Volker Harry Altwasser : Glückliches Sterben

Glückliches Sterben

Volker Harry Altwasser

Glückliches Sterben

Glückliches Sterben Originalausgabe: MSB Mattes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft, Berlin 2014 ISBN: 978-3-88221-197-9, 205 Seiten, 19.90 € (D)
Buchbesprechung

Inhaltsangabe

In den letzten Tagen seines Lebens (13. – 20. Juni 1945) diktiert der emigrierte deutsche Schriftsteller Bruno Frank in der Villa der Freunde Marta und Lion Feuchtwanger in Los Angeles seiner Frau Elisabeth eine fiktive Autobiografie seines französischen Kollegen Nicolas Chamfort. Der hat sich bei einem Suizidversuch am 15. November 1793 22 Verletzungen zugefügt. Bis zu seinem Tod am 13. April 1794 diktiert er der 16-jährigen Nichte des ihn bewachenden Gendarms 120 Seiten Text ...
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Kritik

Ein Schriftsteller (Volker Harry Altwasser) schreibt über einen Schriftsteller (Bruno Frank), der über einen Schriftsteller (Nicolas Chamfort) schreibt. Volker Harry Altwasser hat die Spiegelungen in seinem Roman "Glückliches Sterben" kunstvoll verflochten.
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Der am Tag nach dem Reichstagsbrand mit seiner Ehefrau Elisabeth aus Deutschland emigrierte Schriftsteller Bruno Frank liegt am 13. Juni 1945 in der Villa „Aurora“ des befreundeten Ehepaars Marta und Lion Feuchtwanger in Los Angeles im Sterben. Damit beginnt Volker Harry Altwasser seinen Roman „Glückliches Sterben“.

Bruno Frank wurde am 13. Juni 1887 in Stuttgart als ältester Sohn des wohlhabenden Bankiers Sigismund Frank und dessen Ehefrau Lina (Rothschild) geboren. Er war 14 Jahre alt, als die Zeitschrift „Neuer Merkur“ Gedichte von ihm drucken wollte. Aber der um seinen guten Ruf besorgte Vater, der nicht einmal wusste, wer Hermann Hesse war, verbot es. Ein Jahr später entdeckten die Eltern von Brunos 13-jähriger Freundin Nora Kapp von Gültstein einen seiner Liebesbriefe. Daraufhin schickten sie ihre Tochter in ein englisches Internat, und Bruno Frank kam Ostern 1902 in das Landerziehungsheim zu Haubinda in Thüringen.

Dort ließ er sich mit seinem zweiten Vornamen Sebald anreden und trieb es mit Schülerinnen des Internats: Christa Spreck, Marilyn Cole, Angela Dorian, Karen Christy, Sharon Clark, Dolly Tanaka, Lucy Schmidt, Cynthia Hall, Liv Lindeland, Eve Meyer.

Kein Mädchen, das ihm nicht wenigstens die Brüste überlassen hatte.

Während eines Ausflugs im Buchenwald von Weimar mit Walter Benjamin, Wilhelm Speyer und Erich von Mendelsohn sah er den Lehrer Theodor Lessing und dessen Ehefrau bei einer Jagd. Er beobachtete, dass der Lehrer es nicht fertigbrachte, einen angeschossenen, vom Jagdhund apportierten Hasen zu töten, die Frau aber dem Tier ohne Zögern die Kehle durchschnitt. Sie war eine geborene Gräfin Stach von Goltzheim und mit dem alten Kaisergeschlecht verwandt. Bruno bzw. Sebald wurde die „männliche Mätresse“ der fünf Jahre älteren Lehrersfrau. Unterwürfig harrte er tagelang in ihrem Schlafzimmer aus, wo sie sich zwar nackt zeigte, ihm aber nicht erlaubte, sie anzusprechen oder gar zu berühren, bis sie sich dann auf ihn setzte und sich seinen Penis selbst einführt. Als sie Verwandte in Ungarn besuchen wollte, brannte er mit ihr durch, aber Spitzel seines Vaters griffen ihn in Görlitz auf.

Sebald blieb in den deutschen Landen zurück, verwirrt und auf Jahre verdorben. Er begann zu spielen und spielsüchtig zu werden.

