No Man's Land

No Man’s Land

No Man's Land

No Man's Land – Originaltitel: No Man's Land / Ničija zemlja – Regie: Danis Tanović – Drehbuch: Danis Tanović – Kamera: Walther van den Ende – Schnitt: Francesca Calvelli – Musik: Danis Tanović – Darsteller: Branko Durić, Rene Bitorajac, Filip Šovagović, Georges Siatidis, Serge-Henri Valcke, Sacha Kremer, Simon Callow, Katrin Cartlidge u.a. – 2001; 95 Minuten

Inhaltsangabe

Der bosnische Soldat Čiki gerät zwischen die Fronten und wird durch die Wucht einer Granate in einen aufgegebenen Schützen­graben geschleudert, in den bald darauf zwei serbische Soldaten vordringen. Sie finden Čikis Kameraden Cera, halten ihn für tot und legen ihn auf eine Mine, die explo­dieren soll, sobald das Gewicht weg­genom­men wird. Als sie Čiki entdecken, schießt er, tötet einen der Serben und verletzt den anderen. Es stellt sich heraus, dass Cera nur bewusstlos war. Aber er darf sich nicht bewegen. Kann die UNPROFOR die drei Männer aus ihrer Lage befreien?
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Kritik

Mit der Groteske "No Man's Land", die sich wohltuend von bombasti­schen Antikriegsfilmen unter­scheidet, veranschaulicht Danis Tanović die Absurdität des Krieges. Zugleich prangert er die Sensations­gier der Medien und die Rolle der Blauhelmsoldaten an.
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Eine Gruppe bosnischer Soldaten, die Kameraden an der Front ablösen soll, verirrt sich 1993 im nächtlichen Nebel. Am nächsten Morgen, als ein Sommertag mit Bilderbuchwetter anbricht, stellen die Männer fest, dass sie zwischen die Fronten geraten sind. Sie befinden sich im Niemandsland – No Man’s Land. Kaum haben sie das begriffen, eröffnen die Serben das Feuer auf sie. Die Männer rennen über eine grüne Wiese und werden der Reihe nach abgeschossen. Die Wucht einer Granate schleudert Čiki (Branko Durić) in einen verlassenen Schützengraben. Er ist an der Schulter verletzt, aber er lebt.

Kurz darauf schicken die Serben zwei Männer zur Erkundung des aufgegebenen Schützengrabens: einen erfahrenen Besserwisser und einen schüchternen Neuling mit Brille. Letzterer heißt Nino (Rene Bitorajac). Čiki kann sich gerade noch in einem Unterstand verstecken. Allerdings muss er das Gewehr, das er einem Toten abgenommen hat, draußen liegen lassen. Die beiden Serben schauen zwar in den Unterstand, entdecken ihn jedoch nicht.

In der Nähe finden sie einen vermeintlich toten Bosnier. Den tragen sie vor den Unterstand. Der erfahrene Soldat zeigt dem Neuling, wie man eine Schrapnellmine scharf macht, nachdem man eine Leiche darauf gelegt hat. Die Sprengfalle wird erst explodieren, wenn die Last weggenommen wird, wahrscheinlich also in dem Augenblick, in dem Bosnier ihren toten Kameraden bergen wollen.

Während die beiden Serben außer Sichtweite waren, holte Čiki das Gewehr. Das Fehlen der Waffe fällt nun Nino auf, und er weist seinen Kameraden darauf hin. Čiki hört es, springt aus dem Unterstand und schießt. Der ältere Serbe ist sofort tot. Nino krümmt sich mit einer Bauchverletzung am Boden. Čiki legt aus nächster Nähe nochmals auf ihn an, bringt es jedoch nicht fertig, den Wehrlosen zu töten.

Unerwartet kommt der Totgeglaubte zu sich. Čikis Kamerad Cera (Filip Šovagović) ist nicht einmal schwer verletzt. Er war nur bewusstlos. Als er aufzustehen versucht, drücken ihn die beiden anderen Soldaten zu Boden und erklären ihm, dass er auf einer Mine liege und sich nicht bewegen dürfe.

