Drechslers zweite Chance

Drechslers zweite Chance

Drechslers zweite Chance

Originaltitel: Drechslers zweite Chance - Regie: Jobst Christian Oetzmann - Drehbuch: Lothar Kurzawa, Jürgen Egger und Isabel Kleefeld - Kamera: Daniel Koppelkamm - Schnitt: Claudia Wolscht - Musik: Dieter Schleip - Darsteller: Dietmar Bär, Joachim Król, Sofie Lassen-Kahlke, Justin Doerré, Stephan Kampwirth, Birge Schade, Stefan Gebelhoff, Johanna Gastdorf, Hermann Lause, Rudolf Kowalski, Ilse Zielstorff u.a. - 2004; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Gegen Provision verschafft der Dortmunder Streifenpolizist Budde dem mit ihm befreundeten Abschleppunternehmer Sebastian Drechsler jeden Tag Aufträge. Früher war auch Drechsler bei der Polizei, aber als seine Frau Tanja vor drei Jahren bei einem Einsatz ums Leben kam, suchte er sich einen anderen Job. Über den Verlust scheint er nicht hinwegzukommen ...
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Kritik

"Drechslers zweite Chance" ist so etwas wie eine "Dramödie" und ein Großstadtmärchen aus dem Ruhrgebiet. Sehenswert ist der Film vor allem wegen Dietmar Bär, dem die Rolle des schlecht gelaunten Abschleppunternehmers Drechsler auf den Leib geschrieben wurde.
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Gegen 15 Prozent Provision verschafft der Dortmunder Streifenpolizist Budde (Joachim Król) dem mit ihm befreundeten Abschleppunternehmer Sebastian Drechsler (Dietmar Bär) einen Auftrag nach dem anderen. Abgerechnet wird abends in Jennys (Birge Schade) Kneipe. Schlecht gelaunt fährt Drechsler mit seinem Abschleppwagen herum, redet kaum ein Wort, geht von der Kneipe in seine leere Wohnung und hört sich noch eine Platte an, bevor er zu Bett geht. Er leidet nicht nur unter heftigen Rückenschmerzen, sondern mehr noch unter dem Verlust seiner Frau Tanja. Sie war bei der Polizei, wie er damals auch. Vor drei Jahren wurden sie zusammen zur Nachtschicht-Streife eingeteilt, weil Budde und Drechsler jedoch zu einem Bowling-Turnier wollten, tauschte Drechsler seinen Dienst mit dem Kollegen Nowak (Stephan Kampwirth). Der ging zu Beginn der Schicht in eine Eisdiele, um Tanja Drechsler ein Eis zu kaufen. Da hörte er draußen Lärm: Einige Kriminelle hatten von dem Inhaber des benachbarten Geschäfts Schutzgeld erpressen wollen, und es war zu einer lautstarken Auseinandersetzung gekommen. Nowak stürzte vor die Tür und begann unüberlegt zu schießen. Die Verbrecher erwiderten das Feuer. Nowak brachte sich in der Eisdiele in Sicherheit, aber Tanja wurde in den Bauch getroffen. Sie rief noch ihren Mann an, der sofort die Bowling-Bahn verließ und losfuhr. Über sein Handy erlebte er Tanjas Sterben.

Als eine hübsche, junge Frau mit ihrem defekten Wagen die Straße blockiert, schiebt Drechsler nur das Fahrzeug auf die Seite und fährt weiter, ohne ihr zu helfen.

Die Neunundzwanzigjährige heißt Iben Ameland (Sofie Lassen-Kahlke). Mit ihrem achtjährigen Sohn Milan (Justin Doerré) verließ die geborene Dänin ihren Ehemann Henry (Stefan Gebelhoff) in Köln, weil er sie mit einer Schülerin in ihrer gemeinsamen Tanzschule betrogen hatte. Jetzt ist sie auf der Flucht vor dem Privatdetektiv, den Henry auf sie angesetzt hat und bei dem es sich zufällig um den früheren Dortmunder Polizisten Nowak handelt. Iben quartiert sich in einer Pension ein, und weil sie sich aus Angst vor der Entdeckung nicht in ein Restaurant wagt, holt sie etwas zu essen. Als sie zurückkommt, hört sie ihren Sohn rufen: Er war durchs Dachfenster hinausgeklettert und abgerutscht. Verzweifelt versucht sie, ihn mit ihren Händen zu erreichen, aber es gelingt ihr nicht. Sie schreit um Hilfe. Drechsler, der gerade in der Nähe ist, wird auf den Jungen aufmerksam. Die Dachrinne, an der Milan sich festhält, bricht ab. Er stürzt. Aber Drechsler hat inzwischen den Pick-up auf seinem Abschleppwagen hochgehievt und so zur Seite geschwenkt, dass Milan nach ein, zwei Metern auf der Ladefläche des Pick-ups landet und sich nicht ernsthaft verletzt. Iben ist überglücklich und will sich bei Drechsler bedanken, aber der fährt mürrisch weiter, ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen.

