Sein und haben

Sein und haben

Sein und haben

Sein und haben - Originaltitel: Être et avoir - Regie: Nicolas Philibert - Drehbuch: Nicolas Philibert - Kamera: Katell Dijan und Laurent Didier - Schnitt: Nicolas Philibert - Musik: Philippe Hersant - 2002; 105 Minuten

Inhaltsangabe

In der Zwergschule von Saint-Etienne-sur-Usson in der Auvergne unterrichtet der Lehrer Georges Lopez dreizehn Schüler zwischen drei und elf Jahren in einer einzigen Klasse. Geduldig erklärt er den Kindern, was sie wissen müssen. Es ist ihm ein Anliegen, dass sie sich physisch und psychisch gesund entwickeln.
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Kritik

Es macht einfach Freude, den Schülern und ihrem Lehrer zuzuschauen. "Sein und haben" vermittelt viel von der Wärme, dem Verständnis und der Menschlichkeit in dieser Zwergschule.
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Während die Kühe im Schneetreiben auf die Weide getrieben werden, holt ein Busfahrer Schüler ab und bringt sie zu der Zwergschule von Saint-Etienne-sur-Usson in der Auvergne. Dort unterrichtet Georges Lopez dreizehn Schüler zwischen drei und elf Jahren in einer einzigen Klasse. Geheizt wird mit einem Kohlenofen. Während die Kleinen zeichnen und andere rechnen, schreiben die Größeren ein Diktat. Ein Frontalunterricht ist wegen der Heterogenität der Klasse nicht möglich; stattdessen befasst sich der Lehrer geduldig mit den einzelnen Kindern. Mit der Antwort „oui“ gibt er sich nicht zufrieden, sondern er insistiert mit leicht ansteigender Lautstärke, bis der Schüler sich erinnert, dass es „oui, Monsieur“ heißt. Ruhig, aber bestimmt sorgt Georges Lopez dafür, dass die anderen einen Mitschüler ausreden lassen. Mittags backen die Kinder Pfannkuchen. Zwischendurch tollen sie draußen herum. Abends, nachdem der Schulbus die Kinder wieder nach Hause gebracht hat, sitzt George Lopez allein an seinem Schreibtisch und korrigiert die Arbeiten seiner Schüler. Hin und wieder sucht ihn eine Mutter auf und sie sprechen über deren Sohn oder Tochter.

Im Sommer erzählt Georges Lopez seiner Klasse, dass er am Ende des Schuljahrs pensioniert wird und aus Saint-Etienne-sur-Usson fortziehen wird, weil die Dienstwohnung dann für seinen Nachfolger benötigt wird.

Sein Vater kam aus Andalusien und war ein Landarbeiter. Georges Lopez wollte schon während seiner eigenen Schulzeit Lehrer werden und konnte sich nie vorstellen, etwas anderes zu sein. Vor fünfunddreißig Jahren fing er zu unterrichten an. Seine Eltern waren sehr stolz auf seinen gesellschaftlichen Aufstieg. Der Vater starb allerdings in dem Jahr, in dem Georges Lopez nach Saint-Etienne-sur-Usson kam. Die Mutter lebt noch.

Einmal fragt Georges Lopez den vierjährigen Jojo, ob die Zahlen bei 100 aufhörten. „Ja“, meint Jojo. „Wie ist es dann mit 101 und 102?“, fragt der Lehrer weiter. Irritiert gibt Jojo zu, dass man auch bis 1000 zählen könne, aber dann sei wirklich Schluss. Georges Lopez macht weiter, bis sie bei den Millionen ankommen. Da verliert Jojo die Geduld und versucht, die Aufmerksamkeit des Lehrers auf zwei streitende Mitschüler zu lenken.

Georges Lopez fährt mit der Klasse zum Collège in Saint-Germain-l’Herm, um ihnen zu zeigen, wo zwei von ihnen das nächste Schuljahr verbringen werden.

Auch einen Ausflug mit Wanderung und Picknick unternimmt er mit seinen Schülern.

Gegen Ende des Schuljahrs stellt er der Klasse einige Kinder vor, die nach den Ferien dazugehören werden. Dann bespricht er die Jahresergebnisse eingehend mit seinen Schülern, und schließlich verabschiedet er sich von ihnen.

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Die Zwergschule in Saint-Etienne-sur-Usson suchte der Lehrersohn Nicolas Philibert (*1951) unter vierhundert ähnlichen Einrichtungen heraus, von denen er dreihundert kontaktiert und hundert besucht hatte. Sowohl der Lehrer Georges Lopez als auch die Schüler scheinen die Kamera (Katell Dijan und Laurent Didier) während der Dreharbeiten vergessen zu haben. Am Ende schnitt Nicolas Philibert aus sechzig Stunden Film seine Dokumentation „Haben und sein“.

Mit dem Titel verweist er auf ein Buch von Erich Fromm.

Obwohl es sich um eine unspektakuläre Dokumentation handelt, wurde „Haben und sein“ viel beachtet und lockte viele Menschen ins Kino, denn es macht einfach Freude, den Schülern und ihrem Lehrer zuzuschauen. Der Film vermittelt viel von der Wärme, dem Verständnis und der Menschlichkeit in dieser Zwergschule.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2005

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