1904 machte er am Eberhard-Ludwigs-Gymnasium in Stuttgart sein Abitur. Im Jahr darauf veröffentlichte der 18-Jährige in Heidelberg seinen ersten Gedichtband: „Aus der goldnen Schale“. Mit Bankgeschäften wollte er beruflich nichts zu tun haben, und das Jurastudium, das ihm der Vater aufgedrängt hatte, brach er nach einem Semester ab. Stattdessen studierte er in Tübingen, München, Straßburg und Heidelberg Philosophie.

Weil er sich mit dem Vater überworfen hatte und Spielschulden aufhäufte, konnte er am 1. Juni 1911, knapp zwei Wochen vor seinem 24. Geburtstag, ein von Thomas Mann gewährtes, an diesem Tag fälliges Darlehen nicht zurückzahlen. Im selben Jahr starb seine Lebensgefährtin Lisa einige Wochen nach einem Streit, und er begleitete seine lungenkranke amerikanische Freundin Emma Ley nach Davos, wo sie ebenfalls starb. Thomas Mann verarbeitete das später in der Karnevalsszene („Walpurisnacht“) seines Romans „Der Zauberberg“.

Bruno Frank promovierte 1912 in Tübingen über Gustav Pfizers Dichtungen.

Am 6. August 1924 heiratete er in Garmisch Elisabeth Massary-Pallenberg, die gerade erst 18 Jahre alt gewordene Stief- und Adoptivtochter des berühmten Schauspielers Max Pallenberg und leibliche Tochter der legendären Operndiva Fritzi Massary. Gezeugt hatte sie der 16 Jahre alte Karl-Kuno Rollo Graf von Coudenhove.

Das Ehepaar Elisabeth und Bruno Frank wohnte in München. Am 28. Februar 1933 emigrierte es zunächst nach Österreich, später in die Schweiz, nach Frankreich, Großbritannien und 1939 schließlich in die USA.

Am 1. April 1945 erlitt Bruno Frank in Los Angeles einen Herzinfarkt. Davon erholt er sich nicht mehr. Mit letzter Kraft diktiert er Elisabeth den Novellenroman „Chamfort erzählt seinen Tod – zu Ende“.

Dies ist der Anfang einer Autobiografie des französischen Schriftstellers Chamfort, die er nie geschrieben hat.

Als Nicolas Chamfort am 15. November 1793 in Paris erneut verhaftet werden sollte, ging er unter dem Vorwand, packen zu wollen, ins Kabinett und schoss sich in den Kopf. Die Kugel zerfetzte ein Auge, aber nicht das Gehirn. Er versuchte vergeblich, sich die Kehle durchzuschneiden, stach sich in die Brust, schnitt in Schenkel und Waden, ohne jedoch eine Arterie zu treffen. Keine der 22 Verletzungen war tödlich. Ins Gefängnis musste Chamfort nicht mehr. Stattdessen wurde er auf eigene Kosten in seiner Wohnung von dem Gendarm Louis Le Courcheux bewacht.

Als er acht Jahre war – damals hieß er noch Sébastien-Roch Nicolas –, gestand ihm die Krämersfrau, die er für seine Mutter hielt, dass sie und ihr Mann ihn als Säugling bei sich aufgenommen hatten. Seine leibliche Mutter war Jacqueline Cisternes Dauphin de Leyval, die Herrin von Montrodeix, einem Dorf am Fuß des Puy de Dôme. Gezeugt hatte ihn Pierre Nicolas, der mit dem Krämer Nicolas verwandte Domherr der Kathedrale von Clermont-Ferrand. Jacqueline, die Ehefrau des Generalprokurators Dauphin de Leyval, hatte bereits eine 16- und eine zwölfjährige Tochter, als sie im Alter von 44 mit ihm schwanger geworden war.

Daraufhin gab er sich den Namen Nicolas Chamfort. Nach der Pubertät entwickelte er sich zu einem Frauenhelden.

Damals liebte ich die Frauen noch – und sie mich. Ich pflückte Jungfernhäutchen […], und die mächtigsten Frauen von Paris intrigierten zu meinem Wohle […]

Im Alter von 25 Jahren infizierte ihn eine Hure mit einer Geschlechtskrankheit, und er begann die Frauen zu verabscheuen.

