Buddenbrooks

Buddenbrooks

Buddenbrooks

Originaltitel: Buddenbrooks - Regie: Alfred Weidenmann - Drehbuch: Erika Mann, Harald Braun, Jacob Geis, nach dem Roman "Buddenbrooks" von Thomas Mann - Kamera: Friedl Behn-Grund - Schnitt: Cas van den Berg - Musik: Werner Eisbrenner - Darsteller: Liselotte Pulver, Hansjörg Felmy, Nadja Tiller, Lil Dagover, Werner Hinz, Robert Graf, Gustav Knuth, Rudolf Platte, Günther Lüders, Joseph Offenbach, Helga Feddersen, Hans Leibelt, Walter Sedlmayr, Paul Hartmann, Wolfgang Wahl, Carsta Löck u.a. - 1959; 195 Minuten

Inhaltsangabe

Die Familiengeschichte zeigt den Niedergang der ehrbaren Lübecker Kaufmannsfamilie Buddenbrook, die bald nach dem 100-jährigen Firmenjubiläum durch den frühen Tod des kränklichen, Musik liebenden Hanno ausstirbt, während der neureiche, skrupellose Unternehmer Wagenström sein Geschäft zum Erfolg führt.
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Kritik

Unter Mitwirkung von Thomas Manns Tochter Erika kondensierten die Drehbuchautoren aus dem komplexen Familienroman "Buddenbrooks" einen zweiteiligen Spielfilm. Das ging nicht ohne gravierende Änderungen und den Verzicht auf einige Schlüsselszenen.
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Die Buddenbrooks sind eine angesehene Kaufmannsfamilie in Lübeck. Johann und Elisabeth („Bethsy“) Buddenbrook (Werner Hinze, Lil Dagover) haben vier Kinder: Thomas, Antonie („Tony“), Christian und Clara.

Im Juni 1845 wirbt Bendix Grünlich (Robert Graf), ein Geschäftspartner Johann Buddenbrooks aus Hamburg, um die 18-jährige Tony (Liselotte Pulver). Bethsy ist entzückt über die Umgangsformen des Bewerbers, Johann schätzt ihn als „christlich, tüchtig, tätig und feingebildet“. Nur Tony mag ihn nicht; sein affektiertes Benehmen ist ihr zuwider, und als ihr die Eltern eröffnen, dass Grünlich um ihre Hand angehalten hat, stöhnt sie: „Was will dieser Mensch von mir! Was habe ich ihm getan?!“ Aber die Mutter redet auf sie ein: „Liebe Tony, wozu dies Echauffement! Du kannst sicher sein, nicht wahr, dass deine Eltern nur dein Bestes im Auge haben, und dass sie dir nicht raten können, die Lebensstellung auszuschlagen, die man dir anbietet. Siehst du, ich nehme an, dass du noch keine entscheidenden Empfindungen für Herrn Grünlich hegst, aber das kommt, ich versichere dich, das kommt mit der Zeit.“

Kurz darauf trifft Grünlich seine Auserkorene allein an und schwärmt von dem „würdigen Leben“ an seiner Seite, das er ihr bieten könne. Da schreit Tony verzweifelt: „Nein, nein! Ich habe ja nein gesagt! Ich gebe Ihnen einen Korb, verstehen Sie das denn nicht, Gott im Himmel?!“

Sie ist froh, als ihr der Vater vorschlägt, die Ferien in der Familie des Lotsenkommandeurs Diederich Schwarzkopf in Travemünde zu verbringen. Thomas bringt sie hin. Auch Diederich Schwarzkopfs Sohn Morten, der in Göttingen Medizin studiert, ist während der Semesterferien zu Hause. Bei Spaziergängen am Strand erzählt er ihr von seinen liberalen Ansichten und dass er heimlich Mitglied einer Burschenschaft sei. Begeistert schreibt Tony ihrem Vater, sie habe sich in Morten Schwarzkopf verliebt. Er werde um ihre Hand anhalten, sobald er Arzt geworden sei. Einige Tage später erscheint Bendix Grünlich bei Diederich Schwarzkopf und beschwert sich: „Ich höre, dass Ihr Sohn, der Herr studiosus medicinae, es sich … unwissentlich zwar … gestattet hat, in meine Rechte einzugreifen, ich höre, dass er die hiesige Anwesenheit des Fräuleins dazu benutzt hat, ihr gewisse Versprechungen abzugewinnen …“ Der knorrige Lotsenkommandeur ruft seinen Sohn zur Ordnung und schickt ihn unverzüglich nach Göttingen.

