Ein Dorf sieht Mord

Ein Dorf sieht Mord

Ein Dorf sieht Mord

Originaltitel: Ein Dorf sieht Mord – Regie: Walter Weber – Drehbuch: Thomas Oliver Walendy, nach Motiven des Romans "In unnütz toller Wut" von Maarten 't Hart – Kamera: Volker Tittel – Schnitt: Simone Hofmann – Musik: Fabian Römer – Darsteller: Lavinia Wilson, August Zirner, Corinna Harfouch, Thomas Thieme, Rainer Piwek, Peter von Strombeck, Hans-Uwe Bauer, Jochen Nickel, Denise Virieux, Beata Lehmann, Svea Lohde, Dagmar Laurens u.a. – 2009; 90 Minuten

Inhaltsangabe

Lotte Feininger kommt in ein Dorf im Wendland. Der Bürgermeister erwartet sich von der jungen Fotografin einer schöne Reportage in einem Reisemagazin. Kurz nachdem Lotte den Mechaniker Bruno Janssen in seiner Werkstatt fotografiert hat, liegt er tot unter einem Auto. Auch Ralf Benkhöh, den Lotte als Nächsten fotografiert, stirbt scheinbar durch einen Unfall. Obwohl der Schriftsteller Martin Selig die geheimnisvolle Fremde für die Mörderin hält, verliebt er sich in sie ...
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Kritik

Das Drehbuch für "Ein Dorf sieht Mord" wurde nach Motiven des Romans "In unnütz toller Wut" von Maarten 't Hart geschrieben. Die Handlung des Films ist großenteils unrealistisch und unplausibel. Sehenswert ist er wegen der hochkarätigen Besetzung.
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Ein Dorf im Wendland. Als der alkoholkranke Wilderer Uli Barkemeier (Hans-Uwe Bauer) mit einem auf der Ladefläche seines Pick-ups unter einer Plane versteckten Reh nach Hause fährt und sich nach rechts unten beugt, um eine Bierdose zu erreichen, stößt er beinahe mit einem entgegenkommenden roten Cabrio zusammen. Im Sportwagen sitzt die junge Fotografin Lotte Feininger (Lavinia Wilson) aus Bremen, die sich bereits telefonisch beim Bürgermeister und Gastwirt Franz Wellbrock (Thomas Thieme) anmeldete und ihm eine Touristen anlockende Fotoreportage in einem Hochglanz-Reisemagazin versprach. Wellbrock feiert gerade mit seiner Frau Helga (Beata Lehmann), seinem Freund Martin Selig (August Zirner), der Pastorin Maria Bonk (Corinna Harfouch) und den übrigen Dorfbewohnern die Taufe seines fünften Kindes.

Martin Selig kam vor fünf Jahren ins Dorf, um hier ungestört einen Roman zu schreiben. Er hat zwar noch keinen Plot, aber Wellbrock verschafft ihm unter fiktiven Autorennamen Literaturstipendien. Bald nach seiner Ankunft im Dorf wurde die Pastorin Maria Bonk seine Lebensgefährtin, aber sie wohnen getrennt, und Martin verweigert ihr auch einen Schlüssel zu seinem Haus.

Wellbrock treibt es so oft wie möglich mit Rita Janssen (Denise Virieux), der Ehefrau des Mechanikers Bruno Janssen (Peter von Strombeck), der die einzige Autowerkstatt im Dorf betreibt. Einmal seufzt Wellbrock nach dem Orgasmus: „Oh Mann, den ganzen Nachmittag verbumst! Muss nach Hause!“

Lotte Feininger sucht Janssen in seiner Werkstatt auf und fotografiert ihn bei der Arbeit. Nebenbei fragt sie ihn über seine Beteiligung an der „Republik Freies Wendland“ aus, ein Hüttendorf, das Demonstranten der Anti-Atomkraft-Bewegung auf dem Gelände der Tiefbohrstelle 1004 bei Gorleben im Mai 1980 errichtet hatten, das jedoch bereits am 4. Juni gewaltsam von der Polizei geräumt wurde.

