Schneewittchen muss sterben

Schneewittchen muss sterben

Schneewittchen muss sterben

Originaltitel: Schneewittchen muss sterben. Ein Taunuskrimi – Regie: Manfred Stelzer – Drehbuch: Henriette Piper, nach dem Roman "Schneewittchen muss sterben" von Nele Neuhaus – Kamera: Johann Feindt – Schnitt: Bernd Schriever – Musik: Moritz Freise, Biber Gullatz – Darsteller: Tim Bergmann, Felicitas Woll, Vladimir Burlakov, Ulrike Kriener, Gloria Endres de Oliveira, Moritz Pliquet u.a. – 2013; 90 Minuten

Inhaltsangabe

"Schneewittchen muss sterben" dreht sich um einen jungen Mann namens Tobias, der seine Mitschülerin Stefanie ermordet haben soll. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe kehrt er in sein Heimatdorf Altenhain am Taunus zurück, obwohl ihn die Bewohner anfeinden, weil sie von seiner Schuld überzeugt sind. Ein Mann, mit dem er gleich am ersten Abend in Streit geriet, wird am nächsten Tag tot aufgefunden, und die Ermittler halten es für möglich, dass ein Suizid vorgetäuscht wurde. Tobias gerät erneut unter Mordverdacht ...
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Kritik

Bei dem Thriller "Schneewittchen muss sterben" von Manfred Stelzer handelt es sich nicht um eine werkgetreue Verfilmung des gleichnamigen Krimis von Nele Neuhaus. Einerseits fehlen zwei Drittel des Romans, andererseits wurden – zum Teil überflüssige – eigene Ideen hinzugefügt.
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Nach der Verbüßung von sieben Jahren Haft kehrt Tobias Sartorius (Vladimir Burlakov) in sein Heimatdorf Altenhain am Taunus zurück. Nadja Bredow (Anna Unterberger), mit der er vor seiner Festnahme befreundet war, rät ihm, nach Frankfurt zu ziehen, aber Tobias zieht es vor, in Altenhain zu bleiben, obwohl ihm fast alle Bewohner feindselig begegnen. Noch am ersten Abend wird er von Gregor Lauterbach (Hartmut Volle) aufgefordert, aus Altenhain zu verschwinden, und die beiden Männer geraten in Streit.

Verurteilt wurde Tobias wegen Mordes. Er soll vor acht Jahren nach einer von dem damaligen Schulrektor und Deutschlehrer Gregor Lauterbach inszenierten Theateraufführung des Märchens „Schneewittchen und die sieben Zwerge“ die von allen Jungen im Dorf begehrte Stefanie Schneeberger (Gloria Endres de Oliveira) getötet haben. Die Leiche der Abiturientin wurde zwar nie gefunden, aber das Gericht entschied aufgrund von Indizien und Zeugenaussagen. Die mit Tobias befreundeten Schüler Lars Terlinden (Florian Bartholomäi), Jörg Kaufmann (Moritz Pliquet) und Frank Pietsch (Andreas Grusinski) gaben zu Protokoll, sie hätten ihn unmittelbar nach der Vorstellung mit Stefanie im nahen Wald gesehen. Stefanie sei noch im weißen Schneewittchen-Kleid gewesen, und die beiden hätten sich gestritten. Weil alle im Dorf schon vor dem Gerichtsurteil von Tobias‘ Schuld überzeugt waren, mieden sie die Gaststätte seines Vaters, und der erhängte sich dann.

Am Tag nach Tobias‘ Rückkehr lassen Lars Terlinden und seine Lebensgefährtin ihr Kind taufen. Währenddessen wird Gregor Lauterbachs Leiche im Wald gefunden. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als habe er sich an einem Ast erhängt, aber Hauptkommissar Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) von der Regionalen Kriminalinspektion in Hofheim und seine Mitarbeiterin Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) bezweifeln, dass er Selbstmord beging, denn seine Füße hängen einen halben Meter über dem Waldboden und es wird kein Stuhl oder anderer Gegenstand gefunden, auf den er hätte steigen können. Im Dorf tuscheln die Leute, Tobias habe nun auch seinen früheren Deutschlehrer ermordet.

Gregor Lauterbachs Witwe, eine augenscheinlich alkoholkranke Ärztin, erklärt Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff, ihr Mann sei schwer depressiv gewesen und habe entsprechende Medikamente genommen. Sie gibt nicht vor, um ihn zu trauern und verschweigt auch nicht, dass er damals genauso wie die männlichen Schüler Stefanie Schneeberger nachlief.

Die Ermittler finden bei Gregor Lauterbachs Sachen einen Umschlag mit einem Erpresserbrief und Spuren des Seils, mit dem er am Baum hing.