Tony schreibt nach ihrer Rückkehr in das Stammbuch der Familie: „… verlobte sich am 22. September 1845 mit Herrn Bendix Grünlich, Kaufmann zu Hamburg“.

Anfang 1846 findet die Hochzeit statt.

Thomas Buddenbrook trennt sich von seiner Geliebten, dem Blumenmädchen Anna, und geht für einige Zeit im Auftrag des Familienunternehmens nach Amsterdam. Christian wird zur weiteren Ausbildung bei einem Geschäftspartner nach London geschickt.

Trina, eine Köchin der Familie Buddenbrook, gilt als treu und bieder. Doch sie gerät offenbar unter den Einfluss ihres Liebhabers, eines politisch engagierten Schlachtergesellen, denn als Elisabeth Buddenbrook sie wegen einer missratenen Sauce tadelt, stemmt sie die nackten Arme in die Hüften und keift: „Warten Sie man bloß, Frau Konsulin, dat duert nu nich mehr lang, denn kommt ’ne annere Ordnung in de Saak …“

Im Oktober 1848 wird auch Lübeck von der revolutionären Bewegung in Deutschland erfasst. Johann Buddenbrook gelingt es, von den Stufen des Rathauses aus beruhigend auf die erregte Menge einzureden. Doch auf dem Rückweg wirft jemand einen Stein auf die Kutsche, und der Konsul wird so unglücklich am Kopf getroffen, dass er nicht mehr zu sich kommt und stirbt.

Anfang 1850 sucht Thomas Buddenbrook, der das Familienunternehmen nach dem Tod des Vaters übernommen hat, seine Schwester auf, während Grünlich und Bankier Kesselmeyer (Joseph Offenbach) nebenan konferieren. Tony erfährt, dass ihr Mann zahlungsunfähig ist. Der Bruder fragt, ob sie sich inzwischen an ihren Mann gewöhnt, ihn inzwischen vielleicht sogar lieb gewonnen habe. In diesem Fall würde er den Bankrott Grünlichs durch Gelder aus der eigenen Firma verhindern. Aber Tony lässt keinen Zweifel daran, dass sie ihren Mann nie geliebt hat und lehnt es ab, das Familienunternehmen damit zu belasten.

In diesem Augenblick kommen Grünlich und Kesselmeyer herein. Nach einem kurzen Blick in die Bücher stellt Thomas Buddenbrook klar, dass von ihm keine weitere Hilfe zu erwarten sei. Der Bankier verrät, Bendix Grünlich sei bereits vor vier Jahren pleite gewesen und habe sich nur durch die Mitgift seiner Frau retten können: „Man legt dem rettenden Herrn Papa recht hübsche Bücher vor, allerliebste, reinliche Bücher, in denen alles aufs Beste bestellt ist … nur dass sie mit der rauen Wirklichkeit nicht völlig bereinstimmen …“ Thomas Buddenbrook wundert sich über die Eröffnungen Kesselmeyers, denn der Vater habe sich damals eingehend über den Bräutigam seiner Tochter erkundigt. Da lacht der Bankier und klärt ihn darüber auf, dass die befragten Geschäftsleute Geld in Grünlichs Unternehmen investiert hatten und hofften, aufgrund der Eheschließung ihr eingesetztes Kapital nicht zu verlieren.

Tony kehrt ins Elternhaus nach Lübeck zurück. Ihre Ehe wird im Februar 1850 geschieden.

Im Jahr darauf segelt Christian Buddenbrook, von dem es aus London heißt, er habe sich mehr um die Zerstreuungen der Großstadt als um das Geschäft gekümmert, in die chilenische Hafenstadt Valparaiso.