Ein, zwei Stunden später sucht Rita Janssen nach ihrem Mann und findet ihn tot unter einem Auto liegend in der Werkstatt. Es sieht nach einem Unfall aus. Martin hebt heimlich einen Objektivdeckel auf, den er auf dem Boden der Werkstatt findet und steckt ihn ein. Rita fällt auf, dass der Tote das Schweißgerät in der rechten Hand hat. Dabei war ihr Mann Linkshänder. Das behält sie allerdings für sich. Sie ist erleichtert über die neu gewonnene Freiheit.

Als Nächsten fotografiert Lotte den Zimmermann Ralf Benkhöh (Jochen Nickel). Er hatte das Freundschaftshaus in der „Republik Freies Wendland“ gebaut.

Seine Leiche wird bald darauf entdeckt. Es sieht so aus, als sei Benkhöh gestürzt. Dem Dorfpolizist Holger Kramer (Rainer Piwek) kommt es verdächtig vor, dass zwei Handwerker kurz hintereinander verunglückt sein sollen, aber Bürgermeister Wellbrock bringt ihn dazu, trotz seiner Bedenken zuzustimmen, dass es sich um zwei Unfälle gehandelt habe.

Wellbrock ist nicht entgangen, dass Martin in der Autowerkstatt und in Benkhöhs Haus etwas einsteckte. Bei Benkhöh war es eine CD von „The Doors“. Deren Musik war schon öfter aus Lottes Cabrio zu hören.

Der Bürgermeister wirft die verdächtige Fotografin aus seinem Gasthof. Martin nimmt sie bei sich auf. Ihm ist längst klar, dass die junge Frau nicht gekommen ist, um eine Fotoreportage über das Dorf zu machen. Er vermutet, dass sie Janssen und Benkhöh ermordete, um aus irgendeinem Grund Rache zu nehmen. Obwohl er sie für gefährlich hält, hat er sich in die geheimnisvolle Fremde verliebt. Und sie inspiriert ihn zu einem Roman.

Lotte schläft mit ihm. Während sie am nächsten Morgen noch im Bett liegt, durchsucht Martin ihre Sachen und findet nicht nur eine Pistole, sondern auch ein Foto, auf dem die Köpfe von Janssen und Benkhöh sowie der eines dritten Mannes umkringelt sind. Neben den Männern erkennt er Ute Landauer auf dem Bild. Das war eine der führenden Aktivistinnen in der „Republik Freies Wendland“. Dass man Molotow-Cocktails bei ihr fand, nahm die Polizei zum Anlass, das Hüttendorf zu räumen. Ute Landauer wurde schließlich als Terroristin zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt und nahm sich in der Gefängniszelle das Leben [Suizid].

Als Lotte merkt, dass Martin das Foto gesehen hat, gibt sie sich als Ute Landauers Tochter zu erkennen. Sie wurde in der Haftanstalt geboren und wuchs bei Pflegeeltern auf. Die Molotow-Cocktails habe man ihrer Mutter untergeschoben, meint sie, und der Verräter sei auf dem Foto abgebildet. Allerdings hat sie noch nicht herausgefunden, wer der dritte Mann auf dem Bild ist. Martin verrät es ihr: Stefan Kramer, der Bruder des Dorfpolizisten. Er kam vor einiger Zeit bei einer Demonstration gegen einen Castor-Transport ums Leben. Seine Mutter Rosa Kramer (Dagmar Laurens) beteuert, ihr Sohn habe Ute Landauer nicht verraten, im Gegenteil: Er habe sie verehrt und sei wegen ihr Demonstrant geworden.

Janssen und Benkhöh waren offenbar auch keine Verräter.

Martin weist Lotte darauf hin, dass es auf dem Foto indirekt noch einen vierten Mann zu sehen gibt: den Schatten des Fotografen. Um wen es sich dabei handelt, kann er auch nicht sagen.

Wenn Sie noch nicht erfahren möchten, wie es weitergeht,
überspringen Sie bitte vorerst den Rest der Inhaltsangabe.