Als Čiki durch seinen Kameraden abgelenkt ist, reißt Nino das Gewehr an sich. Damit kehren sich die Machtverhältnisse um: Während Nino zuvor von Čiki gezwungen wurde, einzugestehen, dass die Serben den Krieg begannen, bringt er nun den Entwaffneten dazu, die Schuld der Bosnier zu bekennen. Aber Ninos Überlegenheit ist von kurzer Dauer. Bald verfügen sowohl er als auch Čiki über je ein Gewehr.

Schließlich geht Nino auf Čiki zu, streckt ihm die Hand hin und nennt seinen Namen. Čiki zögert. Dann fragt er sarkastisch: „Sollen wir jetzt auch noch die Visitenkarten tauschen?“ Und er fährt fort: „Wenn wir uns wiedersehen, dann durchs Zielfernrohr.“

Später finden die beiden heraus, dass sie vor dem Krieg in Banja Luka dasselbe Mädchen kannten: Nino ging mit Sonja zur Schule, und Čiki war mit ihr befreundet.

Wer soll die Mine entschärfen und die drei Männer aus ihrer Lage befreien? Sie setzen auf die UNPROFOR. Um auf sich aufmerksam zu machen, ohne beschossen zu werden oder die Nationalität zu verraten, ziehen sich Čiki und Nino bis auf die Unterhose aus, klettern aus dem Schützengraben und hüpfen eine Weile davor herum.

Wie erwartet, unterrichten sowohl die Bosnier als auch die Serben die UNPROFOR über den seltsamen Vorgang an der Front. Der zuständige französische Captain Dubois (Serge-Henri Valcke) fragt bei einem in der Nähe stationierten UN-Beobachtungsposten nach, schärft den Blauhelmsoldaten aber ein, nichts ohne seinen Befehl zu unternehmen. Es sei nicht ihre Aufgabe, in die Vorgänge einzugreifen.

Weil seine unmittelbaren Vorgesetzten bei einem Medienseminar in Genf sind, wendet sich Captain Dubois an den zuständigen Colonel in Zagreb. Soft (Simon Callow) weist ihn darauf hin, dass sich die UN-Truppen nicht selbst in Gefahr bringen dürfen. Das könne man wegen ein paar zwischen die Fronten geratenen Männern auch nicht erwarten.

Der französische Sergeant Marchand (Georges Siatidis) ist jedoch der Meinung, dass man mit Nichtstun auch Partei ergreife. Gegen den Befehl macht er sich mit zwei von seinen Männern in einem weißen Transportpanzer mit UN-Kennzeichen auf den Weg zu der Stelle, an der die Männer in Unterhosen gesehen wurden. Er ist überzeugt, dass dort jemand Hilfe benötigt und diese auch von der UN-Schutztruppe geleistet werden muss. Auf dem Weg durch die Frontlinien und vor Ort gibt es zwar Verständigungsprobleme, weil die drei französischen Blauhelmsoldaten außer ihrer Muttersprache nur Englisch können und keine der beiden Sprachen von den Serben und Bosniern gesprochen wird, auf die sie treffen. Immerhin begreift Marchand, dass da ein Mann auf einer Mine liegt. Bei der Anforderung eines Sprengstoffexperten muss Marchand seinen Standort durchgeben. Captain Dubois gerät außer sich, als er erfährt, dass der Sergeant sich nicht an seinen ausdrücklichen Befehl gehalten hat. Statt die Anforderung weiterzugeben, befiehlt er Marchand, unverzüglich zurückzukehren und sich bei ihm zu melden.

Bevor die Blauhelmsoldaten losfahren, bieten sie Čiki und Nino an, sie mitzunehmen. Čiki will jedoch seinen Kameraden nicht im Stich lassen, und weil die Anwesenheit von Nino vor einem serbischen Angriff schützt, fordert er ihn auf, ebenfalls zu bleiben. Als Nino dennoch zum Transportpanzer geht, schießt Čiki ihm ins Bein.

Auf dem Rückzug stoßen Marchand und seine Männer auf die britische Kriegsberichterstatterin Jane Livingstone (Katrin Cartlidge) und deren Kameramann (Primoz Ranik), die durch das eigentlich verbotene Abhören des Funkverkehrs von der Anforderung eines Sprengstoffexperten erfuhren. Marchand ergreift die Chance, seinen Vorgesetzten unter Druck zu setzen: Er ermöglicht es Jane, über Funk mit dem Captain zu sprechen. Sie droht damit, in einer halben Stunde mit der Meldung auf Sendung zu gehen, dass die Vereinten Nationen einem zwischen den Fronten auf einer Mine liegenden Mann nicht helfen.