Chamfort schrieb Theaterstücke, und am 1. November 1776 wurde seine Tragödie „Mustapha et Zéaugir“ vor König Ludwig XVI. und Marie Antoinette gespielt. Kurz darauf machte ihn ein Cousin des Königs zum Geheimsekretär.

Aus der Agonie der Frauenverachtung erwachte Chamfort, als er 1781 die 15 Jahre ältere Marthe-Anne Buffon kennenlernte und sich in sie verliebte.

Marthe war anders als die dummen Püppchen mit den feuchten Mösen und die alten Weiber mit ihrem Mundgeruch und ihren Millionen. Da war – eine Frau! Unglaublich: Da war ein Hirn in einer Frau, das nicht dem Herz gehorchte!

Sie war die Ehefrau eines Arztes. Nach dessen Tod im Jahr 1787 zog Marthe mit Chamfort aufs Land. Aber ihr Glück währte nur noch ein halbes Jahr. Dann starb Marthe-Anne Buffon in seinen Armen.

Weil Chamfort nach seinem Selbstmordversuch nicht mehr in der Lage ist, seine Autobiografie selbst zu Papier zu bringen, holt der Bewacher Louis Le Courcheux seine 16-jährige, im Kloster erzogene Nichte Denise de Bordeaux als Schreibhilfe.

Elisabeth protestiert, als Bruno ihr diese Passage diktiert:

„Nur weil du selbst von dieser Lehrergattin verführt worden bist, als du sechzehn warst, nur weil du mich verführt hast, als ich sechzehn war, nur weil in deinen ersten Texten, Im dunklen Zimmer, Die Nachtwache, Die Fürstin, ich rede gar nicht erst von deinen Novellen und Gedichten, nur weil immer alle sechzehn sind, wenn sie verführt werden, musst du doch nicht auch in deinem letzten Werk …>“
„Bitte, Elisabeth, echauffiere dich nicht. Die kleine Nichte wird ja schon in den nächsten Tagen siebzehn!

Bruno Frank lässt Chamfort in der Silvesternacht 1793 mit dem Diktat beginnen. Er selbst diktiert Elisabeth unter anderem folgende Passage.

Und es ist der Kult um den Charakter, den ich als Moralist ins Unermessliche steigere, zu erahnen in meinen Maximen und Anekdoten […] So dringt dieser Nichtroman bis ins Absolute vor, das sich in der Wut der Vernichtung vollendet, auch wenn nach mir neue Arbeiter kommen, wie dieser Kafka, der seine Quelle nie angeben wird, sich im Tode schämend, so dreist Ideen gestohlen zu haben, dass er seine Werke vernichtet wissen will.

An dieser Stelle bricht er ab:

„Halt, halt, meine liebe Elisabeth, das alles muss leider gestrichen werden. Von Kafka kann Chamfort ja noch gar nichts wissen. Das wäre ein Festschmaus für die Herren Rezensenten!“

Denise schreibt nicht nur auf, was Chamfort ihr diktiert, sondern greift auch unter die Bettdecke und streichelt sein „schlaffes, sterbendes Geschlecht“. Sie zieht sich aus, legt seine Hände auf ihre Brüste, schlüpft zu ihm ins Bett und bewegt sich vorsichtig auf ihm.

[…] und mir bleibt nur, das Becken ein paar Mal zu heben, aber unter Höllenqualen, die mich aufschreien lassen.

Wieder protestiert Elisabeth:

„Bruno! Das ist doch Pornografie, das ruiniert deinen Namen …“
„Still!“
„Nein, Bruno, nein!“
„Es muss sein.“

Für Elisabeth Frank war das allerdings zu viel. Mit einem Schwung aus dem Handgelenk warf sie das Schreibgerät weg […]

Elisabeth verabscheut nicht nur die Altmänner-Sexfantasien, sondern sie ist auch entsetzt darüber, dass Bruno ihre eigene erste Liebesnacht in einem Roman verwertet. Sie war damals 16 Jahre, er doppelt so alt.

Chamfort bringt die Klosterschülerin schließlich dazu, seinen Urin zu schlürfen.

Ein Mann muss sich eben etwas einfallen lassen, wenn seine Standfestigkeit verschwindet, die Geilheit aber bleibt.

