Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Das Mädchen mit dem Perlenohrring

Das Mädchen mit dem Perlenohrring - Originaltitel: Girl With a Pearl Earring - Drehbuch: Olivia Hetreed, nach dem Roman "Das Mädchen mit dem Perlenohrring" von Tracy Chevalier - Kamera: Eduardo Serra - Schnitt: Kate Evans - Musik: Alexandre Desplat - Darsteller: Scarlett Johansson, Colin Firth, Cillian Murphy, Essie Davis, Alakina Mann, Tom Wilkinson, Judy Parfitt, Joanna Scanlan, Chris McHallem, Gabrielle Reidy, Rollo Weeks, Anna Popplewell, Geoff Bell u.a. - 2003; 100 Minuten

Inhaltsangabe

Jan Vermeer bemerkt das ästhetische Gespür der Dienstmagd Griet. Obwohl der angesehene Künstler und die Analphabetin ganz verschiedenen Gesellschaftsschichten angehören, fühlt Jan Vermeer sich von Griet inspiriert und zeigt ihr, wie sie die kostenbaren Farben mischen soll. Die unschickliche Vertrautheit erzürnt Vermeers eifersüchtige Ehefrau und sorgt in Delft für Klatsch ...
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Kritik

"Das Mädchen mit dem Perlenohrring" ist ein Sittengemälde der niederländischen Ständegesellschaft im Barockzeitalter. Die Filmemacher achteten auf die bis ins Detail historisch korrekte Ausstattung und eine kunstvolle Gestaltung der Bilder.
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Delft 1665: Als Griets (Scarlett Johansson) Vater (Chris McHallem), der Kacheln bemalt, bei der Explosion eines Brennofens erblindet und nicht mehr für den Lebensunterhalt der Familie sorgen kann, muss die Siebzehnjährige in dem düsteren Haus des introvertierten Künstlers Jan Vermeer (Colin Firth), dessen eitler Ehefrau Catharina (Essie Davis) und seiner aufs Geld bedachten Schwiegermutter Maria Thins (Judy Parfitt) eine Stelle als Dienstmagd annehmen. Die Bedienstete Tanneke (Joanna Scanlan) weist Griet in ihre Aufgaben ein: Putzen, Waschen, Einkaufen, Geschirr spülen usw.

Catharina Vermeer hat bei Griets Eintreffen sechs Kinder und bekommt regelmäßig weitere dazu. Cornelia (Alakina Mann), die älteste Tochter, belauert die neue Magd, verschmiert schon mal aus Bosheit die frisch gewaschene und zum Trocknen aufgehängte Bettwäsche mit Lehm und versteckt einen Schildpattkamm ihrer Mutter, damit Griet als Diebin verdächtigt wird.

Im Atelier Jan Vermeers begeistert Griet sich für die Malerei, die es ihr ermöglicht, vorübergehend die Welt zu vergessen, in der sie fortwährend gedemütigt wird. Obwohl Jan Vermeer und Griet ganz verschiedenen Gesellschafts- und Bildungsschichten angehören, gewinnt die junge Frau allmählich die Zuneigung des angesehenen Künstlers; er fühlt sich von Griet inspiriert und zeigt ihr, wie sie die kostbaren Farben mischen soll. Die unschickliche Vertrautheit der beiden erregt Catharinas Zorn und Eifersucht und sorgt in Delft für Klatsch.

Pieter (Cillian Murphy), der Sohn des Fleischers Paul vom Markt (Geoff Bell), verliebt sich in Griet, und nach einiger Zeit lässt sie sich von ihm bei einem sonntäglichen Spaziergang küssen.

Aber auch Jan Vermeers Mäzen Peter van Ruijven (Tom Wilkinson), der für seine Frauengeschichten bekannt ist, hat ein Auge auf Griet geworfen. Einmal überrascht er sie beim Wäscheaufhängen, drängt sie gegen eine Hauswand und versucht, sie zu küssen und zu begrapschen. Es ist Griet deshalb gar nicht recht, dass Jan Vermeer für Pieter van Ruijven ein Bildnis von ihr malen soll, aber der Künstler wird von seiner um die finanziellen Verhältnisse besorgten Schwiegermutter gedrängt, es sich mit seinem Gönner nicht zu verderben. Catharina Vermeer darf nichts davon erfahren, schon gar nicht, dass Griet bei den Sitzungen für das Porträt einen ihrer Perlenohrringe tragen soll, weil der Maler Griets Augen mit einem dritten hellen Punkt an ihrem linken Ohr kombinieren möchte. Das Loch für den Perlenohrring sticht Jan Vermeer eigenhändig – und natürlich denkt man dabei an eine Defloration. „Sie haben in mich hineingesehen“, wundert sich Griet, als sie das halbfertige Porträt betrachtet.

