Das Zimmer meines Sohnes

Das Zimmer meines Sohnes

Das Zimmer meines Sohnes

Das Zimmer meines Sohnes - Originaltitel: La stanza del figlio - Regie: Nanni Moretti - Drehbuch: Linda Ferri, Heidrun Schleef und Nanni Moretti - Kamera: Giuseppe Lanci - Schnitt: Esmeralda Calabria - Musik: Nicola Piovani - Darsteller: Nanni Moretti, Laura Morante, Jasmine Trinca, Giuseppe Sanfelice, Claudia della Seta - 2001; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Das harmonische Familienleben eines Psychoanalytikers, seiner Frau und der beiden Kinder wird zerstört, als der Sohn bei einem Tauchunfall ums Leben kommt. Jeder der drei Hinterbliebenen muss allein mit dem Schicksalsschlag fertig werden. Am schwersten fällt es ausgerechnet dem Psychoanalytiker. Er kann weder sich noch seiner Frau oder seiner Tochter helfen.
Weiterlesen

Kritik

"Das Zimmer meines Sohnes" ist ein stiller, langsamer und unaufdringlicher Film, kunstvoll ausbalanciert zwischen Alltag und Leichtigkeit auf der einen, Schmerz und Tragik auf der anderen Seite. Da wird nichts dramatisiert.
Weiterlesen

Giovanni (Nanni Moretti) joggt am Hafen von Ancona und bestellt sich dann in einer Bar eine Tasse Kaffee und ein Glas Wasser. Lächelnd sieht er zu, wie eine Hare-Krishna-Gruppe vorbeitanzt, und als er nach Hause kommt, singt er ihr Lied. Giovanni ist Psychoanalytiker. Er langweilt sich, wenn er seinen mehr schrulligen als kranken Patienten zuhört und kann ihnen wohl auch nicht helfen.

Giovannis Frau heißt Paola (Laura Morante). Sie haben einen Sohn und eine Tochter, die beide noch zur Schule gehen: Andrea (Giuseppe Sanfelice) und Irene (Jasmine Trinca). Sie führen ein sorgenloses, harmonisches Familienleben.

Eines Tages wird Andrea vom Schulleiter verdächtigt, ein Fossil gestohlen zu haben. Paola nimmt bald schon an, dass ihr Sohn nicht als Täter in Frage komme, aber Giovanni ist unsicher und besteht darauf, Andrea mit dem Denunzianten zu konfrontieren. Weil dieser nicht überzeugend wirkt, glaubt schließlich auch Giovanni an die Unschuld seines Sohnes. (Später beichtet Andrea seiner Mutter, dass er den Ammoniten mitgenommen habe, um den Lehrer zu ärgern.) Seit dem Vorfall beobachtet er seinen Sohn genauer. Als er bei einem Tennismatch den seiner Meinung nach erforderlichen Kampfgeist bei Andrea vermisst, wird ihm klar, dass er zu wenig über seinen Sohn weiß und sich mehr um ihn kümmern muss. Beim Frühstück am Sonntag überredet er Andrea, ihn beim Jogging zu begleiten. Aber bevor sie aufbrechen können, ruft ein suizidgefährdeter Patient verzweifelt an: Giovanni muss sich um ihn kümmern. So kommt es, dass an diesem Sonntag alle vier Familienmitglieder ihre eigenen Wege gehen. Paola bummelt über einen Flohmarkt, Jasmine und drei, vier ihrer Bekannten tollen auf Vespas herum, und Andrea geht mit Freunden zum Tauchen.