In Tobias‘ Zimmer stößt Pia Kirchhoff auf Fotos, die offenbar heimlich von Stefanie Schneeberger gemacht wurden. Auf einem der Bilder ist zu sehen, wie sie Gregor Lauterbach küsst. Hat Tobias den früheren Schulrektor damit erpresst? Bei der Überprüfung der Konten stellt sich heraus, dass Gregor Lauterbach regelmäßig einen größeren Geldbetrag in bar abhob.

Die 17-jährige Amelie Fröhlich (Sarah Horvath) arbeitet als Bedienung in der Gaststätte „Zum Schwarzen Ross“. Vor einem halben Jahr zog der Vater (Arno Kempf) mit ihr nach Altenhain. Sie langweilt sich in dem Dorf und möchte so schnell wie möglich wieder weg. Tobias gefällt ihr, und dass er ein Mörder sein soll, findet Amelie aufregend. Um die biederen Bürger zu provozieren, schminkt sie sich grell und zieht ein bodenlanges weißes Kleid an, das dem ähnelt, das Stefanie Schneeberger bei der Theateraufführung in der Schneewittchen-Rolle trug. Als sie damit während der Messe in die Dorfkirche kommt, erschrickt Lars Terlindens Bruder Thiess (Florian Bartholomäi), der im Alter von sechs Jahren eine Gehirnhautentzündung hatte und geistig zurückgeblieben ist. Amelie macht sich einen Spaß daraus, ihn im Wald noch einmal in Panik zu versetzen. Er rennt weg, aber als sie sich umdreht, ist da noch jemand. (Wir sehen allerdings nicht, wer es ist.)

Amelie wird als vermisst gemeldet. Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff übernehmen auch diesen Fall, und sie stoßen zunehmend auf Verbindungen zum Mordfall Stefanie Schneeberger.

Oliver von Bodenstein gerät an seine Grenzen, denn er muss nicht nur mehrere Verbrechen zugleich aufklären, sondern sich auch während einer Reise seiner Frau um den Sohn und die Tochter kümmern.

Bei der Suche nach Amelie Fröhlich schauen die Ermittler auch in den Keller eines alten, zum Besitz der Unternehmerfamilie Terlinden gehörenden Gewächshauses. Dort finden sie Stefanie Schneebergers mumifizierte Leiche in einer Art Schneewittchen-Sarg. Christine Terlinden (Ulrike Kriener) ist bestürzt, denn vermutlich hat ihr Sohn Thiess die Tote hierher gebracht. Dass er die Abiturientin ermordete, hält Christine Terlinden allerdings für undenkbar.

Sie sträubt sich dagegen, dass Thiess vernommen wird, aber Oliver von Bodenstein besorgt sich einen Vernehmungsbeschluss und spricht im Beisein des Psychiaters Dr. Horstmann (Folker Banik) mit dem geistig Behinderten. (Dass Dr. Horstmann Pia Kirchhoff betreut, die durch eine Vergewaltigung traumatisiert ist, ahnt der Hauptkommissar nicht.) Thiess sagt, „die Königin“ habe Schneewittchen umgebracht und er wisse nicht, ob die Königin gut oder böse ist.

Der Gerichtsmediziner Henning Kirchhoff (Julian Weigend), bei dem es sich um Pia Kirchhoffs geschiedenen Ehemann handelt, stellt an Stefanie Schneebergers Leiche Spermaspuren sicher. Sie wurde vergewaltigt. Der genetische Fingerabdruck belastet Lars Terlinden. Er wird festgenommen.

Kurz darauf trifft das Ermittler-Duo auf Tobias Sartorius und Nadja Bredow. Tobias befürchtet, erneut verhaftet zu werden. In Panik bedroht er Pia Kirchhoff mit einem Messer, aber sie schlägt es ihm aus der Hand und überwältigt ihn.


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Inzwischen wissen die Beamten, dass Nadja Bredow damals auf Stefanie Schneeberger wütend war, weil sie sich vergeblich um die Hauptrolle in der Schneewittchen-Aufführung beworben hatte und sie der Konkurrentin überlassen musste. Nadja beteuert, Stefanie nicht ermordet zu haben, gibt aber zu, dass sie Gregor Lauterbach mit den Fotos, die sie nach Tobias‘ Inhaftierung an sich genommen hatte, erpresste.

Pia Kirchhoff verdächtigt Christine Terlinden, Amelie entführt zu haben, weil diese ihren Sohn Thiess mit dem Schneewittchen-Kleid so aufgeregt hatte. Wen meinte Thiess mit der Königin? Seine Mutter? Christine Terlinden gesteht bei ihrer Vernehmung, Stefanie Schneeberger ermordet und Amelie Fröhlich in einem Bunker im Märchenwald gesperrt zu haben.

