Meine fremde Tochter

Meine fremde Tochter

Meine fremde Tochter

Originaltitel: Meine fremde Tochter – Regie: Manfred Stelzer – Drehbuch: Manfred Stelzer, nach einer Idee von Carolin Draber und Wolfgang Klein – Kamera: Alexander Fischerkösen – Schnitt: Bernd Schriever – Musik: Lutz Kerschowski – Darsteller: Götz George, Alexander Scheer, Michael Hanemann, Gitta Schweighöfer, Nora von Waldstätten, Ingeborg Westphal, Dirk Borchardt, Lisa Hagmeister, Nicolas Ofczarek, Dirk Waanders u.a. – 2008; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Als der pensionierte Beamte Johannes Bergkamp nach dem tödlichen Unfall seiner frisch verheirateten Tochter Sophie erfährt, dass sie wegen illegaler Geschäfte im Polizeidienst entlassen wurde und es sich bei ihrem inzwischen untergetauchten Ehemann Sven Richter um einen Kriminellen handelt, begreift er, dass er nichts über Sophie wusste. Um endlich mehr über sie herauszufinden, beginnt er mit Nachforschungen ...
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Kritik

Es ist beklemmend, dem vom Götz George in "Meine fremde Tochter" eindrucksvoll verkörperten Protagonisten zuzusehen. Gegen die Inszenierung von Manfred Stelzer ist nicht viel einzuwenden, aber sein Drehbuch ist missraten.
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Johannes Bergkamp (Götz George), ein biederer, vor längerer Zeit von seiner Frau verlassener und inzwischen pensionierter Verwaltungsbeamter, schlachtet einen Hammel für die Hochzeitsfeier seiner Tochter Sophie (Nora von Waldstätten), die nicht mehr bei ihm in der Eifel wohnt, seit sie vor Jahren bei der Polizei in Köln anfing. Sophie war immer sein Augenstern, anders als ihr Bruder Markus (Alexander Scheer), der im Dorf geblieben ist, sich als Musiker und Künstler durchschlägt und von seinem Vater für einen Versager gehalten wird. Dass Bergkamp erst jetzt den Bräutigam Sven Richter (Dirk Borchardt), dessen geschiedene Mutter (Ingeborg Westphal) und die übrigen Hochzeitsgäste kennen lernt, findet er nicht weiter schlimm; er freut sich ganz einfach über das Glück seiner Tochter.

Einige Monate später will Bergkamp sie in Köln besuchen. Auf dem Gehsteig vor dem Haus stehen Schaulustige und Polizisten um eine abgedeckte Leiche herum. Dass die Wohnungstüre offen steht, wundert Bergkamp nicht weiter. Erst nach einer Weile erfährt er, dass Sophie beim Aufhängen der Girlanden für ein bevorstehendes Fest aus dem Fenster stürzte.

Der Verlust seiner geliebten Tochter wirft Bergkamp aus der Bahn. Markus und der mit Johannes Bergkamp eng befreundete Nachbar, der Bauer Udo Messingschlager (Michael Hanemann), versuchen vergeblich, ihn davon abzuhalten, sich im Haus zu verkriechen und Erinnerungsfilme anzuschauen.

Als Bergkamp sich aufrafft, nach Köln fährt und im Polizeirevier die persönlichen Sachen seiner Tochter abholen möchte, sagt man ihm, dass Sophie gleich nach den Flitterwochen vom Dienst suspendiert wurde. Da wird ihm bewusst, dass er nichts über sie weiß. Um endlich mehr über seine Tochter zu erfahren, fängt er mit Nachforschungen an.

Die Wohnung des Ehepaars Richter steht leer, und von dem angeblichen Immobilienmakler Sven Richter fehlt jede Spur. Eine Polizistin, die Bergkamp bei der Hochzeitsfeier kennen lernte, erzählt ihm, Sophie habe sich im Dienst illegale Nebeneinnahmen verschafft, beispielsweise durch den Verkauf rückdatierter Versicherungspolicen an Leute, zu denen sie wegen eines Einbruchs gerufen wurde. Bei Sven Richter handele es sich um einen Kriminellen, der mit anderen zusammen größere Raubzüge unternehme.