Während Martin bei Maria ist, die zugibt, mit Ute Landauer befreundet gewesen zu sein, kommt der Bürgermeister zu seinem Haus. Lotte lässt ihn ein, und entschuldigt sich für den Hinauswurf. Als er erwähnt, er habe als junger Mann viel fotografiert und sei damals „Schattenmann“ genannt worden, weil auf den Bildern häufig sein Schatten zu sehen gewesen sei, holt Lotte ihre Pistole und zwingt Wellbrock, ihr die Arme hinzuhalten, damit sie ihn mit Klebeband fesseln kann. Dabei löst sich ein Schuss und trifft Wellbrock in die rechte Hand. Ohne Mitleid zu zeigen, stößt Lotte ihn ins Cabrio, und er muss trotz seiner schmerzenden Hand mit ihr zu der Stelle fahren, an der sich vor achtundzwanzig Jahren die „Republik Freies Wendland“ befand. Hier beabsichtigt Lotte, ihn zu erschießen.

Bevor sie abdrücken kann, kommt Martin gelaufen. Er sah das Auto des Bürgermeisters vor seinem Haus stehen und konnte sich denken, wohin Lotte mit ihm gefahren war. Deshalb raste er mit Wellbrocks Wagen hinterher. Martin weiß inzwischen, dass Lotte eine uneheliche Tochter Wellbrocks ist und klärt die beiden darüber auf. In diesem Augenblick fällt ein Schuss, und Lotte bricht zusammen. Sie stirbt während der Fahrt zum Krankenhaus im Auto.

Kurz darauf wird Uli Barkemeier verhaftet. Er erschoss die junge Frau mit einem Gewehr.

Martin schreibt über Lottes Aufenthalt im Dorf einen Roman.

Dass Franz Wellbrock, der damals beim Bundesgrenzschutz war, eine Affäre mit Ute Landauer hatte, ist nicht alles, was er herausfand. Außerdem weiß er, dass Wellbrock seiner Geliebten die Molotow-Cocktails unterschob und sie dann an die Polizei verriet. Der Schatten auf dem Foto stammt von ihm. Als Lotte ins Dorf kam und Wellbrock Enthüllungen befürchten musste, ermordete er die beiden Mitwisser Bruno Janssen und Ralf Benkhöh. Wellbrock hofft, dass sein Freund ihn nicht verraten werde, aber Martin meint: „Der Teufel muss bestraft werden.“

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Das Drehbuch für den von Walter Weber inszenierten Film „Ein Dorf sieht Mord“ schrieb Thomas Oliver Walendy nach Motiven des Romans „In unnütz toller Wut“ von Maarten ‚t Hart („Lotte Weeda“, Übersetzung: Gregor Seferens, Piper Verlag, München 2004, ISBN 3-492-04636-3, 348 Seiten, 19.90 €). Allerdings verlegte er die Handlung von Monward im Süden der Niederlande ins Wendland, und die Fotografin heißt nicht mehr Lotte Weeda, sondern Lotte Feininger. Außerdem kommt sie nicht aus Indonesien, sondern aus Bremen. In der literarischen Vorlage porträtiert Lotte Weeda zweihundert Bewohner von Monward für einen Fotoband. Und dann stirbt einer der Abgebildeten nach dem anderen … Gemeinsam ist Buch und Film, dass eine Fremde in ein scheinbar idyllisches Dorf kommt und ein Beben auslöst.

„Ein Dorf sieht Mord“ verbindet den Plot mit einem Meilenstein in der Geschichte der Anti-Atomkraft-Bewegung, dem von Mai bis Anfang Juni 1980 bei Gorleben eingerichteten Hüttendorf „Republik Freies Wendland“.

Die Handlung ist großenteils unrealistisch und unplausibel. Sehenswert ist „Ein Dorf sieht Mord“ wegen der hochkarätigen Besetzung und der schillernden Darstellung von Lavinia Wilson.

Walter Weber verfilmte zuvor bereits den Roman „Die Sonnenuhr“ von Maarten ‚t Hart: „Das geheime Leben meiner Freundin“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2009

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