Als er sie wie ein Pferd reitet und ihr einen künstlichen Schwanz in den Po steckt, alarmiert ihr Kreischen den Onkel, die Haushälterin und deren Ehemann. Sie reißen die Türe auf, und der Gendarm schlägt Chamfort mit einer Peitsche. Der Schriftsteller sagt zu ihm:

„Mein lieber Sancho Panza, sieh doch nur, was ich mit deiner Nichte getrieben habe! Was muss ich denn noch alles machen, damit du die Bestie erschießt?“

Und er denkt:

Der Moralist versaut das junge Ding fürs Leben, was wird sie reich werden in den Bordellen von Paris!

Im Fiebertraum glaubt Bruno Frank, Denise sei bei ihm und spreche ihn als „Monsieur Frank“ an. Elisabeth hört ihn murmeln und nimmt an, er rede mit sich selbst.

Ohne formelle Trauung wird Denise Chamforts Gattin.

So kann er glücklich sterben.

Von der Kirche und den Sterbesakramenten hält Chamfort nichts.

Er sagt zum Pfarrer, der ihm in der Todesstunde die Hostie geben will, er müsse sie verweigern, weil der Arzt ihm Mehlspeisen verboten habe.

Am 13. April 1794 stirbt Chamfort in den Armen seiner Frau.

Bruno Frank lässt nun auch Denise de Chamfort zu Wort kommen. Sie schildert, wie sie bei dem Toten bleibt und die Tür verriegelt. Nachdem sie sich ausgezogen hat, betrachtet sie sich nackt im Wandspiegel und greift nach dem arabischen Dolch, den er ihr schenkte. Friedrich Freiherr von der Trenck, der Chamforts Autobiografie haben möchte, hämmert gegen die Tür.

Wegen seiner Affäre mit Prinzessin Amalie von Preußen ließ ihn deren Bruder, König Friedrich II., 1745 festnehmen. Neun Jahre verbrachte von der Trenck angekettet in einer Festung, bis er begnadigt wurde. Er fing einen Weinhandel an und zog nach Paris, wo er allerdings Anfang 1794 als Spion verdächtigt und erneut verhaftet wurde. Gerade erst kam er frei. Als Denise nicht öffnet, holt er Geheimagenten. Während diese sich abmühen, die Türe aufzukriegen, zündet Denise die Vorhänge an, schneidet dem Toten das Herz aus dem Leib und legt es auf die 120 von ihr in mädchenhafter Schönschrift gefüllten Seiten.

Denis de Chamfort legt es aufs Manuskript der fiktiven Autobiografie, die nicht fiktiv ist, da nur die Schreiberin selbst fiktiv ist, nicht aber der Diktierende, dem sterbend das Papier und die Feder fehlten.

Dann streicht sie mit der Dolchspitze über ihre Brüste, zielt dazwischen und stößt zu. Das Blut der Selbstmörderin tropft auf das Herz ihres Geliebten.

Kurz nachdem Bruno Frank das Manuskript „Chamfort erzählt seinen Tod – zu Ende“ abgeschlossen hat, ruft der Verleger Gottfried Bermann Fischer aus Frankfurt am Main an und redet mit Lion Feuchtwanger, der eine Gesamtausgabe der Werke Bruno Franks angeregt hatte. Der Verlag hat beschlossen, sich nicht auf das Projekt einzulassen. Nachdem Lion Feuchtwanger aufgelegt hat, lügt er den sterbenden Freund an und sagt, er habe soeben die Zustimmung des Verlags bekommen.

Thomas Mann kündigt in einem Telegramm seinen Besuch an. Elisabeth Frank weiß, dass ihr Mann diesen Abschied für besonders wichtig hält.

Ihr Bruno, sie wusste es, hatte an den großen Werken Thomas Manns mitgeschrieben: während der vielen privaten Vorleseabende, in Form unendlicher Berufsgespräche einer fast vierzigjährigen Freundschaft oder während des einen oder andren stillen Lektorats. Und einiges, was Bruno passiert war, war in die Mann’schen Romane eingeflossen, doch niemals hatten die beiden Männer darüber ein Wort verloren. Bruno hatte die stille Teilhaberschaft genügt, und Thomas war missmutig über sie hinweggegangen […]