Weitere Reporter, die den Funkverkehr abhören, treffen ein.

Um nicht an den TV-Pranger gestellt zu werden, ordnet Captain Dubois an, dass Marchand wieder zu dem Schützengraben im No Man’s Land fährt und lässt sich auch selbst hinbringen. Die Blauhelm-Soldaten kommen gerade noch rechtzeitig, denn Nino hat sich mit einem Messer auf Čiki gestürzt. Die Franzosen trennen den Serben und den Bosnier voneinander. Ein wenig später hebt Čiki das Messer unbemerkt auf und steckt es in den Stiefel.

Ein deutscher Sprengstoffexperte (Branko Zavrsan) trifft auf die Minute pünktlich ein. Alle bis auf ihn und Cera müssen sich nun aus Sicherheitsgründen von der Mine entfernen. Ungeachtet dieser Anordnung werden Jane und ihr Kameramann vom Sendeleiter gedrängt, eine Nahaufnahme des auf der Mine liegenden Soldaten zu liefern.


Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.


Colonel Soft trifft mit einem Helikopter ein. Als er hört, dass die Mine nicht entschärft werden kann, ist ihm vor allem wichtig, dass die Presse nichts von der Aussichtslosigkeit des Einsatzes erfährt. Deshalb schickt er den Sprengstoff­experten mit dem Befehl zurück, so zu tun, als arbeite er weiter. Soft will Zeit gewinnen und lädt die Journalisten zu einer Pressekonferenz am Abend in einem Hotel ein.

Inzwischen hat sich Čiki unbemerkt die Pistole eines toten Soldaten genommen. Plötzlich fuchtelt er damit herum, bedroht die Umstehenden und erschießt Nino. Im nächsten Augenblick wird er selbst von einem Blauhelm-Soldaten getötet. Die Reporter, die den Schusswechsel gefilmt haben, sind begeistert.

Der Colonel lässt außer den beiden Leichen eine mit einem Tuch bedeckte Trage zum Hubschrauber bringen und täuscht auf diese Weise die Rettung des Mannes vor, der auf der Mine lag.

Tatsächlich achtet er darauf, dass niemand sich dem Schützengraben nähert und ordnet den Abzug an. Alle verlassen den Schauplatz. Cera bleibt allein zurück. Er liegt noch immer auf der Mine, die zu explodieren droht, sobald er sich bewegt.

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„No Man’s Land“ ist ein Antikriegsfilm, eine Groteske, mit der Danis Tanović die Absurdität nicht nur der Balkankriege, sondern jedes Kriegs veranschaulicht. Zugleich prangert er die skrupellose Sensationsgier der Medien an und kritisiert die Rolle der Vereinten Nationen.

Die im Februar 1992 vom UN-Sicherheitsrat aufgestellte UNPROFOR (United Nations Protection Force) hatte den Auftrag, den Waffenstillstand in den von serbischen Truppen gehaltenen Gebieten von Kroatien, Bosnien und Herzegowina zu überwachen. Die UNPROFOR verhinderte beispielsweise nicht, dass serbische Truppen unter General Ratko Mladić am 11. Juli 1995 die muslimische Enklave Srebrenica eroberten und schätzungsweise 8000 Bosnier ermordeten.

Die Handlung von „No Man’s Land“ spielt auf kleinstem Raum. Es gibt kein Pathos, keine Helden und keine größeren Kampfhandlungen. Damit unterscheidet sich „No Man’s Land“ wohltuend von Antikriegsfilmen aus Hollywood. Ein Kunstwerk ist der Film allerdings auch nicht. Dazu ist er bei aller Absurdität und Situationskomik zu plump und in seiner „Message“ zu direkt.

„No Man’s Land“, der erste Spielfilm des bosnischen Regisseurs Danis Tanović (* 1969), gilt als der am häufigsten ausgezeichnete Film in der Filmgeschichte des Balkans. Danis Tanović erhielt beispielsweise bei den 54. Internationalen Filmfestspielen von Cannes im Mai 2001 den Preis für das beste Drehbuch. Im folgenden Jahr gewann „No Man’s Land“ den „Oscar“ für den besten fremdsprachigen Film und stach damit „Die fabelhafte Welt der Amélie“ aus.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2014

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