Im Februar 1856 kehrt Christian Buddenbrook nach achtjähriger Abwesenheit in seine Heimatstadt zurück. Thomas nimmt ihn als Prokuristen in die Firma auf, vertraut ihm die englischsprachige Korrespondenz an und ermahnt ihn, für die Angestellten im Kontor ein gutes Vorbild zu sein. Doch der jüngere Bruder schwadroniert lieber in einem Klub, in dem sich vorwiegend unverheiratete Kaufleute herumtreiben, über seine Reisen und Affären.

Am 20. Juli 1856 schreibt Thomas, der sich geschäftlich in Amsterdam aufhält, seiner Mutter und kündigt seine Vermählung mit Gerda Arnoldsen (Nadja Tiller) an, einer Freundin seiner Schwester Tony. Es handelt sich um die Tochter eines Amsterdamer Kaufmanns, der auch hervorragend Geige spielt.

Seit dem Tod ihres Mannes hält Bethsy Buddenbrook in der Familienvilla sogenannte „Jerusalemabende“ ab, wöchentliche Andachten, an deren Ende jeweils unter den Teilnehmern für Missionszwecke gesammelt wird. Bei so einer Veranstaltung lernen sich die 18-jährige Clara Buddenbrook und Pastor Sievert Tiburtius aus Riga kennen. Sie heiraten im Dezember 1856.

Tony, die einer Einladung ihrer in München mit einem Brauereidirektor namens Niederpaur verheirateten Freundin Eva gefolgt war, kehrt Ende April nach Lübeck zurück. Einige Monate später erscheint der 40 Jahre alte Münchner Hopfenhändler Alois Permaneder (Walter Sedlmayr), den Tony während ihres Besuchs bei Eva Niederpaur kennen gelernt hat. Aufgrund seiner Visitenkarte – X. Noppe & Comp. – begrüßt ihn Bethsy zuerst als Herrn Noppe. Der Besucher korrigiert sie, er sei der „Comp.“ und heiße Permaneder. Auch mit seiner unverwüstlich guten Laune, seinem ungeschliffenen Benehmen und seiner ihr kaum verständlichen Mundart („Es ist halt a Kreiz!“) verwirrt er die Konsulin.

Im Herbst feiert Tony ihre Vermählung mit Alois Permaneder.

Sobald Tonys Mitgift eintrifft, beschließt Alois Permaneder, sein Kapital aus der Firma zu nehmen und sich zur Ruhe zu setzen.

Eines Tages ertappt Tony ihn mit Bábett im Treppenhaus. Es kommt zum Streit. Unverzüglich reist Tony nach Lübeck und lässt sich scheiden.

Am 15. April 1861 können Gerda und Thomas Buddenbrook endlich die Geburt eines Stammhalters feiern: Justus Johann Kaspar („Hanno“).

Clara Tiburtius stirbt im Juli 1864 in Riga an Gehirntuberkulose. Ohne sich mit ihrem Sohn darüber abzustimmen, überlässt Elisabeth Buddenbrook dem Witwer das Erbe, das ihrer Tochter zugestanden hätte. Thomas ist entsetzt über die Eigenmächtigkeit, die bedeutet, dass dem ohnehin angeschlagenen Familienunternehmen beträchtliches Kapital entzogen wird.

Im Frühjahr 1868 drängt Tony ihren Bruder Thomas, dem Ehemann einer Freundin zu helfen. Ralf von Maiboom, der Gutsherr von Pöppenrade bei Rostock, hat Spielschulden und wird von seinen Gläubigern bedrängt. Um rasch Geld aufzutreiben, bietet er die diesjährige Ernte bereits jetzt zum Verkauf an. Senator Buddenbrook will zunächst nichts von dem Vorschlag wissen; dann überlegt er, dass er mit einem erfolgreichen Coup dieser Art einen neuen Aufschwung einleiten könnte. Am 30. Mai reist er nach Pöppenrade und schließt das riskante Geschäft ab.

