Werner Bergengruen


Werner Bergengruen wurde am 16. September 1892 als zweiter Sohn eines Arztes in Riga geboren. Als er zehn Jahre alt war, zog seine Familie mit ihm nach Lübeck. Diese „Herausreißung aus [s]einer natürlichen Welt“ empfand Werner Bergengruen später als „die schwerste Verletzung [s]eines Lebens“. Er studierte Germanistik, Theologie und Kunstgeschichte in Marburg, Berlin und München, verzichtete jedoch auf den Studienabschluss, meldete sich 1914 nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs freiwillig zur Kavallerie und brachte es zum Oberleutnant. Anfang 1919 schloss er sich einem baltischen Freischärlerkorps an, das in Riga gegen die Bolschewiken kämpfte.

Im selben Jahr vermählte Werner Bergengruen sich mit Charlotte Hensel. Er betätigte sich als Journalist und veröffentlichte 1923 seinen ersten Roman: „Das Gesetz des Atum“. 1927 zog er mit seiner Familie nach Berlin und neun Jahre später nach München-Solln. 1936 konvertierte der Lutheraner zur römisch-katholischen Kirche. Im Jahr darauf schloss ihn die Reichsschrifttumskammer aus („da Sie nicht geeignet sind, durch schriftstellerische Veröffentlichungen am Aufbau der deutschen Kultur mitzuarbeiten“). Nach der Zerstörung seines Hauses durch einen Bombentreffer kamen die Bergengruens im Jagdhaus von Freunden in Achenkirch (Tirol) unter. Von 1946 bis 1958 wohnten sie in Zürich. Zuletzt lebten sie in Baden-Baden. Dort starb Werner Bergengruen am 4. September 1964.

Bis in die Sechzigerjahre wurde Werner Bergengruen nicht nur im Deutschunterricht viel gelesen. Nach 1968 galten seine konservative Ethik und mehr noch seine unerschütterliche Überzeugung, die Welt sei gut und von Gott geschaffen, als überkommen.

Im Jahr vor seinem Tod hatte Werner Bergengruen mir mit der Hand geschrieben:

Sehr geehrter Herr Wunderlich,
[…] Ich glaube, Sie suchen zu sehr nach Ideen (also nach dem Abstrakten) und ich weiß nicht, ob das der Kunst gegenüber der förderliche Ausgangspunkt ist. Die Kunst hat es nie direkt mit der Idee zu tun, sondern mit der Gestalt; die Idee, oft schwer definierbar und der Definition kaum bedürftig, steckt in der Gestalt, also im Konkreten. Von da aus teilt sie sich mit, sie braucht dem Aufnehmenden nicht einmal bewusst zu werden. Wer etwas sagen will, gerät leicht ins Abstrakte, Didaktische oder Tendenziöse […]
Herzliche Grüße und viele gute Wünsche,
Ihr Werner Bergengruen
(Werner Bergengruen 1963)

Werner Bergengruen: Bibliografie (Auswahl)

  • Das Gesetz des Atum (Roman, 1923)
  • Rosen am Galgenholz (Erzählungen, 1923)
  • Das Brauthemd (Erzählungen, 1925)
  • Das Buch Rodenstein (Novellen, 1927)
  • Das Kaiserreich in Trümmern (Roman, 1927)
  • Herzog Karl der Kühne oder Gemüt und Schicksal (Roman, 1930)
  • Der tolle Mönch (Erzählungen, 1930)
  • Die Woche im Labyrinth (Roman, 1930)
  • Der goldene Griffel (Roman, 1931)
  • Zwieselchen (Kinderbücher, 1931; in einem Band: 1933)
  • Der Wanderbaum (Gedichte, 1932)
  • Die Feuerprobe (Erzählung, 1933)
  • Die Ostergnade (Erzählung, 1933)
  • Der Teufel im Winterpalais (Erzählung, 1933)
  • Der Großtyrann und das Gericht (Roman, 1935)
  • Rose von Jericho (Gedichte, 1936)
  • Die drei Falken (Erzählung, 1937)
  • Der ewige Kaiser (Gedichte, 1937)
  • Die drei Falken (Novelle, 1937)
  • Der Starost (1938; Neufassung des Romans „Das große Alkahest“, 1926)
  • Die verborgene Frucht (Gedichte, 1938)
  • E. T. A. Hoffmann (Biografie, 1939)
  • Der Tod von Reval (Geschichten, 1939)
  • Die Leidenschaftlichen (Erzählung, 1939)
  • Am Himmel wie auf Erden (Roman, 1940)
  • Der spanische Rosenstock (Novelle, 1941)
  • Das Hornunger Heimweh (Erzählung, 1942)
  • Dies irae (Gedichte, 1945)
  • Die Sultansrose (Erzählungen, 1946)
  • Das Beichtsiegel (Erzählung, 1946)
  • Sternenstand (Erzählung, 1947)
  • Pelageja (Roman, 1947)
  • Die Hände am Mast (Erzählung, 1948)
  • Das Feuerzeichen (Roman, 1949)
  • Die heile Welt (Gedichte, 1950)
  • Die letzte Reise (Erzählung, 1950)
  • Der letzte Rittmeister (Roman, 1952)   Romantrilogie
  • Der Pfauenstrauch (Erzählung, 1952)
  • Nachricht vom Vogel Phönix (Erzählung, 1952)
  • Die Flamme im Säulenholz (Erzählungen, 1952)
  • Die Sterntaler (Erzählung, 1953)
  • Die Rittmeisterin (Roman, 1954)   Romantrilogie
  • Die Fahrt des Herrn von Ringen (Erzählungen, 1955)
  • Die Zwillinge aus Frankreich (Erzählungen, 1955)
  • Mit tausend Ranken (Gedichte, 1956)
  • Das Netz (Erzählung, 1956)
  • Hubertusnacht (Erzählung, 1957)
  • Figur und Schatten (Gedichte, 1958)
  • Zorn, Zeit und Ewigkeit (Erzählungen, 1960)
  • Der dritte Kranz (Roman, 1962)   Romantrilogie
  • Die Schwestern aus dem Mohrenland (Erzählung, 1963)
  • Räuberwunder (Erzählung, 1964)
  • Dichtergehäuse (Autobiografie, 1966)

© Dieter Wunderlich 2006

Werner Bergengruen: Der Tod von Reval

T. C. Boyle - World's End
T. C. Boyle nennt "World's End" eine "historische Fuge". Der Roman ist denn auch polyphon und spiegelt die Themen auf verschiedenen Zeit­ebenen. Mit überbordender Fabulier­lust, viel Sarkasmus und Sprachwitz entwickelt T. C. Boyle die komplexe Familiengeschichte.
World’s End

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