Thomas Becket


Als König Heinrich I. von England (1068 – 1135; 1100 – 1135), der jüngste Sohn von Wilhelm dem Eroberer (ca. 1027 – 1087; 1035/66 – 1087), 1135 starb, erbte zwar eigentlich seine Tochter Mathilde (1102 – 1167) den Thron, aber sie konnte sich nicht gegen Heinrichs Neffen Stephan I. von Blois (ca. 1095 – 1154; 1135 – 1154) durchsetzen. Immerhin erreichte sie, dass der Usurpator ein Jahr vor seinem Tod ihren Sohn Heinrich als Thronfolger akzeptierte.

König Heinrich II. (1133 – 1189; 1154 – 1189) begründete die nach seinem Vater Gottfried V., Graf von Anjou-Plantagenet, benannte Dynastie, die England bis 1399 regierte. Er straffte die Zentralverwaltung und stärkte die Königsmacht gegenüber den Baronen.

Dabei unterstützte ihn ein Mann, der ihm von Erzbischof Theobald von Canterbury empfohlen worden war: Thomas Becket (1118 – 1170). Heinrich II. ernannte den Archidiakon 1155 zum Lordkanzler.

Thomas Becket, der Sohn eines angesehenen Londoner Kaufmanns, hatte in Paris, Bologna und Auxerre Jura und Theologie studiert, bevor er mit zweiundzwanzig nach England zurückgekehrt war.

Die umfassende Bildung, das selbstsichere Auftreten und die Entschlusskraft des fünfzehn Jahre Älteren beeindruckte den König. Verwundert beobachtete der Erzbischof von Canterbury, wie sich sein bisheriger Schützling als Lordkanzler und Erzieher des Kronprinzen zum leidenschaftlichen Anwalt königlicher Interessen machte. Zwischen Heinrich II. und Thomas Becket entwickelte sich eine enge persönliche Freundschaft; der Kanzler beteiligte sich an dem verschwenderischen Hofleben und war offenbar irdischen Genüssen nicht abgeneigt.

Als Erzbischof Theobald von Canterbury am 18. April 1161 starb, sah König Heinrich II. die Gelegenheit, seine weltliche Macht und die der Kirche zu verbinden, indem er die widerstrebenden Bischöfe dazu brachte, Thomas Becket als Nachfolger des Verstorbenen zu akzeptieren. Wenige Tage nach seiner Priesterweihe wurde Thomas Becket am 3. Juni 1162 von Bischof Heinrich von Winchester zum Erzbischof von Canterbury geweiht.

Aber sobald Thomas Becket das geistliche Amt übernommen hatte, trat er gegen den Willen des Königs als Kanzler zurück, mutierte von einem Tag auf den anderen zum Asketen und vertrat nun die Interessen der Kirche ebenso tatkräftig wie zuvor die Belange der Monarchie. Beispielsweise verlangte er die von der Krone eingezogenen geistlichen Güter zurück und exkommunizierte alle, die sich widersetzten.

Weil die Bischöfe einen Kirchenkampf vermeiden wollten, gelang es Heinrich II. auf einem Reichstag im Januar 1164, die Kleriker der königlichen Gerichtsbarkeit zu unterwerfen (Konstitution von Clarendon). Im Gegensatz zu den anderen Kirchenfürsten weigerte sich Thomas Becket, das Dokument zu unterzeichnen. Daraufhin erwirkte der König, dass seinem Widersacher die ertragreichsten Besitztümer abgesprochen wurden. In der Nacht vom 1./2. November 1164 floh Thomas Becket nach Frankreich und zog sich in das Zisterzienserkloster Pontigny zurück.

Papst Alexander III. drängte den englischen König, Thomas Becket wieder im Amt des Erzbischofs von Canterbury anzuerkennen und ihn für seine Verluste zu entschädigen.

1170 kehrte Thomas Becket nach Canterbury zurück und brannte darauf, seine Macht neu zu entfalten und für die Libertas ecclesiae zu kämpfen. Heinrich II., der sich in Frankreich aufhielt, rief zornig: „Was habe ich für erbärmliche Diener, dass keiner da ist, mich von diesem Pfaffen zu befreien!“ Da brachen vier Ritter nach England auf, trafen am 29. Dezember 1170 in Canterbury ein, stellten den Erzbischof zur Rede und erschlugen ihn danach am Altar der Kathedrale.

1173 wurde Thomas Becket heilig gesprochen.

Seine Biografie inspirierte u. a. Thomas Stearns Eliot („Mord im Dom“, 1935) und Jean Anouilh („Becket oder die Ehre Gottes“, 1959) zu Theaterstücken.

© Dieter Wunderlich 2004

Gerhard Falkner - Apollokalypse
Identitätsverlust, Spiegelung und Verdoppelung sind Leitmotive des furiosen Romans "Apollokalypse". Dem Lyriker Gerhard Falkner geht es weniger um Inhalt als um Sprach­magie. Manchmal über­treibt er das Spiel mit ein­falls­reichen For­mu­lie­run­gen, hoch­auf­geladenen Sätzen und be­deu­tungs­schweren Metaphern.
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