Als Nowak in der Pension auftaucht, flieht Iben mit Milan. Zufällig steht Drechsler mit seinem Abschleppwagen auf der Straße. Iben reißt die Beifahrertür auf und versteckt sich mit Milan neben Drechsler, der erst einmal gar nicht weiß, was er davon halten soll. Dann sieht er Nowak und begreift, dass der Privatdetektiv die junge Frau und ihren Sohn sucht. Er fährt die beiden zu einer Bushaltestelle, aber Iben steigt nicht aus, sondern überredet ihn, sie und Milan für eine Nacht bei sich aufzunehmen. Widerwillig überlässt Drechsler ihnen ein leer stehendes Zimmer in seiner Wohnung.

Beim Frühstück am nächsten Morgen fragt Iben ihn nach seiner Frau, denn sie hat ein Foto, eine Polizeimütze und einen Schrank voller Kleider von ihr entdeckt. Statt zu antworten, drängt Drechsler zum Aufbruch. Er setzt Iben mit ihrem Sohn bei der Adresse einer Freundin ab, die an diesem Tag von einer Reise zurückerwartet wird. Doch als er abends nach Hause kommt, sitzen Iben und Milan im Treppenhaus. Er will sie nicht in die Wohnung lassen, aber ein heftiger Rückenschmerz setzt ihn außer Gefecht: Er schleppt sich ins Schlafzimmer, legt sich hin und ist nicht in der Lage, Iben und Milan hinauszuwerfen.

Am nächsten Tag nimmt Drechsler den kleinen Jungen in seinem Abschleppwagen mit. Er freut sich, als er wieder einmal Nowaks Geländewagen im Halteverbot entdeckt. Obwohl er noch keinen polizeilichen Auftrag hat, schleppt er das Fahrzeug ab. Als Nowak mit dem Taxi zum Abschlepphof kommt, um seinen Wagen abzuholen, sieht er Drechsler mit dem Jungen. Jetzt weiß er, wo Iben sich versteckt. Er dringt in Drechslers Wohnung ein, nimmt einen Packen von Budde gegen Falschparker ausgestellter Strafmandate an sich – und gerät mit Iben in ein Handgemenge. Wegen einer kleinen Kopfverletzung bringt er sie ins Krankenhaus. Dann verständigt er seinen Auftraggeber in Köln, und Henry nimmt den nächsten Zug nach Dortmund.

Drechsler wundert sich am Abend, dass Iben nicht da ist. Als er das Fehlen der Strafmandate bemerkt, ahnt er, dass Nowak in seiner Wohnung war. Er bringt Milan zu Bekannten, beobachtet Nowak und folgt ihm zum Krankenhaus. Dort stößt er auf Henry, sperrt ihn in einen Spind und nimmt Iben mit nach Hause.

Weil Nowak Budde und Drechsler angezeigt hat, verabredet Kommissar Kaminski (Rudolf Kowalski), Buddes Vorgesetzter, sich mit den Beteiligten. Drechsler und Nowak kennt er von früher, als sie noch bei der Polizei waren. Budde rettet die Situation, indem er behauptet, Nowaks Geländewagen im Halteverbot gesehen und deshalb den Abschleppdienst gerufen zu haben. Das Strafmandat und den Bericht werde er nachreichen, dazu sei er bloß noch nicht gekommen. Übrigens vermisse er einen Packen Strafmandate, fährt er fort, der vor dem Gespräch noch zur Bearbeitung auf seinem Schreibtisch gelegen habe. Weil es so aussieht, als habe Nowak die Strafmandate im Polizeirevier an sich genommen, droht Kommissar Kaminski ihm mit einer Anzeige, und Nowak verlässt wütend das Polizeirevier.

Abends sieht Drechsler das Licht in seiner Wohnung, wagt sich nicht hinauf zu der liebenswürdigen Frau, die ihn an Tanja erinnert und lehnt sich in seinem Abschleppwagen zurück, um etwas zu schlafen. Nowak kommt vorbei, übersieht Drechsler in dem dunklen Fahrzeug, wirft mit einem Pflasterstein die Windschutzscheibe ein – und trifft Drechsler am Kopf. Mit einem Kopfverband wie Iben kommt Drechsler später aus dem Krankenhaus nach Hause. Iben hat bereits gepackt; sie will mit Milan zu ihrer Mutter nach Kopenhagen. Drechsler bringt sie zum Flughafen. Dort taucht Henry auf und bittet Iben um Verzeihung. Die beiden versöhnen sich.

Drechsler geht endlich wieder mit Budde, Jenny und anderen Bekannten zum Bowlen. Das Erlebnis mit Iben und Milan hat ihm geholfen, über den Verlust seiner Frau hinwegzukommen. Er versucht einen Neuanfang – und Jenny scheint ihm dabei helfen zu wollen.

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„Drechslers zweite Chance“ ist so etwas wie eine Dramödie, ein humorvoller Film über ein menschliches Drama. Dass die Handlung nicht so recht glaubwürdig und auf einige Zufälle angewiesen ist, stört nicht weiter, denn es handelt sich um ein Großstadtmärchen aus Dortmund. Sehenswert ist „Drechslers zweite Chance“ vor allem wegen der guten Besetzung; allen voran ist in diesem Zusammenhang Dietmar Bär zu nennen, dem die Rolle des missmutigen Abschleppunternehmers Drechsler auf den Leib geschrieben wurde.

Jobst Oetzmann drehte den Fernsehfilm vom 23. September bis 29. Oktober 2003 in Köln, Dortmund und Umgebung. Die Erstausstrahlung erfolgte am 13. Oktober 2004 im Ersten Programm.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

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