Rudolf Abel


Rudolf Abel wurde am 11. Juli 1903 in Benwell (heute ein Stadtteil von Newcastle upon Tyne) geboren. In der Geburtsurkunde stand William Genrikowitsch Fischer; später benützte er auch noch andere Namen. Sein Vater Genrich Matwejewitsch Fischer (1871 – 1935), ein Weggefährte Lenins, war 1901 nach Großbritannien emigriert und engagierte sich dort 20 Jahre lang in der Arbeiterbewegung. Abels Mutter Ljubow Wassiljewna arbeitete als Hebamme.

1919 absolvierte Rudolf Abel die Aufnahmeprüfung der Universität von London und erwarb die britische Staatsbürgerschaft. Zwei Jahre später kehrte die ganze Familie nach Russland zurück, wo Rudolf Abel anfing, als Übersetzer für die Komintern zu arbeiten. 1925 kam er zu Armee, und 1927 als Funker zur Geheimpolizei (GPU).

1931 zog Rudolf Abel mit seiner Ehefrau, der Cellistin Elena Stepanowna Lebedewa, und der 1929 geborenen Tochter Evelyn nach Norwegen, wo er sich erneut einen britischen Pass besorgte, um durch Europa reisen und ein Netz konspirativer Funkstationen aufbauen zu können. Nach einem weiteren Aufenthalt in der UdSSR kehrte Rudolf Abel 1935 nach England zurück.

Ende 1938 wurde er vom Geheimdienst entlassen. Sein Vorgesetzter Alexander Michailowitsch Orlow hatte sich in die USA abgesetzt, um nicht bei der „Großen Säuberung“ liquidiert zu werden. Drei Monate nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg, stellte das NKWD Rudolf Abel wieder ein. Während es seine Aufgabe war, mit Falschmeldungen die deutsche Abwehr irrezuführen, wohnte er zusammen mit dem echten, drei Jahre älteren Rudolf Abel und dem späteren Dissidenten Kirill Chenkin in Moskau.

Nach einer Spezialausbildung reiste Fischer alias Rudolf Abel im Oktober 1948 unter dem Codenamen „Arach“ nach Frankreich und schiffte sich in Le Havre nach Quebec ein, wo er am 14. November 1948 ankam. Zwei Tage später überquerte er mit dem Pass des in Litauen gestorbenen US-Bürgers Andrew Kayotis die Grenze der Vereinigten Staaten von Amerika.

Dort reorganisierte und erweiterte er das sowjetische Spionagenetz. 1949 leitete er die Bemühungen, führende Atomwissenschaftler für die Internationale Antifaschistische Wissenschaftliche Gemeinschaft zu gewinnen. Über den Physiker Theodore Alvin Hall (1925 – 1999) verschaffte er sich Informationen über das geheime Los Alamos National Laboratory.

Als angeblicher Fotograf Emil R. Goldfus bewohnte Rudolf Abel ab 1950 ein Studio-Apartment in Brooklyn. Ein im Juni 1953 in dem New Yorker Stadtteil entdecktes ausgehöhltes 5-Cent-Stück mit einem Mikrofilm wurde erst später mit ihm in Verbindung gebracht.

Im April 1957 reiste Rudolf Abel – angeblich zur Erholung – nach Florida, während sein Vorgesetzter Reino Häyhänen (1920 – 1961) nach Moskau zurückgerufen wurde. Nach der Ankunft in Europa stellte sich der finnisch-russische Agent Anfang Mai in der US-Botschaft in Paris. Aufgrund seiner Aussagen glaubten FBI-Agenten, Rudolf Abel am 28. Mai zu erkennen, aber sie waren sich nicht sicher. Am 13. Juni vermutete das FBI, dass es sich bei dem im Hotel Latham in Manhatten unter dem Namen Martin Collins eingetragenen Mann um Rudolf Abel handelte, und zwei Tage später identifizierte Reino Häyhänen seinen früheren Mitarbeiter auf einem Foto. Rudolf Abel wurde am 21. Juni festgenommen und am 14. Oktober 1957 wegen illegaler Agententätigkeit, Ausspähung von geheimen Informationen und deren Weiterabe an die UdSSR angeklagt. Der Richter Mortimer W. Byers verurteilte ihn am 15. November zu 30 Jahren Haft.

Sein Verteidiger James B. Donovan erhob Einspruch gegen das Urteil, aber es wurde am 28. März 1960 von Supreme Court bestätigt.

James B. Donovan war es dann auch, der erfolgreich über einen Austausch Rudolf Abels gegen den über der UdSSR abgeschossenen U-2-Piloten Francis Gary Powers und den in Ostberlin inhaftierten amerikanischen Studenten Frederic Pryor verhandelte. Am 10. Februar 1962 überquerte Rudolf Abel die Demarkationslinie zwischen Westberlin und der DDR auf der Glienicker Brücke.

Rudolf Iwanowitsch Abel ließ sich in Moskau nieder, reiste viel und hielt Vorträge. Man verlieh ihm sowohl Orden als auch die Ehrendoktor-Würde und beförderte ihn zum Oberst.

Er starb am 15. November 1971 an Lungenkrebs.


Johannes Mario Simmel schildert in dem Roman „Es muss nicht immer Kaviar sein“ die Enttarnung des Agenten Rudolf Abel in New York, seine Verteidigung durch James B. Donovan, die Verurteilung und schließlich den Austausch gegen Francis Gary Powers.

In dem Kinofilm „Bridge of Spies. Der Unterhändler“ von Steven Spielberg wird Rudolf Abel von Mark Rylance gespielt.

© Dieter Wunderlich 2016

James B. Donovan (kurze Biografie)
Francis Gary Powers (kurze Biografie)

Steven Spielberg: Bridge of Spies. Der Unterhändler

Frank McCourt - Die Asche meiner Mutter
In seiner romanhaften Autobiografie beschreibt Frank McCourt (*1930), was er zwischen 1935 und 1948 erlebte. Er tut es in einfacher Umgangssprache und aus der Sicht des Kindes bzw. Jugendlichen, weder larmoyant noch bitter, sondern ironisch und humorvoll.
Die Asche meiner Mutter

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