Schließlich findet Bergkamp die Adresse von Svens Mutter (Ingeborg Westphal) heraus, aber sie heißt nicht Richter, sondern Martens und ist auch gar nicht verwandt mit ihm, sondern eine vom Hochzeitspaar engagierte Schauspielerin.

„Ich habe überhaupt keine Menschenkenntnis“, gesteht Johannes Bergkamp. „Ich habe mein ganzes Leben in der Verwaltung gearbeitet und mit Zahlen zu tun gehabt.“

Ausgerechnet während seiner Geburtstagsfeier erhält Bergkamp einen Anruf von Sven Richter. Bergkamp verlässt die von Udo Messingschlager arrangierte Party, um sich mit seinem Schwiegersohn zu treffen. Der behauptet, Sophie sei als Kind jahrelang sexuell missbraucht worden. Davon hat Bergkamp nie etwas gemerkt. Auch Markus ist überrascht. Wer soll der Täter gewesen sein? Bergkamp beginnt, jedem Mann im Dorf zu misstrauen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

In seiner Verzweiflung schaufelt er Sophies Grab aus. Daraufhin sorgt Udo Messingschlager dafür, dass er in eine psychiatrische Anstalt eingeliefert wird. Einige Zeit später besucht er seinen Freund und verhilft ihm zur Flucht.

Wo soll Bergkamp sich verstecken? In seinem Haus sucht man ihn zuallererst. Messingschlager meint, er könne ihn wegen seiner Frau Karin (Gitta Schweighöfer) nicht bei sich aufnehmen und rät ihm, Sven Richter anzurufen. Dessen Telefonnummer notierte er sich nach dem Anruf während der Geburtstagsfeier. Widerstrebend erklärt Sven sich bereit, seinen Schwiegervater für eine Nacht bei sich unterzubringen.

Als Bergkamp mit dem Auto seines Sohnes hinfährt, steht die Tür offen und Sven liegt mit eingeschlagenem Schädel am Boden. Ein durch einen anonymen Anruf alarmierter Nachbar sieht ihn wegrasen, verständigt die Polizei und beschreibt sowohl den Verdächtigen als auch dessen Fahrzeug. Die Ermittler finden rasch heraus, dass der Wagen Markus Bergkamp gehört und die Beschreibung auf dessen aus der Psychiatrie geflohenen Vater passt.

Während Bergkamp bei Frau Martens Zuflucht findet, beobachtet Markus, wie Udo Messingschlager nach Hause kommt, sich umzieht und augenscheinlich vorhat, die soeben getragenen Kleidungsstücke zu verbrennen. Es gelingt ihm, den Bauern abzulenken und die zum Teil mit Blut verschmierten Sachen an sich zu nehmen. Er übergibt sie der Polizei.

An dem Tag, an dem Sophie aus dem Fenster stürzte, wurde Messingschlagers Auto in Köln aufgeschrieben, weil es im Parkverbot stand.

Als Messingschlager keine Chance mehr sieht, erschießt er sich mit einem Gewehr.

Bergkamp hat auf schmerzliche Weise gelernt, wie wichtig sein bisher von ihm vernachlässigter Sohn Markus für ihn ist, und an der Seite von Frau Martens beginnt er ein neues Leben.

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In dem Film „Meine fremde Tochter“ porträtiert Manfred Stelzer einen pensionierten Verwaltungsbeamten, der erst im Alter merkt, dass ihm seine über alles geliebte Tochter von klein auf etwas vorspielte. Sie war ganz anders, als er sich das vorstellte, und er begreift, dass er nichts über sie wusste. Es ist beklemmend, diesem vom Götz George eindrucksvoll verkörperten Mann zuzusehen.

Gegen die Inszenierung ist nicht viel einzuwenden, aber das Drehbuch ist missraten, nicht nur, weil schon sehr früh zu ahnen ist, wer Sophie als Kind sexuell missbrauchte, denn es kommt dafür überhaupt nur eine Figur in Betracht, sondern mehr noch wegen unplausibler Zusammenhänge. Beispielsweise ist es unglaubwürdig, dass ein untergetauchter, von der Polizei gesuchter Krimineller wie Sven Richter seinen Schwiegervater anruft, um ihm zum Geburtstag zu gratulieren, sich dann mit ihm trifft und ihm später auch erklärt, wo er zu finden ist.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2008

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