Nach der 100-Jahr-Feier des Unternehmens am 7. Juli 1868 erfährt er durch eine Depesche, dass die gesamte Ernte in Pöppenrade durch einen Hagelsturm vernichtet wurde.

Gerda Buddenbrook, die das musikalische Talent ihres Vaters geerbt hat, musiziert häufig zusammen mit dem jungen Leutnant René Maria von Throta. Wenn Senator Buddenbrook die beiden musizieren hört, sorgt er sich vor dem heimlichen und dem öffentlichen Skandal, aber er unternimmt nichts.

Hanno lauscht gern der Musik. Während er in den Klavierstunden gute Fortschritte macht, enttäuscht er seinen Vater immer wieder, weil er sich die Firmendaten, die dieser ihm einzutrichtern versucht, nicht merken kann.

Eines Tages blättert Hanno im Familienstammbuch und findet als Letztes den Eintrag über seine Geburt. Darunter zieht er mit dem Federhalter seiner Mutter einen sauberen Strich. Vom Vater zur Rede gestellt, stammelt er: „Ich glaubte … ich glaubte … es käme nichts mehr …“

Elisabeth Buddenbrook stirbt an einer Lungenentzündung. Nur aus Rücksicht auf seine Mutter hat Christian Buddenbrook die Eheschließung mit Aline Puvogel hinausgezögert. Jetzt heiratet er die junge, lebenslustige Frau, die drei Kinder von verschiedenen Männern hat. Nach kurzer Zeit bringt sie ihren hypochondrischen und an Wahnvorstellungen leidenden Mann in eine geschlossene Nervenheilanstalt, und Christian willigt ein, dort zu bleiben.

Hanno stirbt an Typhus.

Nach dem Tod des Lübecker Senators James Möllendorpf setzt Thomas Buddenbrook sich bei der Wahl des Nachfolgers gegen seinen Rivalen Hermann Wagenström durch. Unmittelbar vor der Vereidigung sucht er einen Zahnarzt auf, weil er unter heftigen Zahnschmerzen leidet und sich kaum noch auf den Beinen halten kann. Bei dem Versuch, den kariösen Zahn zu ziehen, bricht die Krone ab. Thomas Buddenbrook taumelt aus der Praxis und wankt zum Rathaus, ohne die Menschen auf der Straße zu beachten, die ihn ehrerbietig grüßen. Während er die Eidformel spricht, bricht er tot zusammen.

Das Familienunternehmen wird geschlossen und die Villa ausgerechnet an Hermann Wagenström verkauft, den schärfsten Konkurrenten der Buddenbrooks, einen neureichen und skrupellosen Geschäftsmann.

Gerda Buddenbrook kehrt nach Amsterdam zurück.

Tony bleibt mit der langjährigen Hausangestellten Ida allein.

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Alfred Weidenmann überspringt in „Buddenbrooks“ eine Generation und setzt mit seiner Geschichte nicht 1835 (wie der Roman von Thomas Mann), sondern erst zehn Jahre später ein. Besonders im zweiten Teil weicht er an einigen Stellen deutlich von der literarischen Vorlage ab. Dabei ging es ihm vermutlich darum, den komplexen Plot des Romans in einen zweiteiligen Spielfilm zu zwängen. Auf diese Weise straffte er zwar die Handlung, verzichtete aber auch auf einige Schlüsselszenen. Immerhin hat Thomas Manns Tochter Erika die Kürzungen offenbar akzeptiert, denn sie gehörte zu den Drehbuchautoren.

Die Maskenbildner waren überfordert, denn auch nach Jahrzehnten sehen Hauptfiguren wie die Geschwister Thomas, Tony und Christian Buddenbrook kaum verändert aus. Dabei sind es gerade die prominenten Schauspieler, die den Film sehenswert machen.

Für die Bauten wurde Robert Herlths mit einem Bundesfilmpreis ausgezeichnet.

Eine Neuverfilmung des Romans durch Heinrich Breloer kam am 25. Dezember 2008 ins Kino: „Buddenbrooks“.

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Inhaltsangabe und Rezension: © Dieter Wunderlich 2002 / 2008

Thomas Mann: Buddenbrooks
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