Bevor Jan Vermeer seinem Auftraggeber „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ liefern kann, verrät Cornelia ihrer Mutter, dass er die Magd gemalt hat. Aufgebracht eilt Catharina ins Atelier und verlangt, das Bild zu sehen. Sie kann es kaum fassen, dass ihr Mann eine Dienstmagd porträtierte und das Mädchen dabei auch noch einen ihrer Perlenohrringe trug. Zornig wirft sie Griet aus dem Haus, und Jan Vermeer lässt es geschehen, obwohl er darunter leidet.

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Über das Leben des niederländischen Barockmalers Jan Vermeer (1632 – 1675) wissen wir sehr wenig. Gesichert ist, dass er mit achtzehn heiratete und im Lauf der Zeit auch für elf Kinder zu sorgen hatte. Da der Perfektionist lange an einem Gemälde arbeitete, nie mehr als drei Bilder in einem Jahr vollendete und deshalb nur wenig verkaufen konnte, hinterließ er seiner Witwe am Ende hohe Schulden.

Handarbeitende, musizierende, lesende oder plaudernde Frauen in vornehmen Innenräumen hielt Jan Vermeer auf seinen stillen, ruhigen und ausgewogenen Genrebildern fest. Durch ein Fenster fallendes Licht bringt stimmungsvolles Leuchten in die idyllischen Darstellungen. Auf seinen Bildern duldete Jan Vermeer „kein lautes Leben, keine bunte Deftigkeit, keine Kinder, keine überbordenden Accessoires, keine auftrumpfenden Erzählungen“ (Verena Auffermann in: Süddeutsche Zeitung, 25. November 1995).

Eines seiner bedeutendsten Werke ist „Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ aus den Sechzigerjahren des 17. Jahrhunderts, das Porträt einer jungen Frau, die den Betrachter melancholisch lächelnd und zugleich wissbegierig über ihre linke Schulter hinweg anblickt.

Über die Entstehung dieses Gemäldes schrieb Tracy Chevalier (*1962) den weitgehend frei erfundenen Roman „Girl with a Pearl Earring“, der 1999 veröffentlicht wurde und im Jahr darauf auch in einer deutschen Übersetzung von Ursula Wulfekamp herauskam („Das Mädchen mit dem Perlenohrring“). Peter Webber – der selbst sechs Semester Kunstgeschichte studiert hatte – verfilmte die literarische Vorlage.

Malerei war immer wichtig für mich. Als Filmemacher haben wir doch die gleichen Probleme wie die Maler: Komposition, visuelles Storytelling, Ausleuchtung, Kadrierung. Bei den Filmen kommt halt die Bewegung dazu. (Peter Webber)

„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ ist ein Sittengemälde der niederländischen Ständegesellschaft im Barockzeitalter. Dementsprechend achteten die Filmemacher besonders auf die bis ins Detail historisch korrekte Ausstattung. Zu einem Film über einen Künstler wie Jan Vermeer passt es auch, dass Eduardo Serra mit der kaum bewegten Kamera kunstvoll arrangierte und ausgeleuchtete Bilder komponierte, die wie Barockgemälde wirken.

Den beiden Hauptdarsteller Colin Firth und Scarlett Johansson gelingt es vorzüglich, das Verhältnis von Jan Vermeer und seiner Dienstmagd Griet in der Schwebe zu halten. Ihre starken Emotionen verraten sich nur in kleinen Gesten.

Gedreht wurde von November 2002 bis Januar 2003 in Luxemburg und in den Niederlanden.

„Das Mädchen mit dem Perlenohrring“ wurde für drei „Oscars“ nominiert: Kamera (Eduardo Serra), Ausstattung (Ben Van Os und Cecile Heidman) und Kostüme (Dien van Straalen).

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2004

Richard Kämmerlings - Das kurze Glück der Gegenwart
Der Stil des Buches "Das kurze Glück der Gegenwart" ist feuilletonistisch. Richard Kämmerlings leitet jedes Kapitel mit einer gesellschafts-politischen Bestandsaufnahme ein und beschäftigt sich dann mit entsprechenden Beispielen aus der deutschsprachigen Literatur seit '89.
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Richard Kämmerlings

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