Als Bruno Frank am 20. Juni 1945 in der Villa „Aurora“ stirbt, sind außer Elisabeth und dem Ehepaar Feuchtwanger Ludwig Marcuse, Salka und Berthold Viertel bei ihm. Thomas Mann erhält die Nachricht im Flughafenbus. Er schreibt in sein Tagebuch:

„Schmerzlicher Verlust. Ein Mensch, der mich liebte und dem ich mehrmals aus Nachlässigkeit wehgetan habe. 35 Jahre kaum unterbrochener Nachbarschaft und Austausches.“

Obwohl Lion Feuchtwanger der Witwe die Notlüge gesteht, will sie Gottfried Bermann Fischer das Manuskript „Chamfort erzählt seinen Tod – zu Ende“ nach Frankfurt schicken. Auf dem Weg zum Postamt überlegt sie es sich jedoch anders und wirft das Paket in einen Papierkorb neben einer Parkbank.

Erst etwas verspätet blättert sie in dem Sonderheft der „Neuen Rundschau“ zu Thomas Manns 70. Geburtstag und entdeckt den Entwurf des ersten Kapitels von „Chamfort erzählt seinen Tod“, den sie dem Herausgeber vor einiger Zeit im Auftrag ihres Mannes für einen Vorabdruck zugeschickt hatte.

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Der Schriftsteller Bruno Frank (1887 – 1945) hinterließ tatsächlich das Fragment einer fiktiven Autobiografie seines französischen Kollegen Nicolas Chamfort. Ein Auszug erschien in der Sonderausgabe der „Neuen Rundschau“ zu Thomas Manns 70. Geburtstag am 6. Juni 1945: „Chamfort erzählt seinen Tod“ (S. 121ff). Den Text gibt es auch als Hörbuch, gelesen von Hans Jochim Schädlich (Hamburg 1999, ISBN 3-934120-33-4). Volker Harry Altwasser ließ sich davon zu dem Roman „Glückliches Sterben“ inspirieren. Die Zitate aus „Chamfort erzählt seinen Tod“ und anderen Quellen sind durch fett gedruckte Anfangsworte gekennzeichnet. Eine wichtige Rolle spielt auch Bruno Franks Roman „Trenck. Roman eines Günstlings“ (1926).

Während Volker Harry Altwasser an „Glückliches Sterben“ arbeitete, hielt er sich 2013 als Stipendiat in der Villa „Aurora“ in Los Angeles auf, also an einem der beiden Schauplätze seines Romans.

Volker Harry Altwasser erzählt in „Glückliches Sterben“ von den letzten Tagen in Bruno Franks Leben (13. – 20. Juni 1945). Es ist die fiktive Entstehungsgeschichte eines Romans über den sterbenden Nicolas Chamfort (31. Dezember 1793 – 13. April 1794). Ein Schriftsteller (Volker Harry Altwasser) schreibt über einen Schriftsteller (Bruno Frank), der über einen Schriftsteller (Nicolas Chamfort) schreibt. Der sterbende Chamfort diktiert einem 16-jährigen Mädchen, Bruno Frank seiner Ehefrau Elisabeth. Die Parallelen und Spiegelungen sind kunstvoll verflochten. Das ist faszinierend, auch wenn „Glückliches Sterben“ etwas verkopft wirkt. Gespickt ist der Text mit Aphorismen:

Je höher die Moral gehängt wird, umso breiter fließt der Blutstrom.

Es gibt im Leben nichts besseres, als glücklich zu sterben. (Seneca)

Das im Verlag Matthes & Seitz erschienene Buch ist fadengeheftet.

Elisabeth Frank (1903 – 1979) war später noch mit dem Schauspieler, Regisseur und Drehbuchautor Leo Mittler (1893 – 1958) sowie dem Schriftsteller, Journalisten und Drehbuchautor Jan Lustig (1902 – 1979) verheiratet. Sie machte sich als Theateragentin in den USA und in Deutschland einen Namen.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2015
Textauszüge: © MSB Mattes & Seitz Berlin Verlagsgesellschaft

Nicolas Chamfort (kurze Biografie)
Lion Feuchtwanger (kurze Biografie)

Frank Schätzing - Nachrichten aus einem unbekannten Universum
Dem Buch ist deutlich anzumerken, dass am Anfang nicht ein Konzept, sondern das Motiv der Resteverwertung stand, denn "Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere" besteht aus einem Sammelsurium von Themen.
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