Nach der Theateraufführung vor acht Jahren beobachtete Tobias, wie Stefanie im Wald von Gregor Lauterbach bedrängt und geschlagen wurde. Als der Rektor fort war, versuchte er, Stefanie zu trösten, aber sie rannte davon. Sie traf schließlich auf ihre drei Mitschüler Lars Terlinden, Jörg Kaufmann und Frank Pietsch. Die packten sie. Während Lars sie als Erster vergewaltigte, näherte sich seine Mutter, die nach Thiess suchte. Die Jungen liefen weg. Christine Terlinden versuchte, Stefanie zu beruhigen, aber das Mädchen war fest entschlossen, die Vergewaltigung anzuzeigen. Um das zu verhindern, erschlug Christine Terlinden sie. Dabei wurde sie von Thiess beobachtet, der schließlich die Leiche des Mädchens, das er für das schlafende Schneewittchen aus dem Märchen hielt, in den Keller des Gewächshauses brachte.

Die Polizei befreit Amelie aus dem Bunker. Ein Streifenwagen bringt sie zurück nach Altenhain. Als sie Tobias auf der Straße sieht, lässt sie anhalten, steigt aus und umarmt ihn.

Die Ermittlungen ergeben, dass Gregor Lauterbach sich selbst erhängte. Thiess fand seine Leiche und entfernte den Hocker, den der Selbstmörder benutzt hatte.

Oliver von Bodenstein nimmt Pia Kirchhoff mit nach Hause. Überraschend ist auch seine Frau da. Sie kam vorzeitig von der Reise zurück.

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Bei dem Thrillerdrama „Schneewittchen muss sterben“ handelt es sich nicht um eine werkgetreue Romanverfilmung, sondern Henriette Piper schrieb das Drehbuch „nach Motiven“ des Taunuskrimis „Schneewittchen muss sterben“ von Nele Neuhaus. Es wäre wohl auch unmöglich gewesen, die zahlreichen Handlungsstränge der Vorlage in einen 90-minütigen Fernsehfilm zu übernehmen. Henriette Piper hat aber nicht nur zwei Drittel gestrichen, sondern auch eine Menge – zum Teil überflüssiger – eigener Ideen hinzugefügt. Der Film „Schneewittchen muss sterben“ und das Buch „Schneewittchen muss sterben“ unterscheiden sich also gravierend.

Der von Manfred Stelzer inszenierte Thriller dreht sich um einen jungen Mann, der durch einen Justizirrtum und die Intoleranz von Dorfbewohnern aus der Bahn geworfen wurde und nach seiner Entlassung aus der Haft herauszufinden versucht, was vor acht Jahren tatsächlich geschah.

Abweichend von der Vorlage sind Oliver von Bodenstein und Pia Kirchhoff im Film kein harmonisches Ermittlerduo. Von Bodenstein schimpft über Alleingänge seiner Untergebenen, der jedoch fast alle Ermittlungserfolge zu verdanken sind. Einmal wendet Pia Kirchhoff sich Hilfe suchend an ihren Psychiater, denn sie wurde selbst durch eine Vergewaltigung traumatisiert. Mehr erfahren wir darüber nicht, und deshalb hätten die Filmemacher besser ganz auf die Szene verzichtet.

„Schneewittchen muss sterben“ ist professionell gemacht. Nicht mehr und auch nicht weniger.

Altenhain ist ein Stadtteil von Bad Soden. Die angeblich dort zu findenden Gasthäuser „Zum Goldenen Hahn“ und „Zum Schwarzen Ross“ stehen in Wirklichkeit in Maibach, einem Ortsteil von Butzbach. Dort befinden sich auch die im Film gezeigte Straße und die kleine Kirche. Die Maibacher Kirche wurde 1764 bis 1766 erbaut und 1849 bzw. 1968 bis 1970 renoviert. Die Innenaufnahmen im „Schwarzen Ross“ wurden in einer Gaststätte in Wallrabenstein, einem Ortsteil von Hünstetten, gedreht. Das gerichtsmedizinische Institut – in der Romanvorlage in Frankfurt – befindet sich in Manfred Stelzers Film in der Tannenwaldklinik in Bad Homburg. Als Kulisse für die Regionale Kriminalinspektion in Hofheim diente das Usinger Schloss. Schloss Sommerberg in Wiesbaden-Frauenstein wurde zur Villa der Familie Terlinden gemacht. Und der Laden von Stefanie Schneebergers Mutter befindet sich in Wirklichkeit in Niederauroff, einem Stadtteil von Idstein. Die Szenen in Oliver von Bodensteins Räumen wurden in einem Privathaus in Kelkheim gedreht. Pia Kirchhoff reitet übers Hochplateau bei Wehrheim, und die Waldszenen entstanden nördlich von Usingen: in den Eschbacher Klippen und bei Grävenwiesbach.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2013

Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben

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Die Geschichte der Ich-Erzählerin Alex bildet in dem Roman "Taxi" von Karen Duve das Gerüst für eine Sammlung von Episoden aus dem Leben einer Taxi-Fahrerin, von Anekdoten über ihre Erlebnisse mit verschiedenen Fahrgästen.
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