Nicolas Chamfort


Sébastien-Roch Nicolas Chamfort wurde am 5. April oder 22. Juni 1740, vielleicht aber auch erst am 6. April 1741 in Clermont-Ferrand geboren. Seine Mutter war vermutlich die Aristokratin Françoise de Montrodeix, sein Vater ein Domherr. Kurz nach seiner Geburt wurde er von dem Krämer François Nicolas und dessen Frau Thérèse Croiset aufgenommen, deren leibliches Kind gestorben war. Ein Stipendium ermöglichte Sébastien 1750 den Besuch des renommierten Collège des Grassins in Paris. In dieser Zeit gab er sich den Namen Nicolas Chamfort. Das Studium schloss er als Jahrgangsbester ab und erwarb damit den Titel Abbé, allerdings ohne die Absicht, Geistlicher zu werden. Stattdessen ließ sich Nicolas Chamfort als Hauslehrer anstellen, 1761 in Köln, später in Paris.

Parallel dazu schrieb Chamfort Theaterstücke. Sein Lustspiel „La jeune Indienne“ wurde 1764 in Paris erfolgreich uraufgeführt. Durch die Tragödie „Mustapha et Zéaugir“ aus dem Jahr 1776 wurde Marie Antoinette auf ihn aufmerksam. Ein Gönner zahlte Nicolas Chamfort eine jährliche Rente; der Fürst von Condé beschäftigte ihn als Sekretär, und 1781 nahm ihn die Académie française auf. Drei Jahre später stellte ihn Madame Élisabeth (Élisabeth Philippine Marie Hélène de Bourbon), die jüngste Schwester des Königs Ludwig XVI., als Sekretär ein.

Im Sommer 1781 wurde Anne-Marie Buffon, die einige Jahre ältere Witwe eines Arztes, seine Lebensgefährtin. Sie war die Liebe seines Lebens, aber das Glück währte nicht lang: Sie starb am 29. August 1783, ein halbes Jahr nachdem sich das Paar in einem Herrenhaus eingerichtet hatte.

Chamfort begeisterte sich für die Französische Revolution und beteiligte sich am Sturm auf die Bastille am 14. Juli 1789. Er schrieb Pamphlete, darunter möglicherweise auch den Entwurf einer Flugschrift, die in die Geschichtsbücher einging: die von Abbé Emmanuel Joseph Sieyès über den Dritten Stand („Qu’est-ce que le Tiers état?“). Georg Büchner verbreitete später, 1834, in der politischen Flugschrift „Der Hessische Landbote“ die Parole „Friede den Hütten! Krieg den Palästen!“, die auf Nicolas Chamfort zurückgehen könnte („Paix aux chaumières, guerre aux châteaux!“).

Unter den Girondisten übernahm Nicolas Chamfort die Leitung der Französischen Nationalbibliothek. Doch während der Schreckensherrschaft unter Maximilien de Robespierre wurde er denunziert und im September 1793 inhaftiert.

Um wieder freizukommen, distanzierte er sich von den Girondisten. Als er im November erneut festgenommen werden sollte, schoss er sich in den Kopf und versuchte sich mit einem Messer zu töten. Man fand ihn bewusstlos in einer Blutlache. Bei der Vernehmung nach seinem Selbstmordversuch erklärte er: „Moi, Sebastien-Roch Nicolas de Chamfort, déclare avoir voulu mourir en homme libre plutôt que d’être reconduit en esclave dans une maison d’arrêt.“ Ins Gefängnis brauchte er nicht, aber er musste den Gendarm selbst bezahlen, der ihn in seiner Wohnung bewachte, bis er am 13. April 1794 an den Spätfolgen seiner Verletzungen starb.

Literatur über Nicolas Chamfort:
Claude Arnaud: Chamfort. Die Frauen, der Adel, die Revolution. Eine Biographie. Mit einem Anhang von siebzig bisher unveröffentlichten oder nie nachgedruckten Maximen, Anekdoten, Aussprüchen und Dialogen (Übersetzung: Ulrich Kunzmann, Verlag Matthes & Seitz, Berlin 2007, 524 Seiten, ISBN 978-3-88221-875-6)

Volker Harry Altwasser schrieb über Nicolas Chamfort den Roman „Glückliches Sterben“ mit dem Untertitel „Volker Harry Altwassers Roman über Bruno Franks Bericht, in dem Chamfort seinen Tod erzählt“.

© Dieter Wunderlich 2015

Volker Harry Altwasser: Glückliches Sterben

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