, ihre Fassungslosigkeit zu überspielen.

In dem Wissen, ohnehin bald zu kündigen, diktiert Frank unbekümmert einen Geschäftsbrief. Der fällt dem Vorstandsmitglied Bart Pollock (Jay O. Sanders) auf. Er schaut sich den Mitarbeiter an, geht mit ihm essen, und als er erfährt, dass Frank die Firma verlassen und nach Paris ziehen will, bietet er ihm zunächst eine Gehaltserhöhung und dann auch noch eine Beförderung an. Statt das Angebot abzulehnen, hält Frank sich die Option offen.

April, die bereits angefangen hat, für den bevorstehenden Umzug zu packen, merkt, dass sie schwanger ist. Sie will das Kind abtreiben, aber das kommt für Frank nicht in Frage. Die Schwangerschaft liefert ihm einen Grund dafür, den Umzug nach Paris abzusagen und den Plan als Hirngespinst abzutun. Der Konflikt eskaliert in einem heftigen Streit.

Aus Enttäuschung darüber treibt April es mit Shep im Auto.

Mit Frank schläft sie nicht mehr. Als er ihr seine Affäre mit der Kollegin gesteht, bleibt sie gleichgültig und erklärt ihm, dass sie ihn nicht mehr liebe.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Helen und Howard Givings (Richard Easton) kommen mit ihrem erwachsenen Sohn John (Michael Shannon) zu Besuch. John ist psychisch krank und lebt die meiste Zeit in einer psychiatrischen Klinik. Er war Mathematiker, aber nach siebenunddreißig Elektroschockbehandlungen ist er nicht mehr in der Lage, seinen Beruf auszuüben. Frank und April täuschen den Besuchern eine heile Ehe vor, aber als John hört, dass April schwanger ist und die Wheelers ihren Plan, nach Paris zu ziehen, verworfen haben, durchschaut er nicht nur, was sich hinter der Fassade abspielt, sondern spricht es auch wie ein Hofnarr offen aus. Während Frank bisher Johns psychische Störung herunterspielte, beschimpft er ihn nun als Geisteskranken. Der Besuch endet mit einem Eklat.

Am nächsten Morgen hat April bereits das Frühstück vorbereitet, als Frank aus dem Schlafzimmer kommt. Er schwärmt ihr von dem neuen Computer vor, den er für die Firma kaufen soll, und April zeigt großes Interesse daran.

Aber sie hat die Idylle nur inszeniert. Sobald Frank fort ist, breitet April Handtücher auf dem Boden aus und versucht, die Schwangerschaft selbst zu beenden. Dabei verblutet sie.

Nach dem Tod seiner Frau verlässt Frank mit den beiden Kindern den Revolutionary Hill Estate.

Für das Haus in der Revolutionary Road findet Helen Givings neue Käufer: das Ehepaar Brace (John Behlmann, Kristen Connolly).

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Der 1961 von Richard Yates (1926 – 1992) veröffentlichte Roman „Revolutionary Road“ wurde 1975 von Heide Lipecky und 2002 von Hans Wolf ins Deutsche übersetzt („Das Jahr der leeren Träume“, Berlin 1975; „Zeiten des Aufruhrs“, Stuttgart 2002). Die Filmrechte überließ Richard Yates 1967 dem Produzenten Albert S. Ruddy. Aber erst als Paramount die Filmrechte vierzig Jahre später erwarb, begann die Realisierung des Projekts unter der Regie von Sam Mendes.

Am Beispiel des US-amerikanischen Bürgertums Mitte der Fünfzigerjahre porträtiert „Zeiten des Aufruhrs“ die Mittelschicht in der westlichen Welt schlechthin.

Hinter der Fassade ist die Ehe der Wheelers kaputt. Frank und April haben ihre Ideale und Jugendträume aufgegeben. Früher hielten sie sich für etwas Besonderes, aber sie haben daraus nichts gemacht. Inzwischen können sie kaum noch über die Bedeutungslosigkeit ihres Lebens hinwegsehen. Wie die Nachbarn auch, haben sie sich dem Konformitätsdruck ergeben. Ihre Liebe ist in der Banalität des Alltags zugrundegegangen. Sie sind unzufrieden, auch wenn sie das nach außen nicht zugeben. Frank lenkt sich durch eine Affäre ab, ohne dabei Leidenschaft zu entwickeln. April lehnt sich gegen das fremdbestimmte Leben auf, aber Frank lässt sie nach einer kurzen Phase der Begeisterung in Stich, sinkt wieder in die Trägheit zurück und verhindert einen Neuanfang. Das tragische Ende kann auch als Akt der Befreiung und Selbstbestimmung verstanden werden.

Im Roman von Richard Yates bewegt sich das Entscheidende in den Köpfen der Figuren. Justin Haythe (Drehbuch) und Sam Mendes versuchen nicht, aus inneren Monologen gesprochene Worte zu machen, sondern bauen auf die Mimik und Gestik der Darsteller. Dennoch ist der Film „Zeiten des Aufruhrs“ dialoglastig. Abrupte Sprünge zwischen Episoden und Handlungsträngen, wie sie in der Literatur üblich sind, stören im Film den Fluss der bedächtigen Erzählung. Die beiden Kinder der Wheelers hätte man auch weglassen können, denn in der Elternrolle werden Frank und April kaum gezeigt.

Kate Winslet, Leonardo DiCaprio und Kathy Bates hatten bereits bei „Titanic“ zusammengearbeitet. Wenn man möchte, kann man „Zeiten des Aufruhrs“ als Antithese zu „Titanic“ sehen (die Liebe ist nicht stärker als der Tod) oder auch als Sequel unter der Annahme, Jack Dawson (Leonardo DiCaprio) und Rose DeWitt Bukater (Kate Winslet) hätten den Untergang der Titanic überlebt.

Sam Mendes (* 1965) und Kate Winslet (* 1975) waren zum Zeitpunkt der Dreharbeiten ein Ehepaar – sie hatten am 24. Mai 2003 geheiratet –, aber im Frühjahr 2010 gaben sie ihre Trennung bekannt.

In drei Kategorien wurde „Zeiten des Aufruhrs“ für einen „Oscar“ nominiert: Nebendarsteller (Michael Shannon), Szenenbild (Kristi Zea, Debra Schutt), Kostümdesign (Albert Wolsky).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2011

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