Andrea verirrt sich beim Tauchen in einer Grotte und findet nicht mehr rechtzeitig heraus. Giovanni, Paola und Jasmine können es nicht fassen, dass er tot ist und sie ihn ein paar Tage später im Sarg zum letzten Mal sehen. Vor Giovannis Augen wird eine Metallabdeckung auf das Unterteil des Sarges gelötet und dann der eigentliche Sargdeckel daraufgeschraubt. Jasmine macht den Eltern Frühstück, aber die Mutter ist schon fertig angezogen und der Vater sitzt bereits in seinem Arbeitszimmer und öffnet nicht. Jeder von ihnen muss allein mit dem Schicksalsschlag fertig werden. Am schwersten fällt es ausgerechnet dem Psychoanalytiker. Er kann weder sich noch seiner Frau oder seiner Tochter helfen und verrennt sich in den Gedanken, ob er Andreas Tod verhindern hätte können, wenn er am Sonntagmorgen nicht zu dem Patienten gefahren wäre. Schuldgefühle plagen ihn. Überall in der Wohnung sieht er plötzlich angeschlagene Tassen und zerbrochene und notdürftig zusammengeklebte Vasen. In einem Sportgeschäft lässt er sich ein Atemgerät genau erklären, denn er versucht zu rekonstruieren, wie es zu dem Tauchunfall kommen konnte. Schließlich fühlt er sich nicht mehr in der Lage, seinen Beruf auszuüben und schickt seine Patienten fort. Zu Recht wirft Paola ihm vor, in seinem Schmerz nur an sich selbst zu denken.

Vier Wochen nach Andreas Tod findet Paola einen an ihn adressierten Brief in der Post. Es ist ein Liebesbrief von einem Mädchen namens Arianna (Claudia Della Seta). Weder Paola noch Giovanni wussten etwas von dieser Beziehung. Paola möchte Arianna kennen lernen, um von ihr mehr über ihren Sohn zu erfahren.

Zuerst sträubt sich das Mädchen, dann steht es plötzlich vor der Tür. Arianna möchte nur kurz vorbeischauen und dann mit einem Freund nach Frankreich trampen. Giovanni bietet ihr an, sie und Tommaso (Stefano Accorsi) mit dem Auto zu einer Raststätte zu bringen. Paola und Jasmine kommen auch mit. Es ist bereits dunkel. Die fünf stehen allein herum. Da schlägt Giovanni vor, noch ein Stück weiter zu fahren. Arianna, Tommaso und Jasmine schlafen auf den Rücksitzen ein. Giovanni fährt die ganze Nacht durch. Als die drei jungen Leute am anderen Morgen aufwachen, steht der Wagen an der französischen Grenze. Endlich hat Giovanni wieder einmal jemand ein Stück weiterbringen können. Während Arianna und Tommaso mit dem Bus weiterfahren, schlendern Giovanni, Paola und Jasmine am Strand herum. Zum ersten Mal nach langer Zeit lachen sie wieder.

nach oben

„Das Zimmer meines Sohnes“ ist ein stiller, langsamer und unaufdringlicher Film, kunstvoll ausbalanciert zwischen Alltag und Leichtigkeit auf der einen, Schmerz und Tragik auf der anderen Seite. Da wird nichts dramatisiert. Nicht einmal der Tauchunfall wird gezeigt. Dafür erleben wir den Schmerz von Vater, Mutter und Schwester um so intensiver. Lange, sehr lange konzentriert sich der Film auf diesen Schmerz. Es sind authentisch wirkende, feinfühlige Bilder; keines davon ist sentimental, affektiert oder effekthascherisch. Ohne so hervorragende Darsteller wie Nanni Moretti, Laura Morante und Jasmine Trinca wäre das misslungen.

In Cannes wurde „Das Zimmer meines Sohnes“ mit einer „Goldenen Palme“ ausgezeichnet.

nach oben

Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002

Nanni Moretti: Aprile
Nanni Moretti: Habemus Papam. Ein Papst büxt aus

Natsume Sōseki - Der Bergmann
Obwohl es um eine innere Reise geht, passt "Der Bergmann" nicht in die Schublade Bildungsroman. Natsume Sōseki tut so, als handele es sich um einen wirk­lich­keits­getreuen Bericht des Ich-Erzählers und entwickelt die Geschichte konsequent aus dessen subjektiver Perspektive.
Der Bergmann

Meine vor 18 Jahren selbstgestrickte Website wurde im Juli durch einen professionellen Neubau ersetzt. Aber das Informationsangebot bleibt kostenlos und werbefrei.