Schattenkinder

Schattenkinder

Schattenkinder

Originaltitel: Schattenkinder – Regie: Claudia Prietzel und Peter Henning– Drehbuch: Bernd Lange, Claudia Prietzel und Peter Henning – Kamera: Ngo the Chau – Schnitt: Sabine Brose – Musik: Wolfgang Böhmer – Darsteller: Karoline Eichhorn, Beata Lehmann, Amber Bongard, Luise Tabea von Cossart, Christian Grashof, Rainer Sellien, Renan Demirkan u.a. – 2007; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Sandra ließ sich nach der Geburt ihrer zweiten Tochter scheiden und erzieht Agnes und Therese allein. Mehrmals bringt sie Agnes krank in eine Klinik. Die Ärzte können sich die Symptome nicht erklären, und während der Krankenhausaufenthalte normalisieren sich die Blutwerte jedes Mal. Dennoch bricht Agnes bei einer Schultheater-Aufführung zusammen und stirbt. Bald darauf beginnt Therese zu kränkeln. Der behandelnde Arzt hält das Mädchen für gesund. Wiederholt sich, was mit Agnes geschah?
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Kritik

Sensibel und ohne Effekthascherei entwickelt sich die Handlung des Familiendramas "Schattenkinder". Beata Lehmann stellt die psychisch kranke Mutter überzeugend dar. Und Ngo the Chau sorgt mit unterkühlten Bildern für eine nüchterne Atmosphäre.
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Nach der Geburt ihrer zweiten Tochter hatte Sandra (Beata Lehmann) sich von ihrem Ehemann Martin (Lucas Kom) scheiden lassen, angeblich wegen Ehebruchs. Martin, der inzwischen neu verheiratet ist, versichert jedoch seiner Schwägerin Christiane (Karoline Eichhorn), er habe Sandra nicht betrogen.

Seit der Trennung von Martin erzieht Sandra ihre Töchter Agnes (Luise Tabea von Cossart) und Therese (Amber Bongard) allein. Ihr Vater Karl (Christian Grashof) kommt zwar häufig zu Besuch, mischt sich aber nicht ein, und ihre jüngere Schwester Christiane ist als Berufsfotografin die meiste Zeit im Ausland unterwegs.

Bei einer Schulaufführung bricht Agnes zusammen und wird in ein Krankenhaus eingeliefert. Die Ärztin Dr. Blum (Renan Demirkan), bei der das Kind schon längere Zeit in Behandlung war, fand bei keiner Untersuchung eine organische Krankheitsursache. Agnes stirbt jedoch an Herzversagen, und Sandra wirft der Ärztin Unfähigkeit und Desinteresse vor.

Als bald darauf Therese Fieber bekommt und über Magenbeschwerden klagt, bringt Sandra sie in ein anderes Krankenhaus. Der Arzt stellt zwar eine leichte Magenreizung fest, hält Therese jedoch ansonsten für gesund. Verzweifelt blättert Sandra, die zwei Semester Medizin studiert hatte, in einschlägigen Fachbüchern, um herauszufinden, was Therese fehlt und verabreicht ihr die Medikamente, die sie für erforderlich hält.

Christiane macht sich zunehmend Sorgen um Therese und sucht deshalb sowohl den Arzt auf, der Therese behandelte als auch Dr. Blum, die sie darauf hinweist, dass Agnes sich bei mehreren Krankenhausaufenthalten jeweils rasch erholt habe und einige Zeit später von ihrer Mutter wieder krank und mit auffälligen Blutwerten gebracht worden sei. Sie könne sich das nur durch eine falsche Medikamentation außerhalb des Krankenhauses erklären, meint Dr. Blum. Den impliziten Vorwurf, Sandra sei am Tod ihrer Tochter Agnes schuld, weist Christiane empört zurück.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Doch sie macht sich Gedanken darüber und beobachtet ihre Schwester. Auf einem Video ihres Vaters von der Schultheater-Aufführung sieht Christiane, wie Agnes unmittelbar vor ihrem Auftritt von Sandra medizinische Tropfen bekam. Außerdem findet sie heraus, dass Sandra medizinische Fachbücher studiert und Therese Arzneimittel verabreicht, obwohl sie beteuert, dem Kind keine Medizin zu geben. Sie geht noch einmal zu Dr. Blum, die ihr erklärt, dass Sandra vermutlich am so genannten Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom leidet. Dabei handelt es sich um eine psychische Erkrankung der Mutter, die unbewusst ihre Kinder krank macht, um sich Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Christiane überzeugt ihren Vater, dass gehandelt werden muss. Während der Vater Sandra ablenkt, bringt Christiane ihre Nichte aus dem Haus. Als Sandra begreift, was geschieht, rennt sie ans Fenster und ruft ihrer Tochter verzweifelt nach, aber ihr Vater hält sie fest.

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Das Familiendrama „Schattenkinder“ von Claudia Prietzel und Peter Henning hat nur zufällig den gleichen Titel wie ein 1998 veröffentlichter Roman von Margaret Peterson Haddix. Unter dem Begriff „Schattenkinder“ versteht man eigentlich Kinder, die sich vernachlässigt fühlen, beispielsweise weil sie behinderte Geschwister haben oder ihre Eltern durch die Lebenslage überfordert sind. In dem Film „Schattenkinder“ geschieht das Gegenteil: Sandra kümmert sich überängstlich um ihre Töchter Agnes und Therese, doch sie macht die Kinder unbewusst krank, weil sie sich nicht genügend beachtet fühlt und sich Aufmerksamkeit verschaffen möchte (Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom): Das Schattenkind ist in diesem Fall also gewissermaßen die Mutter.

Sensibel und ohne Effekthascherei entwickeln Bernd Lange, Claudia Prietzel und Peter Henning die Handlung. Sie vermeiden es, nach Schuldigen zu suchen und Personen anzuprangern. Beata Lehmann stellt die psychisch kranke Mutter überzeugend dar. Und Ngo the Chau sorgt mit unterkühlten Bildern für eine nüchterne Atmosphäre.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom

Claudia Prietzel: Schande
Claudia Prietzel und Peter Henning: Der Puppengräber

Matthias Politycki - Jenseitsnovelle
Matthias Politycki hat seine makabre "Jenseitsnovelle" aus mehreren miteinander verknüpften Handlungssträngen kunstvoll komponiert. Die Sprache ist gemeißelt, mitunter auch etwas manieriert.
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